Erkältung bei Babys: Genügen Hausmittel oder muss der Arzt her?

Erkältung Baby

Erfahre hier, welche Hausmittel bei einer Erkältung beim Baby helfen. Foto: Adobe Stock, (c) Make_story Studio

Kaum werden Babys drei Monate alt, schon haben Erkältungsviren leichtes Spiel. Rinnt dann die Nase, kratzt es im Hals, niesen oder husten sie, werden die Kleinen unruhig und quengelig. Beschwerlich? Für die Kinder und die ganze Familie. Besorgniserregend? Meistens nicht.

In der Schwangerschaft und nach der Geburt sind Babys durch mütterliche Antikörper gegen eine Vielzahl von Krankheitserregern geschützt. Dieser “Nestschutz“ lässt jedoch allmählich nach. Dazu kommt, dass Babys ab dem Alter von drei Monaten alles Mögliche mit ihrem Mund erkunden (“orale Phase“). In diese Zeit fällt meist – bedingt durch den Kontakt mit Erkältungsviren – der erste Schnupfen.

Viren als Ursache für Erkältungen bei Babys

Die Keime, die nach einer Inkubationszeit (Phase von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome) von etwa zwei bis fünf Tagen zu Beschwerden führen, werden durch Tröpfchen- (beim Sprechen/Niesen/Husten über die Luft) oder Schmierinfektion (über Körpersekrete bzw. damit verschmutzte Hände oder Gegenstände) übertragen. Vor allem bei kaltem Wetter, weil dann die Schleimhäute weniger gut durchblutet und damit anfälliger für Infektionen sind.

Von diesen Schnupfenviren gibt es mehr als 200 verschiedene (z. B. Rhino-, Entero-, Adenoviren). So verwundert es kaum, dass Kinder in den ersten beiden Lebensjahren bis zu zehnmal pro Jahr mit Erkältungen (grippalen Infekten) kämpfen. Denn ihr Immunsystem entwickelt sich erst nach der Schwangerschaft und kann krankmachenden Mikroben noch wenig entgegensetzen.

Außerdem sind ihre Schleimhäute in Nase, Mund und Hals, die die Mikroorganismen abfangen sollen, noch sehr zart. Das Positive daran: Jede Erkältung trainiert das Immunsystem, lehrt es, entsprechende Antikörper zu produzieren und stärkt so die Abwehrkräfte der Kinder.

Symptome: warum Babys besonders unter Schnupfen leiden

Ein Baby zeigt im Prinzip die gleichen Krankheitszeichen wie ein Kind oder Erwachsener mit einer Erkältung:

  • Schnupfen, d. h. eine laufende oder verstopfte Nase,
  • Husten,
  • Niesen,
  • gerötete oder glasige Augen,
  • Halsweh.

Manchmal begleitet von leichtem Fieber und/oder geschwollenen Lymphknoten am Hals, Nacken, hinter den Ohren und unter den Achseln.

Das Baby fühlt sich nicht wohl und quengelt. Es ist unzufrieden mit sich und der Welt, weint viel, schläft nicht durch und macht der Familie Schwierigkeiten bei seiner Ernährung. Warum? Weil sich, wenn die Nasenschleimhaut anschwillt und viel Sekret produziert, wie es bei einem Schnupfen geschieht, die ohnehin schmalen kindlichen Atemwege verengen. Das macht das Atmen und Trinken beschwerlich. Und es lässt das Kind zur Mundatmung übergehen, was die Schleimhäute in Mund und Nase zusätzlich austrocknet.

Auch entwickelt ein kleines Kind im Rahmen von Erkältungen gerne Ohrenschmerzen oder gar eine Mittelohrentzündung, wenn die Viren vom Rachen in die Ohren wandern. Typische Anzeichen für Ohrenschmerzen sind, wenn Babys scheinbar grundlos weinen, sich oft an die Ohren greifen, das Gesicht verziehen oder den Kopf hin- und herdrehen. Befindet sich bräunlich-gelbes Sekret im Ohr, spricht das für eine Mittelohrentzündung und der Gang zum Arzt ist angesagt.

In den ersten beiden Jahren nach der Geburt führt der sogenannte RS-Virus häufig zu einer Bronchiolitis, einer entzündlichen Schleimhautschwellung und damit einer Verengung in den Bronchien und Bronchiolen (kleinste Verzweigungen der Luftwege in der Lunge). Sie ruft starken Husten und pfeifende, rasselnde oder knisternde Atemgeräusche und einen beschleunigten Herzschlag hervor. Manchmal auch Einziehungen zwischen den Rippen und oberhalb des Brustbeines und/oder Brechreiz. Vor allem aber infolge zunehmenden Sauerstoffmangels (Kennzeichen: Blaufärbung der Lippen und Haut unter den Nägeln) Atemprobleme, die auch lebensbedrohlich werden können. Eine Angelegenheit für den Notarzt.

Mögliche Komplikationen

Bei Kindern bis zu drei Jahren kann sich ein Pseudokrupp (akute stenosierende Laryngotracheitis) einstellen. Eine Infektion des Kehlkopfs, die sich meistens auch auf die Luftröhre und Bronchien ausbreitet und mit bellendem Husten und Atemnot einhergeht. Des Öfteren ein Fall für die Notaufnahme.

Was nicht nur ein Baby oder Kind, sondern Menschen in jedem Alter bei einem grippalen Infekt heimsuchen kann, sind Komplikationen wie eine Nasennebenhöhlenentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung.

Oder eine Superinfektion, d. h. Zweitinfektion mit einem unterschiedlichen Stamm des gleichen Virus. Vor allem, wenn Bakterien die vorgeschädigten Schleimhäute zusätzlich besiedeln, droht eine sogenannte Sekundärinfektion (Befall des Organismus mit einem anderen Krankheitserreger, wenn bereits ein Infekt besteht).

Doch sind solche Folgen eher die Ausnahme als die Regel. Üblicherweise überstehen Babys eine Erkältung folgenlos, sofern ihre Betreuer richtig handeln, wenn sie sich anbahnt.

Was tun, wenn das Baby verkühlt ist? Diese Hausmittel helfen. Foto: Adobe Stock, (c) Deymos.HR

Das Baby ist erkältet: was tun?

Haben bei einem Baby Erkältungsviren zugeschlagen, helfen vor allem drei Dinge: Ruhe, frische Luft und viel trinken. Wenn das Baby kein Fieber hat, sollte es sich also so oft wie möglich im Freien aufhalten. Tagsüber – warm eingepackt – im Kinderwagen lässt es sich auch im Winter prima zu Spaziergängen ausführen. Oder hält darin auf der Terrasse oder am Balkon sein Nickerchen. Häufig lüften erfüllt denselben Zweck, wenn Rausgehen nicht möglich ist.

Damit ein gestilltes Baby genug trinkt, empfiehlt es sich, es öfter als sonst anzulegen. Um das Sekret in Nase und Rachen zu verflüssigen und die Schleimhäute zu befeuchten. Ein nicht gestilltes Kind sollte zu diesem Zweck immer wieder Kräutertee (z.B. Fenchel) und Wasser angeboten bekommen.

Hausmittel gegen Schnupfen

Kinder können sich bis zum Alter von vier Jahren nicht schnäuzen. Um einem Baby das Atmen und Trinken zu erleichtern, muss man daher seine Nase von Sekret befreien. Das gelingt am besten mit einem speziellen Nasensauger mit weicher Spitze, den man in der Apotheke bekommt. Zur Not tut es aber auch ein Stück vorsichtig in ein Nasenloch eingeführtes, dann sanft wieder herausgedrehtes, gezwirbeltes Papiertaschentuch.

Anschließend solltest du das herauslaufende Sekrete sanft abtupfen und die Nase mit einer Pflegesalbe eincremen, um Hautreizungen zu vermeiden. Als ungeeignet für die Sekretentfernung erweisen sich hingegen Wattestäbchen. Sie können Verletzungen verursachen, z. B. wenn sich das Baby (ruckartig) bewegt.

Da Muttermilch, Nasentropfen aus isotonischer Kochsalzlösung oder Spraypräparate mit keimfreiem Meerwasser oder Sole abschwellend und befeuchtend wirken, bewähren sie sich – dem liegenden Baby mit einer Pipette vorsichtig in die Nasenlöcher geträufelt – beim Freikriegen einer verlegten Nase.

Als ebenfalls abschwellend erweisen sich Zwiebeldämpfe. Sie entweichen einem am Babybett befestigten Zwiebelsäckchen. Dieses besteht aus einer kleingeschnittenen Zwiebel, die du in ein gut zugebundenes Stofftaschentuch oder Babysöckchen füllst.

Auch feuchte Tücher über der Heizung oder am Babybett bzw. hygienische Luftbefeuchter sorgen dafür, dass die Luft nicht zu trocken wird. Das erleichtert dem Baby das Atmen.

Kindern mit Schnupfen sollte man mittels Nasensauger das Sekret aus der Nase holen. Foto: Adobe Stock, (c) Анна Волгина

Hausmittel gegen Ohrenschmerzen

Die Prozedur Muttermilch oder salzhaltige Nasentropfen in die Nasenlöcher träufeln hilft auch, wenn sich eine Erkältung auf die Ohren schlägt. Denn dann schwillt Gewebe in der Ohrtrompete (Verbindungsgang vom Nasenrachenraum zum Mittelohr) an und Sekret staut sich dort, was die Belüftung des Ohrs stört und Ohrenschmerzen erzeugen kann.

Der “Zwiebeltrick“ funktioniert nicht nur gegen Schnupfen, sondern auch gegen Ohrenschmerzen: Das Zwiebelsäckchen in ein Plastiksackerl geben und das Ganze zusammen mit einigen Wattepads auf eine Wärmflasche legen! Sobald es warm geworden ist, das Zwiebelsäckchen aus dem Plastiksackerl nehmen und über der Ohrmuschel platzieren, die Wattepads darüber und das Ganze mit einem Stirnband oder Mützchen fixieren. Nach 30 bis 60 Minuten alles entfernen.

Hausmittel gegen Husten

Auch gegen Husten gilt Luftbefeuchtung und reichlich trinken als Patentrezept.

Hilfreich ist zudem eine Dampfinhalation: Sich mit dem Baby neben die laufende, warme Dusche stellen, damit es den Wasserdampf einatmet. Hinterher dem Baby etwas Trockenes anziehen.

Im akuten Hustenanfall kann kühle Luft besser sein. Wenn es draußen kalt ist, kannst du das Baby warm einpacken und dich ein paar Minuten zum geöffneten Fenster stellen!

Außerdem: Das Abhusten von Schleim geht leichter, wenn man den Kopfteil des Babybettchens – z. B. mit einem kleinen Kissen oder einem gefalteten Handtuch unter der Matratze – erhöht.

Hausmittel gegen Halsschmerzen

Auch gegen Halsschmerzen erweist sich Luftbefeuchtung und reichlich trinken als wirksam. Zudem Salbeitee und Topfenwickel.

Hausmittel gegen Fieber

Auch hier lautet das Gebot der Stunde reichlich Flüssigkeitszufuhr. Ab 38,5° C ist Bettruhe angesagt.

Einer Überwärmung begegnen Eltern am besten, indem sie das fiebernde Kind richtig kleiden. Nach dem “Zwiebelprinzip“, d. h. einzelne nicht zu dicke Kleidungsschichten, die sich rasch aus- und anziehen lassen. Und das Baby einer Raumtemperatur von höchstens 20°C aussetzen. Fühlt sich seine Haut heiß und schwitzig an, sollte man es nur leicht zudecken und luftig anziehen. Fröstelt es aber, braucht es Wärme, d. h. eine im Bettchen unter die kalten Füße gelegte Wärmflasche.

Eine länger als einen Tag erhöhte Körpertemperatur lässt sich durch das Einreiben der Unterarme des Babys mit warmen Waschlappen senken. Demselben Zweck dient ein Pulswickel. Das sind kleine, mit warmem Wasser getränkte Tücher, die um die Unterarme gewickelt werden. Ein Söckchen überstülpen und fertig. Nach zehn Minuten erneuern.

Wadenwickel sind erst was für Kinder ab sechs Monaten. Bei Fieber über 39,5°C Grad leisten – nach Rücksprache mit dem Kinderarzt – für Babys geeignete Fieberzäpfchen, z. B. mit dem Wirkstoff Ibuprofen oder dem Wirkstoff Paracetamol, gute Dienste.

Erkältung Baby

Erkältungen bei Kindern sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Foto: Adobe Stock, (c) didesign

Hausmittel gegen Bindehautentzündung

Gesellt sich zu einer Erkältung eine Bindehautentzündung, das Auge mehrmals täglich mit einem in warmem Wasser getränkten Wattepad vom äußeren Augenwinkel bis zur Nasenwurzel hin auswischen. Nicht mit Kamillentee. Der trocknet das Auge aus.

NICHT geeignete Hausmittel fürs Baby

Hustentee-Mischungen oder ätherische Öle (z.B. Eukalyptus, Kampfer, Thymian, Menthol) eignen sich nicht für Babys. Beides kann die Atemwege der Kleinen reizen oder auch allergische Symptome auslösen. Wenn schon Brustwickel, dann in Form eines warmen Tuchs oder Baby-Kirschkernkissens, das dem Kind unter Aufsicht auf die Brust gelegt wird.

Auch Honig (z. B. im Tee) eignet sich nicht für Kinder unter einem Jahr. Er kann – wenn auch selten – Clostridium botulinum, ein gefährliches Bakterium, enthalten. Dieses vermehrt sich rasch im Darm und produziert Toxine, die in den Blutkreislauf gelangen und Lähmungen auslösen können (Säuglingsbotulismus). Fertig werden mit diesem Keim kann das Immunsystem der Kinder erst später, wenn sich die Darmflora genügend entwickelt hat.

Rezeptfreie Medikamente gegen Symptome einer Erkältung sollten nur nach Absprache mit dem Kinderarzt und nicht auf eigene Faust verabreicht werden. Schon gar nicht solche, die für Erwachsene gedacht sind. Wie etwa die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure oder Metamizol zum Fieber senken, die bei Kindern schwere bleibende Schäden verursachen können.

Baby erkältet – Wann zum Arzt?

Ist ein erkältetes Baby jünger als drei Monate oder ist dessen Geburt zu früh erfolgt, sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden. Unabhängig vom Alter auch, wenn ein Kind Symptome zeigt wie

  • Fieber über 38,5 Grad
  • Nahrungsverweigerung
  • extreme Schlappheit
  • Atemprobleme (Keuchen, Rasseln, Luftnot)
  • faulig riechender und/oder verfärbter (gelb, grün oder braun) Auswurf aus Nase oder Mund
  • starker Husten oder Dauerhusten
  • Ohrenschmerzen (Kind zieht sich häufig oder reibt am Ohr)
  • eine mehr als fünf Tage andauernde Erkältung ohne erkennbare Besserung

Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu oft, als einmal zu wenig den Arzt aufsuchen. Insbesondere bei Babys, die ernstere Vorerkrankungen wie z. B. eine Lungen-, Mittelohr- oder Hirnhautentzündung durchgemacht haben. Oder ein angeborenes bzw. chronisches Leiden (z. B. Herzfehler, Diabetes) aufweisen.

Der Arzt kann etwa nachforschen, ob eine alte Erkrankung wiederaufgeflammt ist oder eventuell zusätzlich notwendige Diagnoseschritte (z. B. einen Erregernachweis) veranlassen. Bei bakteriellen Sekundärinfektionen auch Antibiotika verschreiben, die dann konsequent und über die empfohlene Zeitspanne einzunehmen sind.

Erkältungen bei Babys vorbeugen

Erkältungen gar nicht erst entstehen lassen, das ist nur bedingt möglich. Auch gibt es – im Gegensatz zu Grippeviren – gegen Schnupfenviren keine Impfung.

Doch lässt sich so mancher grippale Infekt verhindern mit

  • Hygienemaßnahmen, besonders mit sorgfältiger Händehygiene. Das bedeutet im Klartext: Sich immer gründlich die Hände waschen und sie gut abtrocknen, wenn man sich die Nase geputzt hat und bevor man das Baby anfasst. Und in ein Taschentuch niesen oder husten, nicht in die Hände.
  • optimaler Anpassung der Kleidung an die Umgebungstemperatur, die weder ein Frieren noch ein Schwitzen hervorruft.
  • ausgewogener Ernährung.
  • viel Bewegung an der frischen Luft.
  • dem Meiden potenzieller Ansteckungsquellen wie z. B. dem Kontakt mit bereits Erkälteten in der Familie oder der sofortigen Entsorgung gebrauchter Einwegtaschentücher.
  • der Schaffung eines guten Raumklimas, das die Schleimhäute nicht austrocknet und damit infektanfälliger macht. Etwa per Wasserverdunster.

Bis zu einem gewissen Grad schützt Stillen statt Ernährung mit Fläschchenkost Babys vor Erkältungen, denn die Muttermilch enthält Antikörper gegen allerlei Keime.  Da Kinder in einem Raucher-Haushalt mehr und länger anhaltende Erkältungen aufweisen als solche in einer Familie von Nichtrauchern, sollten Babys nicht dem blauen Dunst ausgesetzt werden. Aber das sollte man Kindern ja sowieso ersparen.

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