Vienna Calling! Der Zentralfriedhof und seine Ehrengräber

Ehrengräber am Zentralfriedhof, Grab von Falco

Die Ehrengräber am Zentralfriedhof ziehen Jahr für Jahr tausende Besucher an. Foto: Adobe Stock, (c) bietau

Touristen mit Trekkingschuhen, Audioguide und Fotoapparat: Am Wiener Zentralfriedhof kein ungewöhnliches Bild. Pro Jahr kommen mehr als 100.000 Besucher in die Totenstadt. Die Wiener selbst nehmen den Todes-Tourismus gelassen, immerhin hat man die Stadt schon immer mit der Vergänglichkeit assoziiert. Zum 100-jährigen Jubiläum der Simmeringer Totenstadt singt Wolfang Ambros:

Wann’s Nocht wird über Simmering, kummt Leben in die Toten,
und drüb’n beim Krematorium tan’s Knochenmork ohbrot’n.
Dort hinten bei der Marmorgruft, durt stengan zwa Skelette,
die stess’n mit zwa Urnen on und saufen um die Wette!

(„Es lebe der Zentralfriedhof“, Quelle: songtexte.com)

Wie die Ehrengräber auf den Zentralfriedhof kamen

Im Tanz mit dem Tod sind die Wiener Meister. Was viele aber nicht wissen: Ehrengräber am Zentralfriedhof gab es nicht von Anfang an. Und es gab eine Zeit, in der die Wiener ihn am liebsten zum Teufel gewünscht hätten. Als die Totenstadt 1874 eingeweiht wurde, gab es nämlich noch keine direkte Verbindung von Wien nach Simmering. Wer liebe Verstorbene besuchen wollte, war also einen halben Tag lang unterwegs. Eine Wiener Tageszeitung von 1874 bringt die Verärgerung der Bürger auf den Punkt: „Eine Stunde Fahrzeit, zwischen Schlachthäusern und Heide und Bauern, und wofür?“ (Quelle: Wikipedia)

Ködern mit berühmten Toten

Die Reaktion des Gemeinderats fiel typisch wienerisch aus: Anstatt in eine direkte Anbindung zu investieren, sollten die Menschen mit Zeremoniell und Totenkult nach Simmering gelockt werden. Zu diesem Zweck beschloss der Gemeinderat die Überführung sämtlicher „prominenter Überreste“ von anderen Wiener Friedhöfen und eröffnete 1885 die Ehrengrabanlage. Einer der ersten, die „übersiedelt“ wurden, war Johann Strauß Vater (1804-1849).

Der Plan des Gemeinderats ging auf: Die Beisetzungen wurden als öffentliches Ereignis stilisiert und lockten die Massen an. Heute haben mehr als 1000 berühmte Persönlichkeiten ihr letzte Ruhestätte am Zentralfriedhof. Zur besseren Übersicht sind die berühmten Toten zu Gruppen zusammengefasst. Am häufigsten besucht werden folgende Ehrengräber:

  • Musiker: Gruppe 32 A
  • Schauspieler: Gruppe 32 C
  • Falco: Gruppe 40
  • 20. Jahrhundert: Gruppe 33 G

Übrigens: Bis heute ist die Zuerkennung eines Ehrengrabes, das auf Friedhofsdauer gewidmet wird, die höchste Anerkennung, die einem Wiener Bürger zu Teil werden kann.

 

Wer liegt am Zentralfriedhof?

Wer die Ehrengräber am Zentralfriedhof seine letzte Ruhestätte nennt, hat sich durch außergewöhnliche Leistungen in den Bereichen Kunst, Wissenschaft oder Politik in das kulturelle Gedächtnis Österreichs eingeschrieben. Je nachdem, für welche Gruppe du dich interessierst, erreichst du die Ehrengräber am besten über Tor 2 oder 3 des Zentralfriedhofs. Zu den bekanntesten Ehrengräbern neben Falco (1957-1998) und Udo Jürgens (1934-2014) zählen:
  • Karl Lueger, Politiker (1844-1910)
  • Ludwig van Beethoven, Komponist (1770-1827)
  • Helmut Qualtinger, Schauspieler (1928-1986)
  • Wolfgang Amadeus Mozart, Komponist (1756-1791)
  • Franz Werfel, Dichter (1890-1945)
  • Arthur Schnitzler, Schriftsteller (1862-1931)

Wo liegt Falco? Ehrengrab von Johann Hölzel

„Muss ich denn sterben, um zu leben?“ Als Falco (bürgerlich Johann Hölzel) am 06. Februar 1998 an den Folgen eines Autounfalls stirbt, steht ganz Wien unter Schock. Die sterblichen Überreste des Ausnahmekünstlers werden aus der Dominikanischen Republik überführt und Falco wird am 14. Februar in der Ehrengrabanlage der Simmeringer Totenstadt beigesetzt. Mehr als 4.000 Fans pilgern zum Zentralfriedhof, um ihrem Idol die letzte Ehre zu erweisen.

Sargträger sind jene Wiener Motorrad-Rocker, die im Video zu „Rock me Amadeus“ 1985 mitgespielt hatten. Der Titel erreichte als erstes (und bis heute einziges) deutschsprachiges Lied die Spitze der US-Charts. Falcos Grab, das ein lebensgroßes Schwarz-Weiß-Bild auf gläsernem Schrein ziert, befindet sich bei Tor 3, in Gruppe 40 und trägt die Nummer 64.

Merci Cheri! Ehrengrab von Udo Jürgens

Als Udo Jürgens (bürgerlich Udo Jürgen Bockelmann) am 21. Dezember 2014 während eines Spaziergangs bewusstlos zusammenbricht und kurz darauf verstirbt, ist er 80 Jahre alt. Nur zwei Wochen zuvor hatte er seine 25. Konzerttournee eröffnet, die schicksalhafterweise unter dem Motto „Mitten im Leben“ stand. Seinen eigenen Wünschen entsprechend wird Jürgens eingeäschert und am 09. Mai 2015 am Zentralfriedhof beigesetzt. Zuvor fanden Gedenkfeiern in Zürich und im Wiener Rathaus statt (Jürgens hatte seit 2007 neben der österreichischen auch die Schweizer Staatsbürgerschaft).

Der Entwurf für den außergewöhnlichen Grabstein, welcher einen Marmorflügel zeigt, der in ein weißes Trauertuch gehüllt ist, stammt aus der Feder von Jürgens‘ Bruder Manfred Bockelmann. Die Urne ist an der Oberseite des Flügels eingelassen, da es der Wunsch des Sängers war, über der Erde bestattet zu werden. Udo Jürgens Ehrengrab befindet sich bei Tor 2, in Gruppe 33 G und trägt die Nummer 85.

Kann ich mich am Zentralfriedhof bestatten lassen?

Grundsätzlich ja. Da der Simmeringer Friedhof ein Eigenregiefriedhof ist, sind entsprechende Gesuche direkt an die Friedhöfe Wien GmbH zu richten. Sobald das Grabnutzungsrecht gewährt wurde, liegt alles Weitere in den Händen des ausgewählten Bestattungsunternehmens. Bestatter, die regelmäßig Beisetzungen am Zentralfriedhof durchführen, sind neben der Bestattung Wien auch Bestatter Pax und die Bestattung Himmelblau GmbH.



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