Brackets: wie festsitzende Zahnspangen Zähne zurechtrücken

Zahnspange Brackets

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Schiefe, verdrehte oder an falscher Stelle stehende Zähne sind nicht schön. Und der Gesundheit abträglich. Umso mehr, wenn es sich um das bleibende Gebiss handelt. Das lässt sich ändern. Mit Brackets, Befestigungselementen einer festsitzenden Zahnspange, die die Beißerchen wieder zurechtrücken.

Was sind festsitzende Zahnspangen?

Fehlstellungen einzelner Zähne oder Zahngruppen werden in der Kieferorthopädie am effektivsten mit festsitzenden Zahnspangen korrigiert. Das sind zahntechnische Geräte, die anhand der Abnahme von Zahnabdrücken angefertigt und mithilfe von Gipsmodellen der Kiefer sowie Röntgenbildern oder Fotos ans Gebiss angepasst werden. Wobei jeder Behandlungsschritt genau geplant wird.

Der Zahnarzt fixiert die Zahnspange an den Zähnen und entfernt sie erst am Ende der gesamten Behandlung. Üblicherweise geschieht das, wenn alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind. Also sind Erwachsene oder Jugendliche die Hauptzielgruppe für eine festsitzende Zahnspange. Manchmal aber erhalten auch schon Kinder mit Wechselgebiss, also im Alter von etwa 9 bis 12 Jahren, eine derartige Zahnregulierung, in Ausnahmefällen sogar jüngere Kinder.

Was sind Brackets?

Einen wesentlichen Bestandteil festsitzender Zahnspangen bilden wenige Millimeter große Halteelemente in Form von Plättchen. Sie klebt der Zahnarzt – je nach Zahnfehlstellung – mit einem Bond (medizinische Fixierflüssigkeit), also einer Art Spezialkleber, auf die Zahnaußenseite oder die der Zunge zugewandte Zahninnenseite (daher linguale Brackets genannt). Anschließend führt er einen individuell geformten, elastischen Drahtbogen durch die Brackets, der vorher genau berechnete Zugkräfte auf die Zähne ausübt.

Diese Halteelemente bestehen meist aus einem der folgenden Materialien:

  • Metall: z.B. rostfreier Edelstahl, in verschiedenen Formen und Größen ausführbar, kostengünstiger als andere Varianten.
  • Keramik: transparent bis zahnfarben, daher optisch relativ unauffällig (Drähte bleiben aber sichtbar), kann brechen.
  • Kunststoff: transparent bis zahnfarben, aber mangelhaft farb- und formstabil, daher seltener in Gebrauch.

Es gibt sie neben den klassischen Ausführungen auch in verschiedenen Farben und Designs.

Kleinere, aus sehr weichen und dünnen Metallligaturen bestehende Drähte befestigen den Drahtbogen an den Brackets. Demselben Zweck dienen Gummizüge (Zahnspangen-Gummis, Elastics), die vom Patienten laut zahnärztlicher Anleitung regelmäßig gewechselt werden müssen. Diese Einwegprodukte, die nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden, unterstützen den Prozess, Zähne an die richtige Stelle zu rücken. Dieselbe Aufgabe erfüllen eventuell an der Zahnspange angebrachte Druck- oder Zugfedern.

Sogenannte Speed- bzw. selbstligierende Brackets (meist aus Metall) brauchen keine Draht- bzw. Gummiligaturen, um den Drahtbogen festzuhalten. Denn in sie ist bereits eine Vorrichtung (Verschlussfeder, “Schloss“) zu seiner Befestigung eingearbeitet, die immer gleich verschlossen ist. Das gewährleistet eine optimale Kraftübertragung vom Bogen auf den Zahn und erzeugt weniger Reibung. Erleichtert zudem die Zahnhygiene sowie das Wechseln und Nachjustieren des Drahtbogens im Behandlungsverlauf und kann sogar die Dauer der Behandlung verkürzen. Doch nehmen solche Brackets durch diesen zusätzlichen integrierten Mechanismus häufig mehr Platz ein als herkömmliche und eignen sich deshalb eher weniger für besonders kleine Zähne.

Wie festsitzende Zahnspangen funktionieren

Brackets und Drahtbögen üben einen kontinuierlichen, wohldosierten, sanften und zugleich kräftigen Druck auf die fehlgestellten Zähne aus, sodass diese nach und nach ihre richtige Position einnehmen. Eine festsitzende Zahnspange (Multiband- oder Multibracket-Apparatur) vermag aber nicht nur Zähne zurechtzurücken, sondern auch Zahnwurzeln im Kiefer zu drehen. Sie eignet sich daher auch zur Korrektur komplexer Zahn- und Kieferfehlstellungen. Und liefert in der Regel ein gutes Behandlungsergebnis mit schöner Zahnbogenform. Etwa 3- bis 6-wöchige zahnärztliche Kontrolltermine dienen der Nachjustierung der Zahnspange.

Linguale (zungenseitige), somit “unsichtbare“ Brackets (Lingual-Brackets) dienen vor allem für Korrekturen geringerer Fehlstellungen im Frontzahnbereich. Wie etwa kleinere Engstände oder Verlagerungen. Meist mit einer Behandlungsdauer von einigen Wochen bis zu 6 Monaten.

Werden für bestimmte, sehr präzise auszuführende Zahnbewegungen (z.B. Lückenöffnung oder -schluss) zusätzliche Kräfte oder eine Verankerung benötigt, geschieht das über ein am Hinterkopf oder Nacken angebrachtes Bandschlaufensystem (Headgear) bzw. Implantate (kleine Titanschrauben) im Gaumenknochen.

Wie lange muss man Zahnspangen tragen?

Über die Dauer, wie lange eine Zahnspange zu tragen ist, um einen bleibenden Behandlungserfolg zu erreichen, lassen sich kaum genaue Angaben machen. Denn sie richtet sich nach Gegebenheiten wie

  • der Art und dem Ausmaß der Zahn- und/oder Kieferfehlstellung
  • dem Alter und der Mitarbeit des Spangenträgers (z.B. Anwendung der Gummizüge)
  • der Art und Passgenauigkeit der Zahnspange

Meistens ist bei der Behandlung aber mit einer Dauer von eineinhalb bis vier Jahren zu rechnen.

Retainer: “Nachspiel“ mit Wirkung

Nach Abschluss der Behandlung mit einer Zahnspange, d.h. Entfernung der Brackets, Drähte und Co., bedarf es häufig einer Absicherung, dass die Zähne nicht wieder in ihre ehemalige unvorteilhafte Position zurückwandern. Um sie auf lange Sicht dort zu halten (“Retention“), wohin die Zahnspange sie gebracht hat, kommt meist ein sogenannter “Retainer“ zum Einsatz.

Entweder eine abnehmbare Kunststoffschiene, die zumeist während des Schlafens getragen wird. Oder ein auf der Zahninnenseite (daher: Lingualretainer) befestigter (daher: Kleberetainer), dünner Spezialdraht. Das kann jahrelang oder auch lebenslang (Lifetime Retention) notwendig sein. Um Kräfte, die auf die Zähne einwirken, auszugleichen und den Behandlungserfolg zu bewahren.

zahnspange Brackets

Foto: Adobe Stock, (c) Andrey Popov

Vorteile festsitzender Zahnspangen

  • Im Gegensatz zu herausnehmbaren Spangen korrigieren sie fast alle Zahnfehlstellungen.
  • Sie erlauben Feineinstellungen der Verzahnung.
  • Funktionen wie Kauen und Sprechen werden kaum beeinträchtigt.
  • Sie ermöglichen eine Vorausschau des Behandlungsergebnisses durch den Zahnarzt/Kieferorthopäden.

Nachteile festsitzender Zahnspangen

  • Ihre individuelle Befestigung kann Kraft- und Reibungsunterschiede verursachen.
  • Wegstehende Drahtenden können pieksen.
  • Scheuernde Brackets können Druckstellen – oft in Form kleiner, eventuell schmerzhafter Blasen – an Lippen, Wange oder Zunge erzeugen.
  • An den Zahnspangen sammeln sich gern Speisereste und Kariesbakterien an. Eine besonders sorgfältige Mundhygiene ist daher unerlässlich.
  • Der Verzehr harter Nahrungsmittel kann an ihnen Schäden hervorrufen.
  • Vor allem Metall-Brackets sind kein ästhetisches Highlight.
  • Lingual-Brackets können Sprachschwierigkeiten hervorrufen, da sie den Bewegungsraum der Zunge einengen.

Ein Spannungsgefühl, leichte Druckschmerzen oder eine erhöhte Empfindlichkeit der Zähne während der Eingewöhnungsphase oder auch infolge einer Nachjustierung sind normal und geben sich in der Regel wieder.

Was den Behandlungserfolg von Zahnspangen unterstützt

Ein vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden sorgfältig ausgearbeiteter Behandlungsplan und eine maßgefertigte und gut angepasste Zahnspange sind unerlässliche Faktoren für ein gutes Behandlungsergebnis. Optimal wird dieses erst, wenn der Patient mitarbeitet, indem er

  • sich nach jedem Essen gründlich die Zähne putzt (mit Zahnbürste, Interdentalbürste und Zahnseide) oder, wenn das einmal nicht möglich ist, sich zumindest zur Not den Mund gründlich mit Wasser ausspült.
  • seine Nahrung in mundgerechte Stücke schneidet, um nicht abbeißen zu müssen. Denn Abbeißen kann Schäden an den Brackets verursachen.
  • vorsichtig kaut, denn besonders körniges Essen kann der Zahnregulierung gefährlich werden.
  • das Kauen an Gegenständen (z.B. Schreibstifte, Fingernägel) unterlässt. Auch das schadet der Zahnspange.
  • beim abendlichen Zähneputzen kontrolliert, ob noch alle Brackets vorhanden sind. Fehlen Brackets oder sind welche locker geworden, d.h. lassen sich am Drahtbogen entlang verschieben, ist der ehestmögliche Gang zum Zahnarzt angesagt. Lose Brackets müssen nämlich schnell zurückgeklebt werden, verlorengegangene ersetzt. Letzteres ist aber nicht beliebig oft machbar, denn bei jedem Kleben verringert sich das Haltevermögen des Klebers.
  • jeden geplanten Termin beim Zahnarzt wahrnimmt und gegebenenfalls einen Ersatztermin vereinbart, wenn er an einem regulären Termin verhindert ist. Unterlassene Zahnarztbesuche gehen auf Kosten des Behandlungserfolges.
  • bei Problemen wie z.B. Passungenauigkeiten der Zahnspange Kontakt mit dem Zahnarzt aufnimmt, um sie beheben zu lassen.
  • in der Eingewöhnungsphase bei Druckstellen im Mund mit den Fingern erwärmte Silikonwachsstreifen dort aufdrückt. Spülen mit Kamillen- oder Salbeitee hilft auch.
  • beim Zahnarzt eine Bracketumfeldversiegelung durchführen lässt, um der Karies Paroli zu bieten.

Unsichtbare Alternative: Aligner

Für Erwachsene und Teenager, die viel Wert auf eine unauffällige Zahnspange legen, eröffnet sich in vielen Fällen die Option, Aligner wie z.B. Invisalign® zu verwenden. Das sind herausnehmbare, transparente und damit kaum sichtbare Kunststoffschienen, die nach und nach die Zähne in die richtige Position bringen.

Für ihre maßgefertigte Herstellung werden Zahnabdrücke genommen. Sie und eine spezielle Computersoftware ermöglichen, ein digitales 3D-Modell der Zähne zu zeichnen und anhand des vom Zahnarzt vorgeschlagenen Behandlungsplans die Verschiebung der Zähne von der Ausgangslage in die gewünschte Endposition zu simulieren. Den einzelnen Stufen des Behandlungsplans folgend werden die Aligner, von denen jeder die Zähne ein Stückchen mehr in die angestrebte Position bewegt, alle zwei Wochen gewechselt. Die Anzahl der nötigen Schienen und somit die Behandlungsdauer variiert daher je nach Patient und Behandlungsplan. In der Regel sind es zwischen 18 und 36 Stück.

Dabei gilt: Je öfter man die Aligner trägt, desto rascher erreicht man das Ziel. Da die Schienen beinahe unsichtbar sind, kann man sie fast immer tragen. Außer zum Essen, Zähne putzen und beim Sport.

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