Perikarditis – Dauer & Symptome der Herzbeutelentzündung

3D-Modell eines menschlichen Herzens; Bild von einer Herzbeutelentzündung, auch Perikarditis genannt.

Zur akuten Perikarditis kommt es häufig in der Folge von viralen Infekten. Richtig behandelt verläuft sie meistens glimpflich. Adobe Stock, (c)yodiyim

Das Herz ist ein besonderer Muskel, den ein dünner doppelwandiger bindegewebiger Beutel namens Perikard (griech.: peri-: um… herum, kard-: Herz) umschließt. Er besteht aus zwei Schichten (Perikardblätter), zwischen denen sich zwecks Gleitfähigkeit ein geringer Flüssigkeitsfilm befindet. Aufgabe des Herzbeutels ist es, das Herz vor Überdehnung und äußeren Einwirkungen zu schützen. Manchmal aber wird er bei Infektionen in Mitleidenschaft gezogen. Zum Glück verläuft eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) aber meistens glimpflich.

Perikarditis (Herzbeutelentzündung) – was ist das?

Wenn die Herzhülle sich akut entzündet, ist das meistens mit Schmerzen hinter dem Brustbein verbunden, die beim flachen Liegen, tiefen Einatmen, Husten und bei Bewegung zunehmen. Das Herz schlägt rascher als sonst. Vor allem bei einer bakteriell verursachten Perikarditis kommt auch häufig hohes Fieber hinzu.

Chronische Herzbeutelentzündung – Symptome

Eine chronische Herzbeutelentzündung hingegen kann mit fehlenden, geringen oder unspezifischen Beschwerden wie geringere Belastbarkeit oder Kurzatmigkeit einhergehen. Häufig tritt sie erst dann in Erscheinung, wenn sich ein begleitender Herzbeutelerguss (Perikarderguss) einstellt. Diese Flüssigkeitsansammlung zwischen den beiden Perikardblättern kann aus Blutserum, Blut, Eiter oder Lymphe bestehen. Sie beeinträchtigt die Herzleistung. Folge ist eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Sie macht sich durch eine Stauung der Halsvenen, Beinödeme (Wassereinlagerung in den Beinen), eine vergrößerte Leber, ev. auch einen Ascites (Bauchwassersucht) sowie ein Schwächegefühl mit verminderter Leistungsfähigkeit bemerkbar.

Befindet sich eine zu große Flüssigkeitsmenge zwischen den Perikardblättern, drückt diese aufs Herz, sodass es seiner Aufgabe, Blut durch den Kreislauf zu pumpen, nicht mehr effizient nachkommen kann. Diese sogenannte Herzbeuteltamponade führt zu einem Blutdruckabfall bis hin zum Schock. Ein Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe durch einen Internisten erfordert.

Achtung! Unabhängig von einem Herzbeutelerguss können die Perikardblätter infolge der entzündlichen Veränderungen miteinander verkleben, verwachsen oder auch verkalken. Die ärztliche Nachkontrolle ist also auch dann wichtig, wenn du keine konkreten Beschwerden mehr hast.

Perikarditis – Ursachen

Eine Herzbeutelentzündung kann als Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen auftreten, z.B. bei einem Herzinfarkt (Perikarditis epistenocardica), einem Nierenversagen oder im Rahmen von Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus. Ein Perikarderguss entsteht gelegentlich auch im Rahmen eines Krebsleidens. Darüber hinaus fungieren bestimmte Keime als Auslöser einer Perikarditis. Entsprechend unterscheidet man folgende Formen:

  • Virale Perikarditis: Sie tritt meist nach einem Atemwegsinfekt auf und wird häufig durch Coxsackie-, Echo-oder Adenoviren verursacht. Ist die körpereigene Abwehr geschwächt (z.B. HIV oder Immunsuppressiva-Therapie), können auch seltenere Erreger wie Zytomegalie-, Hepatitis- oder Epstein-Barr-Viren eine Herzbeutelentzündung hervorrufen.
  • Bakterielle Perikarditis: Vor allem Staphylo- und Pneumokokken können – ausgehend von einem Entzündungsherd (z.B. Zahn, Lunge) – sich über den Blutstrom am Perikard ansiedeln und dort eine Entzündung – häufig inklusive Herzbeutelerguss – erzeugen.
  • Idiopathische (ohne bekannte Ursache) Perikarditis: Es lässt sich kein Erreger nachweisen.

Tuberkulöse Perikarditis

Die tuberkulöse Herzbeutelentzündung kommt in unseren Breiten nur gelegentlich und hauptsächlich bei Menschen mit Immunschwäche oder bei Migranten vor. Die bakterielle Infektion (Mycobacterium tuberculosis) ist häufig mit den Symptomen Gewichtsverlust und Nachtschweiß verbunden und kann auch andere Organe betreffen. Als Komplikation einer tuberkulösen Herzbeutelentzündung kann eine Narbenbildung mit konsekutiver Verhärtung oder auch Verkalkung des Herzbeutels auftreten. Dann spricht man von einer Perikarditis constrictiva bzw. Perikarditis calcarea (“Panzerherz“). Sie führt zu einer Beeinträchtigung der Herzfunktion.

Eine Perikarditis oder Herzbeutelentzündung macht sich häufig durch verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar.

Die Pericarditis ist eine Entzündung des Herzbeutels, die häufig mit Leistungsabfall und verminderter Herzleistung einhergeht. Adobe Stock, (c) kite_rin

Diagnose – Perikarditis erkennen

Die typischen Symptome einer akuten Perikarditis lenken unter Umständen bereits den Verdacht auf die richtige Diagnose. Eine chronische Herzbeutelentzündung hingegen wird aufgrund ihrer Beschwerdearmut gern erst bei Komplikationen (Herzbeutelerguss) entdeckt.

Nach Erhebung der Anamnese (Krankengeschichte) führt der Arzt eine Auskultation (Abhören mit Stethoskop) des Herzens durch. Bei einer fibrinösen bzw. trockenen Herzbeutelentzündung  (Perikarditis sicca) hört er ein  Perikardreiben (“Lederknarren“). Bei der mit Flüssigkeitsbildung einhergehenden serofibrinösen Herzbeutelentzündung (Perikarditis exsudativa) und vor allem beim Perikarderguss vermindert sich bzw. verschwindet dieses Reibegeräusch und die Herztöne werden leiser.

Untersuchungen wie ein Elektrokardiogramm (EKG), Blutproben zur Feststellung von Entzündungszeichen sowie eine Echokardiographie (Herzultraschall) geben Auskunft über das Ausmaß der Perikarditis. Röntgenaufnahmen des Brustkorbs beweisen einen ausgeprägten Herzbeutelerguss bzw. eine damit verbundene Herzvergrößerung (Bocksbeutelform, “Frankenweinflasche“). Bei einem Perikarderguss wird das per Punktion gewonnene Sekret im Labor auf Keime untersucht. Werden in der Erregerkultur Bakterien gefunden, klärt ein Antibiogramm, auf welche Antibiotika diese ansprechen.

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Therapie: Wie lange schonen nach Perikarditis?

Die Behandlung einer Herzbeutelentzündung richtet sich nach deren Ursache. Bei der häufigsten Form, der viralen Perikarditis, kommen antientzündliche Schmerzmittel, wenn notwendig auch Glukokortikoide (“Cortison“) zum Einsatz. Bakteriell bedingte Herzbeutelentzündungen erfordern eine Antibiotikakur. Ein Perikarderguss oder eine Herzbeuteltamponade wird mittels Punktion oder Drainage, die die Flüssigkeit ableitet, therapiert.

Besteht bereits ein Panzerherz, versucht der Herzchirurg, im Rahmen einer Thorakotomie (Eröffnung des Brustkorbs) durch eine Perikardektomie („Herausschneiden“ des Herzbeutels) den verdickten, verhärteten und verkalkten Herzbeutel zu entfernen oder wenigstens zu fenstern, d.h. zumindest Gewebestücke zu beseitigen, wenn eine vollständige Ablösung nicht möglich ist, weil etwa der Herzbeutel mit dem Myokard (Herzmuskel) zu sehr verwachsen ist. Ziel des Eingriffs ist, dem Herzmuskel wieder mehr Bewegungsfreiheit zu geben.

Unabhängig von der Krankheitsursache ist Schonung angesagt, um das ohnehin belastete Herz nicht zusätzlich zu stressen.

Wie lange dauert Perikarditis?

Die häufigsten Formen – virale und idiopathische Perikarditis – heilen üblicherweise nach ein bis drei Wochen aus. Es sei denn, es treten Komplikationen auf. Durch Krankheitskeime verursachte Herzbeutelentzündungen lässt sich nicht vorbeugen. Lediglich bei der rezidivierenden (wiederkehrenden) idiopathischen Perikarditis zeigt Colchicin einen präventiven Effekt.

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