Feuchte Wände trockenlegen - so geht es! - HEROLD.at

Wie feuchte Wände wieder trocken werden

Feuchte Wände

Foto: Adobe Stock, (c) cegli

Feuchte Wände, Schimmel, aufsteigende Nässe oder abfallender Putz sind der Albtraum jedes Haus- und Wohnungsbesitzers. Für eine dauerhafte Lösung des Problems muss es an der Wurzel gepackt werden. Wie feuchte Wände entstehen und welche Verfahren es zur Sanierung gibt, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Wie feucht dürfen Wände sein?

Oftmals wird die Frage gestellt, wieviel Feuchtigkeit in Wänden normal ist und ab wann man von einem Schaden im Mauerwerk ausgehen kann, der saniert werden muss. Diese Frage kann nicht mit absoluten Zahlen beantwortet werden, denn eine Feuchtigkeitsmessung von Wänden stellt immer Relativwerte, also Vergleichswerte, dar.

„Wenn man die Feuchtigkeit einer Wand feststellen möchte, misst man zunächst einmal dort, wo es trocken ist“, erklärt SANAG Geschäftsführer Gerhard Aigner. „Damit hat man dann einen Wert, den man mit dem Wert der feuchten Stelle vergleichen kann. Man kann daher keinen Fixwert angeben, der besagt, von hier bis da ist die Wand feucht. In vielen Fällen ist das Schadensbild allerdings bereits auch ohne Feuchtigkeitsmessung durch abbröckelnden Putz, Wasserflecken, Schimmelbildung oder modrigen Geruch eindeutig erkennbar.“

Die möglichen Schadensbilder reichen von schweren Beeinträchtigungen im Mauerwerk über elektrische Defekte, Korrosion, Aufquellen von Holzkonstruktionen bis hin zur Pilz- und Schimmelbildung. Um also festzustellen, ob sich die Feuchtigkeit einer Wand im Normalbereich bewegt oder bereits ein Schaden vorliegt, empfiehlt es sich, einen Fachmann zu Rate zu ziehen.

Feuchte Wände

Grafik: SANAG

Wie entstehen feuchte Wände?

Grundsätzlich enthält jeder Baustoff – und somit auch jede Wand – eine sogenannte Baufeuchte, die beispielsweise beim Mischen von Mörtel oder beim Streichen der Fassade entsteht. Im Normalfall wird diese Feuchtigkeit wieder an die Außenluft abgegeben. Baumängel können jedoch dazu führen, dass die Feuchtigkeit nicht nach außen entweichen kann. In der Folge sammelt sie sich in den Baustoffen und es entstehen Feuchtigkeitsschäden und feuchte Wände. Dabei können verschiedene Ursachen festgestellt werden:

  • Von unten aufsteigende Feuchtigkeit in Wänden mit Boden- bzw. Erdkontakt (z.B. feuchte Kellerwände)
  • Feuchtigkeit an seitlichen Bauteiloberflächen (z.B. Fenster, Terrassentüren, Fassadenverkleidung)
  • Feuchtigkeitsschäden durch Niederschlagswasser (z.B. Flachdach/Balkon: Bei mangelhafter Abdichtung oder offenen Anschlussfugen dringen Regen- und Tauwasser in das Mauerwerk ein).
  • Feuchte bzw. nasse Wände durch Wasserschäden bei defekten Wasserleitungen, Wasserrohrbruch, Überschwemmungen etc.
  • Durchfeuchtung von wärmegedämmten Bauteilen (z.B. unter dem Dach: Zwischen dem Dämmmaterial und den Dachziegeln sammelt sich durch unzureichende Luftzirkulation Kondenswasser und durchfeuchtet die Baustoffe)
  • Putzschäden, die Feuchtigkeit aufnehmen und durch das Mauerwerk leiten
  • Undichte Silikonfugen im Badezimmerbereich
  • Kanalrückstau
  • Wärmebrücken
  • Defekte Regenrinnen
  • Falsches Lüftungsverhalten

Feuchte Wände mit Entfeuchtungsgeräten oder Sanierung trocknen

Grafik: Marc Hammes, alfonseo

 

Wie können feuchte Wände saniert werden?

Das Verfahren zur Sanierung einer feuchten Wand ist abgängig von der jeweiligen Ursache bzw. dem Schadensbild. Grundsätzlich kann man zwischen Entfeuchtung/Trocknung und Mauertrockenlegung unterscheiden, wobei diese Verfahren in manchen Fällen auch parallel angewendet werden.

  1. Trocknungs-/Entfeuchtungsverfahren kommen insbesondere im Zuge einer Wasserschadensanierung zum Einsatz, wenn Wasser beispielsweise durch einen Wasserrohrbruch oder ein schadhaftes Dach in das Gebäude eintritt und feuchte Wände verursacht. In diesem Fall spricht man nicht von „Mauertrockenlegung“, sondern von „Entfeuchtungs- bzw. Trocknungsarbeiten“. Im Zuge einer Mauertrockenlegung können jedoch auch Entfeuchtungsarbeiten notwendig werden.
  2. Mauertrocknungsverfahren kommen dann zur Anwendung, wenn Feuchtigkeit durch Konstruktionsbaufehler von unten aufsteigt oder bei Altbauten, wo es diese aufsteigende Feuchtigkeit einfach gibt und sich die Grundfeuchte hinaufzieht. Ebenso können durch Wassereintritt von außen schwerwiegende Schäden im Mauerwerk hervorgerufen werden, die nur mehr mit einer Mauertrockenlegung behoben werden können.

1. Maßnahmen zur Trocknung von feuchten Wänden

Die unterschiedlichen Maßnahmen zur Wasserschadensanierung richten sich nach Art und Umfang des Schadens. Anhand der Schadensanalyse kann eine Fachfirma genau sagen, was getan werden muss. Je nachdem, welche Wände feucht sind, ob auch Boden, Decke oder Dämmschichten betroffen sind, ist eine Kombination verschiedener Maßnahmen und Verfahren notwendig. Grundsätzlich ist davon abzuraten, lediglich ein Entfeuchtungsgerät in Eigenregie aufzustellen, da die optimale Entfeuchtung von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird:

  • Die Auswahl des optimalen Entfeuchtungsgeräts: Von Kondenstrocknern über Adsorptionstrockner bis hin zu Dunkelstrahlern gibt es verschiedenste Trocknungsgeräte, die je nach Schadensfall optimal eingesetzt werden können. So sind beispielsweise für die Austrocknung massiver Bauteile wie Betondecken, Massivmauerwerke oder Estriche auf Trennlage bzw. Verbund Kondenstrockner das Mittel der Wahl. Für die Dämmschichttrocknung im Zuge der Wasserschadensanierung hingegen eignet sich beispielsweise der Multiqube, der sehr leise arbeitet und bis zu 70 Prozent weniger Stromkosten verursacht.
  • Die Bemessung der Entfeuchterleistung des Entfeuchtungsgeräts: Je nach Größe des Raumes muss die Leistung des Entfeuchtungsgeräts optimal eingestellt werden.
  • Der Einsatz von Ventilatoren: Durch die Verwendung von Ventilatoren wird die Luftumwälzung und damit auch die Trocknungsgeschwindigkeit erhöht. Zusätzlich werden alle Arten von Schadstoffen wie Staubteilchen, Lack- und Farbdämpfe, Schweißrauch, Kohlendioxid, Wasserdampf etc. abgeführt. Die Bandbreite der eingesetzten Ventilatoren reicht von Axial- und Radialventilatoren bis hin zu Windmaschinen mit einer Leistung von 20.000 m3/h.

Feuchte Wände

Grafik: SANAG – Halbierung der Trockungszeit durch Luftbewegung

 

  • Die Umgebungstemperaturen und die richtige Heizmethodik: Um die Temperaturen auf ein „austrocknungsoptimiertes Klima“ zu bringen und die Austrockungsgeschwindigkeit zu beschleunigen, sind bei Bedarf auch Heizgeräte sinnvoll. Ein Verfahren, mit dem feuchte Wände extrem schnell trockengelegt werden können, ist die Trocknung mit der Heizstabtechnik. Ideal ist diese Technik zum Vortrocknen vor Beginn einer dauerhaften Mauertrockenlegung und für die Sanierung von Misch- oder Ziegelmauerwerk, wie es in Altbauten häufig zu finden ist.
  • Die Mikrowellentrocknung: Diese Technik lässt sich nicht pauschal als eigenständiges Verfahren einordnen. Sie wird primär in Verbindung mit einem oder mehreren der vorgenannten Techniken als unterstützendes Verfahren zur Beschleunigung eingesetzt.

    Wie lange dauert die Trocknung von feuchten Wänden?

Im Normalfall kann man bei einer Wasserschadensanierung mit Entfeuchtungsgeräten von einer Trocknungszeit zwischen 14 und 21 Tagen ausgehen. Vergleichsweise dazu würde herkömmliches Trockenheizen bis zu drei Jahre dauern.

    Wieviel kostet eine Trocknung bzw. Wasserschadensanierung?

Eine Wasserschadensanierung ist eine komplexe Angelegenheit, zumal nicht nur bestimmte Flächen getrocknet werden müssen. In manchen Fällen ist eine Komplettschadensanierung notwendig, die von Elektrikerarbeiten über Installateurarbeiten bis hin zur Schimmelsanierung reichen kann. Somit sind die etwaigen Kosten immer vom vorliegenden Schaden abhängig und können nicht pauschalisiert werden. Ein Wasserschaden an einer Wand kann beispielsweise 400 oder auch 4.000 Euro kosten – je nach Grad und Ausmaß des Schadens. In jedem Fall sollte man die Haushaltsversichrung kontaktieren, um zu klären, ob und welche Kosten übernommen werden. Genaueres dazu in unserem Blogbeitrag „Was tun bei Wasserschaden in Haus und Wohnung?“.

2. Verfahren zur Mauertrockenlegung

Für eine Mauertrockenlegung kommen je nach Feuchtigkeitsproblem verschiedene Verfahren zum Einsatz. Während es bei Horizontalsperren darum geht, aufsteigender Feuchtigkeit einen dauerhaften Riegel vorzuschieben, stoppt die Vertikalabdichtung an Außenwänden oder Fugen seitlich eindringendes Wasser.

A) Verfahren zur Horizontalabdichtung

  1. Edelstahlplattenverfahren: Bei der Mauertrockenlegung mit Edelstahlplatten handelt es sich um ein sogenanntes einstufiges mechanisches Verfahren, bei dem die Sanierung in einem Arbeitsschritt erfolgt. Dabei werden Platten aus Edelstahl durch die gesamte Mauerdicke maschinell eingeschlagen. Das Verfahren ist für Mauern mit einer Dicke von bis zu einem Meter geeignet, allerdings sind waagrecht durchgehende Mauerfugen erforderlich (z.B. Ziegelmauerwerk). Für altes Steinmauerwerk wird man daher in der Regel auf andere Methoden ausweichen müssen.
  2. Mauersägeverfahren: Mit Ketten- oder Seilsägen wird das Mauerwerk auf niedriger Höhe durchtrennt. Dabei entsteht eine fünf bis 15 mm starke Trennfuge, in die je nach Anforderung eine Dichtungsbahn (Isolier- bzw. Abdichtungsmaterial) eingelegt wird. In der Regel werden dafür Bitumen, Spritzbeton oder glasfaserverstärkte PE-Folien verwendet. Danach wird die Fuge wieder mit Spezialmörtel aufgefüllt.
  3. Elektrophysikalisches Verfahren: Bei elektrophysikalischen Verfahren (Elektroosmoseverfahren) wird durch im Mauerwerk verlegte Elektroden eine elektrische Gleichspannung erzeugt. Durch den Stromfluss von der positiven zur negativen Elektrode entsteht eine wirksame Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit. Der Vorteil der elektrophysikalischen Methode liegt vor allem darin, dass nur geringfügige Eingriffe in die Bausubstanz notwendig sind und die Anpassung an verschiedene Gebäudeverhältnisse relativ problemlos ist. Darüber hinaus wird mit diesem Verfahren auch der Salzgehalt in Mauern reduziert, der für die Zerstörung von Bausubstanz und Absprengung von Putz verantwortlich ist (Mauerentsalzung).
  4. Injektions-Verfahren: Bei der Mauertrockenlegung mit einer Injektion werden im bodennahen Bereich in einem Abstand von 10 bis 20 cm und in versetzter Höhe Bohrungen angebracht. Die Bohrlochtiefe hängt von der Mauerstärke ab und beträgt etwa minus 40 mm von der Mauerstärke. Anschließend wird in diese Löcher über sogenannte Bohrlochpacker unter Druck Dichtmaterial direkt in die Wand oder den Boden eingebracht – also „injiziert“. Das Injektionsmaterial verbreitet sich im Mauerwerk und verschließt bzw. verpresst die Hohlräume und Kapillaren. Für die „Mauerwerksverpressung“ werden unterschiedlichste Abdichtungstechniken angewendet. Ein bewährtes System ist das SANOflex-System, das ein sehr niedrig viskoses Acrylat einsetzt, welches aufgrund seiner wasserähnlichen Viskosität auch feinste Risse verpresst.

    Wieviel kostet eine Mauertrockenlegung mit Horizontalabdichtung?

Die hier genannten Kosten sind als Richtwerte zu verstehen, die abhängig von den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort bzw. dem vorliegenden Schaden Schwankungen unterliegen können.

Feuchte Wände

B) Verfahren zur Vertikalabdichtung

Um das Eindringen von Wasser an Außenwänden oder Fugen zu verhindern, kommen folgende Techniken zum Einsatz:

  1. Drainagierungen: Bei dieser Methode werden Drainagerohre aus Kunststoff, Beton oder Ton, in die das Wasser durch Schlitze eindringen kann, rund um das Gebäude eingegraben. Dabei ist zu beachten, dass die Drainage fachgerecht ausgeführt wird, da bei falscher Dimensionierung und Ausführung der gegenteilige Effekt eintreten kann.
  2. Einfache Vertikalabdichtung: Das Verfahren kann vor allem dann angewendet werden, wenn die Feuchtigkeit in den Wänden nicht zu stark ist. Dabei wird das Mauerwerk bis zur Fundamentunterkante freigelegt und einige Monate bis ein Jahr offen gehalten, damit es gut austrocknen kann. Im Anschluss daran erfolgt die Feuchtigkeitsisolierung der Mauer mit Bitumen-Spachtelmasse. Die Grube kann dann wieder mit dem Aushub verfüllt werden, wobei die Isolierschicht bei grobkörnigem Füllmaterial vor mechanischer Beschädigung geschützt werden muss.
  3. Abdichtung erdanliegender Fußböden: Bei nicht unterkellerten Gebäuden steigt die Feuchtigkeit auch über den Fußboden auf. Abhilfe kann geschaffen werden, indem unter den Fußböden die Erde abgegraben und eine kapillarbrechende Schotterschicht eingebracht wird. Dabei kann gleichzeitig eine Dämmung des Fußbodens durchgeführt werden (z.B. Estrich mit Feuchtigkeitsabdichtung oder diffusionsoffene Fußbodenkonstruktion).
  4. Putzsanierung: Durch Gebäudebewegungen kann es zu Rissen und undichten Fugen im Mauerwerk kommen, durch die Wasser eindringen kann. Mit speziellen Abdichtungstechniken und Materialien können diese Schadstellen meist ohne Freilegen der Grundmauern von innen saniert werden.

Fazit: Feuchte Wände mit Profis sanieren

Die Sanierung feuchter Wände ist ein komplexes Unterfangen, das sowohl umfangreiches Fachwissen als auch Erfahrung erfordert. Bei Sanierungen, die man in Eigenregie durchführt, passieren bisweilen Fehler, die schwerste Schäden an der Bausubstanz anrichten oder das Ausmaß des Schadens noch vergrößern können. Daher: Ein erfahrenes Sanierungsunternehmen suchen oder zumindest Fachleute fragen, wie es richtig geht!

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