Abtreibung in Wien und Österreich: Kosten und Ablauf

Abtreibung Wien. Was kostet der Schwangerschaftsabbruch in Österreich?

Die Abtreibung ist eines der letzten großen Tabu-Themen unserer Gesellschaft. Darüber sprechen müssen wir trotzdem. Foto: Adobe Stock, (c) Photographee.eu

Auch die Abtreibung gehört zum Leben. Zwar wünscht sich keine Frau, diese Entscheidung treffen zu müssen, aber die Welt ist nun einmal nicht perfekt. Und auch, wenn es hart klingt: Auch der Schwanger-schaftsabbruch ist eine Dienstleistung. Und Frauen, die sich dafür entscheiden, dürfen nicht allein gelassen werden. Aus diesem Grund haben wir recherchiert, welche Kosten bei einer Abtreibung entstehen, wie der Eingriff abläuft und was das österreichische Gesetz in Sachen Abtreibung vorschreibt.

Abtreibung in Österreich: Was ist erlaubt?

Die Abtreibung ist in Österreich per Gesetz durch die sogenannte Fristenlösung geregelt. Diese besagt, dass der Abbruch der Schwangerschaft nach § 97 StGB straffrei ist, sofern er bis zum dritten Schwangerschaftsmonat erfolgt und von einem Arzt durchgeführt wird. Theoretisch bedeutet das, dass Abtreibungen ohne medizinischen Grund bis zur 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden dürfen. Die meisten Ärzte machen den Eingriff aber nur bis zur 12. und maximal bis zur 14. SSW. Anders als in Deutschland oder Frankreich ist eine vorherige ärztliche Beratung in Österreich nicht zwingend erforderlich. Es sind auch keinerlei Fristen zwischen Beratung und Eingriff abzuwarten (in Deutschland zum Beispiel müssen zwischen Beratung und Abbruch mindestens drei Tage liegen).

Achtung! Anders als in Frankreich gibt es in Österreich keine Durchführungsbestimmungen für Schwangerschaftsabbrüche. Das bedeutet, dass kein Arzt verpflichtet ist, Abtreibungen durchzuführen. Eine ungewollt schwangere Frau hat in Österreich also keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Schwangerschaftsabbruch.

Warum Abtreibung nur bis zur 12. Woche?

Dass es sich beim Fötus erst ab der 12. Schwangerschaftswoche um einen „ganzen“ Menschen handelt, ist ein Mythos. Tatsächlich schlägt das Herz des Embryos nämlich ab der siebten SSW und schon eine Woche später sind alle Organe sowie Zehen, Augenlider und Brustwarzen angelegt. Die 12-Wochen-Frist hat also keine ethischen, sondern praktische Gründe: Nach der 12. oder spätestens 13. SSW ist es nicht mehr möglich, den Fötus mittels Absaugung oder Ausschabung aus der Gebärmutter zu entfernen.

Abtreibung nach der 12. Woche

Ohne medizinische Indikation ist der Schwangerschaftsabbruch in Österreich nur bis zur 12. SSW, maximal bis zur 16. SSW, straffrei möglich. Liegt eine medizinische Indikation vor, ist die Abtreibung bzw. die Tötung des Fetus (Fetozid) in vielen Fällen sogar bis zum natürlichen Ende der Schwangerschaft erlaubt. Die Schwangerschaft darf auch nach der 12. Woche noch abgebrochen werden, wenn

  • das Austragen zu einer anders nicht abwendbaren ernsten Gefahr oder schwerem Schaden für das Leben oder die körperliche/seelische Gesundheit der Schwangeren führen würde.
  • das Kind körperlich oder geistig schwer beeinträchtigt (Behinderung) ist.
  • die Schwangere zur Zeit der Empfängnis unmündig gewesen ist (das heißt entweder jünger als 14 Jahre oder rechtlich unmündig).
  • die Abtreibung zur Rettung der Schwangeren aus einer unmittelbaren Lebensgefahr heraus geschieht.
Abtreibung Wien. Was kostet der Schwangerschaftsabbruch in Österreich?

Bei einer schweren Behinderung kann die Abtreibung auch noch nach der 12. Woche erfolgen. Foto: Adobe Stock, (c) YakobchukOlena

Wie funktioniert ein Schwangerschaftsabbruch? Methoden

Abtreibung durch Absaugung (Vakuumaspiration)

Die Abtreibung durch Absaugung ist die in Österreich am häufigsten angewandte Abtreibungsmethode. Sie wird ab der siebten und maximal bis zur 14. SSW unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt. Die Abtreibung durch Absaugung läuft folgendermaßen ab: Zunächst wird der Muttermund gedehnt und ein flexibler Kunststoffschlauch in die Gebärmutter eingeführt. Der Schlauch ist mit einer Saugpumpe verbunden, die einen Unterdruck erzeugt. Durch den Sog wird der Embryo samt Plazenta im wahrsten Sinne des Wortes abgesaugt, wodurch er selbstverständlich stirbt. Manchmal muss anschließend noch eine Ausschabung ausgeführt werden, um Entzündungen zu vermeiden.

Abtreibung durch Ausschabung

Die Abtreibung durch Ausschabung wird eher selten durchgeführt, da sie aufwändiger und mit höheren Risiken für die Schwangere verbunden ist. Normalerweise wird die Ausschabung nur dann gemacht, wenn nach der Absaugung noch Reste des Embryos in der Gebärmutter zurückgeblieben sind. Die Abtreibung durch Ausschabung wird mit der sogenannten Curette (auch: Schabeisen) durchgeführt, einem gynäkologischen Instrument mit einem ringförmigen, scharfkantigen Ende. Mit diesem Instrument wird der Embryo zerschnitten und gemeinsam mit der Plazenta von der Gebärmutter gelöst. Anschließend nutzt der Arzt die scharfen Kanten der Kürette, um die Gebärmutter auszuschaben. Diese Art der Abtreibung kann bis zur 13. SSW erfolgen.

Abtreibung durch Medikamente: Abtreibungspille

Die medikamentöse Abtreibung erfolgt durch die sogenannte Abtreibungspille, die in Österreich maximal bis zur 9. Schwangerschaftswoche zulässig ist. Der in der Abtreibungspille enthaltene Wirkstoff zerstört den Schwangerschaftsgelbkörper, der für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft verantwortlich ist. Hierdurch kommt es nach zwei bis drei Tagen zum Tod des Embryos. Nach 36 bis 48 Stunden nach Einnahme der Pille nimmt die Patientin einen weiteren Wirkstoff ein, der das Zusammenziehen der Gebärmutter bewirkt, wodurch es zur Ausstoßung des Fruchtsackes inklusive Embryo kommt.

Achtung: Die Patientin bekommt die Pille normalerweise in der Ordination verabreicht und geht dann nach Hause. Den zweiten Wirkstoff nimmt sie selbstständig ebenfalls zu Hause ein. das bedeutet, dass auch die Ausstoßung in der Regel zu Hause erfolgt.Viele Frauen haben nach der medikamentösen Abtreibung mit starken Schuldgefühlen bis hin zu posttraumatischen Symptomen zu kämpfen.

Abtreibung durch Fetozid (Spätabbruch)

Abtreibung durch Fetozid bezeichnet die aktive Tötung des ungeborenen Kindes. Sie ist in Österreich ausschließlich bei medizinischer Indikation erlaubt und wird normalerweise ab der 22. bis 24. SSW durchgeführt. Beim Spätabbruch wird der Fötus mit einer Injektion von Kaliumchlorid getötet, welche über die Bauchdecke der Schwangeren direkt ins Herz des ungeborenen Kindes erfolgt. Sobald kein Herzschlag mehr zu vernehmen ist, werden entweder die Wehen künstlich eingeleitet oder ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Krankenstand nach Abtreibung?

Nach einem Schwangerschaftsabbruch durch Absaugung erholt die Patientin sich normalerweise relativ rasch und kann schon nach zwei Stunden wieder nach Hause gehen, sofern der Eingriff ohne Komplikationen verläuft. Ausschabungen sind in der Regel mit schwachen bis mittelstarken Blutungen verbunden. Werden die Blutungen stärker oder kommt Fieber hinzu, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Bei einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch (Abtreibungspille) kommt es in den ersten Stunden nach der Einnahme häufig zu stärkeren Blutungen. Krankgeschrieben wirst du nach einer Abtreibung durch Ausschabung, Absaugung oder Abtreibungspille NICHT. Es ist aber empfehlenswert, sich für ein oder zwei Tage beurlauben zu lassen.

Abtreibung Wien. Was kostet der Schwangerschaftsabbruch in Österreich?

In Wien und Österreich werden die Abtreibungskosten nicht von der Krankenkasse übernommen, sondern privat gezahlt. Foto: Adobe Stock, (c) Photographee.eu

Abtreibung Kosten: Wie viel kostet eine Abtreibung in Österreich?

In Österreich gibt es keine gesetzliche Regelung für eine Kostenübernahme bei Schwangerschaftsabbruch ohne medizinische Indikation. Wenn eine Frau sich also aus persönlichen Gründen für eine Abtreibung entscheidet, trägt sie die Kosten des Eingriffs selbst. Da es in Österreich nicht, wie zum Beispiel in Frankreich, ein Gesetz gibt, dass jede gynäkologische Abteilung eines Krankenhauses verpflichtet ist, Abbrüche durchzuführen, werden die Abtreibungen hierzulande normalerweise von niedergelassenen Praktischen oder gynäkologischen Fachärzten durchgeführt. Das bedeutet natürlich, dass die Ärzte die Preise für diese Dienstleistung auch selbst festlegen dürfen.

Kosten: Die Kosten für eine Abtreibung bewegen sich in Österreich normalerweise zwischen € 350 und € 800. Günstiger wird der Eingriff in der Regel nicht angeboten, Ausreißer nach oben gibt es natürlich immer.

Ist die erste Abtreibung kostenlos?

Nein, die erste Abtreibung ist nicht kostenlos. Das Gerücht hält sich zwar hartnäckig, aber wer ohne medizinische Indikation abtreibt, trägt die Kosten IMMER selbst. Unter bestimmten Umständen ist es allerdings möglich, finanzielle Unterstützung für den Eingriff zu beantragen. Hierfür darf dein monatliches Einkommen einen fest definierten Betrag nicht überschreiten und du musst in Wien hauptgemeldet sein (in den anderen Bundesländern gibt es derzeit leider nicht die Möglichkeit einer Kostenbeihilfe). Detaillierte Informationen über die Kostenbeihilfe zum Schwangerschaftsabbruch erhälst du bei der Familienplanungstelle der MA 40.

Wann zahlt die Krankenkasse die Abtreibung?

Die Krankenkasse übernimmt die Abtreibungskosten ausschließlich bei medizinischer Indikation. Ist der Schwangerschaftsabbruch notwendig, um das Leben und/oder die seelische Gesundheit der Mutter zu schützen, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse sowohl die Kosten für den Eingriff als auch für die ärztliche Beratung vor der Abtreibung, die Betreuung vor und nach dem Eingriff und ggf. die Behandlung von Komplikationen.

Ausnahme: Eine Ausnahme von dieser Regelung stellt die kriminologische Indikation vor: Wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Abtreibung ebenfalls. Allerdings gelten auch hier die Bedingungen der Fristenlösung (siehe oben).

Schwangerschaftsabbruch in Wien: Wo kann ich abtreiben lassen?

In Wien kannst du eine Abtreibung OHNE medizinische oder kriminologische Indikation bei folgenden Adressen vornehmen lassen:



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