Bart ist Kult. Die besten Bartpflege Tipps und Barber Shops!

Barber Shop, Bartpflege

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Der Bart ist ab! Der Albtraum jedes Hipsters und Lumbersexuals könnte laut letzten Medienmeldungen bald wahr werden. Der New Yorker David Infante propagiert auf Mashable den „Yuccie“, den meist glatt rasierten Young Urban Creative. Und dabei haben wir uns so schön an die Bärtevielfalt gewöhnt! Auch daran, dass er so wie damals zu Zeiten des Metrosexuellen länger im Badezimmer braucht als sie. Aber weil Trends ja gut und gerne zehn Jahre brauchen bis sie bei uns alltäglich werden, kommen hier die besten Tipps und Tricks zur Bartpflege. Es gibt drei Gruppen von Bartträgern – wertfrei aus weiblicher Perspektive betrachtet:

  • Schnuckelige Jungs, atemberaubende Augensterne, schlicht geile Kerle mit Bart. Kurz Männer, die einfach richtig gut aussehen – das würden die auch ohne Bart, räusper.
  • Typen, denen Bart nicht steht, und die sind ein wirklich außerordentlich exklusiver Kreis. Ein Vollbart steht fast jedem.
  • Männer, die mit Bart interessanter aussehen als ohne. Die finde ich ja für uns Frauen fatal: die männliche Mogelpackung! Aber Schummeln ist erlaubt. Schließlich sind wir die Königinnen der optischen Täuschung. Ich sage nur Make-Up und Push Up. Trotzdem: Mädels, schaut ruhig zwei Mal hin, denn hinter so manchem Holzfällerbart verbirgt sich ein handfester Softie …

Was muss man(n) beim Wachsenlassen eines Bartes beachten?

Ein guter Bart ist fast so ein Schmuckstück wie eine nennenswerte Armbanduhr oder ein kunstvolles Tattoo. Also: Let it grow, Baby! Lass ihn ‚mal, dann siehst du schon: Ob er löchrig ist, ob er dich nervt, ob er dich cool, wie einen Holzfäller, einen Hipster, ultimativ männlich oder verkleidet aussehen lässt. Wenn er juckt, auch noch nach dem früher so angesagten Dreitagesbart-Stadium, machst du etwas falsch. Dein Bart braucht nämlich täglich intensive Zuwendung!

 Bartpflege: Wie geht das?

Natürlich kannst du so aussehen wollen wie nach drei Monaten Aussteigen in Griechenland oder schwerem Liebeskummer. Das dürfte aber die Ausnahme sein. Sexy ist bei Bart gleichbedeutend mit gepflegt. Spätestens, wenn dich keine/r mehr küssen will, weißt du, dass da etwas ziemlich schief läuft. Barthaare sind nämlich von Natur aus pieksig!

Die tägliche Routine zur Reinigung und Pflege eines Vollbartes verbraucht etwa so viel Zeit wie eine perfekte Glattrasur.
Mr. Unwiderstehlich benötigt diese sieben Schritte:

  • Rasieren.
    Könner machen’s mit dem Messer und einem durchsichtigen Rasiergel. Wangen und Hals sollen danach glatt sein und der Vollbart noch da – symmetrisch in den Konturen bitteschön.
  • Trimmen.
    Der Bart selbst bleibt mit Schere oder Trimmer in Form. Einmal gegen den Strich mit der Bartbürste, danach in die gewünschte Form kämmen und die Ausreißer wegschnippeln.
  • Waschen.
    Der Bart wird täglich mit Bartshampoo gereinigt. Haarshampoo geht auch, aber bitte ein mildes, sonst reagiert die Haut unter dem Bart mit Irritationen und Juckreiz.
  • Trocknen.
    Die Föhnluft bitte nicht zu heiß oder heftig, aber das weiß man, denn das mag die Kopfhaut ja auch nicht.
  • Ölen.
    Barthaare sind dick, borstig, widerspenstig und wunderbar. Bartöl macht sie weich, kämmbar, geschmeidig und wohlriechend. (Jungs mit Eiern verwenden übrigens nicht andauernd „ihren“ Conditioner. Ich sag’s nur.)
  • Bürsten.
    Jetzt wird gebürstet, was das Zeug hält. Oder gekämmt. Das bringt den Bart nicht nur in die gewünschte Form, sondern durchblutet auch die Haut darunter.
  • Waxen.
    Mit Bartwachs, Bartwichse und Bartpomade kann man die Form gut fixieren, besonders die eines Oberlippenbartes, und noch eine Portion Duft und Glanz in die ganze Sache bringen.
    Also Ladies: Was dürft ihr nie machen? Richtig. Niemals, niemals, niemals seinen Bart kraulen!
Baber Shop Bartpflege

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 Was braucht man für die Bartpflege zuhause?

  • einen ordentlichen Spiegel mit gutem Licht
  • ein Pre-Shave Produkt (manche sind auch als After-Shave verwendbar)
  • hin und wieder ein Peeling
  • etwas zum Rasieren: Creme, Gel, Schaum, Seife, Öl, gegebenenfalls samt Rasierpinsel
  • Wasser und eine ruhige Hand
  • Rasiermesser, Ersatzklingen, Schleifstein, Edelstahlschere (aus dem Spezialgeschäft bzw. Barbershop)
  • Beard-Kit, Systemrasierer, Elektrischer Rasierer und Trimmer (beim Elektrohändler)
  • Blutstiller (aus der Apotheke)
  • After Shave, beruhigend und feuchtigkeitsspendend
  • ein Bartshampoo
  • Fön
  • Öle und/oder Lotion
  • einen Bartkamm oder eine Bartbürste
  • Bartwachs

Das klingt mühsam? Das geht Schritt für Schritt und wird bald zum Genuss und geliebten Ritual. Sonst würden es nicht so viele täglich tun.

Wo kann ich Bartpflegeprodukte kaufen?

Bartpflegeprodukte gab es bis vor ein paar Jahren schlicht und einfach nicht im Haushalt oder wenn, dann nur aus Opas Nachlass. Heute gehört es für jede  halbwegs vernünftige Männerpflegeserie zum guten Ton eine Dreifaltigkeit aus Haut-, Haar- und Bartpflegeprodukten anzubieten. Oft sind Bartpflegeprodukte hochwertige Naturkosmetika und nicht nur im Barbershop zu finden. Die Produktpalette wächst praktisch täglich und es ist für jede Geldbörsengröße etwas dabei. Es zahlt sich aus, die Augen offen zu halten, denn Bartpflege- und Rasurprodukte findet man oft in Geschäften, in den man sie nicht vermuten würde:

Staudigl Naturparfumerie Die wohl sortierte Fachdrogerie hatte schon immer einen guten Riecher für Trends – besonders im Bereich Natur pur. Man führt zum Beispiel Produkte von „Brooklyn Soap Company“. Kompetente, freundliche Beratung vor Ort inklusive. Staudigl Naturparfumerie, 1010 Wien

Friseurbedarf Hairbase Dieser Ausstatter von Friseurgeschäften hat sich auf Bartpflegeprodukte spezialisiert. Auch der Endverbraucher darf hier einkaufen. Friseurbedarf Hairbase, 1180 Wien

Esbjerg: Shaving and Bodycare Dieses wunderschöne Geschäft beschäftigt sich schon seit sage und schreibe über 25 Jahren mit Rasur- und Bartpflegeprodukten und führt neben der eigenen Naturkosmetik auch viele internationale Marken. Dringende Empfehlung für Einsteiger! Esbjerg, 1010 Wien

Stattgarten Ein Paradies für Fans von Biokosmetik für Männer und Frauen. Hier findet man viele Marken, die sonst keiner in der Hauptstadt führt: „Beard Wash“ von Oak zum Beispiel. Stattgarten, 1050 Wien

Wo kann ich meinen Bart schneiden, trimmen, pflegen lassen?

Barbershops sind Orte, an denen sich Männer Bart und Haupthaar pflegen lassen können. Und die Seele. Gleichzeitig gelten sie als einer der letzten Rückzugsorte für „richtige Männer“. Barberien sind also wahre Insel der Männlichkeit. Wo man andernorts Espresso und Prosecco reicht, gibt es hier hausgemachte Limonaden und Whiskey. Barbershops sind so beliebt, dass man ohne einen Termin zu buchen wohl kaum in den Genuss einer Behandlung kommt. Im Mittelalter war der Barbier zusätzlich auch noch der Zahnarzt, aber das ist Gott sei dank vorbei. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, vermehrt zu Hause zu rasieren, was dem Gewerbe Herrenfriseur schon sehr zugesetzt hat. Die Renaissance begann vor etwa zehn Jahren und ist auch bereits in Österreich angekommen. Jeder Friseur lernt im Rahmen seiner Berufsausbildung auch Bartstyling. Aber es gibt hierzulande durchaus Spezialisten, die Barber. Im Salon fängt das Ritual mit dem Niederlassen in den genialen Behandlungsstühlen an: gepolstert, retro, fett. Dann folgt das Einmassieren der Pre-Shaving-Cream und die Anwendung von warmen Kompressen, um die Haut optimal auf die Rasur vorzubereiten. Bevor ich jetzt total neidisch werde, kommen jetzt die besten Adressen in Wien:

Brothers‘ Barbershop

Seit April 2015 werden Wiens Männer im extrem lässigen, waschechten Barbershop im Bezirk Neubau verschönert. Gegründet wurde Brother’s Barbershop von den Brüdern Ilya Sovtsov und Ivan Perevarin. Vintage Friseurstühle sind in so einem Laden obligatorisch, den Rest des großen Raumes haben die beiden mit ihrer Hände Arbeit liebevoll renoviert und sehr cool gestaltet. Dass man(n)  sich hier wohl fühlt, kann frau verstehen. Bartservice ab Euro 30, die Kombination aus  Haircut & Beard Trim gibt es zum Beispiel um Euro 60.

Brothers‘ Barbershop, 1070 Wien

Ossig Barber

Der Friseur Ossig hatte schon damals Bart getragen als ich noch ein kleines Mädchen war und das ist verdammt lange her. Der Mann kennt sich aus. In dem klaren, hellen Salon auf zwei Etagen wird mit dem ganzheitlichen Pflegekonzept von La Biosthétique gearbeitet, auch Pioniere … Bartservice von Euro 13,50 bis 38,50.

Ossig Barber, 1010 Wien

Kann man(n) Bartpflege selber lernen?

Alles kann man lernen. Wer es ganz ernst meint, geht nach London, wo sich die renommiertesten Barber-Schools befinden. In Österreich und Deutschland gibt es (noch) keine institutionalisierte Ausbildung. Innerhalb von zehn Wochen erhält man in UK gegen gutes Geld eine fundierte Schulung. Für ambitionierte Laien gilt die Empfehlung, sich mit anderen Bartträgern auszutauschen und dem Barber gut auf die Finger zu sehen – und üben, üben, üben. Auf Youtube habe ich übrigens keine nennenswerte Anleitung gefunden. Die Firma Esbjerg bietet immer wieder sehr beliebte Rasier-Workshops an. So einen könnte man(n) sich von der Liebsten wünschen … Aber andererseits habe ich schon viele Männer darüber lamentieren hören, dass beim Selbermachen etwas schief gegangen ist. Ich plädiere im Zweifelsfall für den Besuch beim Profi. Überhaupt, wenn die Fades des Bartschnittes eher kurz sind. Alle vier, fünf Wochen zum Barber Shop und Friseur, Jungs! Warum sollte es euch besser gehen als uns Mädels?

Baber Shop Bartpflege

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In einem der berühmtesten Barber Shops Europas, dem Schorem in Rotterdam, ist der Zutritt für Frauen übrigens verboten. Wer einen Blick in diesen geschützten Rückzugsort, diesen Hort der Männlichkeit wagen will, schaut hier rein.

Das sich durch alle gesellschaftlichen Schichten ziehende Phänomen des Bartkults treibt auch extreme Blüten. Und ich meine jetzt nicht die Bart-Weltmeisterschaft – das ist eine ganz andere Geschichte. Sondern, dass Bartfans mit löchrigem Gesichtspelz sich zur Opimierung ihres haarigen Erscheinungsbildes angeblich vermehrt unters Messer legen. Plastische Chirurgen verzeichnen einen deutlichen Anstieg bei der Nachfrage nach Gesichtshaartransplantation.

Aber was wirklich tun, wenn es auf Gesicht, Kopf und Brust nur spärlich wuchert? Nicht verzweifeln. Individualität ist eine feine Sache und glatt rasiert wie der sprichwörtliche Babypopo konnte und kann man bei Frauen immer noch massiv punkten. Ein Mann, der sich gerade sorgfältig frisch rasiert hat, damit er der Angebeteten beim Schmusen nur die Schamesröte ins Gesicht treibt und keine schmerzhaften Irritationen, ist schlicht und ergreifend unwiderstehlich.
Also, was denkt ihr: Bart oder nicht Bart? Das ist hier die Frage!

Noch ein letztes Wort zum Yuccie:
Der sogenannte Young Urban Creative trägt keinen Vollbart, sondern eher zarte Brillen, die ihm einen intellektuellen Touch verleihen, bleiche Haut und schmale Schultern. Er ist angeblich daran interessiert mit seinem Start-Up möglichst schnell reich zu werden und will gleichzeitig nicht auf seine Unabhängigkeit verzichten. Es ist karrierebewusst und gebildet. Deswegen zeigt er auch seine Tattoos im Alltag lieber nicht. Klingt beziehungslos und narzisstisch?
Also, wenn das alles stimmt, und es den Yuccie wirklich gibt, dann bin ich ab sofort der größte Fan von Lumbersexuals, Normalos und Hipstern überhaupt!



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