Zentralfriedhof Wien: Tanz mit dem Tod!

Gruppe 82 a Schild am Wiener Zentralfriedhof

Der Zentralfriedhof Wien im Bezirk Simmering ist einer der weltbekanntesten Friedhöfe. Wie verraten, warum das so ist. Foto: Adobe Stock, (c) Stefan

Er wurde besungen, betextet und zum Filmschauplatz gemacht: Der Zentralfriedhof Wien zählt zu den meistbesuchten Wahrzeichen der Donaumetropole und hat sich im Laufe der Jahrhunderte einen ganz besonderen Platz im Herzen aller Wienerinnen und Wiener erobert. HEROLD hat für dich den 71er nach Simmering genommen und zwischen Ehrengräbern und Arkadengrüften dem morbiden Charme dieser zweitgrößten Friedhofsanlage Europas nachgespürt.

Zentralfriedhof Wien – wo liegt der eigentlich?

Jeder kennt den Wiener Zentralfriedhof. Aber nicht viele kennen seine Geschichte. Lass uns also einen kleinen Exkurszurück zur Mitte des 19. Jahrhunderts machen, als Wien aus allen Nähten platzte. Es gab kaum genügend Wohnraum, um alle Landflüchtlinge unterzubringen, und in den Vororten wurden die Grabstellen knapp. So beschloß der Gemeinderat 1863 die Errichtung eines „Central Friedhofs“ für ganz Wien, der vor den Toren der Stadt die Toten einer Vier-Millionen-Metropole aufnehmen sollte. 1869 fällt die Wahl auf ein Grundstück in Kaisersebersdorf und zwei kleinere Gründe in Simmering, die aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit die optimalen Voraussetzungen für Wiens neue Totenstadt boten.

Da es sich um einen staatlich geplanten Friedhof handelt, schreibt der Gemeinderat die Gestaltung der Anlagen offiziell aus. Die Frankfurter Architekten Alfred Friedrich Bluntschli und Karl Jonas Mylius überzeugen die Jury mit ihren Entwürfen und präsentieren nach nur vier Jahren Bauzeit ein betriebsfertiges Areal. Mit der blühenden Parklandschaft, die sich dem Besucher heute bietet, hat das Gelände anfangs allerdings noch nicht viel gemein.

Gang zwischen alten Grabsteinen am Zentralfriedhof Wien.

Der Zentralfriedhof Wien im Bezirk Simmering ist weltbekannt. Wie verraten, warum das so ist. Foto: Adobe Stock, (c) thongsee

Der größte der Wiener Friedhöfe

Trotz guter Planung wird der Friedhof insgesamt siebenmal erweitert. Die größten Veränderungen entstehen durch die Bombenangriffe 1945, die die Friedhofskirche ohne Kuppel und die Anlagen mit über 12.000 zerstörten Gräbern zurücklassen. Noch heute können Besucher im Alten Jüdischen Teil jenen Verstorbenen nachspüren, von deren Namen und Lebensgeschichten nur verwitterte Bruchstücke geblieben sind. Mittlerweile erstreckt sich Wiens größter Friedhof über eine Fläche von 2,5 Millionen m2. Hier liegen in 330.000 Gräbern mehr als 3 Millionen Menschen.

Im Gegensatz zu anderen Friedhöfen, die den Rechten Winkel über die Totenruhe stellen, lebt der Zentralfriedhof von der urtümlichen Aura eines weitläufigen Naturgartens, der seit mehr als 100 Jahren im Gleichklang mit Arkadengrüften und Mausoleen gedeiht.

Zentralfriedhof Wien – Ehrengräber

In der ab 1885 errichteten Ehrengrabanlage sind heute mehr als 1.000 prominente Persönlichkeiten zur letzten Ruhe gebettet. Wer hier begraben liegt, hat sich durch außergewöhnliche Leistungen in den Bereichen Kunst, Wissenschaft oder Politik in das kulturelle Gedächtnis Österreichs eingeschrieben. Am häufigsten besucht werden die Ehrengräber der Gruppen 32A (Musiker), 32C (Schauspieler) und der Kapellenhof, wo die Bundespräsidenten der Zweiten Republik begraben sind. Je nachdem, für welche Gruppe du dich interessierst, erreichst du die Ehrengräber am besten über Tor 2 oder 3.

Die beiden Gräber, um die ein regelrechter Fan-Kult gewachsen ist, sind die letzte Ruhestätte von Udo Jürgens (Gruppe 33G, Nr. 85) und Johann Hölzel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen FALCO. Jürgens‘ Grab ziert ein schneeweißer Marmorflügel, während ein lebensgroßes Schwarz-Weiß-Bild auf gläsernem Schrein an Johann „Hans“ Hölzel (Gruppe 40, Nr. 64) erinnert.

Ehrengräber-Schild am Zentralfriedhof Wien.

In Gruppe 32A der Ehrengräber sind u.a. Ludwig van Beethoven und Franz Schubert begraben. Foto: Adobe Stock, (c) blickwinkel2511

Karl-Borromäus-Kirche oder Luegerkirche

Die Friedhofskirche ist ein Jugendstilbau von 1910, der die persönliche Vorliebe des Architekten Max Hegele für die ägyptische Baukunst zeigt. Der Volksmund spricht auch von der „Luegerkirche“, da sich der Sarkophag des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (1844-1910) hier befindet. Du erreichst die römisch-katholische Kirche am besten über Eingangstor 2. Besonders gut besucht sind die Gottesdienste an Allerheiligen (01. November). Viele Kirchgänger nutzen den Feiertag, um im Anschluß ein wenig Ruhe und Besinnung beim Spaziergang zu suchen.

Die römisch-katholische Luegerkirche bei Tor 2 ist ein Jugendstilbau mit ägyptischen Elementen. Foto: Adobe Stock, (c) pure-life-pictures

Arkadengrüfte am Zentralfriedhof Wien

Seitlich der Kirche befinden sich 70 Arkadengrüfte, zwei Mausoleen und fast 800 „Kolumbarnischen“, die ebenfalls aus der Feder von Max Hegele stammen. Heute spricht man von den „Neuen Arkaden„, um sie gegen die Gruftanlagen der Ringstraßenzeit abzugrenzen. Diese „Alten Arkaden“ befinden sich zwischen Luegerkirche und dem 2. Eingangstor und sind in einem klassizistischen Ziegelbau untergebracht. Die 36 Arkadengrüfte sind Ruhestätte der Crème de la Crème des Ringsstraßen-Bürgertums und beeindrucken vor allem durch die kunstvollen Steinmetz- und Metallarbeiten, die viele Gruftöffnungen zieren.

Tor 2 am Zentralfriedhof Wien, vis a vis der Arkadengrüfte.

Die Arkadengrüfte am Wiener Zentralfriedhof sind am besten über Tor 2 zu erreichen. Ansicht vom Eingangstor aus. Adobe Stock (c) maylat

Zentralfriedhof Wien – Babyfriedhof

In Österreich gilt die gesetzliche Bestattungspflicht nur für Lebendgeburten. Aus diesem Grund hat die Stadt Wien 1985 einen gebührenfreien Babyfriedhof für Eltern eingerichtet, deren Kinder als Totgeburten zur Welt kamen. Hier haben Familie und Freunde die Möglichkeit, sich in der Abgeschiedenheit von Gruppe 35B von ihrem Kind zu verabschieden. Der Babyfriedhof befindet sich unweit von Tor 3 (rechterhand der Hauptachse) und ist als Kraftort angelegt. Die sechs Friedhofswege führen wie geschwungene Strahlen zu einem erhöhten Pavillon.

Kleiner Engel aus Gips, der am Babyfriedhof beim Zentralfriedhof Wien zwischen lila Blüten sitzt.

Der Babyfriedhof am Zentralfriedhof Wien lässt Eltern in Ruhe Abschied nehmen und neue Kraft schöpfen. Foto: Adobe Stock, (c) fotoknip

Anatomie-Friedhof in 1110 Simmering

Ein weiterer Teil der Ehrengrabanlage ist der sogenannte „Anatomie-Friedhof„. Hier finden jene Menschen ihre letzte Ruhestätte, die ihren Körper nach dem Tode der Anatomie gespendet haben. In Wien überlassen jedes Jahr rund 2.000 Menschen ihren Leichnam der medizinischen Forschung und ermöglichen es Ärzten weltweit, ihr Handwerk zu perfektionieren. Die Körperspender werden später anonym in Sammelurnen in der Ehrengrabstätte der Abteilung für Anatomie (Tor 3, Gruppe 26) beigesetzt. Seit 2009 gibt es eine gesonderte Gedenkstätte, wo die Angehörigen der Spender ihrer lieben Verstorbenen gedenken können.

Tipp: Wenn du wissen möchtest, wie eine Körperüberlassung abläuft und welche Kosten dabei auf dich zukommen, kannst du dich im Beitrag „Körperspende Wien“ informieren.

Zentralfriedhof – wer liegt wo? Grabsuche

Der Zentralfriedhof Wien hat auf einer Fläche von 2,4 km2 mehr „Einwohner“ als die Stadt Wien. Wer das Gelände nicht auf gut Glück erkunden möchte, kann sich einer professionellen Führung anschließen, welche neben Zahlen und Fakten auch kuriose Anekdoten und Einblicke in den Friedhofsalltag verspricht. Wer ein bestimmtes Grab sucht, wird über die Suche der Friedhöfe Wien fündig:

Zu Fuß über den Zentralfriedhof Wien

In den Monaten April, Mai, Juni, September und Oktober können Grusel-Willige sich jeden Donnerstag zwei Stunden lang zwischen Ehrengräbern, Mausoleen und Arkadengrüften hindurchführen lassen. Achtung: Die Führungen werden von der Friedhöfe Wien GmbH durchgeführt und erfordern eine Voranmeldung via Email. Kosten: € 4 für Kinder unter 14 Jahren bzw. Schulgruppen, € 10 für Erwachsen und € 4 für Menschen mit Behinderungen, Studenten und Präsenzdiener.

Mit dem Fiaker durch die Gräber

Von Anfang April bis Ende Oktober ist es möglich, den Zentralfriedhof stilecht via Pferdekutsche zu erkunden. Die gut geschulten Fiakerfahrer haben nicht nur alle Daten und Zahlen im Kopf, sondern teilen auch gerne die eine oder andere Anekdote aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. Kosten: € 40 für die kleine Runde (30 Minuten), € 70 für die große Runde (60 Minuten). Es ist jeweils Platz für 4 Personen.

Mit Audioguide durch die Totenstadt

Es muss nicht immer ein Reiseführer aus Fleisch und Blut sein. Wer die Siebenmeilenstiefel schnürt und sich mit dem Audioguide auf den Weg macht, kann zwischen drei Routen (2 Stunden, 3 Stunden und 4 Stunden Wegzeit) wählen. Kosten: Der Audioguide kann gegen eine Gebühr von € 6 beim Portier (Tor 2) ausgeliehen werden.

Wie komme ich nach Simmering? Anfahrt Zentralfriedhof

Knapp 150 Jahre nach seiner Eröffnung ist der Wiener Zentralfriedhof hervorragend an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen. Wer nicht mit dem PKW kommt, erreicht das Gelände über die Straßenbahnlinien 71 (Tor 1-4 und Feuerhalle), Straßenbahn 6 (Tor 1-5 und Feuerhalle), die Schnellbahn S7 (Tor 11) und die U3 (Endstation Simmering). Parkplätze befinden sich bei den Toren 1-5 und 9, 11 und beim Krematorium.

Wer sich gegen Fiaker und Fußmarsch entscheidet, kann das Friedhofsgelände gegen eine Gebühr von 2,80 Euro mit dem PKW erkunden. Aber Achtung: Hier gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 20km/h. Die vierte Möglichkeit ist die friedhofseigene Buslinie: Die 106 verkehrt von 09.00 bis 15.30 Uhr im 30-Minuten-Takt und hält an 20 zentralen Stationen innerhalb des Geländes.

Buslinie 106 am Zentralfriedhof Wien

Die Buslinie 106 bringt die Besucher auf seiner halbstündigen Tour zu den 20 Haltestellen in der Simmeringer Totenstadt. Foto: Adobe Stock, (c) johnmerlin

Did you know? Kurioses über den Zentralfriedhof

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Wiens größter Friedhof mit den katholischen Traditionen brechen würde? Der interkonfessionelle Charakter des Zentralfriedhofs wurde bereits bei der Planung 1863 beschlossen. Neun Jahre später wurde die Totenstadt, trotz massiver Proteste, als Friedhof für alle Religionen eingeweiht. Seither liegen hier Juden neben Christen, Buddhisten neben Muslimen und Atheisten neben orthodoxen Glaubensangehörigen. Doch das ist nicht die einzige historische Kuriosität, mit der die Totenstadt aufwarten kann:

  • Feuerhalle Simmering: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollen die ersten Wiener nach ihrem Tode verbrannt werden. 1921 bewilligen die Sozialdemokraten den Bau der Feuerhalle Simmering. Die offizielle Zustimmung des Vatikans zur Feuerbestattung erfolgt jedoch erst knappe 50 Jahre später.
  • Leichen-Rohrpost: Da die kilometerlangen Leichentransporte, die täglich von Wien nach Simmering führen, den Anwohnern ein Dorn im Auge sind, entwerfen Architekt Josef Hudetz und Ingenieur Franz von Felbinger ein pneumatisches System zur effizienten Leichenbeförderung. Die Leichen-Rohrpost wird aber niemals in die Tat umgesetzt.
  • Bestattungsstraßenbahn: Während des Zweiten Weltkriegs entsteht in Wien die weltweit einzige Bestattungsstraßenbahn, die ihre traurige Fracht mehrmals am Tag nach Simmering führt.

Kann man sich am Zentralfriedhof Wien bestatten lassen?

Beim Wiener Zentralfriedhof handelt es sich um einen Eigenregiefriedhof. Wer in Simmeringer Erde begraben werden oder einem lieben Verstorbenen diesen Wunsch erfüllen möchte, wendet sich daher direkt an die Friedhöfe Wien GmbH. Nach Zuerkennung des Grabnutzungsrechts übernimmt das ausgewählte Bestattungsunternehmen alle notwendigen Schritte. Bis vor wenigen Jahren wurden Beisetzungen auf dem Wiener Zentralfriedhof fast ausschließlich durch die Bestattung Wien durchgeführt, doch mittlerweile haben sich auch der Bestatter Pax und die Bestattung Himmelblau GmbH etabliert.

Die Bestattungsunternehmen setzen alles daran, den Hinterbliebenen eine möglichst individuelle und personalisierte Abschiedszeremonie zu bieten. Dies wird u.a. durch ein ungewöhnlich großes Mitspracherecht bei der Gestaltung von Beisetzung und Trauerfeier ermöglicht.

Es lebe der Zentralfriedhof! – Wolfgang Ambros

Der Tod, das muss a Weaner sein, weiß Georg Kreisler schon 1969. Sechs Jahre später, rund ein Jahrhundert Einweihung der Totenstadt, setzt auch Wolfgang Ambros dem größten der Wiener Friedhöfe ein musikalisches Denkmal: „Wann’s Nocht wird über Simmering, kummt Leben in die Toten!“ 

Kaffeehaus am Zentralfriedhof

Die einen finden’s morbide, die andern sind entzückt: Im Frühjahr 2018  hat die Kurkonditorei Oberlaa das erste Kaffeehaus am Wiener Zentralfriedhof eröffnet! Das Café befindet sich auf der Simmmeringer Hauptstraße 234, direkt neben dem Infopoint bei Tor 2 in einem denkmalgeschütztes Gebäude. Hier werden künftig nicht nur 127 Spaziergänger und Friedhofsbesucher mit dem Feinsten aus Patisserie und Confiserie verwöhnt, sondern das Kaffeehaus bietet auch einen gesonderten Raum für Trauerfeiern an. Für alle, die ihren Kaffee lieber mit Blick auf die weitläufigen Parkanlagen genießen möchtet, finden sich im angeschlossenen Schanigarten 46 weitere Plätze.

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