Leckortung – wie geht das?

Leckortung - wie geht das?

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Mit einer Leckortung verbinden viele immer noch zeitintensive Stemmarbeiten „auf Verdacht“. Das ist allerdings längst nicht mehr der letzte Stand der Technik, denn mit einer „zerstörungsfreien Leckortung“ lassen sich Leckagen in vielen Fällen rasch ohne Folgeschäden ausfindig machen. Durch bauliche Mängel verursachte Leckagen erfordern jedoch meist eine umfassendere Gebäudeuntersuchung, die kleinere Eingriffe in die Gebäudesubstanz erforderlich machen.

 

Wie wird eine Leckortung durchgeführt?

Meist ist es auf den ersten Blick nicht feststellbar, wo das Leck zu finden ist. In Frage kommen Heizungs-, Wasser- und Abflussleitungen oder auch undichte Stellen an der Gebäudehülle wie z.B. in Fundamenten, erdverbundenen Bauteilen, Flachdächern oder Wärmedämmungen. Durch den Einsatz moderner Verfahren können erfahrene Messtechniker undichte Stellen rasch orten, womit sich Suchzeiten und Kosten um ein Vielfaches reduzieren.

„Bevor aufgestemmt wird, ist es am besten, eine zerstörungsfreie Leckortung durchführen zu lassen. So können viele der Schadstellen punktgenau gefunden und Kosten für die Folgesanierung gespart werden“ erklärt SANAG Geschäftsführer Gerhard Aigner, „dabei gehen wir bei der Schadensuche grundsätzlich nach dem Ausschlussprinzip vor. Sämtliche Bauteile sowie die wasser- und abwasserführenden Leitungen werden überprüft, bis die Leckage gefunden wird.  “

Die unterschiedlichen Verfahren werden häufig in Kombination angewendet, da je nach örtlichen Gegebenheiten und Schadensfall der Einsatz mehrerer Verfahren erforderlich sein kann. Zerstörungsfreie Leckortungsverfahren eignen sich vor allem für Leckagen an Heizungs-, Wasser- und Abflussleitungen. Wenn der Schaden allerdings in einem baulichen Mangel vermutet wird, ist meist eine umfassende Gebäudeuntersuchung laut ÖNORM B 3355-1 erforderlich.

 

1. Leckortung Wasserleitung und sonstige Leitungen

Selbst ein kleines Leck in der Wasserleitung kann enorme Schäden verursachen – von Schimmelbildung über feuchte Wände bis hin zu stark beeinträchtigten Gebäudesubstanzen. Die Ursachen sind vielfältiger Natur – Korrosion, Frost, Material- und Herstellungsfehler, Verlegefehler oder Materialermüdung können für das Leck verantwortlich sein. Um das Leck punktgenau festzustellen, setzen professionelle Leckortungsfirmen wie SANAG zerstörungsfreie Leckortungsverfahren ein:

  • Feuchtigkeitsmessung
  • Elektro-Akustik Verfahren
  • Ultraschallverfahren
  • Tracergas
  • UV-Färbemethode
  • Infrarot-Thermografietechnik
  • Computer-Korrelation
  • Endoskopieverfahren

 

2. Leckortung Flachdach

Mechanische Einflüsse, Regen, Hagel, Schnee und Sonnenstrahlung setzen der Dachfläche zu. Die Folge sind durch Undichte und Feuchtigkeit verursachte Schäden, die möglichst rasch behoben werden sollten. Denn wird das Flachdach undicht, kann der Sanierungsaufwand schnell sehr kostspielig werden. Grundsätzlich ist bei der Sanierung eines Flachdaches nicht nur die Leckortung wichtig, sondern auch eine umfassende Schadensanalyse bzw. Gebäudeuntersuchung, die in weiterer Folge die Grundlage der erforderlichen Maßnahmen zur Wasserschadensanierung bildet:

  • Zerstörungsfreie Leckortung (je nach Gegebenheiten, z. B. Tracergasverfahren, Infrarotthermografie, Elektro-Akustikverfahren)
  • Analyse der Ursache
  • Zustandsanalyse
  • Inspektion von Dachaufbauten, Regenwasserabflüssen und Versorgungsleitungen

Damit die Dachstruktur intakt bleibt und kostenintensive Sanierungsmaßnahmen erst gar nicht notwendig werden, empfiehlt sich bei einem Flachdach in regelmäßigen Abständen eine präventive Leckortung durchführen zu lassen.

 

3. Leckortung Fußbodenheizung

Für die Leckortung in Fußbodenheizungen ist das Verfahren der Infrarot-Thermografie das Mittel der Wahl. Da Warmwasserleitungen Wärmestrahlung abgeben, verursachen austretende Flüssigkeiten Temperaturveränderungen in Dämmung oder Mauerwerk. Eine spezielle Infrarotkamera macht diese Temperaturveränderung sichtbar und ermöglicht die genaue örtliche Bestimmung des Lecks.

 

Wie funktionieren die Leckortungsverfahren?

Das Finden eines Lecks macht oft den Einsatz mehrerer Methoden notwendig. Spezielles Know-How und entsprechende Erfahrung in der Methodenanwendung sind daher für eine erfolgreiche Leckageortung erforderlich.

1. Feuchtigkeitsmessung

Die sichtbaren Stellen eines Wasserschadens sind selten auch die Schadensstellen. Mit einem Feuchtigkeitsmessgerät kann man schnell und sicher eine zerstörungsfreie Bestimmung der Feuchteverteilung in Baumaterialien wie Holz, Putz, Beton, Estrich, Mörtel, etc. vornehmen. Dabei wird durch Elektroden der elektrische Widerstand eines Baustoffes bestimmt. Der elektrische Widerstand verändert sich in Abhängigkeit von der Feuchte des Materials und erlaubt somit Rückschlüsse auf den Feuchtigkeitsgehalt des Baustoffes.

2. Druckprüfung

Bei einer Druckprüfung werden einzelne Abschnitte der Rohrleitung vom Rohrleitungsnetz abgesperrt und mit Druckluft befüllt. Mit einem Manometer wird dann der Luftdruck im Inneren der Rohrleitung überwacht. Bleibt der Druck konstant, ist die Leitung dicht. Bei einem Druckverlust ist ein Leck vorhanden. Diese Methode wird dann angewendet, wenn mehrere Rohrleitungen nahe beieinander liegen und festgestellt werden soll, welche davon eine Leckage aufweisen. Um das Leck punktgenau zu orten, kann anschließend die Tracergasmethode oder eine elektro-akustische Methode angewendet werden.

3. Elektro-akustische Verfahren

Das elektro-akustische Verfahren ist eine Horchmethode, bei der Wechselstrom und hochempfindliche Mikrofone zum Einsatz kommen. An einer Leckstelle entsteht meist ein Geräusch, das sich nach beiden Seiten der Leckstelle ausdehnt. Mit dem Kontaktmikrofon kann dieses Geräusch wahrgenommen werden. Je näher sich das Leck befindet, desto höher wird der Ton. An der Stelle mit dem höchsten Ton befindet sich das Leck. Da sich bei Kunststoffleitungen der Schall nur in geringem Ausmaß verbreitet, ist das elektro-akustische Horchverfahren in erster Linie bei Metallleitungen sinnvoll.

8. Ultraschallmesstechnik

Die Ultraschallmessung ist ein Horchverfahren, das auch Ultraschallwellen erfassen kann. Wie beim akustischen Horchverfahren kommen auch hier hochempfindliche Mikrofone zum Einsatz, mit denen die Leckgeräusche erkannt werden können. Die Hörbarkeit der Strömungsgeräusche wird bei Bedarf durch den Einsatz von Druckluft oder Tracergas, anstelle von Wasser, erhöht.

4. Tracergas

Wenn mit der elektro-akustischen Methode das Leck nicht erfasst werden kann, wird in der Regel das Tracergasverfahren eingesetzt. Die Rohrleitungen werden entleert, mit einem geeigneten Gasgemisch aus Stickstoff und Wasserstoff gefüllt und danach mit leicht erhöhtem Überdruck verschlossen. Mittels eines hochsensiblen Sensors kann das austretende Gas dann im einstelligen ppm-Bereich (ppm – part per million) gemessen werden. Das Gas diffundiert auch durch relativ dichte Massen wie Beton, Estrich und Fußbodenbelege und lässt sich mit Hilfe des Tracergasmessgerätes punktgenau feststellen.

5. UV-Färbemethode

Um Leckagen in Abwasserleitungen oder Balkonabdichtungen zu finden, wird ein UV-Färbemittel mit Wasser gemischt und in Abwasserleitungen eingeführt oder auf Balkonabdichtungen verteilt. Das Leck kann daraufhin mittels einer UV-Lampe sichtbar gemacht werden.

6. Infrarot-Thermografie

Mit Hilfe einer Infrarot-Thermografiekamera werden bei diesem Hightech-Verfahren Leckagen an Leitungen durch die Erfassung von Wärmestrahlung und Temperaturunterschieden sichtbar gemacht. Die Thermografie macht sich den Umstand zunutze, dass eindringendes Wasser einen Temperaturunterschied zur Umgebung aufweist. Durch die Messung der Oberflächentemperatur lassen sich undichte Stellen in Leitungen somit sehr gut ausmachen.

7. Computer-Korrelation

Computer-Korrelation ist eine rechnergestützte Methode zur Ortung von Leckstellen. Zwei Funkmikrofone nehmen das Leckgeräusch auf und senden es per Funk an den Leckrechner (Korrelator). Da sich das vom Leck verursachte Geräusch in beide Richtungen der Leitung mit einer bestimmten Geschwindigkeit ausbreitet, ergibt sich aus der unterschiedlichen Laufzeit des Geräuschs zu den Mikrofonen eine Laufzeitdifferenz. Daraus lässt sich dann die Leckposition genau bestimmen.

9. Endoskopie

Beim endoskopischen Verfahren werden starre oder flexible Endoskope durch Öffnungen von 4 – 10 mm Durchmesser in Wand- oder Bodenschächte eingeführt, um undichte Stellen aufzuspüren. Die Methode kommt vor allem bei Vormauerungen und Hohlräumen zum Einsatz (Abwasserleitungen, Entwässerungsleitungen, Kanäle, Schächte, Holzbalkenkonstruktionen, Räume unterhalb von Badewanne und Dusche).

10. Färbemittel Methode

Färbemittel werden in der Regel dann zur Leckageortung eingesetzt, wenn im Vorfeld die Dichtigkeit der wasserführenden Ebene eines Flachdachs überprüft werden soll. Auch zur Feststellung von Abflussleckagen oder zur Leckortung in Fußbodenheizungen ist deren Einsatz sinnvoll.

10.  Gebäudeuntersuchung

Nicht immer ist eine zerstörungsfreie Leckortung zum Auffinden von Leckagen geeignet. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich um Wasserschäden durch bauliche Mängel handelt. Die Gebäudeuntersuchung laut ÖNORM B 3355-1 ist in solchen Fällen der beste Weg, um Schadensverursacher an einem Gebäude festzustellen. Im Rahmen einer Gebäudeuntersuchung erfolgt die Ortung von Schadstellen im Gebäude anhand von Materialproben, wobei die Proben durch Bohren oder Stemmen an mehreren Messpunkten entnommen und zur chemischen Analyse in ein geeignetes chemisches Labor eingeschickt werden. Die in der chemischen Analyse ausgewerteten Feuchte- und Salzwerte geben dann detaillierten Aufschluss über die Art der Schäden und erforderlichen Sanierungsmaßnahmen wie etwa Entfeuchtung oder Mauertrockenlegung.

 

Wie lange dauert eine Leckortung?

Leckortungsarbeiten dauern im Durchschnitt zwei bis drei Stunden, es kann jedoch unter Umständen ein erhöhter Zeitaufwand entstehen.

 

Was kostet eine Leckortung?

Für Leckortungsarbeiten werden rund € 350,- bis € 400,- verrechnet. In diesem Preis inbegriffen sind in der Regel die erforderlichen Leckortungsgeräte sowie die An- und Abfahrtszeiten. Materialien, wie z. B. Ortungsgas, werden häufig zusätzlich in Rechnung gestellt.

 

Wer zahlt Leckortung?

Da Versicherungsgesellschaften daran interessiert sind, den Wasserschaden durch eine Profi-Leckortung möglichst gering zu halten, werden die Kosten der Leckortung in der Regel von der Haushaltsversicherung oder Gebäudeversicherung übernommen. Folgende Voraussetzungen sind zu beachten:

  • Der Wasserschaden muss sofort der Versicherung gemeldet werden.
  • Die Ursache des Wasserschadens muss versichert sein.
  • Wird ein Gutachter benötigt, dann wird der Sachverständige meist direkt von der jeweiligen Versicherung beauftragt und somit auch bezahlt. Wer einen eigenen Gutachter beauftragt, muss für die Kosten selbst aufkommen.

Die Abwicklung mit der Versicherung wird meist von der beauftragten Leckortungsfirma übernommen.

 

Fazit: Profi beauftragen lohnt sich

Wie schon aus der Aufzählung der unterschiedlichen Methoden deutlich wird, benötigt man für die Leckortung spezielle Messgeräte und das Know-How, um damit umgehen zu können. Eine Leckortung in Eigenregie muss nicht unbedingt zum Scheitern verurteilt sein, wird aber in den meisten Fällen aufgrund der Kosten für Leckortungsgeräte und Schadensbeseitigung ökonomisch nicht sinnvoll sein – insbesondere auch unter dem Aspekt der Kostenübernahme durch die Versicherung. Die Beauftragung eines Spezialisten löst das Problem zudem wesentlich rascher und mit entscheidend geringerem Schaden am Gebäude.

 

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Eveline Stopfer ist freie Bloggerin und schreibt für Unternehmen, Online-Plattformen und Fachzeitschriften.