Hundebiss: Wie man Tierbisse versorgt - HEROLD.at

Hundebiss: Wie man Tierbisse versorgt

Hundebiss

Es geschieht meist unerwartet: Wuffi oder Mieze schnappt zu. Im Blog erfährst du, was du tun kannst, damit sich der Biss nicht entzündet. Foto: .Adobe Stock, (c) jufrug

In den meisten Haushalten leben die Tiere in friedlicher Koexistenz mit ihren Menschen. Gelegentlich aber will ein Hund doch nicht nur spielen, wie sein Besitzer behauptet – und auch eine Katze beißt mal zu, wenn sie sich bedroht fühlt oder sich erschreckt. Ob die Schuld für einen Hundebiss beim Tier oder beim Halter liegt, ist Ansichtssache. Sicher ist jedoch: Ist es passiert, ist schnelle Hilfe wichtig. Eine korrekte Wundversorgung ist der erste Schritt. Welche weiteren Maßnahmen notwendig sind, hängt von der Tierart und der Intensität des Bisses ab. In unseren Breitengraden sind Hunde- und Katzenbisse am häufigsten.

Hundebiss: Große Verletzungsgefahr

Abhängig von der Größe des Hundes verursacht ein Biss mehr oder minder ausgedehnte, mehr oder weniger stark zerfetzte Weichteilverletzungen. Diese Riss-Quetsch-Wunden ziehen jedoch seltener Infektionen nach sich als Blessuren durch Katzenbisse, weil es sich eher um offene Wunden handelt. Da sie in der Regel stark bluten, wird ein Großteil der gefährlichen Keime direkt ausgeschwemmt. Kommt es dennoch zu einer Infektion, macht diese sich innerhalb von 24 Stunden bemerkbar. Beim Hundebiss liegt die größere Gefahr in der Zugkraft des Kiefers. Verletzungen durch Hundebisse können folglich so schwere Schäden verursachen, dass eine Amputation notwendig wird.

Hundebisse befinden sich meistens an den Beinen oder Armen, zum Teil aber auch am Gesäß, Gesicht oder Hals. Da selbst unter kleinen bzw. scheinbar nur oberflächlichen Wunden Knochenbrüche, Sehnen-, Nerven- oder Gefäßläsionen verborgen sein können, sollte nach einem Hundebiss grundsätzlich eine Röntgenaufnahme gemacht werden.

Katzenbiss: hohes Infektionsrisiko

Im Katzenspeichel befindet sich eine große Anzahl von Keimen. Daher kommt es in der Folge eines Katzenbisses häufig zu Infektionen, die sich in der Regel innerhalb von zwölf Stunden bemerkbar machen. Zudem hinterlassen die nadelscharfen Zähne tiefe punktförmige Verletzungen, die manchmal sogar ins Muskelfleisch und bis auf den Knochen reichen können. In dem so entstehenden engen Wundkanal bleiben potenzielle Krankheitserreger hängen, die aufgrund des geringen Blutflusses nicht ausgeschwemmt werden. Die Mehrzahl der Katzenbisse betrifft die Hand oder das Handgelenk.

Achtung: Viele Menschen neigen dazu, Katzenbisse aufgrund der häufig geringen oberflächlich sichtbaren Verletzungen unbehandelt zu lassen. Wird der Wundkanal jedoch nicht sorgfältig durch den Hausarzt gereinigt, ist das Infektionsrisiko sehr hoch.

Hauptrisiko bei Tierbissen: Infektionsgefahr

Selbst wenn ein Tierbiss keine allzu ernste Verletzung verursacht: Eine Infektion ist immer möglich, denn tierische Mundhöhlen sind nun einmal nicht steril. Dort lauern Keime, die Entzündungen hervorrufen können. Unbehandelte Entzündungen können im schlimmsten Fall zu einer Sepsis führen. Anzeichen für eine Wundinfektion sind:

  • Rötung und Überwärmung
  • Schmerzen (z.B. ein “Pochen“ an der Wundstelle) und Schwellung
  • Eiterbildung
  • ev. Funktionseinschränkungen des verletzten oder umliegenden Gelenkes
  • ev. Durchblutungs- oder Sensibilitätsstörungen (z.B. Taubheitsgefühl) an der Bissstelle

Tetanus-Infektion durch Tierbiss

Zu den per Biss übertragbaren Krankheitserregern gehören (neben Eitererregern wie Staphylokokken, Streptokokken, Pasteurellen u.a.m.) u.a.  Nervengift bildende Bakterien der Spezies „Clostridium tetani“, deren Sporen Tiere vom Boden aufnehmen. Sie leben im Maul der Tiere, ohne Symptome zu verursachen. Geraten sie jedoch unter Luftausschluss in eine Wunde, kann das ungeimpfte Bissopfer an Tetanus (Wundstarrkrampf) erkranken, was oft tödlich endet. Typisches Zeichen einer Tetanusinfektion sind Muskelkrämpfe bis hin zum Atemstillstand. Hierdurch entsteht ein charakteristischer Gesichtsausdruck (Risus sardonicus: hämisches Grinsen durch Kontraktionen der mimischen Muskulatur), meist auch ein Trismus (Kiefersperre: Mund lässt sich nicht ganz öffnen).

Tollwut durch Tierbiss

In bestimmten Gebieten riskieren Reisende bei Hunde-, Katzen-, Fuchs-, Wolfs-, Dachs, Waschbär- oder Fledermausbissen eine Ansteckung mit Tollwut-Viren, die über den Speichel der infizierten Tiere in die Bisswunde gelangen und von dort aus ins Gehirn und Rückenmark ausbreiten. „Rabies“ (Tollwut, Lyssa) beginnt mit uncharakteristischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, eventuell auch Fieber, Brennen, Jucken und vermehrter Schmerzempfindlichkeit der Wunde. Es folgt:

  • enzephalitische Form: Hirnhautentzündung mit Ausfallserscheinungen der Hirnnerven, vermehrtem Speichelfluss, Schwitzen, Muskelkrämpfen (z.B. am Schlund beim Anblick von Flüssigkeit = “Wasserscheu“), Unruhe, aggressiven und depressiven Verstimmungen
  • paralytische Form („stille Tollwut“): Nervenlähmungen

Die Krankheit endet mit einem Koma sowie einer Lähmung der Atemmuskulatur – und damit in der Regel tödlich. Eine Tollwutimpfung kann den Ausbruch der Rabies verhindern.

Maßnahmen: Was tun nach einem Tierbiss?

Unabhängig davon, welches Tier zugebissen hat, heißt es auf jeden Fall:

  • Säubern & Desinfizieren: Die Wunde sofort nach dem Biss unter fließendem Wasser gründlich ausspülen! Besteht der Verdacht auf Tollwut beim Tier, Seife oder Spülmittel beifügen, um möglichst viele Viren zu beseitigen. Anschließend desinfizieren.
  • Verbinden: Die Wunde mit einem keimfreien Tuch oder einer sterilen Mullbinde abdecken.
  • Körperteile: Abgebissene Körperteile (z.B. Finger oder Zehen) in einem möglichst reinen (am besten keimfreien) Tuch einwickeln und sauberen Plastiksack mitnehmen bzw. der Rettung mitgeben.
  • Druckverband: Bei starkem Blutverlust einen Druckverband zum Stoppen der Blutung anlegen, bei Bedarf (z.B. Kreislaufzusammenbruch) Erste Hilfe (Herzdruckmassage) leisten und sofort den Notarzt (144) rufen.
  • Nachsorge: Nach jeder Bissverletzung unmittelbar einen Arzt aufsuchen, damit dieser die Bisswunde säubert, ev. abgestorbenes Gewebe entfernt (Wundtoilette) und ggf. Antibiotika verabreicht sowie notwendige Impfungen vornimmt. Das reduziert die Gefahr einer Wundinfektion und schützt vor vermeidbaren Komplikationen.
  • Achtung: Bei Auftreten von Symptomen einer Tollwut- oder Tetanusinfektion sofort für ärztliche Hilfe sorgen.

Ausgedehnte Bissverletzungen und Gesichtsläsionen erfordern eine stationäre Behandlung sowie einen oder mehrere chirurgische Eingriffe, bei denen ein Debridement, d.h. die Entfernung von Belägen und abgestorbenem Gewebe, erfolgt. In der Regel wird auch eine Drainage angelegt (damit Eiter nach außen abfließen kann) und wenn nötig eine plastische Rekonstruktion (Wiederherstellung möglichst “originalgetreuer“ Verhältnisse) vorgenommen. Abgebissene Körperteile (z.B. Finger, Zehen, Nase, Ohr, usw.) werden nach Möglichkeit wieder angenäht.

Spezialfall Schlangenbiss

In unseren Breiten leben zwar nur wenige Giftschlangen (z.B. Kreuzottern), doch werden zunehmend in verschiedenen Haushalten auch exotische Giftschlangen gehalten. Entweicht ein solches Reptil, kann es natürlich zubeißen und hinterlässt dann meist zwei stecknadelkopfgroße Stichwunden, die stark schmerzen können. Hier lautet das oberste Gebot: Den vom Biss betroffenen Körperteil ruhigstellen! Das verhindert eine rasche Verteilung des Giftes im Organismus. Handelt es sich dabei um einen Arm oder ein Bein, die Extremität nach unten hängen lassen.

Achtung: Keinesfalls jedoch die verwundete Stelle abbinden, aussaugen, einschneiden oder kühlen. Vor allem, wenn es zu einer Schwellung oder Verfärbung einer verwundeten Gliedmaße, zu Atembeschwerden oder einem Schock kommt, ist rasche medizinische Hilfe gefragt (Rettung: 144) bzw. die ärztliche Verabreichung eines Antiserums.

 

Links zu unserem Lexikon:
Zeckenbiss 
Bienenstich, Wespenstich 

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