Hörgeräte: Informationen zu Arten und Preisen

Hörgerät

Durch die Verwendung von einem Hörgerät hören alte Menschen wieder besser und verstehen auch wieder leise Gespräche. Foto: Adobe Stock (c) simsalabin1

Hörgeräte sind heutzutage kleine Minicomputer, die teilweise zur Gänze im Ohr verschwinden. Mit ihrer Hilfe hören und verstehen schwerhörige Menschen wieder besser. Manche Hörgeräte können sogar lästige Ohrgeräusche übertönen. Wir erklären dir wie Hörgeräte funktionieren, außerdem erfährst du alles zu den Vor- und Nachteile der verschiedenen Typen und welche Kosten auf dich zukommen.

Hörgeräte: Wie funktioniert ein Hörgerät?

Moderne Hörgeräte ermöglichen den Ausgleich verschiedener Defizite und können auf die jeweilige Lebenssituation abgestimmt werden. Viele Geräte bieten bereits auch Auswahlmöglichkeiten zwischen mehreren Programmen für bestimmte Situationen, z. B. Vortrag, Einzelgespräch, Gruppengespräch, Musik, Arbeitsplatz, Telefonat, Restaurant. Zahlreiche Hörgeräte sind zudem heute bereits aufladbar, wodurch die hohen Folgekosten für Hörgerätebatterien wegfallen.

Grundsätzlich bestehen Hörgeräte aus drei Bestandteilen:

  • Mikrofon: Nimmt den Schall auf.
  • Elektronik: Bereitet den Schall auf, regelt und verstärkt ihn bei Bedarf.
  • Lautsprecher: Gibt den Schall an die Ohren ab.

Die wichtigsten Funktionen sind:

  • Regelung des Schallpegels (laut/leise)
  • Verstärkung bestimmter Frequenzbereiche, in denen die Betroffenen schlechter hören
  • Erkennung, Filterung und Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen

Ein Hörgeräteakustiker unterstützt auf Basis der ärztlichen Diagnose des HNO-Facharztes bei der Auswahl eines passenden Hörgerätes und passt die Elektronik des Gerätes dann gemeinsam mit dem zukünftigen Träger auf dessen Bedürfnisse optimal an. Meist sind mehrere Sitzungen nötig bis die optimale Einstellung gefunden ist.

Hörgeräte

Ein Hörtest beim HNO-Arzt oder Hörakustiker hilft bei der Feinabstimmung des Hörgeräts. Foto: Adobe Stock (c) Kzenon

Was ist der Unterschied zwischen digitalen und analogen Hörgeräten?

Der Unterschied liegt in der Signalverarbeitung. Analoge Hörgeräte nehmen Signale aus der Umgebung auf und geben sie verstärkt durch einen Lautsprecher wieder. Digitale Hörgeräte wandeln den Schall in elektronische Informationen um. Die meisten neuen Hörgeräte sind digital, da sie eine Reihe von Vorteilen mit sich bringen:

  • Digitale Hörgeräte leiten und verstärken nur wesentliche Signale. Laute Umgebungsgeräusche werden dadurch reduziert. Analoge Hörgeräte hingegen können keine Geräusche filtern oder reduzieren.
  • Digitale Klangqualität sowie deutliches Sprachverständnis erleichtert das Hören zusätzlich.
  • Digitale Modelle sind an individuelle Bedürfnisse anpassbar.

Mit einem digitalen Gerät kann man somit besser Anpassungen an verschiedene Situationen und die Bedürfnisse des Trägers vornehmen und letztlich die Hörqualität verbessern.

Welche Hörgeräte Arten gibt es?

Die jeweilige Bauform der Hörgeräte bestimmt sich daraus, wie die Bestandteile Mikrofon, Elektronik und Lautsprecher verbaut werden. Dabei unterscheidet man zwischen geschlossener und offener Versorgung.

  • Offen bedeutet, dass Schallwellen weiterhin auf natürlichem Weg zum Trommelfell gelangen können.
  • Geschlossen bedeutet, dass der äußere Gehörgang durch das Hörgerät weitgehend verschlossen wird.

Mittlerweile gibt es rund 1.000 verschiedene Modelle, die bestimmten Gerätetypen zuordenbar sind. Die häufigsten Bautypen sind folgende:

1. Hinter-dem-Ohr (HdO Hörgeräte)

HdO-Geräte gibt es für die unterschiedlichsten Leistungsstärken – von leichtem bis schwerem Hörverlust. Sie werden hinter den Ohren getragen, wobei im Falle der offenen Versorgung der Schall über einen Schallschlauch in den Gehörgang bis nahe zum Trommelfell geleitet wird. Ein besonders kleines, offenes HdO-Gerät ist das sogenannte RIC-Hörgerät.

Bei der geschlossenen, leistungsstärkeren Versorgung wird ein Ohrpassstück basierend auf dem individuellen Ohrabdruck des Trägers angefertigt. Es füllt Außenohr und Gehörgang fast vollständig aus und bildet quasi eine Brücke zwischen dem Gerät und dem Ohr.

HdO-Geräte besitzen meist auch eine fix eingebaute Induktionsspule, die durch Umschalten auf „T“ verbessertes Hören ermöglicht. Induktionsanlagen sind im Sinne der „Barrierefreiheit“ bereits in vielen öffentlichen Räumen installiert und können auch im privaten Bereich eingesetzt werden.

  • Eignung: Für Menschen, die im Tieftonbereich kaum Hörverluste haben, für Menschen mit höhergradiger Schwerhörigkeit sowie für Säuglinge und Babys.
  • Vorteil: Mehr Raum für die Elektronik und daher technisch vielseitig und auf individuelle Bedürfnisse abstimmbar; Audioanschluss möglich; größere Verstärkung der Lautstärke ohne Rückkopplungseffekt; tragefreundlich, leicht zu bedienen, weniger schweißempfindlich und reparaturanfällig.
  • Nachteil: Mögliches Auftreten von Resonanzen. 

2. Im-Ohr (IO Hörgeräte)

IO-Geräte sind kaum sichtbar, da sie fast zur Gänze in den Ohren verschwinden. Sämtliche Bestandteile sind in einem Gehäuse eingearbeitet, das individuell nach der Ohr- und Gehörgangsform angefertigt wird. Ja nach Größe werden verschiedene Varianten des Systems angeboten:  ITC (In The Channel): Leistungsstarkes Im-Ohr-Hörgerät; CIC (Completely In Channel): Im-Ohr-Hörgerät komplett im Gehörgang; IIC (Invisible In Channel):  Kleinstes Im-Ohr-Hörgerät unsichtbar im Gehörgang.

  • Eignung: Ausgleich bei leichtem bis mittelschwerem Hörverlust.
  • Vorteil: Diskret, bessere Schallaufnahme als bei HdO-Geräten.
  • Nachteile: Mögliche Ton-Rückkopplungen (schriller Pfeifton) bei Erhöhung der Schallverstärkung, da Mikrofon und Lautsprecher nahe beieinander liegen; stärkere Reizung des Gehörgangs; höhere Reparaturanfälligkeit und schwierigere Reinigung als bei HdO-Geräten; kein Audioanschluss und aufgrund der Baugröße auch meist keine Induktionsspule.
IO Hörgeräte

IO-Geräte sind eine perfekte Lösung für Menschen, denen große Hörgeräte ein Dorn im Auge sind. Foto:Adobe Stock (c)-Dron

3. Knochenleitungshörgeräte – Hörbrillen

Knochenleitungshörgeräte leiten den Schall über den Knochen hinter dem Ohr an das Innenohr. Solche Hörgeräte sind dann notwendig, wenn aufgrund von Anomalien des Gehörgangs oder des Mittelohres eine Versorgung mit herkömmlichen HdO- bzw. IO-Hörgeräten nicht möglich ist. Sie werden meist in Brillenbügeln eingebaut (Hörbrille), manchmal auch als Head-Sets bzw. Taschenhörgerät getragen.

Knochenleitungsgeräte können aber auch durch einen kleinen operativen Eingriff direkt am Knochen selbst fixiert werden. Dabei wird hinter dem Ohr eine Titanschraube implantiert und das Hörgerät mit einem Schnappverschluss an dem Implantat befestigt. Weitere Möglichkeiten für Implantate sind zum Beispiel das Cochlea-Implantat, Schädelknochen-, Mittelohr- oder Hirnstamm-Implantat.

  • Eignung: Für Menschen, die keine konventionellen Hörgeräte tragen können; bei hochgradigen Hörstörungen (gilt nicht für die Hörbrille, da kein Verstärker eingebaut werden kann); für Menschen, die Seh- und Hörschwächen mit einem kombinierten Gerät verbinden möchten.
  • Vorteil: Unauffällig (Hörbrillen), einfach zu pflegen.
  • Nachteil: Richtungshören ist eingeschränkt; bei Taschenhörgeräten ist das Rascheln der Kleidung am Mikrofon zu hören; keine Induktionsspule, kein Audioanschluss.

Was können Hörgeräte sonst noch?

Wenn der Patient nicht nur schlecht hört, sondern zudem auch noch über einen Tinnitus verfügt, so kann ein spezielles Hörgerät mit eingebautem Tinnitus-Masker (= Tinnitus-Noiser) gewählt werden. Der Tinnitus-Noiser spielt ein Geräusch zur Verdeckung des Tinnitus ein. Viele Tinnituspatienten empfinden Tinnitus-Masking als erleichternd, weil es dabei zur einer Art Beruhigung der Hörbahn im Gehirn kommt.

Hörgeräte mit Smartphones koppeln

Neuere Hörgeräte ermöglichen eine direkte Anbindung von Hörgeräten an Smartphones, Fernseher und andere elektronische Geräte. Dadurch erfolgt die direkte Übertragung von Sprache oder Musik aus diesen elektronischen Geräten in das Ohr.

Hörgerät

Besser hören mit einem individuell angepassten, kaum sichtbaren IO-Gerät. Foto: Adobe Stock; (c) Yuli

Was kostet ein Hörgerät?

Grundsätzlich ist ein Vergleich von mehreren Hörgeräten anzuraten, da es eine breite Preisspanne zwischen den Basis- und Premiummodellen gibt. Basisgeräte bieten bereits eine Vielzahl an Funktionen und sind für einen relativ günstigen Preis erhältlich. Wer sich jedoch eine größere Bandbreite an komfortablen Funktionen wünscht, muss sich auf etwas teurere Hörgeräte einstellen. Der Preis für das Hörgerät ist letztlich von mehreren Faktoren abhängig. Dazu zählen unter anderem:

  • Technische Ausstattung (Geräuschunterdrückung, 3D-Klang, Funkverbindung, etc.)
  • Funktionen (je mehr Zusatzfunktionen, desto kostspieliger)
  • Bauart (z.B IO-Geräte sind teurer als HdO-Geräte)
  • Größe (je kleiner, desto teurer)
  • Batterie oder Akku (Akku-Hörgeräte sind teurer)

Die Hörgeräte Preise belaufen sich auf etwa 700 bis 2.000 Euro pro Stück. Besonders hochwertig ausgestattete Geräte beginnen ab 2.600 Euro pro Stück.

  • IO-Geräte: Zwischen 900 und 2.000 Euro und mehr je nach Ausführung
  • HdO: Zwischen 700 und 1.800 Euro
  • Hörbrille: Zwischen 900 und 2.000 Euro je Seite
  • Batterien: Zwischen 12 und 20 Euro für 60 Batterien (siehe auch Stiftung Warentest Hörgerätebatterien)

Die Erstattungsbeträge der Krankenkassen werden von diesen Preisen einfach abgezogen. Der Betrag, der übrig bleibt, ist die Zuzahlung, die man selbst bezahlen muss.

Wann und was zahlt die Krankenkasse?

Die Krankenkassen kommen gegen vorherige Bewilligung für Standardausführungen (Basisversorgung) auf, je nachdem, was zur Herstellung bzw. Wiederherstellung des Hörvermögens erforderlich ist. Hörgeräte für Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr müssen allerdings nicht bewilligt werden. Die Krankenkassen tragen zwar die Kosten einer technisch vollwertigen Grundversorgung, haben ihre Tarife aber trotz Technologiesprüngen nicht angepasst. Wer also ein kleines und stylisches Gerät will, muss in der Regel 1.000 und mehr Euro pro Ohr aufzahlen.

Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist folgendes zu beachten:

1. Verschreibung durch HNO-Arzt

Für ein Hörgerät muss der HNO-Facharzt eine „Verordnung für Heilbehelfe und Hilfsmittel“ ausstellen. Der Arzt entscheidet über den Grad der Hörminderung und ob die Schwerhörigkeit durch ein Hörgerät ausgeglichen werden kann. Die ausgestellte Verordnung regelt dann, ob und in welcher Höhe die Krankenkasse die Kosten für das Hörgerät übernimmt. Falls eine operative Hörverbesserung möglich oder erfolgversprechend ist, übernimmt die Kasse nicht die Kosten des Hörgerätes.

2. Test und Auswahl beim Hörakustiker

Bevor man um Bewilligung einreichen kann, muss man einen Hörgeräteakustiker aufsuchen, der auf Basis der Verordnung ein passendes Gerät auswählt und anpasst. Das Gerät kann dann 14 Tage lang getestet werden. Der Akustiker erstellt außerdem ein Ton- und Sprachaudiogramm sowie einen Anpassbericht (Achtung: Ist der gewählte Hörakustiker kein Vertragspartner der Krankenkasse, muss man das Gerät selbst bezahlen und danach um Kostenerstattung einreichen).

Hörgeräte Zubehör

Vor der Auswahl des Hörgeräts solltest du dir alle Informationen zu Pflege und Zubehör vom Hörakustiker zukommen lassen. Foto: Adobe Stock, (c)-Kzeno

3. Bewilligung

Für die Bewilligung muss der Verordnungsschein, das Ton- und Sprachaudiogramm, der Anpassbericht sowie in bestimmten Fällen ein Kostenvoranschlag eingereicht werden.

4. Kostenerstattungssätze

Je nach Hörstörung gibt es eine Tarifversorgung (Grundversorgung) sowie Sonderversorgungen.

  • Tarifversorgung 1:  Bei Schwerhörigkeit eines Ohres übernimmt die Krankenkasse 792 Euro.
  • Tarifversorgung 2: Für die beidseitige Versorgung beträgt der Zuschuss 1.425,60 Euro.
  • Sonderversorgungen: Für außergewöhnliche Hörstörungen und für Menschen, die im Berufsleben stehen, gibt es Zuschüsse bis zu 3.780 Euro für beidseitige Versorgung.

5. Folgeversorgung

Nach Ablauf von fünf Jahren kann man erneut um ein Hörgerät ansuchen, wenn das alte nicht mehr funktionstüchtig ist. Dazu ist allerdings keine Verordnung eines HNO-Facharztes mehr erforderlich. Man kann direkt zum Hörgeräteakustiker gehen und das neue Gerät mit dem Anpassbericht und einem Ton- und Sprachaudiogramm sowie allenfalls einem Kostenvoranschlag der Krankenkasse zur Bewilligung vorlegen.

6. Reparaturen und Verlust

Reparaturkosten werden übernommen, sofern der Schaden nicht durch Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zustande gekommen ist. Wenn man für das Hörgerät eine Zuzahlung geleistet hat, können auch bei der Reparatur Kosten entstehen. Für den Verlust eines Hörgerätes gibt es keinen Ersatz.

Hörgerät

Hörgeräte sind eine kostspielige Angelegenheit. Sofern keine grobe Fahrlässigkeit vorliegt, zahlt die Krankenkasse im Schadensfall. Foto: Adobe Stock, (c)-Sven-Vietense

Wo kann man ein Hörgerät kaufen?

Hörgeräte sind bei Fachfirmen für Hörgeräte und Hörakustikern erhältlich. Teilweise bieten auch Optiker Hörakustikleistungen und Hörgeräte an.

Hier findest du die am besten bewerteten Fachhändler für Hörgeräte in deinem Bundesland:



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