Brackets: wie festsitzende Zahnspangen Zähne zurechtrücken

Untere Gesichtshälfte einer hübschen jungen Frau mit Zahnspange Brackets.

Warum hat meine Zahnspange Brackets? Damit sie an den Zähnen hält! HEROLD erklärt, wie die Behandlung funktioniert. Adobe Stock, (c) Aleksandr Rybalko

Schiefe, verdrehte oder an falscher Stelle stehende Zähne sind nicht schön. Und der Gesundheit abträglich. Umso mehr, wenn es sich um das bleibende Gebiss handelt. Das lässt sich ändern. Mit Brackets, Befestigungselementen einer festsitzenden Zahnspange, die die Beißerchen wieder zurechtrücken. Wir erklären, die die Behandlung funktioniert und mit welchen Kosten du für deine Zahnspangen Brackets rechnen musst.

Was sind festsitzende Zahnspangen?

Fehlstellungen einzelner Zähne oder Zahngruppen werden in der Kieferorthopädie am effektivsten mit festsitzenden Zahnspangen korrigiert. Das sind zahntechnische Geräte, die anhand der Abnahme von Zahnabdrücken angefertigt und mithilfe von Gipsmodellen der Kiefer sowie Röntgenbildern oder Fotos ans Gebiss angepasst werden. Wobei jeder Behandlungsschritt genau geplant wird. Der Zahnarzt fixiert die Zahnspange an den Zähnen und entfernt sie erst am Ende der gesamten Behandlung. Normalerweise wird eine fixe Zahnspange erst dann angepasst, wenn alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind. Aus diesem Grund sind Erwachsene und (ältere) Jugendliche die Hauptzielgruppe für eine festsitzende Zahnspange.

Übrigens: Kinder mit Wechselgebiss werden für gewöhnlich mit herausnehmbaren Zahnspangen versorgt. Anders als bei Erwachsenen wird die Zahn- und Kieferregulation für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre häufig vollständig von der Krankenkasse finanziert. Nähere Informationen zu den Voraussetzungen für die sogenannte Gratis Zahnspange findest du in unserem Blogartikel.

Was sind Brackets?

Einen wesentlichen Bestandteil festsitzender Zahnspangen bilden wenige Millimeter große Halteelemente in Form von Plättchen. Sie klebt der Zahnarzt – je nach Zahnfehlstellung – mit einem Bond (medizinische Fixierflüssigkeit), also einer Art Spezialkleber, auf die Zahnaußenseite oder die der Zunge zugewandte Zahninnenseite (daher linguale Brackets genannt). Anschließend führt er einen individuell geformten, elastischen Drahtbogen durch die Brackets, der vorher genau berechnete Zugkräfte auf die Zähne ausübt. Brackets bestehen meist aus einem der folgenden Materialien:

  • Metall: z.B. rostfreier Edelstahl, in verschiedenen Formen und Größen ausführbar, kostengünstiger als andere Varianten.
  • Keramik: transparent bis zahnfarben, daher optisch relativ unauffällig (Drähte bleiben aber sichtbar), kann brechen.
  • Kunststoff: transparent bis zahnfarben, aber mangelhaft farb- und formstabil, daher seltener in Gebrauch.

Es gibt sie neben den klassischen Ausführungen auch in verschiedenen Farben und Designs. Kleinere, aus sehr weichen und dünnen Metallligaturen bestehende Drähte befestigen den Drahtbogen an den Brackets. Demselben Zweck dienen Gummizüge (Zahnspangen-Gummis, Elastics), die vom Patienten laut zahnärztlicher Anleitung regelmäßig gewechselt werden müssen. Diese Einwegprodukte, die nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden, unterstützen den Prozess, Zähne an die richtige Stelle zu rücken. Dieselbe Aufgabe erfüllen eventuell an der Zahnspange angebrachte Druck- oder Zugfedern.

Junge dunkelhaarige Frau beim Kieferorthopäden mit einer fixen Zahnspange, an der Gummis angebracht sind. Zahnspange Brackets.

Die festsitzende Zahnspange ist eigentlich für Erwachsene gedacht und wird nur sehr selten für Kinder angewendet. Adobe Stock, (c) Евгений Вершинин

Speed Brackets/Selbstlegierende Brackets

Sogenannte Speed- bzw. selbstligierende Brackets (meist aus Metall) brauchen keine Draht- bzw. Gummiligaturen, um den Drahtbogen festzuhalten. Denn in sie ist bereits eine Vorrichtung (Verschlussfeder, “Schloss“) zu seiner Befestigung eingearbeitet, die immer gleich verschlossen ist. Das gewährleistet eine optimale Kraftübertragung vom Bogen auf den Zahn und erzeugt weniger Reibung. Erleichtert zudem die Zahnhygiene sowie das Wechseln und Nachjustieren des Drahtbogens im Behandlungsverlauf und kann sogar die Dauer der Behandlung verkürzen. Doch nehmen solche Brackets durch diesen zusätzlichen integrierten Mechanismus häufig mehr Platz ein als herkömmliche und eignen sich deshalb eher weniger für besonders kleine Zähne.

Keramikbrackets

Brackets aus Keramik haben den Vorteil, dass sie durch ihre helle Farbe und ihre glatte Oberfläche weniger auffallen als die gewöhnlichen silbernen Brackets. Außerdem sind die leichter zu reinigen. Der Nachteil von Keramikbrackets ist, dass sie sehr leicht brechen können bzw. leicht Sprünge bekommen und dann ausgetauscht werden müssen. Wer keine Zusatzversicherung hat, muss die Reparatur aus eigener Tasche zahlen. Da Keramik ein sehr hochwertiges Material ist, ist diese Art von Brackets kostspieliger als die Standard-Variante aus Metall.

Hübsches junges Mädchen mit Keramik Brackets beim Kieferorthopäden. Zahnspange Brackets.

Keramikbrackets werden nicht von der Krankenkasse bezahlt. Sie leistet nur Zuschüsse zu Standard-Ausführungen. Adobe Stock, (c) dima_sidelnikov

Lingualbrackets

Lingualbrackets werden nicht außen auf den Zähnen, sondern an der Zahninnenseite angebracht. dadurch sind sie kaum zu sehen und werden auch häufig als unsichtbare Zahnspange bezeichnet. Innenliegende Brackets verursachen deutlich höhere Kosten als außenliegende Brackets, da sie in der Herstellung sehr aufwändig sind. Lingualbrackets dienen vor allem für Korrekturen geringerer Fehlstellungen im Frontzahnbereich. Wie etwa kleinere Engstände oder Verlagerungen. Meist mit einer Behandlungsdauer von einigen Wochen bis zu 6 Monaten.

Durchsichtige Brackets

Durchsichtige Brackets sind eigentlich Halteplättchen aus Keramik. Keramikbrackets gibt es nämlich sowohl zahnfarben als auch durchsichtig. Neben diesen transparenten Brackets gibt es aber noch eine andere Variante der unsichtbaren Zahnspange: die Invisalign. Dabei handelt es sich um herausnehmbare, transparente und damit kaum sichtbare Kunststoffschienen, die nach und nach die Zähne in die richtige Position bringen. Für ihre maßgefertigte Herstellung werden Zahnabdrücke genommen.

Die Zahnabdrücke und eine spezielle Computersoftware ermöglichen es, ein digitales 3D-Modell der Zähne zu zeichnen und anhand des vom Zahnarzt vorgeschlagenen Behandlungsplans die Verschiebung der Zähne von der Ausgangslage in die gewünschte Endposition zu simulieren. Den einzelnen Stufen des Behandlungsplans folgend werden die Aligner, von denen jeder die Zähne ein Stückchen mehr in die angestrebte Position bewegt, alle zwei Wochen gewechselt.

Geöffneter Mund eines Mannes, der gerade einen Invisalign Aligner einsetzt. Zahnspange Brackets.

Viele Erwachsene entscheiden sich für die Behandlung mit unsichtbaren Schienen aus Kunststoff. Adobe Stock, (c) Andrey Popov

Die Anzahl der nötigen Schienen und somit die Behandlungsdauer variiert daher je nach Patient und Behandlungsplan. In der Regel sind es zwischen 18 und 36 Stück. Dabei gilt: Je öfter man die Aligner trägt, desto rascher erreicht man das Ziel. Da die Schienen beinahe unsichtbar sind, kann man sie fast immer tragen. Außer zum Essen, Zähne putzen und beim Sport.

Wie Zahnspangen mit Brackets funktionieren

Brackets und Drahtbögen üben einen kontinuierlichen, wohldosierten, sanften und zugleich kräftigen Druck auf die fehlgestellten Zähne aus, sodass diese nach und nach ihre richtige Position einnehmen. Eine festsitzende Zahnspange (Multiband- oder Multibracket-Apparatur) vermag aber nicht nur Zähne zurechtzurücken, sondern auch Zahnwurzeln im Kiefer zu drehen. Sie eignet sich daher auch zur Korrektur komplexer Zahn- und Kieferfehlstellungen. Und liefert in der Regel ein gutes Behandlungsergebnis mit schöner Zahnbogenform. Etwa 3- bis 6-wöchige zahnärztliche Kontrolltermine dienen der Nachjustierung der Zahnspange.

Werden für bestimmte, sehr präzise auszuführende Zahnbewegungen (z.B. Lückenöffnung oder -schluss) zusätzliche Kräfte oder eine Verankerung benötigt, geschieht das über ein am Hinterkopf oder Nacken angebrachtes Bandschlaufensystem (Headgear) bzw. Implantate (kleine Titanschrauben) im Gaumenknochen.

Wie lange muss man Zahnspangen tragen?

Über die Dauer, wie lange eine Zahnspange zu tragen ist, um einen bleibenden Behandlungserfolg zu erreichen, lassen sich kaum genaue Angaben machen. Aus diesem Grund geben die meisten Fachärzte für Kieferorthopädie eine Behandlungsdauer zwischen ein bis vier Jahren an. Die tatsächliche Dauer der Behandlung hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • der Art und dem Ausmaß der Zahn- und/oder Kieferfehlstellung
  • dem Alter und der Mitarbeit des Spangenträgers (z.B. Anwendung der Gummizüge)
  • der Art und Passgenauigkeit der Zahnspange

Nach den Brackets: der Retainer

Nach Abschluss der Behandlung mit einer Zahnspange, d.h. Entfernung der Brackets, Drähte und Co., bedarf es häufig einer Absicherung, dass die Zähne nicht wieder in ihre ehemalige unvorteilhafte Position zurückwandern. Um sie auf lange Sicht dort zu halten (“Retention“), wohin die Zahnspange sie gebracht hat, kommt meist ein sogenannter Retainer zum Einsatz.

Entweder eine abnehmbare Kunststoffschiene, die zumeist während des Schlafens getragen wird. Oder ein auf der Zahninnenseite (daher: Lingualretainer) befestigter (daher: Kleberetainer), dünner Spezialdraht. Das kann jahrelang oder auch lebenslang (Lifetime Retention) notwendig sein. Um Kräfte, die auf die Zähne einwirken, auszugleichen und den Behandlungserfolg zu bewahren.

Hübsche junge Frau mit roten Haaren und Zahnspange Brackets.

Nicht nur für Kinder! Immer mehr Erwachsene entscheiden sich für eine Zahn- und Kieferregulation. Adobe Stock, (c) alfa27

Vorteile festsitzender Zahnspangen

  • Im Gegensatz zu herausnehmbaren Spangen korrigieren sie fast alle Zahnfehlstellungen.
  • Sie erlauben Feineinstellungen der Verzahnung.
  • Funktionen wie Kauen und Sprechen werden kaum beeinträchtigt.
  • Sie ermöglichen eine Vorausschau des Behandlungsergebnisses durch den Zahnarzt/Kieferorthopäden.

Nachteile festsitzender Zahnspangen

Die meisten Nachteile, die durch fixe Zahnspangen mit Brackets verursacht werden, sind entweder ästhetischer Natur oder stellen lediglich während der Eingewöhnungsphase ein Problem dar. Zu diesen Nachteilen zählt z.B., dass die Brackets während der ersten Wochen an den Lippen, der Zunge oder am Inneren der Wangen scheuern und ein Druckgefühl auslösen können. Bei richtigen Schmerzen (z.B. durch wegstehende Drahtenden) solltest du sofort deinen Kieferorthopäden aufsuchen, damit er das Problem beseitigen kann. Andere Nachteile fixer Zahnspangen können sein:

  • Ihre individuelle Befestigung kann Kraft- und Reibungsunterschiede verursachen.
  • An den Zahnspangen sammeln sich gern Speisereste und Kariesbakterien an. Eine besonders sorgfältige Mundhygiene ist daher unerlässlich.
  • Der Verzehr harter Nahrungsmittel kann die Spange beschädigen.
  • Lingual-Brackets können Sprachschwierigkeiten hervorrufen, da sie den Bewegungsraum der Zunge einengen.
Übrigens! Ein weiterer Nachteil von fixen Zahnspangen ist, dass sie für Erwachsene relativ hohe Kosten verursachen. Im Blogartikel Was kosten Zahnspangen für Erwachsene? findest du eine Kosten-Übersicht und erfährst, in welchen Fällen die Krankenkasse die Spange bezuschusst.

Zahnspangen Brackets locker oder rausgefallen?

Manchmal können Brackets sich lockern (z.B. durch das Abbeißen von harten Lebensmitteln, Kauen an Gegenständen oder den Verzehr besonders körniger Nahrung) oder auch ganz rausbrechen bzw. aus der Spange fallen. Fehlen Brackets oder sind welche locker geworden, d.h. lassen sich am Drahtbogen entlang verschieben, ist der ehestmögliche Gang zum Zahnarzt angesagt. Lose Brackets müssen nämlich schnell zurückgeklebt werden und verlorengegangene ersetzt. Letzteres ist aber nicht beliebig oft machbar, denn bei jedem Kleben verringert sich das Haltevermögen des Klebers.

Behandlungserfolg von Zahnspangen unterstützen

Ein vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden sorgfältig ausgearbeiteter Behandlungsplan und eine maßgefertigte und gut angepasste Zahnspange sind unerlässliche Faktoren für ein gutes Behandlungsergebnis. Optimal wird dieses erst, wenn der Patient mitarbeitet, indem er

  • sich nach jedem Essen gründlich die Zähne putzt (mit Zahnbürste, Interdentalbürste und Zahnseide) oder, wenn das einmal nicht möglich ist, sich zumindest zur Not den Mund gründlich mit Wasser ausspült.
  • beim abendlichen Zähneputzen kontrolliert, ob noch alle Brackets vorhanden sind.
  • jeden geplanten Termin beim Zahnarzt wahrnimmt und gegebenenfalls einen Ersatztermin vereinbart, wenn er an einem regulären Termin verhindert ist. Unterlassene Zahnarztbesuche gehen auf Kosten des Behandlungserfolges.
  • bei Problemen wie z.B. Passungenauigkeiten der Zahnspange Kontakt mit dem Zahnarzt aufnimmt, um sie beheben zu lassen.
  • in der Eingewöhnungsphase bei Druckstellen im Mund mit den Fingern erwärmte Silikonwachsstreifen dort aufdrückt. Spülen mit Kamillen- oder Salbeitee hilft auch.
  • beim Zahnarzt eine Bracketumfeldversiegelung durchführen lässt, um der Karies Paroli zu bieten.

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