Kondolieren per SMS, Whatsapp & Co: Geht das?

Kondolieren per SMS

Kondolieren per SMS – Fauxpas oder angemessen? Wir verraten, was im Trauerfall angebracht ist. Foto: Adobe Stock, (c) Floydine

Freitag vor drei Wochen war ein ganz gewöhnlicher Tag. Ich habe zwei Artikel geschrieben, Kaiserschmarrn gemacht und in einem Anflug von Fürsorglichkeit meinen Ficus ertränkt. Dann kam eine Whatsapp-Nachricht: Meine liebe Freundin Ida hatte ihren Vater verloren. An dem Tag, an dem ich geschrieben und gekocht und nicht daran gedacht hatte, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Was sollte ich ihr sagen? Und vor allem: Auf welchem Wege sollte ich ihr sagen, wofür es eigentlich gar keine Worte gibt?

Warum kondolieren wir?

Trauer & Bestattung ist einer der wenigen Bereiche, in denen die Etikette noch sehr hoch gehalten wird. Am Begräbnis ist schwarze Kleidung zu tragen, Turnschuhe haben bei der Trauerfeier nichts zu suchen und die Beileidsbekundung wird idealerweise mit Tinte auf persönlichem Briefpapier geschrieben. Das alles hat gute Gründe. Durch die Wahl unserer Kleidung drücken wir Respekt für den lieben Verstorbenen aus – und mit unserer Trauerkarte geben wir den Angehörigen zu verstehen: Du bist nicht alleine, ich bin für dich da!

Dieses Versprechen erreicht die Hinterbliebenen in einer Stunde, in der sie nicht nur mit ihrer Trauer umgehen, sondern sich durch ein Dickicht von organisatorischen Aufgaben, Kostenfragen und Budgetplanung kämpfen müssen. Und deshalb ist es wichtig, dass wir das Versprechen auch halten.

Kondolieren – was ist „angemessen“?

Was den „Zwang“ zu angemessener Kleidung betrifft, bin ich d’accord. In Sachen Beileidsbekundung sehe ich die Sache allerdings ein wenig anders. In meiner Welt ist es nicht wichtig, WIE man kondoliert, sondern DASS man kondoliert. Diese Erkenntnis verdanke ich einem Trauerfall in meiner eigenen Familie. Vor sechs Jahren habe ich meine liebe Patentante verloren, die mir beigebracht hat, ganze Romane auf winzig kleine Urlaubskarten zu schreiben. Damals hat es mich wahnsinnig verletzt, dass viele meiner Freunde auf meine Nachricht mit Stillschweigen reagiert haben.

Heute weiß ich, dass sie mit meiner Trauer nicht umgehen konnten – und dass ihnen die richtigen Worte fehlten. Dabei hätte ich gar keine ausführliche Beileidsbekundung gebraucht: Ein einfaches „Es tut mir schrecklich Leid und ich bin für dich da.“ hätte mich bereits getröstet. Selbst, wenn es in SMS-Form gekommen wäre. Tatsache ist nämlich, dass die meisten Menschen schon Nasenbluten bekommen, wenn sie eine einfache Postkarte schreiben sollen. Wie kann man da ernsthaft erwarten, dass sie einen ganzen Brief über etwas schreiben, worüber niemand gerne spricht?

Wichtig ist nur, dass du deine Anteilnahme ausdrückst. Ob du einen Brief schreibst, anrufst oder persönlich kondolierst, ist zweitrangig. Und für alle, die unsicher sind oder mit der Thematik nicht umgehen können: Schreibt eine Mail, eine Whatsapp-Nachricht oder ja, auch eine SMS. Hauptsache, der Betroffene weiß, dass du an ihn denkst und dass er sich melden kann, wenn ihm danach ist.

Kondolieren per SMS

Trauernde brauchen keine Berge von Beileidsbekundungen. Sie brauchen Hilfe, wo es nötig ist. Foto: Adobe Stock, (c) LoloStock

Kondolieren per SMS?

Wenn Ida noch, wie vor ein paar Jahren, meine Nachbarin wäre, hätte ich sie direkt besucht. Da uns inzwischen aber mehr als 1.000 km trennen, hatte ich diese Möglichkeit nicht. Mein nächster Impuls wäre die Trauerkarte gewesen. Allerdings hat unsere moderne Kommunikation es an sich, dass man mehr oder weniger in Echtzeit reagieren muss. Immerhin lassen Facebook und Whatsapp das digitale Gegenüber direkt wissen, wenn eine Nachricht gelesen wurde.

Außerdem gibt es Nachrichten, bei denen eine aufgeschobene Reaktion unverzeihlich ist. Aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden, via Facebook zu kondolieren:

Kondolieren per SMS

Ausnahmen: Kondolieren nach Etikette

Innerhalb der Familie und unter Freunden steht das direkte Hilfsangebot im Vordergrund. Der Trauernde sollte wissen, dass er die nächsten Tage und Wochen nicht alleine durchstehen muss und dass es Menschen gibt, denen er am Herzen liegt. Und hierbei ist es nicht wichtig, auf welche Weise du deine Anteilnahme ausdrückst. Wichtig ist nur, dass du es überhaupt tust.

Bei Todesfällen im Bekanntenkreis oder im Arbeitsumfeld liegt die Sache ein wenig anders. Wenn das persönliche Verhältnis fehlt, greift die Etikette stärker. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, ist eine direkte Kondolation von Angesicht zu Angesicht hier die beste Wahl. Falls dies nicht möglich ist, solltest du ganz traditionell mit einer Trauerkarte reagieren. Für die Suche nach den passenden Worten gibt es entsprechende Ratgeber im Internet.

Tipp: Manchmal ist weniger mehr. Bevor du dir zu viel vornimmst und dann vor der Aufgabe kapitulierst, solltest du deine Beileidsbekundung lieber knapp halten und bei Bedarf noch einen schönen Spruch hinzufügen. Es erwartet niemand von dir, dass du das Kondolieren neu erfindest.

Welche Rolle spielt das Alter?

Dass Millennials von ihren Freunden keine handgeschriebene Trauerkarte erwarten, liegt in der Natur der Sache. Die Kommunikation hat sich durch Emoticons, Snapchat & Co. so sehr verkürzt, dass viele sogar der Versuchung widerstehen müssen, einen weinenden Smiley als Trauerbekundung zu verschicken. Für ältere Generationen ist das postalische Versenden von Todesanzeigen und Beileidsbekundungen jedoch selbstverständlich.

Wo finde ich die passende Trauerkarte?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter Trauerkarten geschrieben hat. Sie hat sich dafür in den kleinen Erker mit Fenster zum Hof zurückgezogen, wo damals ein alter Chintz-Sessel mit Tischchen stand. Während sie schrieb, hat sie immer wieder aus dem Fenster geschaut, um in Rhododendron, Ehrenpreis und Immergrün nach den richtigen Worten zu suchen. Als ich, kurz nach meinem Umzug nach Wien, das erste Mal eine Trauerkarte brauchte, hatte ich hohe Ansprüche. Ich wollte keine Standardfloskeln, nicht die typischen Engel mit den traurigen Augen und keine schwarz-weißen Rosen.

Fündig geworden bin ich schließlich im „Papierello„, einem kleinen Schreibwarengeschäft auf der Meildinger Hauptstraße. Die Trauerkarten werden hier in einer kleinen Schachtel hinter der Verkaufstheke aufbewahrt und überzeugen durch schöne Motive und schlichte Eleganz.



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