Social Freezing: Eizellen einfrieren in Österreich?

Grafische Darstellung einer Frau, die mitten im Arbeitsleben steht und sich zwischen Beruf und Familie entscheiden muss. Social Freezing kann eine Lösung sein.

Social Freezing: Für die einen der Höhepunkt der Emanzipation, für andere eine Ökonomisierung des Lebens. Foto: Adobe Stock, (c) rudall30

Babyparty statt Midlife Crisis? Laut einer Studie der Statistik Austria entscheiden sich immer mehr Paare gegen Nachwuchs. Unter den Gründen für gewollte Kinderlosigkeit stehen Freiheit und Unabhängigkeit an erster Stelle. Doch was wäre, wenn Selbstverwirklichung und Kinderwunsch sich doch vereinen ließen? Social Freezing verspricht genau das: Karriere vor Familienplanung und gesunder Nachwuchs in jedem Alter. Wir haben recherchiert, wie die Behandlung abläuft, in welchem Rahmen Social Freezing in Österreich erlaubt ist, und wer die Kosten für die Kryokonservierung trägt.

Social Freezing – was versteht man darunter?

Schwangerschaft jenseits der 40 ist schon lange keine Ausnahme mehr: Sandra Maischberger hat es getan, Halle Berry ebenfalls und Gianna Nannini war sogar schon 54 Jahre alt, als Tochter Penelope zur Welt kam. Neu ist, dass Frauen sich heute aktiv dafür entscheiden können, ihre Familienplanung um 10, 20 oder 30 Jahre nach hinten zu verschieben. Das funktioniert, indem sie ihre Eizellen einfrieren und zu einem späteren, selbst gewählten Zeitpunkt, eine künstliche Befruchtung (z.B. eine IVF) durchführen lassen.

Doch während in amerikanischen Vororten Egg-Freezing-Partys gefeiert werden und Unternehmen wie Facebook und Apple die Entscheidung für die späte Mutterschaft finanziell belohnen, wird hierzulande heftig diskutiert: Bedeutet „Social Freezing“ tatsächlich die Befreiung von der Biologischen Uhr? Oder wiegt ein bisschen mehr Freiheit die Risiken nicht auf?

Gründe für Social Freezing

In Österreich wird bereits jedes fünfte Kind von einer Mutter über 35 zur Welt gebracht. Tatsächlich fühlen sich die meisten Frauen aber erst dann bereit für ein Kind, wenn sie körperlich bereits zu alt sind: Der Vorrat an Eizellen ist von Natur aus begrenzt und nimmt mit zunehmendem Alter rasant ab. Während eine Frau in der Pubertät noch über rund 400.000 gesunde Follikel verfügt, sind davon mit Mitte 30 nur noch 35.000 Zellen übrig. Das klingt zwar nicht schlecht, allerdings kommt es ab diesem Alter auch immer öfter zu Zyklen ohne Eisprung. Das bedeutet, dass die Chance auf eine natürliche Empfängnis jenseits der 40 bei weniger als zehn Prozent liegt.

Gleichzeitig steigt das Risiko genetischer Defekte: Chromosomal unbeschadet ist bei Frauen ab 40 nur noch etwa jede fünfte bis sechste Eizelle. Die bittere Wahrheit ist also: Auch für Frauen, die sich fit fühlen, kann es für gesunden Nachwuchs bereits zu spät sein.

Für eine gesunde Schwangerschaft braucht es gesunde Eizellen. Und diese nehmen mit dem Alter stark ab. Adobe Stock, (c) Erica Smit

Warum heißt es Social Freezing?

Das Social Freezing hat sich aus der sog. Kryokonservierung entwickelt, die es bereits seit den 80er Jahren gibt. Hierzu wurden den Frauen vor Beginn der Therapie mehrere gesunde Eizellen entnommen, die zu einem späteren Zeitpunkt via In-vitro-Fertilisation befruchtet und wieder in die Gebärmutter eingesetzt wurden. Das erste Kind, das durch künstliche Befruchtung einer kryokonservierten Eizelle empfangen wurde, kam 1986 zur Welt.

Im Gegensatz zur Kryokonservierung bedeutet Social Freezing das Einfrieren von Eizellen OHNE medizinischen Grund. Wie der Name bereits verrät, sind die Gründe für Social Egg Freezing sozial-gesellschaftlicher Natur. Frauen, die ihre Familienplanung um ein, zwei oder drei Jahrzehnte nach hinten verschieben, wünschen sich mehr

  • Zeit für Karriere, Freunde und Abenteuer
  • Freiheit für Selbstfindung und Selbsterfahrung
  • Sicherheit durch gesicherte Finanzen und eine stabile Partnerschaft

Wie funktioniert Social Freezing?

Durch Hormongaben wird die Reifung mehrerer Eizellen pro Zyklus angeregt, die anschließend unter Vollnarkose entnommen und aufbereitet werden. Dann werden sie bei einer Temperatur von -196 Grad tiefgefroren (Vitrifizierung), auf unbestimmte Zeit in flüssigem Stickstoff eingelagert und der Patientin zu einem selbst gewählten Zeitpunkt wieder eingesetzt. Die Befruchtung erfolgt mittels In-vitro-Fertilisation (IVF).

Durch das Einfrieren innerhalb von Sekundenbruchteilen wird der natürliche Alterungsprozess der Eizellen gestoppt. Das bedeutet eine gleichbleibende Qualität selbst bei 20- oder 30-jähriger Lagerungszeit. Das Verfahren ist mittlerweile soweit perfektioniert, dass mehr als 90 Prozent der Zellen die Vitrifikation unbeschadet überstehen. Die Erfolgsrate bei der anschließenden In-vitro-Fertilisation liegt, je nach Entnahmezeitpunkt und aktuellem Alter der Frau, zwischen 60 und 85 Prozent.

Wo ist Social Freezing erlaubt?

Während Social Freezing in den USA, Japan und Großbritannien bereits seit einigen Jahren als reguläre Behandlungsmethode im Rahmen der Kinderwunschbehandlung anerkannt ist, darf die Kryokonservierung in Österreich bisher nur bei medizinischer Notwendigkeit durchgeführt werden. Eine solche besteht beispielsweise, wenn aufgrund einer Krankheit bzw. einer entsprechenden Therapie (z.B. Chemotherapie) irreversible Schädigungen des Erbguts zu erwarten sind. In diesen Fällen kann eine künstliche Befruchtung in einer österreichischen Kinderwunschklinik durchgeführt werden.

Tipp: Wenn du dich darüber informieren möchtest, welche Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung dir zur Verfügung stehen, wirst du im Blogartikel Künstliche Befruchtung in Österreich: Kosten & Methoden fündig.

Was kostet Social Freezing?

Die Kosten für Social Freezing setzen sich zusammen aus der Hormonbehandlung, der Entnahme der Eizellen, der Lagerungsdauer und der anschließenden In-vitro-Fertilisation. Allein für Stimulation, Entnahme, Einfrieren und Einlagern sind rund € 4.000 zu rechnen. Die tatsächlichen Kosten sind von der behandelnden Klinik und den individuellen Voraussetzungen abhängig.

Zahlt die Krankenkasse Social Freezing?

Da das Einfrieren von Eizellen in Österreich derzeit nur bei medizinischer Notwendigkeit und nicht aufgrund gesellschaftlich-sozialer Gründe erlaubt ist, ist vonseiten der Krankenkasse kein Zuschuss zu erwarten. Kann die Frau jedoch aus medizinischen Gründen nicht schwanger werden, übernimmt der österreichische IVF Fonds die Kosten für eine In-Vitro-Fertilisation (bis auf einen Selbstbehalt von 40 Prozent). Genauere Informationen zur Kostenübernahme sowie eine Liste von Kinderwunschkliniken mit IVF-Fonds-Vertrag findest du in unserem Blogartikel.

Junge Mutter mit Säugling. Social Freezing macht's möglich.

Social Freezing bei Kinderwunsch? Frühes Einfrieren steigert die Chancen, nach der Behandlung schwanger zu werden. Adobe Stock, (c) Alena Ozerova

Gesunder Nachwuchs in jedem Alter?

Eine Baby-Garantie für 60- und 70-jährige? Ganz so einfach ist es nicht. Dank Social Freezing ist es für Frauen zwar möglich, jenseits ihrer fruchtbaren Jahre ein Kind zu empfangen, doch der Zeitpunkt der Entnahme und das Alter das Frau bei anschließender In-vitro-Fertilisation spielen dennoch eine entscheidende Rolle. So sollte die Patientin zum Zeitpunkt der Entnahme nicht älter als 35 sein und die Schwangerschaft nicht über ihr 46. Lebensjahr hinausschieben.

Bei Frauen über 30 sinkt die Qualität des genetischen Materials und Schwangerschaften jenseits der 40 gelten offiziell als Risikoschwangerschaften. Die Geburtenrate pro durchgeführter In-vitro-Fertilisation unterliegt je nach Entnahmezeitpunkt der Eizellen starken Schwankungen:

Entnahmezeitpunkt (Alter der Frau) Geburtenrate pro künstlicher Befruchtung
bis 35 Jahre 40 %
bis 37 Jahre 30 %
bis 45 Jahre 10 %
ab 45 Jahre < 10 %

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