COPD/Raucherlunge: Diagnose bis Therapie

COPD Raucherlunge

COPD: Betroffene sind meist über 45 Jahre alt. Foto: Adobe Stock, (c) Crystal light

Neben Lungenkrebs ist COPD, im Volksmund auch als Raucherlunge bezeichnet, die verbreitetste Lungenkrankheit weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet sie als eine der tödlichsten Krankheiten überhaupt. In Österreich leidet jeder Zehnte über 40 Jahren an COPD. Je früher die Lungenerkrankung erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf eine durchschnittliche Lebenserwartung.

COPD/Raucherlunge: von A bis Z

Unsere Lunge

Erwachsene atmen im Durchschnitt acht Liter frische Luft pro Minute ein. Sauerstoff gelangt durch die Luftröhre und die Bronchien in die Lungen, wo ein reger Austausch stattfindet: Über die Luftbläschen (Alveolen) gelangt Sauerstoff in unser Blut, während Kohlendioxid auf diesem Weg ausgeatmet wird. Wir verfügen über 300 Millionen Alveolen, die diesen lebenswichtigen Gasaustausch ermöglichen.

COPD Raucherlunge

Arterielle Blutgefäße (rot) bringen Sauerstoff zu den Zellen. Foto: Adobe Stock, (c) peterschreiber.media

Über arterielle Blutgefäße (im Bild oben rot eingezeichnet) gelangt Sauerstoff in die Körperzellen, wo er in Energie umgewandelt wird. Luftröhre und Bronchien sind mit beweglichen Flimmerhärchen ausgestattet, an denen unerwünschte Staubpartikel hängen bleiben. Über den Luftweg werden diese Partikel wieder abtransportiert: Wir husten.

Was bedeutet COPD?

COPD steht für Chronic Obstructive Pulmonary Disease (Deutsch: chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Es handelt sich hierbei um eine irreversible Lungenerkrankung. Weitere Begriffe für COPD sind Raucherlunge, Emphysem, chronische Bronchitis, chronische Atemobstruktion, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, irreversible obstruktive Atemwegserkrankung. Nach Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenentzündung steht COPD an vierter Stelle der weltweit tödlichsten Krankheiten, so die Weltgesundheitsorganisation.

Was passiert in der Lunge bei COPD?

Bei COPD handelt es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild. In der Medizin unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Grundtypen, wobei es hier fließende Übergänge gibt:

  • COPD mit Entzündung der Atemwege (chronische Bronchitis)
  • COPD mit zerstörtem Lungengewebe (Lungenemphysem)

Chronische Bronchitis verengt die Atemwege, muss aber nicht zwangsläufig zu COPD führen. An einer chronischen Entzündung der Bronchien leidet die Hälfte aller Raucher über 40 Jahren. Durch die Verengung der Atemwege (Obstruktion) wird die Sauerstoffaufnahme und die Abgabe von Kohlendioxid erschwert.

Lungenemphysem ist eine Schädigung der Lungenbläschen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Die Trennwände, wo sonst der Sauerstoff-Austausch stattfindet, sind zerstört. Durch die fehlende Ventilfunktion entsteht langsam ein Überdruck in den Austauschzellen. Aufgrund der verminderten Fläche für den Gasaustausch gelangt weniger Sauerstoff ins Blut. Die unzureichende Versorgung mit Sauerstoff (O2) betrifft in weiterer Folge den ganzen Organismus des Menschen.

COPD Raucherlunge

Hier ein Blutgefäß und Alveolen im Querschnitt. Foto: Adobe Stock, (c) Crystal light

Wer bekommt COPD?

Rauchen begünstigt eine Erkrankung mit COPD. Das Rauchen von Zigaretten verursacht nachweislich 80-90% der COPD-Erkrankungen. Hierbei spielt eine große Rolle, wie stark die Rauchgewohnheit ausgeprägt war. Auch körperliche Dispositionen haben einen Einfluss auf die Erkrankung. Bei Nichtrauchern wird eine Diagnose oft sehr spät oder gar nicht gestellt. Eine erhöhte Belastung durch Feinstaub oder Chemikalien am Arbeitsplatz (z.B. im Bergbau, im Straßenverkehr) ist ein weiterer Faktor, der COPD hervorrufen kann.

Darüber hinaus können auch Atemwegsinfektionen in der frühen Kindheit eine chronische Atemwegsobstruktion verursachen. Bei Kindern wurde COPD bisher nicht diagnostiziert. Am häufigsten erkranken Menschen über 40 Jahre mit einer entsprechend langen Karriere als Raucher.

Wie kann man COPD erkennen?

Das häufigste Anzeichen für die Raucherlunge ist Atemnot. Bei körperlicher Anstrengung verspürt man einen größeren Bedarf an Atemluft. Hinzu kommt ein schleimiger Husten, der nicht abklingen will. Das klassische Symptom dazu heißt AHA – Atemnot, Husten und Auswurf.

Info: Die Symptome Atemnot, Husten und Auswurf (AHA) weisen auf eine Raucherlunge hin!

Von einer Selbstdiagnose ist dringend abzuraten. Besteht ein Verdacht aufgrund anhaltender Symptome, wendest du dich am besten an einen Facharzt. Äußerliche Anzeichen, die einen begründeten Verdacht darstellen, sind:

  • Anstrengung beim Atmen
  • chronischer Husten
  • übermäßige Schleimproduktion
COPD Raucherlunge

Rauchen verursacht in fast 90% der Fällen COPD. Foto: Adobe Stock, (c) Victor Moussa

Wie kann man COPD feststellen?

Im Patientengespräch informiert sich der behandelnde Arzt zunächst über die Krankengeschichte des Betroffenen, um Hinweise auf die mögliche Erkrankung zu finden. Im Unterschied zur Lungenfibrose, bei welcher das Einatmen erschwert wird, machen sich Beschwerden bei COPD in der Regel beim Ausatmen bemerkbar. Mit dem Stethoskop untersucht er dann die Lunge. Pfeifgeräusche oder Brummen beim Atmen können bereits verdächtige Signale sein. Mittels Spirometrie kann sich der Arzt anschließend ein Bild über die Funktion der Lunge machen: Hierbei misst er das Volumenverhältnis der Lunge beim Ein- und Ausatmen. Liegt COPD vor, ist der Patient nicht mehr in der Lage, in kurzer Zeit entsprechend viel Luft auszuatmen.

Radiologische Untersuchungen geben in weiterer Folge Auskunft über Art und Schwere der Lungenerkrankung. Mit Röntgenaufnahmen kann dein Arzt beispielsweise Lungenkarzinome oder Tuberkulose ausschließen. Eine Untersuchung mit Computertomografie diagnostiziert das Ausmaß der Lungenzerstörung beziehungsweise des Emphysems.

Schweregrade bei COPD

Die Unterteilung in vier COPD-Schweregrade richtet sich nach dem jährlichen Report der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). Der Schweregrad der Erkrankung beziehungsweise das COPD-Stadium wird mit Hilfe der Spirometrie ermittelt. Dieses Verfahren zeigt den Lungenfunktionswert FEV1 an. Die sogenannte Einsekundenkapazität misst das Luftvolumen, das ein Mensch nach maximaler Einatmung innerhalb von einer Sekunde so schnell wie möglich wieder ausatmen kann.

Info: Der Schweregrad der Atemwegsverengung wird durch die GOLD-Skala I-IV angezeigt.

Die vier COPD-Stadien und ihre Symptome:

GOLD I (leicht): In diesem Anfangsstadium weicht die Funktion der Lunge 0-20% vom Normalwert ab. Bei starker körperlicher Anstrengung (z.B. Sport) ist die Leistungsfähigkeit bereits eingeschränkt. Raucherhusten mit Schleim ist charakteristisch. Betroffene ignorieren die Warnsignale oftmals, obwohl eine Intervention in dieser frühen Phase wichtig wäre.

GOLD II (mittel): Der Lungenfunktionswert FEV1 weicht 50-79 % von der Norm ab. Chronischer Husten sowie Auswurf sind kennzeichnend für dieses mittelschwere Stadium. Die Verengung der Atemwege ist bereits fortgeschritten.

GOLD III (schwer): Die Lungenfunktion erreicht nur noch 30-49% des Normalwertes. Die Atemwege sind empfindlich verengt, weshalb Betroffene bei körperlicher Aktivität schnell in Atemnot geraten.

GOLD IV (sehr schwer): Ist der Lungenfunktionswert bereits unter 30 % des Normalwertes, liegt bereits eine chronisch unzureichende Sauerstoffversorgung vor. In diesem Stadium ist oftmals eine Versorgung mit einem Sauerstoffgerät notwendig. Die Lebensqualität ist stark beeinträchtigt. In der Regel können Betroffene ihre Arbeit nicht mehr ausüben. Eine plötzlich eintretende deutliche Verschlechterung (Exazerbation) des Lungenleidens kann jederzeit auftreten.

COPD Raucherlunge

Pfeifgeräusche oder Brummen beim Atmen können erste Warnsignale sein. Foto: Adobe Stock, (c) zinkevych

Wie lange lebt man mit COPD?

Mit welcher Lebenserwartung bei COPD tatsächlich zu rechnen ist, hängt davon ab, in welchem Stadium der Krankheit Betroffene sich befinden. Eine allgemein gültige Aussage gibt es hier nicht. Wenn Patienten sich jedoch an den Therapieplan halten und alle empfohlenen Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes befolgen, kann die Lebensqualität deutlich gesteigert werden. Unbehandelt verschlimmert sich die Krankheit und kann zum Tod führen.

Info: Der BODE-Index ist ein Instrument, um die Lebenserwartung bei COPD zu berechnen.

In einer Studie mit über 6.000 COPD-Patienten konnten Wissenschaftler zeigen, dass der überwiegende Teil an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt verstarb. Durch die Abnahme der Lungenfunktion enstehen Entzündungen im ganzen Körper, die sich auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Die Folgeerscheinungen geschädigter Lungen können sein:

  • Koronare Herzerkrankung
  • Herzschwäche
  • Bluthochdruck in den Arterien

COPD: Der BODE-Index

Mit Hilfe des BODE-Index wird die Lebenserwartung von Patienten mit COPD eingeschätzt. Für die Schätzung werden folgende Daten benötigt:

BBody-Mass-Index
OObstruktion: Der Arzt misst die Einsekundenkapazität beziehungsweise den Lungenfunktionswert.
DDyspnoea: In einem speziellen Test wird das subjektive Empfinden der Atemnot gemessen.
E – Exercise capacity: Gemessen wird die Strecke, die Patienten innerhalb von sechs Minuten zurücklegen können.

Was hilft bei COPD?

Die effektivste Maßnahme gegen COPD ist ein Rauchstopp. Unabhängig davon, wie weit die Lungenkrankheit fortgeschritten ist, ist es sinnvoll mit dem Rauchen aufzuhören. Hier lernst du fünf Methoden kennen, um mit dem Rauchen aufzuhören. Darüber hinaus gibt es noch weitere Faktoren, die sich positiv auf Genesung und Lebenserwartung auswirken: angemessene körperliche Betätigung (z.B. Gartenarbeit) an der frischen Luft, gesunde Ernährung und die allgemeine körperliche Verfassung tragen zu einem gesunden Leben ohne größere Beschwerden bei. Ausdauertraining in Form von langen Spaziergängen und gemäßigtem Muskeltraining helfen ebenfalls in der Bewältigung des Alltags.

Sowohl Übergewicht als auch Untergewicht wirken sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus. Eine positive Lebenseinstellung hingegen ist sehr wichtig im Kampf gegen die Krankheit. In diesem Sinn kann auch das soziale Umfeld Betroffene dabei unterstützen, ein möglichst normales Leben zu führen.

COPD Raucherlunge

COPD wird durch jahrelanges Rauchen begünstigt. Foto: Adobe Stock, (c) cloud7days

Therapie bei COPD

Idealerweise kombinieren Patienten medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Behandlung von COPD. Die hier angeführten Therapieformen geben nur einen groben Überblick der Möglichkeiten wieder:

Medikamentöse Therapie

Die Raucherlunge lässt sich nicht mehr heilen. Das Lungengewebe und die Bronchien sind bereits soweit geschädigt, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Ziel der Therapie ist es daher, eine Linderung der Symptome zu erreichen und die Lebensqualität zu verbessern.

In der Behandlung von COPD kommen bronchienerweiternde Medikamente zum Einsatz. Diese sogenannten Bronchodilatatoren bewirken, dass sich die Bronchien entspannen, wodurch sich die Atemwege erweitern. Bei Bedarf können Bronchodilatatoren als Spray-Inhalator verwendet werden. Die wichtigsten Wirkstoffe sind Beta-2-Sympathomimetika und Anticholinergika, die in Kombination oftmals die beste Wirkung erzielen.

Seltener nehmen Patienten auch den Wirkstoff Xanthine. Bei höheren Schweregraden ist auch Cortison (ebenfalls als Spray) das Mittel der Wahl. Inzwischen gibt es jedoch eine große Auswahl an Medikamenten, die Abhilfe verschaffen können, sofern Patienten die Einnahme richtig dosieren. Welches Präparat für die Therapie herangezogen wird, entscheidet im konkreten Fall der Lungenfacharzt.

Nicht-medikamentöse Therapie

Zur Behandlung von COPD können Patienten auch auf eine Reihe von nicht-medikamentösen Therapieformen zurückgreifen. Sinnvoll ist hier beispielsweise eine gezielte Atem-Physiotherapie, welche die Atmung verbessert und das Abhusten erleichtert. Patienten lernen auch bestimmte Körperhaltungen zur Reduzierung der Atemnot kennen. In Zusammenarbeit mit LungenfachärztenPhysiotherapeuten, Psychologen und Ernährungstherapeuten wird ein individuell abgestimmter Therapieplan entwickelt.

In schweren Fällen werden COPD-Kranke auch einer Sauerstofftherapie zugeführt. Je nach Bedarf können Patienten über eine Nasenbrille angereicherten Sauerstoff inhalieren.

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