Perikarditis (Herzbeutelentzündung) - Komplikationen bestimmen Dauer | HEROLD

Perikarditis: Dauer der Herzbeutelentzündung hängt von Komplikationen ab

Vor allem virale Infekte neigen dazu, auch am Herzbeutel (Perikard) Entzündungen auszulösen. Zum Glück verläuft eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) aber meistens glimpflich.

Das Herz ist ein besonderer Muskel, den ein dünner doppelwandiger bindegewebiger Beutel namens Perikard (griech.: peri-: um… herum, kard-: Herz) umschließt. Er besteht aus zwei Schichten (Perikardblätter), zwischen denen sich zwecks Gleitfähigkeit ein geringer Flüssigkeitsfilm befindet. Aufgabe des Herzbeutels ist es, das Herz vor Überdehnung und äußeren Einwirkungen zu schützen. Manchmal aber wird er bei Infektionen in Mitleidenschaft gezogen.

Unterschiedliches Beschwerdebild

Wenn die Herzhülle sich akut entzündet, ist das meistens mit Schmerzen hinter dem Brustbein verbunden, die beim flachen Liegen, tiefen Einatmen, Husten und bei Bewegung zunehmen. Das Herz schlägt rascher als sonst. Vor allem bei einer bakteriell verursachten Perikarditis kommt gerne hohes Fieber hinzu.

Eine chronische Herzbeutelentzündung hingegen kann mit fehlenden, geringen oder unspezifischen Beschwerden wie geringere Belastbarkeit oder Kurzatmigkeit einhergehen. Häufig tritt sie erst dann in Erscheinung, wenn sich ein begleitender Herzbeutelerguss (Perikarderguss) einstellt. Diese Flüssigkeitsansammlung zwischen den beiden Perikardblättern kann aus Blutserum, Blut, Eiter oder Lymphe bestehen. Sie beeinträchtigt die Herzleistung. Folge ist eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Sie macht sich durch eine Stauung der Halsvenen, Beinödeme (Wassereinlagerung in den Beinen), eine vergrößerte Leber, ev. auch einen Ascites (Bauchwassersucht) sowie ein Schwächegefühl mit verminderter Leistungsfähigkeit bemerkbar.

Befindet sich eine zu große Flüssigkeitsmenge zwischen den Perikardblättern, drückt diese aufs Herz, sodass es seiner Aufgabe, Blut durch den Kreislauf zu pumpen, nicht mehr effizient nachkommen kann. Diese sogenannte Herzbeuteltamponade führt zu einem Blutdruckabfall bis hin zum Schock. Ein Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert.

Unabhängig von einem Herzbeutelerguss können die Perikardblätter infolge der entzündlichen Veränderungen miteinander verkleben, verwachsen oder auch verkalken.

Viele Ursachen

Verschiedene Keime fungieren als Auslöser einer Perikarditis. Demnach unterscheidet man folgende Formen:

•    Virale Perikarditis: Sie tritt meist nach einem Atemwegsinfekt auf und wird häufig durch Coxsackie-, Echo-oder Adenoviren verursacht. Ist die körpereigene Abwehr geschwächt (z.B. HIV oder Immunsuppressiva-Therapie), können auch seltenere Erreger wie Zytomegalie-, Hepatitis- oder Epstein-Barr-Viren eine Herzbeutelentzündung hervorrufen.
•    Bakterielle Perikarditis: Vor allem Staphylo- und Pneumokokken können – ausgehend von einem Entzündungsherd (z.B. Zahn, Lunge) – sich über den Blutstrom am Perikard ansiedeln und dort eine Entzündung – häufig inklusive Herzbeutelerguss – erzeugen.
•    Idiopathische (ohne bekannte Ursache) Perikarditis: Es lässt sich kein Erreger nachweisen.
•    Tuberkulöse Perikarditis: Sie kommt in unseren Breiten nur gelegentlich und hauptsächlich bei Menschen mit Immunschwäche oder Migranten vor. Die bakterielle Infektion (Mycobacterium tuberculosis) ist häufig mit den Symptomen Gewichtsverlust und Nachtschweiß verbunden und kann auch andere Organe betreffen. Als Komplikation einer tuberkulösen Herzbeutelentzündung kann eine Narbenbildung mit konsekutiver Verhärtung oder auch Verkalkung des Herzbeutels auftreten. Dann spricht man von einer Perikarditis constrictiva bzw. Perikarditis calcarea (“Panzerherz“). Sie führt zu einer Beeinträchtigung der Herzfunktion.

Darüber hinaus kann eine Herzbeutelentzündung verschiedene Erkrankungen begleiten, z.B. einen Herzinfarkt (Perikarditis epistenocardica), ein Nierenversagen oder Autoimmunerkrankungen. Ein Perikarderguss entsteht gelegentlich auch im Rahmen eines Krebsleidens.

Diagnose: Symptome nicht immer eindeutig

Die typischen Symptome einer akuten Perikarditis lenken u.U. bereits den Verdacht auf die richtige Diagnose. Eine chronische Herzbeutelentzündung hingegen wird aufgrund ihrer Beschwerdearmut gern erst bei Komplikationen (Herzbeutelerguss) entdeckt.

Nach Erhebung der Anamnese (Krankengeschichte) führt der Arzt eine Auskultation (Abhören mit Stethoskop) des Herzens durch. Bei einer fibrinösen bzw. trockenen Herzbeutelentzündung  (Perikarditis sicca) hört er ein  Perikardreiben (“Lederknarren“). Bei der mit Flüssigkeitsbildung einhergehenden serofibrinösen Herzbeutelentzündung (Perikarditis exsudativa) und vor allem beim Perikarderguss vermindert sich bzw. verschwindet dieses Reibegeräusch und die Herztöne werden leiser.

Untersuchungen wie ein Elektrokardiogramm (EKG), Blutproben zur Feststellung von Entzündungszeichen sowie eine Echokardiographie (Herzultraschall) geben Auskunft über das Ausmaß der Perikarditis. Röntgenaufnahmen des Brustkorbs beweisen einen ausgeprägten Herzbeutelerguss bzw. eine damit verbundene Herzvergrößerung (Bocksbeutelform, “Frankenweinflasche“). Bei einem Perikarderguss wird das per Punktion gewonnene Sekret im Labor auf Keime untersucht. Werden in der Erregerkultur Bakterien gefunden, klärt ein Antibiogramm, auf welche Antibiotika diese ansprechen.

Therapie: Schonung ist wichtig

Die Behandlung einer Herzbeutelentzündung richtet sich nach deren Ursache. Bei der häufigsten Form, der viralen Perikarditis, kommen antientzündliche Schmerzmittel, wenn notwendig auch Glukokortikoide (“Cortison“) zum Einsatz. Bakteriell bedingte Herzbeutelentzündungen erfordern eine Antibiotikakur. Ein Perikarderguss oder eine Herzbeuteltamponade wird mittels Punktion oder Drainage, die die Flüssigkeit ableitet, therapiert.

Besteht bereits ein Panzerherz, versucht der Herzchirurg, im Rahmen einer Thorakotomie (Eröffnung des Brustkorbs) durch eine Perikardektomie („Herausschneiden“ des Herzbeutels) den verdickten, verhärteten und verkalkten Herzbeutel zu entfernen oder wenigstens zu fenstern, d.h. zumindest Gewebestücke zu beseitigen, wenn eine vollständige Ablösung nicht möglich ist, weil etwa der Herzbeutel mit dem Myokard (Herzmuskel) zu sehr verwachsen ist. Ziel des Eingriffs ist, dem Herzmuskel wieder mehr „Bewegungsfreiheit“ zu geben.

Unabhängig von der Krankheitsursache ist Schonung angesagt, um das ohnehin belastete Herz nicht zusätzlich zu stressen.

Meist günstige Prognose – kaum wirksame Vorbeugung

Die häufigsten Formen – virale und idiopathische Perikarditis – heilen üblicherweise nach ein bis drei Wochen aus. Es sei denn, es treten Komplikationen auf.

Durch Krankheitskeime verursachten Herzbeutelentzündungen lässt sich nicht vorbeugen. Lediglich bei der rezidivierenden (wiederkehrenden) idiopathischen Perikarditis zeigt Colchicin einen präventiven Effekt.

 

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