Hochfunktionale Depression: Was ist das, wie erkenne ich es?

Junge Frau mit high functioning depression, die versucht, ihr Gesicht zu wahren.

Die High Functioning Depression wird selten erkannt, da Betroffene kaum Symptome einer klassischen Depression zeigen. Foto: Adobe Stock, (c) benevolente

Depressiv, aber erfolgreich? Doch, das geht. Und es ist genau das, was die hochfunktionale Depression (engl. high functioning depression) so tückisch macht. Betroffene haben ihr Leben fest im Griff – doch innerlich sind sie todtraurig, ausgebrannt und häufig suizidal. Wir haben recherchiert, wie eine hochfunktionelle Depression sich äußert und wer besonders gefährdet ist, diese atypische Depression zu entwickeln. Außerdem erfährst du, wie man die High functioning depression überwinden kann und welche Wiener PsychologInnen dir dabei helfen können.

High Functioning Depression – was ist das?

Wer depressiv ist, kann sich zu nichts aufraffen, ist unmotiviert und unfähig, seinen Alltag zu meistern. So oder so ähnlich stellen sich die meisten Menschen eine Depression vor. Doch nicht alle Betroffenen zeigen ihre Probleme so offen. Es gibt eine Form der Depression, die besonders schwierig zu diagnostizieren ist, weil so gut wie keines der „typischen“ Symptome auf die Betroffenen zutrifft. Bei der sogenannten Hochfunktionalen Depression meistern Betroffene ihren Alltag scheinbar problemlos, sind häufig beruflich erfolgreich und pflegen einen normalen Austausch mit Freunden und Familie. Doch hinter dieser perfekten Fassade dominieren Überforderung, Hoffnungslosigkeit und eine große innere Leere.

Übrigens: Die hochfunktionale oder hochfunktionelle Depression wird manchmal auch als atypische Depression bezeichnet. Auch zur sogenannten Dysthymie (früher als depressive Neurose bekannt) besteht eine gewisse Verwandtschaft.

High Functioning Depression – wer ist gefährdet?

Von der High Functioning Depression sind mehrheitlich Frauen betroffen. Besonders gefährdet sind jene Frauen, die einen Hang zum Perfektionismus und entsprechend hohe Erwartungen an sich selbst haben. Sie streben danach, sowohl ihren beruflichen als auch ihren privaten Alltag möglichst effizient und fehlerfrei zu gestalten. Dies führt dazu, dass Spaß und Erholung häufig der Pflicht weichen müssen und das Stresslevel durch die permanente Angst, zu versagen, enorm gesteigert ist. Der innere Kampf mit der Krankheit verstärkt diese Problematik weiter.

Hochfunktional Depressive begreifen die Traurigkeit und innere Leere, die symptomatisch für atypische Depressionen ist, als persönliche Niederlage oder Fehler ihrerseits. Sie fühlen sich schuldig. In der Folge versuchen sie, dies durch noch mehr Einsatz, noch mehr „Perfektion“ zu kompensieren. Um Hilfe zu bitten, kommt für die meisten Betroffenen nicht in Frage. Sie hätten das Gefühl, ein Versagen einzugestehen.

Junge Frau, die im abgedunkelten Raum auf einem Stuhl sitzt und den Kopf in die Hände stützt. High Functioning Depression.

Es ist typisch für die Hochfunktionale Depression, dass Betroffene nicht zuordnen können, was mit ihnen nicht stimmt. Foto: Adobe Stock, (c) kieferpix

Atypische Depression Symptome

Es ist sehr schwierig, die Symptome der High Functioning Depression zu beschreiben. Immerhin zeichnet sich diese Form der psychischen Erkrankung in erster Linie dadurch aus, dass sie atypisch verläuft und viele verschiedene Gesichter haben kann. Symptome, die im Zusammenhang mit der hochfunktionellen Depression häufig auftreten (einzeln oder kombiniert), sind zum Beispiel:

  • untypische Schlaf- und Essenszyklen, häufig auch Schlaflosigkeit
  • erhöhter Alkoholkonsum und/oder Tablettenmissbrauch
  • geringes Selbstwertgefühl (häufig aufgrund massiver Selbstkritik)
  • massiv hohe Selbstansprüche
  • starke Versagensängste
  • starke Angstgefühle, manchmal sogar Panikattacken
  • ständige Gereiztheit ohne ersichtlichen Grund
  • zunehmender Rückzug von sozialen Aktivitäten
  • mangelnde Begeisterungsfähigkeit

High Functioning Depression – Behandlung

Was die hochfunktionale Depression so gefährlich macht

Das große Problem bei der hochfunktionalen Depression ist die Tatsache, dass den meisten Betroffenen das Bewusstsein für ihre Situation fehlt. Sie merken zwar, dass selbst alltägliche Arbeiten sie zu viel Energie kosten, aber da sie es gewohnt sind, über ihre Kräfte zu arbeiten, sehen sie hier normalerweise keinen Handlungsbedarf. Sie haben Schwierigkeiten damit, ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen, weshalb sie sich häufig jahrelang über ihre Kräfte hinaus verausgaben, ohne jemals um Hilfe zu bitten. Eine nicht erkannte und in Folge nicht behandelte High Functioning Depression endet für viele Betroffene im Burnout oder sogar im Selbstmord(versuch).

High Functioning Depression Test

Der wichtigste Schritt für Betroffene ist es, sich jemandem anzuvertrauen. Dies kann zunächst der Partner/die Partnerin oder die beste Freundin sein. Viele Betroffene haben nämlich zusätzlich das Problem, dass sie die Problematik nicht genau benennen können. Sie wissen nur, dass etwas nicht stimmt. Manchmal kann es hilfreich sein, in dieser Situation einen Depressions Test durchzuführen. Die Deutsche Depressionshilfe bietet einen solchen Selbsttest für die klassische Depression an. Da die High Functioning Depression im deutschsprachigen Raum derzeit kaum erforscht ist, gibt es leider keinen entsprechenden Test für diese Art der Depression. Einigen Aufschluss bieten allerdings Artikel wie 11 Signs of High-Functioning Depression oder Do I Have High Functioning Depression

Achtung! Selbsttests dieser Art ersetzen selbstverständlich NICHT die ärztliche Diagnose! Wenn du dich in oben beschriebenen Symptomen wiedererkennst, solltest du mit deinem Hausarzt sprechen. Er oder sie wird dich darüber informieren, wie die nächsten Schritte aussehen.

High Functioning Depression erkennen

Die hochfunkionale Depression unterscheidet sich in der Symptomatik zwar von der klassischen Depression, aber behandelt wird sie normalerweise auf die gleiche Weise. Die erste Anlaufstelle ist immer dein Hausarzt. Dieser kann, sofern er entsprechend geschult ist, die Diagnose selbst stellen. Anderenfalls wird er oder sie dich an einen psychiatrischen Facharzt überweisen. Eine Depression (auch eine hochfunktionale Depression) wird diagnostiziert, indem die Symptome abgeglichen und die Lebenssituation des/der Betroffenen analysiert wird (Anamnesegespräch). In manchen Fällen werden auch neurologische Tests, Blutuntersuchungen oder computertomographische (CT-) Untersuchungen eingesetzt. Die Behandlung der High Functioning Depression erfolgt in der Regel durch eine Psychotherapie.

Hochfunktionale Depression behandeln

Nach gestellter Diagnose erarbeitet der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten einen Behandlungsplan. Dieser besteht in der Regel aus zwei Teilen: Gesprächstherapie und begleitende medikamentöse Behandlung. Die medikamentöse Behandlung ist normalerweise nur dann notwendig, wenn eine akute Gefährdung vorliegt (zum Beispiel bei suizidalen Gedanken). In diesem Fall liegt der Fokus zunächst auf der Eindämmung der akuten Symptome (Akuttherapie), wofür manchmal auch eine stationäre Behandlung notwendig ist.

Sobald die akuten Symptome unter Kontrolle sind, geht die Behandlung in die Erhaltungstherapie über. In dieser Phase ist es das Ziel, den (Depressions-freien) Zustand so weit wie möglich zu stabilisieren.

Steg, der durch die Dünen zum Strand führt. High Functioning Depression Therapie.

Ausweg aus der High Functioning Depression? Um die atypische Depression zu überwinden, ist professionelle Hilfe nötig. Adobe Stock, (c) Animaflora PicsStock

High Functioning Depression: Wer zahlt Behandlung?

Sofern die Psychotherapie durch einen Facharzt verordnet wurde, kannst du bei deiner Krankenkasse einen Antrag auf Kostenzuschuss stellen. Hierfür muss der Facharzt bestätigen, dass es sich um eine psychische Störung handelt, „die als Krankheit im sozialversicherungsrechtlichen Sinn anzusehen ist“ (Auszug aus der Satzung der WGKK). Die Gebietskrankenkassen und die SVA gewähren derzeit einen Zuschuss von € 28,00 pro Therapieeinheit.

Therapie auf Krankenschein?

Das durchschnittliche Stundenhonorar von Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen liegt zwischen € 70 und € 150. Das bedeutet, dass du selbst bei bewilligtem Kostenzuschuss noch mit einem Selbstbehalt von mindestens € 40 rechnen musst. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit einer voll finanzierten Psychotherapie. Die Regelungen und Modelle für die Psychotherapie auf Kassenschein variieren von Bundesland zu Bundesland. Über die jeweiligen Regelungen in deinem Bundesland kannst dich über das Öffentliche Gesundheitsportal Österreichs informieren.

In Wien bietet unter anderem der Verein für ambulante Psychotherapie und die Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung voll finanzierte Kassenplätze an. Es gibt auch freie Psychotherapeuten, die einen Kassenvertrag haben und voll finanzierte Plätze anbieten. Da diese zahlenmäßig jedoch begrenzt sind, kann es zu sehr langen Wartezeiten kommen.

Psychotherapie in Wien (Vertragstherapeuten)

Wir haben recherchiert, welche Psychotherapeuten in Wien mit den Krankenkassen zusammenarbeiten und voll finanzierte Kassenplätze anbieten. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern dient lediglich einer ersten Übersicht.

Hier findest du qualifizierte Psychotherapeuten in deinem Bundesland:



Informationen zum Datenschutz einschließlich Cookie Richtlinie