Wann ist Ergotherapie bei Kindern sinnvoll? Definition, Ablauf, Kosten

Ergotherapie bei Kindern - Kind malt auf Papier mit Farben

Ziel der Ergotherapie bei Kindern ist, dass sie ihren Alltag selbstständig bewältigen können. Foto: Adobe Stock, (c) zwiebackesser

Ergotherapie hilft Kindern mit Einschränkungen unterschiedlicher Ursachen, ihren Alltag im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbstständig meistern zu können. Hier erfährst du, was genau Ergotherapie ist, wann die Therapie für Kinder ratsam ist, wie Ergotherapie abläuft und wie viel sie kostet.

Was ist Ergotherapie? Definition

Ergotherapie kann ganz einfach erklärt werden: Ergotherapie hilft Menschen aller Altersgruppen, ihren Alltag selbstständig bewältigen zu können.

Dabei unterstützen Ergotherapeuten Menschen, die aufgrund von Erkrankungen, Behinderungen oder Entwicklungsstörungen in ihrem Alltag, in der Schule oder im Beruf eingeschränkt sind, und helfen ihnen, selbstständig handeln zu können. Ergotherapie kann aber auch als Prävention eingesetzt werden, noch bevor eine Einschränkung entsteht.

Der Begriff Ergotherapie ist von dem griechischen Wort „érgon“ abgeleitet, welches so viel wie handeln oder tätig sein bedeutet. Ergotherapie bezieht sich also auf die Annahme, dass aktive Handlungen eine heilende Wirkung auf den Menschen haben. Ein primärer Bestandteil der Ergotherapie sind deshalb aktive und gezielte Übungen und Tätigkeiten.

Ergotherapie wird in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt:

  • Psychiatrie, z. B. bei Angststörungen oder Suchterkrankungen
  • Geriatrie, z. B. zur Förderung von motorischen Fähigkeiten bei älteren Menschen
  • Orthopädie, z. B. nach Knochenbrüchen, Amputationen oder traumatischen Störungen
  • Neurologie, z. B. nach einem Schlaganfall oder bei Schädel-Hirn-Verletzungen

In der Ergotherapie hat besonders der Fachbereich Pädiatrie, also die Behandlung von Kindern und Jugendlichen, einen großen Stellenwert. Dabei orientiert sich die Ergotherapie stark an der Entwicklungspsychologie und fördert Kinder in allen Entwicklungsbereichen: motorische, sprachliche, kognitive, emotionale und soziale Entwicklung. Im Zentrum der Ergotherapie stehen die Alltagsprobleme des Kindes. Ergotherapie setzt genau hier an und hilft dem Kind dabei, seinen Alltag selbstständig bewältigen zu können.

Die Ursachen für die Alltagsprobleme der Kinder kann folgende Ursachen haben:

  • Entwicklungsstörungen
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Störungen der Fein- oder Grobmotorik
  • chronische Erkrankungen
  • angeborene Behinderungen, z.B. Down-Syndrom
Ergotherapie bei Kindern

Ergotherapie bei Kindern wird immer spielerisch durchgeführt. Foto: Adobe Stock, (c) Köpenicker

Wann braucht ein Kind Ergotherapie?

Ergotherapie ist für ein Kind dann sinnvoll, wenn es seinen Alltag nur schwer oder gar nicht alleine bewältigen kann. Wenn eine oder mehr der folgenden Aussagen auf dein Kind zutreffen, kann Ergotherapie die richtige Behandlung für dein Kind sein.

  • Ist das Kind sehr unruhig und kann sich nur schwer auf eine Sache konzentrieren?
  • Hat das Kind Probleme, sich an Regeln halten?
  • Ist das Kind sehr ungeschickt, fällt oft hin oder zerstört Dinge unabsichtlich?
  • Hat das Kind Probleme beim Besteck halten, schneiden oder balancieren?
  • Kann das Kind Stifte nicht richtig halten?
  • Ist es ängstlicher als andere Kinder im gleichen Alter?
  • Hat das Kind Schwierigkeiten, Freunde zu finden?
  • Braucht das Kind Hilfe beim An- und Ausziehen?
  • Ist das Kind sehr unselbstständig und verlangt ständig die Hilfe eines Erwachsenen?
  • Das Kind mag nicht Malen oder im Sand spielen?
  • Spielt das Kind immer nur dasselbe Spiel und hat kaum eigene Spielideen?
  • Ist das Kind sehr chaotisch und kann kaum Ordnung halten?

 

Wie wirkt Ergotherapie?

Ziel der Ergotherapie bei Kindern ist eine Verbesserung der Handlungsfähigkeit, sodass das Kind seinen Alltag selbstständig bewältigen kann. Die Therapie setzt immer an den Bedürfnissen und Problemen des einzelnen Kindes an und kann es dadurch auch in verschiedenen Bereichen fördern. Je nachdem, welche Hilfe das Kind benötigt, kann mit Ergotherapie folgendes erreicht werden:

  • Training der Selbstversorgung, wie z. B. An- und Ausziehen, Essen, etc.
  • Förderung der sensomotorischen Fähigkeiten, wie z. B. Gleichgewicht, Koordination, Fein- oder Grobmotorik
  • Verbesserung der kognitiven Fertigkeiten, z. B. Konzentration, Gedächtnis, Aufmerksamkeit
  • Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen, z. B. Kommunikation, Eigenverantwortung, Regelverständnis
  • Stärkung des Selbstvertauens und Förderung psychischer Stabilität
Wichtig: In der Ergotherapie wird der Mensch ganzheitlich betrachtet – samt seiner Umwelt. Deshalb ist die Unterstützung der Eltern, Kindergartenpädagogen, Lehrer und anderer Bezugspersonen ein wichtiger Bestandteil der Therapie!

Wer verschreibt dem Kind Ergotherapie?

Ergotherapie für Kinder findet in den meisten Fällen nach einer ärztlichen Verordnung des Hausarztes oder eines Facharztes statt, nachdem dieser eine medizinischen Diagnose erstellt hat. Erst mit dieser Diagnose kann eine Ergotherapie durchgeführt werden. Eine Ausnahme ist hier die Prävention. Ergotherapeutische Maßnahmen können zur Förderung der Gesundheit oder zur Verhinderung von Einschränkungen im Alltag auch ohne ärztliche Verordnung in Anspruch genommen werden.

Ergotherapie bei Kindern

So kann ein Behandlungsraum eines Ergotherapeuten für Kinder aussehen. Foto: Adobe Stock, (c) Michael Eichler

Ablauf einer Ergotherapie für Kinder

Beim ersten Termin mit dem Ergotherapeuten wird eine ergotherapeutische Begutachtung durchgeführt und eine ausführliche Anamnese erstellt. Dabei beobachtet der Therapeut das Kind während verschiedener Spielsituationen, um die Stärken und Schwächen des Kindes herauszufinden. Für die Anamnese werden zahlreiche Fragen zum Alltag des Kindes gestellt. In welchen Bereichen hat das Kind Schwierigkeiten? Was möchte das Kind besser können? Wo braucht es Unterstützung? Auch die medizinische Vorgeschichte und Entwicklung werden detailliert erfragt.

Im Anschluss findet ein Gespräch mit den Eltern des Kindes statt. Hier wird der Befund besprochen und anhand des ergotherapeutischen Gutachtens und der medizinischen Diagnose werden gemeinsam mit den Eltern Therapieziele festgelegt und ein Therapieplan erstellt. Ein Therapieziel ist zum Beispiel, dass das Kind sich selbstständig anziehen kann, selbst auf eine Rutsche klettern kann oder für eine gewisse Zeit mit einem anderen Kind spielt. Die Ergotherapie selbst findet meistens wöchentlich statt und dauert pro Session etwa eine Stunde. In der Regel findet Ergotherapie mit dem Patienten alleine statt, kann aber in manchen Fällen auch in einer Gruppentherapie erfolgen.

Ergotherapie bei Kindern wird immer spielerisch durchgeführt. Durch gezielte spielerische Aktivitäten werden die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kindes gezielt gefördert. Die Aktivitäten orientieren sich oft an alltäglichen Tätigkeiten wie etwa Schneiden, Kleben, Zeichnen oder An- und Ausziehen.

Das Programm der Ergotherapie kann von Kind zu Kind sehr unterschiedlich aussehen. Typische Übungen, die in einer Ergotherapie vorkommen, sind zum Beispiel klettern, Gleichgewichtsparcour, spielen mit Bällen oder arbeiten mit verschiedenen Materialien.

Kosten für Ergotherapie bei Kindern

Die Kosten für die Ergotherapie können teilweise von der Krankenkasse zurückerstattet werden. Dafür musst du die Verordnung des Arztes zu deiner Krankenkasse schicken und diese chefärztlich bewilligen lassen. Danach werden die Kosten, je nach Krankenkasse, in der Höhe von € 27 bis € 59 pro Sitzung zurückerstattet. Eine Ergotherapie-Session kostet im Durchschnitt € 70 bis € 80 für 60 Minuten.

Ergotherapeuten für Kinder in Österreich

Physiotherapie mit Kindern

Ergotherapeuten für Kinder sollten sorgfältig ausgewählt werden. Foto: Adobe Stock, (c) Dan Race

Der Ergotherapeut für dein Kind sollte sehr sorgfältig ausgewählt werden, um den besten Erfolg der Therapie zu garantieren. An erster Stelle steht natürlich die fachliche Kompetenz des Ergotherapeuten. Informiere dich auf der Website oder in der Praxis selbst, welche Ausbildung und Fortbildungen der Therapeut absolviert hat. Besonders wichtig ist, dass der Therapeut seinen Schwerpunkt auf der Behandlung von Kindern und bereits Erfahrungen in dem Bereich hat, in dem das Kind Hilfe braucht.

Außerdem solltest du ein Gespräch zur Erstberatung wahrnehmen und dich erst dann für die Ergotherapeutin entscheiden, wenn du und vor allem das Kind sich mit der Therapeutin und in der Praxis wohlfühlen.

Tipp: Frage bei deinem Kinderarzt nach, ob er einen passenden Ergotherapeuten für dein Kind empfehlen kann!

Ergotherapeuten für Kinder in Wien

Therapiezentrum Wien in 1040 Wien (5 von 5 Sternen bei 24 Bewertungen)

Animaratio – Dr. Petra Marksteiner in 1100 Wien (4,9 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen)

Gemeinschaftspraxis Rodaun in 1230 Wien (5 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen)

Kinderpraxis Kupkagasse – Romana Müllner in 1080 Wien

Marianne Trefil in 1120 Wien

Martina Soukup in 1180 Wien

Spielstudio Kindertherapie in 1230 Wien

Ergopraxis Aspern in 1220 Wien

Ergotherapeuten für Kinder in Oberösterreich

Goth Gemeinschaftspraxis in 4910 Ried im Innkreis (5 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen)

Doris Weichselbaumer in 4694 Ohlsdorf (5 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen)

Pfiffikus Therapiehaus in 4020 Linz

Michaela Mortell in 4020 Linz

Gemeinsam im Zentrum in 4642 Sattledt

Ergotherapeuten für Kinder in Tirol

Jürgen Retter in 6020 Innsbruck (5 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen)

Ergobalance Cornelia Engl in 6460 Imst (5 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen)

Praxis Miteinander in 6112 Wattens

Christine Burtscher in 6200 Jenbach

Renate Jehle in 6060 Hall in Tirol

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