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Zahnfüllung: welche ist die beste, welche die günstigste?

Zahnfüllung

Amalgam ist das Material, das bei einer Zahnfüllung am häufigsten zum Einsatz kommt.  Foto: Adobe Stock, (c) Björn Wylezich

Frisst die Karies (Zahnfäule) ein Loch in einen Zahn, muss dieses aufgefüllt werden. Sonst schreitet die Erkrankung fort und führt schlimmstenfalls zum Zahnverlust. Für eine Zahnfüllung gibt es verschiedene Materialien, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Haltbarkeit, Belastbarkeit, Ästhetik und Kosten, die die Krankenkassen nur unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen. Hier einige Details.

Zahnfüllungen und ihre Vor- und Nachteile

Vor der Zahnfüllung: Präparation

Damit ein kariöser Zahn mit einer Füllung versehen werden kann, muss zuerst die erkrankte Zahnsubstanz (so viel wie nötig, so wenig wie möglich) entfernt werden. Das bezeichnet die Zahnheilkunde als Präparieren, was in der Regel mit einem Bohrer geschieht. Anschließend wird die Kavität gereinigt und mit metallischen oder nichtmetallischen Werkstoffen möglichst dicht verschlossen.

Hierzu dient plastisches Füllmaterial (z.B. Amalgam, Kunststoff), das der Zahnarzt direkt nach dem Ausbohren und Reinigen in formbarem Zustand in den Zahn einbringt, damit es dort aushärtet, was lediglich eine einzige Sitzung erfordert. Oder eine Einlagefüllung (Gold- oder Keramik-Inlay), für die zuerst ein Zahnabdruck abgenommen werden muss, damit sie in einem Dentallabor von einem Zahntechniker angefertigt, dann – in einer weiteren Sitzung –  vom Zahnarzt in den Zahn eingepasst und befestigt werden kann.

Für das Einbringen von Füllungen (v.a. bei Kunststoff) ist akribisches und sauberes Arbeiten notwendig. Damit sie sich gut mit dem Kleber bzw. Zement verbinden, sodass sie sich nicht lockern, gar rausfallen oder auch zu hoch stehen, sodass sie den Aufbiss stören.

Haltbar & preiswert: Amalgam

Das seit mehr als 100 Jahren in der Zahnmedizin verwendete Amalgam gilt als klassisches Füllmaterial für ausgedehnte kariöse Läsionen an Zähnen im “nichtsichtbaren“ Bereich (Seitenzahnbereich/Backenzahnregion), die hohem Kaudruck ausgesetzt sind. Das Gemisch aus Silber, Kupfer, Zinn und Quecksilber zeichnet sich durch seine lange Haltbarkeit (oft > 10 Jahre), eine gute Passform und Kaubeständigkeit sowie vergleichsweise geringe Allergenität aus.

Und es dichtet gut ab, denn Amalgam verfügt über eine Eigenschaft namens Creeping. D.h. Amalgamfüllungen “kriechen“ infolge einer langsamen Volumenzunahme aus dem Zahn heraus. Somit verschließen sie etwaige kleine Spalten an den Füllungsrändern. Ein weiteres Plus: Die österreichischen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Amalgamfüllungen zur Gänze.

Obwohl wissenschaftlich fundierte Beweise für die Gesundheitsschädlichkeit von Amalgamplomben ausstehen, beanstanden kritische Stimmen den Gehalt an potenziell toxischem Quecksilber. Vorsichtshalber wird angeraten, in der Schwangerschaft und Stillperiode sowie bei Milchzähnen kein Amalgam zu verwenden und auch keine alten Amalgamfüllungen zu entfernen.

Zudem: Aufgrund seiner (silber-)grauen Farbe ist die Anwendung von Amalgam aus ästhetischen Gründen im Bereich der vorderen Zähne naturgemäß nicht optimal.

Kunststofffüllungen: ästhetisch…

Komposite alias Kunststofffüllungen sind Substanzgemische aus z.B. feinsten Glaspartikeln oder einem Salz der Kieselsäure und Methacrylaten. Sie befinden sich in einem knetgummiähnlichen und damit verarbeitungsfähigen Zustand und härten nach ihrem Einbringen in den Zahndefekt mithilfe von Bestrahlung mittels Halogen- oder Diodenlampe aus. Da sie sich in ihren Farbtönen der jeweils vorhandenen Zahnsubstanz anpassen, stellen sie aus ästhetischer Sicht das ideale Füllmaterial für den Front- und Seitenbereich im Gebiss dar.

Bei kleinen Kariesschäden genügt oft, den Zahnschmelz der gereinigten Kavität per Säureätztechnik aufzurauen und mit einem dünnflüssigen Kleber (Bonding) zu versehen, dann in einem Arbeitsschritt (“Einschichtverfahren“) das weiche Komposit in den Zahn zu füllen und mit Speziallicht zu härten (einfache Kompositfüllung). Unmittelbar danach darf man bereits essen und muss nicht erst zuwarten, bis sich die Füllung gefestigt hat.

In puncto Kosten werden diese nur von den Kassen übernommen, wenn einfache Kunststofffüllungen in Front- (Schneide- und Eckzähne) eingebracht werden oder bei Seitenzähnen für geschichtete Kompositfüllungen, wenn eine Allergie gegen andere Füllstoffe (z.B. Amalgam) nachgewiesen wurde. Sonst kosten Kompositfüllungen in Österreich zwischen 60 und 200 Euro.

…aber kurzlebiger

Kunststofffüllungen machen bei ihrer Aushärtung einen Schrumpfungsprozess (Kontraktion) durch. Daher entstehen zwischen Füllung und Zahnsubstanz Randspalten. Spuren von Feuchtigkeit oder Blut, die sich darin befinden, verhindern eine feste Verbindung zwischen Zahnsubstanz und Füllmaterial, sodass oft erneut Karies entsteht. Deshalb kommt bei größeren Läsionen eine geschichtete Kompositfüllung zum Einsatz. Dabei wird das Komposit in mehreren einzelnen Schichten aufgetragen, die nacheinander aushärten. Für sehr hohe ästhetische Ansprüche lässt sich diese Mehrschichttechnik mit einer Mehrfarbtechnik kombinieren, bei der die einzelnen Kompositschichten unterschiedliche Farbintensitäten besitzen, um sich bestmöglich an die natürliche Zahnfarbe anzupassen.

Nachteile: Zumindest bei großen Füllungen hapert es bei der Haltbarkeit, die meist nur vier bis acht Jahre beträgt – dann muss erneuert werden. Auch ist eine Verfärbung (z.B. gelblich bis braun durch Nikotin, Tee, Rotwein) und Abrasion (Abnutzung durch Reibung) möglich, ebenso eine erhöhte Aufbissempfindlichkeit (Schmerzen nach Zahnfüllung). Und: Kompositbestandteile können allergische Reaktionen (z.B. Hautquaddeln, Knötchen in der Mundhöhle Atemwegsaffektionen) hervorrufen, weshalb ein Allergietest vor ihrer Verwendung ratsam erscheint.

Zahnfüllung

Eine Zahnfüllung aus Kunststoff passt sich in der Farbe an die vorhandene Zahnsubstanz an. Foto: Adobe Stock, (c) Bilderjet medi@

Für den Übergang: Glasionomerzement

Glasionomerzement, ein eigens für die zahnärztliche Anwendung entwickelter weicher Zement mit matter, heller Oberfläche nach der Härtung, dient v.a. zur Befestigung von Zahnersatz, erweist sich als Füllmaterial jedoch nur begrenzt haltbar. Daher kommt er hauptsächlich als provisorische Füllung oder zur Versorgung kariöser Milchzähne zum Einsatz. Er enthält Fluorid, das langsam freigesetzt wird und der Entwicklung von Karies an den Füllungsrändern vorbeugen soll.

Ähnlichen Zwecken dient Kompomer. Dieser Kombinationswerkstoff aus Komposit und Glasionomerzement eignet sich ebenfalls nur für die Versorgung von Milchzähnen, den Zahnhalsbereich und provisorische Füllungen.

Langlebig, aber kostenintensiv: Inlays

Inlays (Füllungseinlagen) sind ideal zur Versorgung für Kompositfüllungen zu umfangreicher Löcher in den Zähnen. Sie bestehen meist aus einer Goldlegierung (z.B. 75% Gold und ca. 25% Silber, Kupfer und Platin oder Keramik), seltener aus Porzellan. Zwecks ihrer Anfertigung wird zuerst vom Zahnarzt ein Abdruck abgenommen. Anhand des Abdrucks fräst (Keramik) bzw. gießt (Gold) ein Zahntechniker das Inlay, das der Zahnarzt in einer zweiten Sitzung mit Spezialkleber oder Zahnzement passgenau einfügt. Damit das Inlay hält, müssen die Zahnwände nach dem Ausbohren der Kavität eine bestimmte Mindeststärke aufweisen. Sonst bringen die bei Kaubewegungen auftretenden Kräfte den Zahn zum Brechen.

Inlays verfügen bei fachgerechter Anpassung günstigerweise über eine lange Lebensdauer (Gold: mindestens 10–15 Jahre, bis zu lebenslang), eine gute Verträglichkeit, bei der Zahnfarbe angeglichenem Material (z.B. Porzellan) auch über die willkommene Ästhetik.

Haken: Die Verwendung von Inlays ist mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden. Sie können je nach verwendetem Material und Behandlungsaufwand bis zu 3.000,- Euro pro Zahn betragen.

Nachteilig: Materialmix als Zahnfüllung

Befinden sich verschiedene Metalle im Mund, können galvanische Ströme (“Mundbatterie“) und damit eine Korrosionsgefahr entstehen.

Hier findest du die von HEROLD.at Usern am besten bewerteten Zahnärzte in deinem Bundesland:

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