Amalgam: Entfernung als Gesundmacher? - HEROLD.at

Amalgam: Entfernung als Gesundmacher?

Amalgam

Foto: Shutterstock, (c) Herrndorff

Kein anderes Zahnfüllmaterial sorgt so sehr für Kontroversen wie Amalgam. Haltbar und kostengünstig, sagen die Befürworter. Giftig und schuld an zahlreichen Gesundheitsproblemen, meinen die Kritiker. Sie betrachten die Entfernung von Plomben der quecksilberreichen Legierung inklusive einer Amalgamausleitung als Heilsbringer.

 

Die Vorteile von Amalgam

Was ist Amalgam überhaupt?

Mischt der Zahnarzt ein Metallpulver aus z.B. Silber, Zinn und Kupfer mit Quecksilber, entsteht eine Legierung namens Amalgam (griech.: das Nicht-Erweichende). Die verformbare Paste findet häufig Verwendung als Material für Zahnfüllungen in ”nicht-sichtbaren“ Mundbereichen wie den Backenzähnen.

Amalgam gilt als abrieb- und bruchfest, widerstandsfähig gegen Druck und Feuchtigkeit sowie als lange haltbar (bis zu 20 Jahre). Es ähnelt in seinem temperaturbedingten Ausdehnungsverhalten dem Zahnschmelz und passt sich Hohlräumen im Zahn an. Außerdem ist es schnell und leicht zu verarbeiten und dazu noch kostengünstig. Trotz diesen unbestreitbaren Vorteilen gerät Amalgam aber immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik.

Die Risiken von Amalgam

Übeltäter Quecksilber

Zweifellos haben Amalgamfüllungen auch Nachteile. Sie brauchen z.B. eine Unterfüllung mit Zement, verleihen eine wenig ästhetische Farbgebung (poliert silbrig, sonst grau bis schwarz), können Zahnverfärbungen, Missempfindungen am behandelten Zahn oder einen metallischen Geschmack im Mund erzeugen. Und bergen das Risiko einer neuerlichen Kariesbildung, wenn sie nicht richtig mit dem Zahn abschließen.

Darüber hinaus werden dem Amalgam aber auch unliebsame Nebenwirkungen zugeschrieben. Diese beruhen auf seinem Gehalt an Quecksilber. Denn Quecksilber wirkt toxisch (giftig) auf den menschlichen Organismus, kann zahlreiche Beschwerden auslösen. Zu diesen gehören unter anderem Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Zahnlockerungen, vermehrter Speichelfluss, Durchfälle, Mundschleimhaut- und Nierenentzündungen, aber auch neurologische Symptome wie Muskelzuckungen, Stimmungsschwankungen, Erregungs- und Angstzustände, Hör-, Seh-, Gefühls-, Sprach-, Gang-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie Persönlichkeitsveränderungen. Auch Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Beschwerden, Haarausfall, Appetit- oder Schlaflosigkeit, Schwindel, Reizbarkeit, Depressionen und Zittern sollen auf das Konto des Schwermetalls gehen. Möglicherweise spielt Quecksilber sogar beim Ausbruch von Autoimmunerkrankungen (das Immunsystem richtet sich gegen körpereigene Strukturen) wie z.B. der Multiplen Sklerose oder Morbus Crohn eine Rolle.

Reale Gesundheitsgefahr oder nur Panikmache?

Die Gefahr einer Quecksilbervergiftung erweist sich als gering, wenn eine Amalgamfüllung nach ihrem Anbringen gerade aushärtet, weil dabei das freie Quecksilber fest im Metallgemisch gebunden wird. Anders soll sich die Situation jedoch beim Legen, Polieren oder Herausbohren einer Amalgamfüllung gestalten, weil dann – wenn auch nur kurzfristig – Quecksilberdämpfe austreten, die über den Speichel, die Mundschleimhaut und Lunge in den Organismus gelangen und sich in Organen wie dem Gehirn, den Nieren, der Leber und der Milz einlagern.

Gesundheitsschäden aufgrund von Amalgamfüllungen konnten bislang allerdings nicht eindeutig belegt werden. Dennoch bekommen viele Menschen Angst und entschließen sich dazu, Amalgamplomben durch andere Zahnfüllungen zu ersetzen. Auch wenn aus schulmedizinischer Sicht kein Grund besteht, sie auszutauschen, sofern sie intakt sind und keine nachgewiesene Quecksilberallergie vorliegt.

Amalgamentfernung in der Schwangerschaft

Bevor man die ”tickende Zeitbombe” im Mund los wird, muss man erst einmal einen auf Amalgamentfernung spezialisierten Zahnarzt ausfindig machen und sollte sich von ihm beraten lassen. Auch im Hinblick auf geeignete Ersatzmaterialien und die Kosten der zu erwartenden Behandlungen.

Zudem ist es aufgrund der bei einer Amalgamentfernung freiwerdenden erhöhten Quecksilberkonzentration ratsam, die Behandlung unter gewissen Umständen nicht durchführen zu lassen. Wie etwa während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit, um das (ungeborene) Kind nicht unnötig dem giftigen Schwermetall auszusetzen.

Amalgamentfernung: der Ablauf

Amalgam

Foto: Shutterstock, (c) jordache

Damit der Organismus während der Amalgamentfernung nur wenig mit Quecksilber belastet wird, erfolgt diese optimalerweise unter folgenden Bedingungen:

  • vorwiegend mechanische (ohne Bohren) Entfernung von Amalgamfüllungen oder Verwendung von niedrigtourigen Einmalhartmetallfräsern, die kaum quecksilberfreisetzende Hitze verursachen.
  • vollständige Entfernung nicht nur von Amalgamfüllungen, sondern auch etwaigen sogenannten Amalgamtätowierungen (grau-schwarze Einlagerungen von Quecksilber in der Zahnsubstanz), am besten unter Nutzung eines Mikroskops/einer Lupenbrille, damit dabei nicht unnütz gesunde Zahnsubstanz verloren geht, denn beim Ausbohren für eine neue Füllung muss immer auch gesunde Zahnsubstanz entfernt werden.
  • herausgelöste Amalgambrocken und Quecksilberdämpfe müssen abgesaugt werden.
  • eine Wasserspraykühlung verhindert die Erhitzung und Freisetzung von Quecksilber.
  • Anwendung eines Kofferdams, d.h. einer Gummiabdichtung die den gesamten übrigen Mundraum gegenüber dem Arbeitsbereich (ein oder mehrere Zähne) abgrenzt und die vor dem Verschlucken oder Einatmen von Amalgamresten schützt.
  • Aufsetzen einer Schutzbrille.
  • Sauerstoffgabe über eine Nasenmaske, damit möglichst wenig Quecksilberdämpfe eingeatmet werden.
  • Quecksilberdämpfe mithilfe eines Ionenkollektors (Bindung der Dämpfe an einen Filter) unschädlich machen.
  • Abfälle vorschriftsgemäß entsorgen.

Worauf außerdem geachtet werden sollte

Eine komplette Amalgamentfernung sollte nach Meinung vieler Naturheilkundler von einer Amalgamausleitung begleitet werden, damit das noch im Organismus befindliche Quecksilber aus dem Körper verschwindet und dort keinen Schaden mehr anrichtet. Beispielsweise mit Chlorella- oder Spirulina-Algen, Aktivkohle, Bärlauch, Koriander, Heilerde, organischem Schwefel oder homöopathischen Präparaten. Die Gabe von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen (z.B. Selen, Zink) unterstützt den Ausleitungsprozess. Ebenso eine ausgewogene, naturbelassene, vitalstoffreiche Ernährung.

Parallel dazu kann unter fachkundiger Anleitung (weil sonst Nebenwirkungen wie zum Beispiel Nierenprobleme drohen) eine spezifische Entgiftung mit Medikamenten wie DMSA (Dimercaptobernsteinsäure) oder DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) erfolgen, die das Quecksilber binden und über die Nieren aus dem Körper schwemmen. DMSA und DMPS sind neben ALA (Alphaliponsäure) Bestandteile des sogenannten Cutler-Protokolls, einer speziellen Ausleitungsmethode mit bestimmten Zeitvorgaben zur Aufrechterhaltung eines Entgiftungskreislaufs nach der Amalgamentfernung.

Alternativen zu Amalgam

Neben Amalgam eignen sich auch andere Materialien als Zahnfüllungen, wie z.B.:

  1. Glasionomerzement: mineralischer Zement für Übergangsfüllungen
  2. Kompomer: Mischung aus Glasionomerzement und Kunststoff
  3. Komposit: Mix aus Kunststoff und feinen Glasteilchen
  4. Gold
  5. Porzellan
  6. Keramik (z.B. Zirkoniumoxid)

Ausnahmslos alle Zahnfüllungen verfügen jedoch über Vor- und Nachteile. Dennoch muss man sich nach Beratschlagung mit seinem Zahnarzt für eine Variante entscheiden, denn nach der Amalgamentfernung wollen die Löcher in den Zähnen wieder verschlossen werden.

Kosten einer Amalgamentfernung

Da ein Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Amalgam bislang nicht erwiesen ist, bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen den Austausch in der Regel nicht. Außer es besteht eine medizinische Notwendigkeit, d.h. eine nachgewiesene Quecksilber-Allergie, die jedoch selten vorkommt. Der Preis für andere Zahnfüllungen als Amalgam variiert je nach Material und Arbeitsaufwand. Ausgaben für eine Ausleitungstherapie trägt allenfalls der Patient.

Amalgamfüllung raus – Beschwerden weg?

Amalgam

Foto: Shutterstock, (c) pathdoc

So einfach ist es leider nicht, zeigen Erfahrungen nach Amalgamentfernungen. Denn sollte wirklich eine chronische Quecksilbervergiftung hinter den Beschwerden stecken, genügt der Austausch von Plomben nicht. Auch Ausleitungsverfahren, die auf eine möglichst vollständige Quecksilberausscheidung abzielen, können Jahre benötigen, bis eine spürbare Besserung des Befindens eintritt.

Neben den auf Amalgamentfernung spezialisierten Zahnärzten beschäftigen sich auch viel Fachärzte für Komplementäre Medizin mit dem Thema Ausleitung und bieten auch die entsprechende Beratung.

Hier findest du die besten Zahnärzte in deinem Bundesland:

[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

Quellen:

http://www.konsument.at/gesundheit-kosmetik/zahnaerzte-amalgamberatung

http://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/2/5/0/CH1095/CMS1207724860370/empfehlungen_zu_dentalamalgam.pdf

http://www.symptome.ch/wiki/Cutler-Protokoll_-_Anleitung_auf_Deutsch



HEROLD.at verwendet Cookies damit Sie unsere Webseite optimal nutzen können sowie für Marketingzwecke: Cookie Richtlinie