Zahnarztbehandlung in Narkose: Voraussetzungen – Ablauf – Kosten

Zahnarzt Narkose Kosten

Du suchst einen Zahnarzt mit Narkose? Hier findest du ihn. Foto: Adobe Stock, (c) Microgen

Einfach entspannt einschlafen, nichts spüren und mit in Ordnung gebrachten Zähnen wieder aufwachen. Angstfrei und schmerzlos. Klingt doch sehr angenehm, oder? Das Beste daran: Es ist – recht oft jedenfalls – machbar. Sofern der Gesundheitszustand des Patienten eine Betäubung zulässt und der Zahnarzt Behandlungen in Narkose durchführt, wozu er allerdings einen Kollegen aus dem Fach Anästhesie braucht. Das kostet jedoch Geld. Und birgt auch einige Risiken.

Zahnarzt Narkose: Wann macht das Sinn?

Umfangreiche Operationen wie z.B. die Entfernung retinierter (nicht durchgebrochener) oder impaktierter (eingeklemmter, nicht durchgebrochener) Weisheitszähne aus dem Kiefer erweisen sich als körperlich und psychisch anstrengend und können mehrere Stunden dauern. Ebenso wie Zahnbehandlungen in stark entzündeten Regionen sind sie unter örtlicher Betäubung kaum schmerzlos durchführbar. In diesen Fällen bewirkt eine Narkose, dass die zahnärztlichen Aktivitäten vom Patienten nicht wahrgenommen werden und daher für ihn beschwerdefrei ablaufen. Lediglich für eine Weile danach kann etwas Wundschmerz auftreten, wofür in der Regel jedoch Schmerzmittel mitgegeben oder verschrieben werden.

Weitere Gründe für eine Narkose beim Zahnarzt

Langwierige, zahntechnisch aufwändige Eingriffe wie z.B. das Setzen von Implantaten oder Beschleifen von Zähnen zwecks Anbringung von Kronen oder Brücken wiederum erfordern vor allem ein ausdauerndes und anstrengendes Mundoffenhalten. Und häufig mehrere Zahnarztbesuche. Werden derartige Zahnbehandlungen unter Narkose durchgeführt, benötigt man oft nur eine einzige Sitzung und die gesamte Prozedur ist erledigt. Weil der Zahnarzt an anästhesierten Patienten zügiger und störungsfrei arbeiten kann. Denn er muss nicht den Wirkungseintritt der örtlichen Betäubung abwarten bzw. diese mehrmals erneuern oder unkooperatives Patientenverhalten berücksichtigen. Auch können unter diesen Bedingungen manche zahnärztlichen Arbeiten schonender durchgeführt werden, sodass danach geringere Schwellungen und weniger Schmerzen auftreten.

Zahnarzt Narkose

Zahnarzt Narkose: Du träumst von einer schmerzfreien Behandlung bei deinem Zahnarzt? Foto: Adobe Stock, (c) karrastock

Manche Patienten sind nicht imstande, bei Behandlungen entsprechend mitzuarbeiten (z.B. den Mund weit oder lang genug aufzumachen), damit der Zahnarzt seine Arbeit verrichten kann. Etwa weil sie körperliche (z.B. eine schwere Bewegungsstörung) oder geistige Behinderungen aufweisen, die das unmöglich machen. Dieses Problem fällt unter einer Narkose weg.

Auch Menschen, die Zahnarztbesuche extrem scheuen, weil sie unter einer Dentalphobie (krankhafte Zahnarztangst) leiden, profitieren von der Möglichkeit, unter Narkose behandelt zu werden. Weil sie dann Angsteinflößendes wie z.B. unangenehme Bohrgeräusche nicht wahrnehmen, was Zahnbehandlungen oft erst ermöglicht.

Voraussetzung für eine Narkose beim Zahnarzt

Ähnlich wie bei anderen Operationen auch muss bei zahnärztlichen Eingriffen im Vorfeld geklärt werden, ob der jeweilige Patient überhaupt narkosetauglich ist oder für ihn eine Betäubung zu gefährlich wäre. Deshalb verschafft sich der Anästhesist ein genaues Bild vom Gesundheitszustand des Patienten. Anhand der Krankengeschichte und individuell abgestimmter Voruntersuchungen wie z.B. der Bestimmung gewisser Blutwerte, Durchführung eines EKGs zum Ausschluss von Herzerkrankungen oder eines Thoraxröntgens zum Ausschluss von Lungenleiden oder auch weiterer Diagnostikmethoden lässt sich abschätzen, ob (“Narkosefreigabe“) bzw. mit welchem Risiko ein Anästhesieverfahren durchgeführt werden kann.

Zahnarzt Narkose

Von Vollnarkose bis Lachgas: Betäubung beim Zahnarzt. Foto: Adobe Stock, (c) Myroslava

Außerdem ist der Narkosearzt verpflichtet, den Patienten über das geplante Verfahren, die damit verbundenen Vorteile und Risiken aufzuklären sowie alle diesbezüglichen Fragen mit ihm zu besprechen. Üblicherweise erhält der Patient dazu auch schriftliches Informationsmaterial. Und auf jeden Fall eine Einwilligungserklärung.

Steht fest, dass eine Narkose stattfinden kann, wird ein Behandlungstermin vereinbart, an dem der Patient die Einwilligungserklärung unterschrieben mitbringen und nüchtern erscheinen muss. Das bedeutet, er darf mindestens sechs Stunden vor Narkosebeginn nichts (Ausnahme: unerlässliche Medikamente mit ein wenig Wasser) zu sich genommen haben, um lebensbedrohliches Einatmen von erbrochenem Mageninhalt während der Betäubung zu vermeiden. Und er darf am Behandlungstag keinen Atemwegsinfekt, Durchfall oder Fieber haben. Außerdem sollte er bzw. sie dann am besten ein kurzärmeliges Oberteil tragen sowie auf Make-up, fettige Gesichtscreme, Lippenstift und Nagellack verzichten, um dem Anästhesisten die Arbeit (Auffinden einer Vene zur Setzung einer Dauernadel, Intubation, Überwachung der Sauerstoffsättigung im Blut) zu erleichtern.

Wie läuft eine Narkose beim Zahnarzt ab?

Nimmt der Patient am Zahnarztstuhl Platz, setzt der Narkosearzt einen Venenzugang und es erfolgt die Narkoseeinleitung. An Anästhesieverfahren stehen ihm für Zahnbehandlungen zur Auswahl:

  • die Allgemeinanästhesie (Vollnarkose), bei der eine Kombination aus intravenös verabreichten Medikamenten (starke Schmerzmittel, Muskelrelaxantien) einen schlafähnlichen Zustand erzeugt, bei dem es zu einer Ausschaltung des Bewusstseins und des Schmerzempfindens, aber auch der Atmungssteuerung kommt, sodass eine Beatmung per Gesichtsmaske oder bei längeren Eingriffen über einen Trachealtubus (in die Luftröhre eingeführter Kunststoffschlauch) oder eine Larynxmaske (vor dem Kehlkopf liegender, abdichtender Tubus) notwendig wird. Während der Narkose werden die lebenswichtigen Funktionen per Apparaturen wie einem EKG-Monitor, Fingerclip und Blutdruckmessgerät durchgehend überwacht.
  • die Sedoanalgesie (Dämmerschlaf), bei der ein intravenös verabreichtes Beruhigungsmittel eine tranceartige Bewusstseinsveränderung auslöst, aus der man weckbar ist und die meist keine Erinnerung daran hinterlässt. Gleichzeitig sorgt eine örtliche Betäubung im Operationsgebiet für Schmerzfreiheit. Die Methode eignet sich für Eingriffe mit einer Behandlungsdauer von ein bis zwei Stunden wie Wurzelspitzenresektionen, Weisheitszahnextraktionen, kleinere Zahnbeschliffe oder Implantatsetzungen, findet jedoch unter denselben Bedingungen (Voruntersuchungen, Arztgespräche, Nüchternheit, Funktionskontrollen) statt wie eine Vollnarkose.
  • die Lachgas-Anästhesie, eine leichte Sedierung (Beruhigung mit Herabsetzung des Schmerzempfindens) durch Einatmung eines Gemischs aus dem Inhalationsanästhetikum Lachgas (Distickstoffmonoxid, Distickstoffoxid, Stickoxydul) und Sauerstoff über eine Gesichtsmaske, die zu einem angstfreien, entspannten Zustand führt, der eine innere Distanz zum Geschehen nach sich zieht. Sie eignet sich für kurze Eingriffe bei Kleinkindern/Kindern und in Ausnahmefällen auch bei Erwachsenen.

Welche Narkose beim Zahnarzt? 

Die Wahl des Anästhesieverfahrens hängt vom Gesundheitszustand des Patienten und von der Art des Eingriffs ab. Denn die Dauer der Betäubung richtet sich nach der Länge der Behandlung. Nach Beendigung des Eingriffs wird der Patient wieder aufgeweckt und bleibt eine Zeit lang unter ärztlicher Beobachtung, bevor er nach Hause darf. Wobei er am besten von einer Begleitperson heim gebracht wird, denn selbst darf er für 24 Stunden nicht ans Steuer eines Fahrzeugs, weil Narkosemittel, die im Körperfett gespeichert und nur langsam abgebaut werden, nachwirken. Auch in puncto Essen und Trinken darf man nicht gleich mit Vollgas loslegen. Hier ist zunächst eine schluckweise Flüssigkeitsaufnahme und leicht kaubare Nahrung (am besten Suppe) angesagt.

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Zahnarzt Narkose: Hier erfährst du alles rund um das Thema. Foto: Adobe Stock, (c) alexin0

Risiken einer Narkosebehandlung beim Zahnarzt

Moderne Narkoseverfahren gelten als sicher, doch verbleibt trotz dabei stattfindender fortlaufender Überwachung wichtiger Körperfunktionen zur Vorbeugung etwaiger Komplikationen ein gewisses Restrisiko. So kann es – selten, aber doch – zu sogenannten “Narkosezwischenfällen“ kommen wie

  • Herzrhythmusstörungen.
  • einem Herz-Kreislauf-Stillstand.
  • einem Laryngospasmus: krampfartiger Stimmritzenverschluss.
  • einem Atemstillstand.
  • einer Aspiration: Einatmen von Mageninhalt in die Lunge, sodass es zu einer Lungenentzündung kommt.
  • der Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) und deren Verschleppung über die Blutbahn (Embolie).
  • einer malignen Hyperthermie: genetisch bedingte Entgleisung des Kalziumstoffwechsels als Reaktion auf Inhalationsanästhetika (ausgenommen Lachgas), Muskelrelaxantien wie Succinylcholin oder Stress – mit starken Muskelkontraktionen, die zu einem Anstieg der Körperkerntemperatur führen und (unbehandelt) möglichen Folgen wie einem Untergang von Muskelgewebe oder potentiell tödlichen Kreislauf- oder Nierenversagen.
  • allergischen Reaktionen auf Narkosemittel bis hin zum anaphylaktischen Schock.
  • Übelkeit oder Erbrechen nach einer Vollnarkose.
  • Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Beschädigungen von Zähnen, schlimmstenfalls Stimmbandläsionen aufgrund der Intubation bei einer Vollnarkose.
  • Venenreizungen, Hämatomen (Blutergüsse), Nervenverletzungen oder Infektionen an der Einstichstelle des Venenzugangs.
  • Lähmungserscheinungen an Extremitäten durch lagerungsbedingte Nervenschäden während des Eingriffs, die sich aber meistens rasch zurückbilden.

Was kostet eine Narkosebehandlung beim Zahnarzt? 

Wie teuer eine Narkose, Sedoanalgesie oder Lachgasanwendung kommt, hängt im Wesentlichen vom zahnärztlichen Eingriff bzw. dessen Dauer, nach der sich ja der Zeitaufwand der Betäubung richtet, sowie vom Anästhesieverfahren (unterschiedlicher Aufwand) selbst ab. Das kann ein Betrag zwischen € 250 bis 1.000 oder auch mehr sein.

Unter bestimmten Voraussetzungen können jedoch die Krankenkassen die Kosten für Narkosen bei Zahnbehandlungen übernehmen wie z.B. bei

  • Kindern ohne Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt.
  • Menschen mit geistiger Behinderung oder schwerer Bewegungsstörung.
  • Kranke, für die aufgrund eines organischen Leidens oder einer Allergie örtliche Betäubungsmittel nicht infrage kommen.
  • Patienten, die einen größeren zahnchirurgischen Eingriff benötigen, der nicht unter Lokalanästhesie (örtlicher Betäubung) durchgeführt werden kann.
  • Menschen mit nachgewiesener Dentalphobie.

Wobei sich die Kostenübernahme für Zahnbehandlungen unter Vollnarkose in der Regel auf die einfachen Leistungen (z.B. Entfernung retinierter oder kaputter Zähne) der gesetzlichen Krankenkassen beschränken, sodass Anästhesieverfahren bei Zusatzleistungen (z.B. Füllungssanierung) oft vom Patienten selbst zu bezahlen sind.

Zudem: Um bei ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme einer notwendigen Zahnbehandlung unter Vollnarkose zu beantragen müssen Dentalphobiker einen Nachweis, dass sie sich wegen ihrer Zahnarztangst in psychotherapeutischer Behandlung befinden, erbringen bzw. ein Attest eines Facharztes für Psychiatrie oder psychotherapeutische Medizin einreichen.

Hier findest du die besten Zahnärzte in deinem Bundesland:



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