Rigips streichen! Grundierung, Farbe & Finish auf Rigips

Junges Paar beim Rigips streichen in der ersten eigenen Wohnung.

Ist die Wand optimal vorbereitet, ist Rigips streichen kein Problem. Wir verraten wichtige Tipps und Tricks. Foto: Adobe Stock, (c) Ingo Bartussek

Du hast eine Trennwand aus Gipskarton gebaut und stehst jetzt vor dem Feinschliff? Keine Sorge: Rigips spachteln, streichen oder tapezieren ist zwar nicht besonders einfach, aber mit ein bisschen Geschick ist alles möglich. Im HEROLD-Blog erfährst du, welche Vorbereitungen für das Streichen auf Rigips nötig sind, mit welchen Kosten du rechnen musst und mit welcher Farbe Rigips streichen am besten funktioniert.

Rigips streichen – was beachten?

Der Gipskarton hat den Innenausbau revolutioniert. Mithilfe von Rigipsplatten kannst du nach Belieben Wände einziehen und Decken abhängen – und das innerhalb weniger Tage! Das Material lässt sich einfach verarbeiten, hervorragend kombinieren und kann nach Bedarf tapeziert, gestrichen, lackiert oder mit Fliesen belegt werden. Allerdings erfordert das Material ein wenig Erfahrung in der Handhabung. Rigips zu grundieren, zu verspachteln und zu streichen ist zwar auch für einen Laien absolut möglich, aber es ist wichtig, dass du alle Arbeitsschritte gut vorbereitest und sie gewissenhaft ausführst. Wir verraten dir, was du beim Rigips streichen beachten solltest.

Was du zum Streichen auf Rigips brauchst

Wenn du schon mal einen Raum ausgemalt hast, musst du für das Streichen deiner Gipskartonwände normalerweise kein weiteres Zubehör kaufen. Falls dir doch noch etwas fehlen sollte, wirst du in einem gut sortierten Baumarkt auf jeden Fall fündig. Folgendes benötigst du zum Streichen deiner Rigipswände:

  • Abdeckmaterialien u. Rührstab
  • Malerrolle u. Pinsel
  • Abstreifgitter
  • Deckenbürste, Malerquaste
  • Acryl, Kartuschenpistole u. Fugenspachtel
  • Teleskopstange

Rigips streichen: Tipps und Tricks

Sobald die Steckdosen abgeschraubt, die Böden mit Abdeckplane geschützt und Türen und Fenster mit Malerkrepp abgeklebt sind, kannst du mit dem Streichen deiner Gipskartonwand beginnen. Achte darauf, dir für alle Arbeitsschritte genügend viel Zeit zu nehmen. Nur auf diese Weise kannst du sicherstellen, dass das Ergebnis deinen Erwartungen gerecht wird. Besonders wichtig ist die Spachtel- und Schleifqualität deiner Rigipsplatten. Die Oberflächenqualität wird in den Qualitätsstufen Q1 bis Q4 gemessen. Für das Streichen auf Rigips sollte deine Oberfläche mindestens die Stufe Q3 erreichen.

Achtung: Alle Unebenheiten, die du mit den Fingern noch erfühlen kannst, werden nach dem Streichen sehr deutlich zu sehen sein. Wer hier kein Risiko eingehen möchte, sollte für das Finish der Rigipswand Profi-Hilfe in Anspruch nehmen. Durchgeführt werden entsprechende Arbeiten von Trockenausbauern und Stuckateuren.

1. Vor dem Rigips streichen: Platten verspachteln

Bevor du Tiefengrund auftragen kannst, musst du dafür sorgen, dass die Oberfläche deiner Rigipsplatten möglichst glatt sind. Zu diesem Zweck verschließt du sämtliche Fugen und Übergänge mit Spachtelmasse. Diese kannst du entweder selbst anrühren oder im Baumarkt kaufen. Als erstes solltest du die Stöße zwischen den Platten spachteln, indem du die Spachtelmasse fest hineindrückst und sie anschließend glattziehst.

Als nächstes legst du die Fugendeckenstreifen über die verspachtelten Stöße (Achtung: keine selbstklebenden Gitterbänder verwenden, da diese an der Decke zu stark auftragen!), überziehst sie noch einmal mit Spachtelmasse und ziehst die Fugen erneut glatt. Das fachgerechte Verspachteln ist vor allem dann wichtig, wenn du planst, deine Rigipswände später nicht (nur) zu streichen, sondern zu tapezieren.

Keine Sorge: Die fertig gespachtelte Rigipswand macht einen kontrastreichen und dadurch unfertigen Eindruck. Eine pigmentierte Grundierung schafft hier Abhilfe.

Wer auf Rigips streichen will, muss beim Verspachteln sorgfältig arbeiten.

Mit einer guten Grundierung und nach sorgfältigem Spachteln ist das Rigips Streichen oder Tapezieren kein Problem mehr. Adobe Stock, (c) Ingo Bartussek

2. Vor dem Rigips streichen: Rigips grundieren

Da Gipskarton relativ empfindlich auf äußere Einflüsse wie UV-Strahlung und Feuchtigkeit reagiert, solltest du deine Wände aus Rigips vor dem Streichen sorgfältig grundieren. Hierdurch wird das Saugverhalten der Oberfläche reduziert, der Farbhalt verbessert und die Fugen werden optisch neutralisiert. Die Behandlung mit Produkten wie Tiefengrund sorgt außerdem für ein gleichmäßiges Auftrocknen des anschließenden Farbauftrags. Du kannst die Grundierung entweder mit einer normalen Malerrolle oder (bei kleineren Flächen) mit der Malerquaste auftragen.

Für ein optimales Ergebnis sollte die Wand nach dem Auftrag von Tiefengrund mindestens 12 Stunden durchtrocknen. Es ist wichtig, dass deine Grundierung bzgl. ihrer Zusammensetzung mit der verwendeten Farbe harmoniert. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft Grundierung und Farbe vom gleichen Hersteller.

3. Vor dem Rigips streichen: Fugen mit Acryl schließen

Für einen professionellen DIY-Anstrich solltest du die Fugen zwischen Wand und Decke, sowie die Fugen zwischen Wänden und Fußleisten mit Acryl verschließen. Auf diese Weise verhinderst du unschöne Übergänge. Für einheitlich glatte Fugen drückst du das Acryl mit der Kartuschenpistole großzügig in die Anschlussstellen und ziehst überflüssiges Produkt mit einem Fugenspachtel glatt. Alternativ leistet hier auch der blanke Finger gute Arbeit.

Achtung: Wer anstelle von Acryl Silikon verwendet, bereut diese Entscheidung spätestens im nächsten Arbeitsschritt. Anders als Acryl lässt Silikon sich nämlich nicht überstreichen.

4. Farbbedarf für das Streichen auf Rigips ermitteln

Farbbedarf für eine einzelne Wand: Wand (Breite x Höhe) x RaumhöheFarbbedarf für einen ganzen Raum: Wände x Raumhöhe + Decke (Länge x Breite)

Tipp: An der Farbe zu sparen lohnt sich nicht. Wenn du zu wenig einplanst und zwischendrin nachkaufen musst, riskierst du einen unebenmäßigen Farbauftrag. Wenn Rigips streichen nicht gerade zu deinen heimlichen Hobbys zählt, musst du außerdem damit rechnen, dass ein zweiter Anstrich notwendig ist, um ein deckendes Ergebnis zu erreichen. Für einen normal großen Raum solltest du also einen 10 L-Eimer plus einen 2,5 L-Eimer als Reserve rechnen.

5. Farbwahl: Welche Farbe auf Rigips?

Da Gips ein stark saugender Untergrund ist und sogar Feuchtigkeit an seine Umgebung abgeben kann, trägt er zur Regulation des Raumklimas bei. Der Farbauftrag sollte diese Funktion auf keinen Fall unterbinden. Aus diesem Grund sind sowohl reine Silikat- als auch Dispersionsfarben ungeeignet, da erstere im Gipskarton einen chemischen Prozess auslösen, der zu Rissen in der Oberfläche führt, und letztere die Feuchtigkeit im Rigips einschließen. Geeignete Farben hingegen sind:

  • Dispersionssilikatfarbe ist diffusionsoffen und erlaubt dem Gips, die Feuchtigkeit an die Umgebung abzugeben. Achtung: Dispersionssilikatfarbe kann nur aufgetragen werden, wenn zuvor eine spezielle Tiefengrundierung erfolgt ist.
  • Trockenbaufarbe unterstützt die Atmungsaktivität des Gipskartons ebenfalls.
  • Kalk – oder Kalkschlammfarbe ist ebenfalls diffusionsoffen; mit entsprechenden Pigmenten kannst du dir jede Nuance zusammenmischen, die du dir wünschst.
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Für das Streichen auf Rigips benötigst du kein spezielles Zubehör, allerdings ist nicht jede Wandfarbe gleichermaßen gut geeignet. Adobe Stock, (c) ungermedien

6. Ecken und Kanten vorstreichen

Um beim Streichen auf Rigips ein einheitliches Farbergebnis zu erzielen, solltest du zunächst alle schwer zugänglichen Bereiche mit Pinsel und einem kleinen Farbroller (ca. 10 cm) vorstreichen. Verzichtest du auf diesen Schritt, riskierst du in den Wandecken sowie den Bereichen unmittelbar unter der Decke und über den Fußleisten einen weniger guten Farbauftrag.

Letzter Schritt: Rigips streichen

Grundsätzlich kannst du jede Malerrolle zum Streichen auf Rigips verwenden. Die spätere Oberflächenstruktur wird je nach verwendeter Rolle (z.B. Schaumstoff – oder Lammfellrolle) allerdings entsprechende Merkmale aufweisen. Es lohnt sich also, zunächst einen Testanstrich mit unterschiedlichen Rollen zu machen, bevor du dich auf ein Modell festlegst. Das gleichmäßigste und unauffälligste Ergebnis erhältst du in der Regel mit einer Schaumstoffrolle. Der Farbauftrag auf den größeren Flächen sollte mit einer großen Rolle und relativ zügig erfolgen.

Rigipsplatten streichen ohne Grundierung?

Es ist möglich, Gipskartonwände auch ohne vorherige Grundierung zu streichen. Hierzu solltest du dich aber nur dann entscheiden, wenn die Oberfläche deiner Rigipsplatten optimal gearbeitet ist und idealerweise der Qualitätsstufe 4 entspricht. Wer die Grundierung sparen möchte, sollte für den Anstrich Trockenbaufarbe verwenden. In dieser Spezialfarbe ist die Grundierung bereits enthalten und sie schützt die Platten außerdem vor dem Vergilben.

Tipp: Eine weitere Möglichkeit, auf die Grundierung mit Spezialfarbe zu verzichten, ist das Vorstreichen mit stark verdünnter Dispersionssilikatfarbe. Hierzu gibst du deiner Wunschfarbe ganz einfach einen Wasseranteil von 10 bis 20 % hinzu. Durch den hohen Wassergehalt trocknet die Farbe selbst auf dem unbehandelten Gipskarton gut vor und schützt den Zweitanstrich davor, zu viel Feuchtigkeit zu verlieren.

Pärchen, das gemeinsam einen frisch mit Rigipsplatten ausgebauten Dachboden streicht.

Mit der richtigen Vorbereitung der Wände und Decken geht das Streichen auf Rigips leicht von der Hand. Foto: Adobe Stock, (c) gradt

 Warum sich Profi-Hilfe beim Rigips streichen lohnen kann

Während das Rigips streichen dem geübten Laien problemlos von der Hand geht, ist es für viele Heimwerker ein Problem, die benötigte Qualitätsstufe zu erreichen. Für einen gleichmäßigen, gut haftenden Farbauftrag ist es wichtig, dass die Gipskartonwand mindestens in Qualitätsstufe 3 geschliffen wurde. Wer die neue Wand lackieren möchte, benötigt sogar Qualitätsstufe 4. Professionelle Trockenausbauer vereinbaren mit dir im Vorfeld eine entsprechende Qualitätsstufe, sodass das Endprodukt direkt gestrichen werden kann.

Ist mein Finish gut genug?

Ob dein Finish gut genug ist, kannst du durch einen einfachen Test feststellen: Lege einen Halogenstrahler (eine einfache Taschenlampe tut’s zur Not auch) auf die Rigipsplatten und leuchte an ihnen entlang. Wenn sich größere Schatten abzeichnen, weißt du, dass du nacharbeiten musst. Ein perfektes Finish lässt sich allerdings wirklich nur durch den Einsatz eines speziellen Trockenbauschleifers erreichen.

Da dieser in der Anschaffung recht teuer ist und außerdem viel Lärm und Schleifstaub verursacht, kann es sich lohnen, den Innenausbau einem Profi zu überlassen. Auf diese Weise sparst du dir die Anschaffungskosten für das Schleifgerät, Arbeitszeit und unter Umständen auch viel Ärger.

Kontakt: Hier findest du Innenausbauer in deinem Bundesland



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