Hyposensibilisierung: Immuntherapie gegen Allergien

Pollen

Eine Hyposensibilisierung kann helfen, die Beschwerden einer Pollenallergie zu lindern. Foto: Adobe Stock, (c) Alkimson

Eine Hyposensibilisierung kann, was andere Allergietherapien nicht können: der eigentlichen Ursache der Allergie entgegenwirken. In der Folge stellt sich eine dauerhafte Verbesserung der lästigen Beschwerden ein oder sie verschwinden sogar. Das ist vor allem bei Pollenallergien, noch mehr aber bei Insektengiftallergien erfolgsträchtig.

Hyposensibilisierung – was ist das?

Unser Immunsystem

Zum Schutz vor Bedrohungen wie etwa Krankheitskeimen sowie zur Beseitigung überalterter oder veränderter körpereigener Zellen (z.B. Tumorzellen) besitzen wir ein Abwehrsystem, bestehend aus

  • Immunzellen, die bedrohliche Stoffe erkennen, unschädlich machen und entfernen. Ein Teil davon zirkuliert im Blut (Leukozyten = weiße Blutkörperchen), der andere sitzt im Lymphsystem oder in Organen wie z.B. der Milz, Haut, den Mandeln und im Darm.
  • Antikörper, also Eiweiße, die sich im Blut und anderen Körperflüssigkeiten befinden und Krankheitserreger sowie Gifte inaktivieren.
  • Mediatoren, Vermittlersubstanzen wie etwa Histamin, die Entzündungen erzeugen und auf die Art eine verstärkte Durchblutung des – tatsächlich oder vermeintlich – gefährdeten Bereichs bewirken. Dadurch werden weiße Blutkörperchen und Antikörper zu dieser Stelle gebracht, um ihre Funktionen zu erfüllen.

Das Immunsystem besitzt ein Gedächtnis. Und zwar ein sehr gutes. Es kann sich nach dem Erstkontakt oft noch nach Jahren daran erinnern, ob es dabei einen Stoff als gefährlich oder harmlos eingestuft hat. Günstig im Fall tatsächlich schädlicher Eindringlinge. Wie bei vielen Krankheitserregern, gegen die es bei erneutem Befall aufgrund der wesentlich effektiveren Antikörperproduktion effizienter vorgehen kann. Daher bekommt man viele Infektionen nur einmal im Leben. Unvorteilhaft bei Allergien, denn dann kann jeder noch so geringe Kontakt mit dem Allergen (Allergieauslöser) Beschwerden auslösen.

Wie entstehen Allergien?

Normalerweise ist unser Immunsystem imstande, zwischen Strukturen, die zu unserem Körper gehören und solchen, die das nicht tun, zu unterscheiden. Und es bekämpft nur für unseren Organismus potenziell bedrohliche Fremdstoffe, nicht jedoch harmlose oder gar körpereigene Substanzen. Doch kann es sich auch irren. Also körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als fremd erkennen und dagegen vorgehen. So entwickeln sich Autoimmunerkrankungen. Oder es schätzt unschädliche Fremdstoffe wie z.B. Blütenstaub, Nahrungsmittel oder Tierhaare fälschlicherweise als gefährlich ein und attackiert sie. So entstehen Allergien.

Wichtig! Allergien sind also überschießende Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen eigentlich harmlose Substanzen.

Im Rahmen dieser Abwehrreaktionen bildet der Körper Antikörper gegen den Allergieauslöser. Und zwar eine spezielle Sorte, sogenannte IgE-Antikörper (Immunglobulin E). Treffen sie auf das passende Allergen, werden aus z.B. Mastzellen, an die sie sich binden, verschiedene Mediatoren – insbesondere Histamin – freigesetzt, die imstande sind, eine Entzündung hervorzurufen. Das kann Schnupfen, Augenjucken oder Asthmaanfälle auslösen. Da die allergischen Symptome innerhalb einiger Minuten nach Kontakt mit dem Allergen auftreten, spricht man von einer Soforttyp-Allergie (Typ-1-Allergie).

Die Bereitschaft zur Bildung von IgE-Antikörpern und damit Entwicklung von Allergien ist erblich festgelegt. Welche Mechanismen aber von der Veranlagung zum Ausbruch einer Allergie führen, ist bis dato ungeklärt. Jedenfalls sollte bei jedem Verdacht auf eine Allergie ein Allergietest durchgeführt werden. Bei positivem Ergebnis unbedingt auch eine Behandlung. Eine Therapiemöglichkeit ist die Hyposensibilisierung.

Frau putzt sich die Nase wegen Pollenallergie

Bei einer Pollenallergie stuft der Körper Blütenstaub fälschlicherweise als gefährlich ein und startet eine Abwehrreaktion. Foto: Adobe Stock, (c) Budimir Jevtic

Hyposensibilisierung – Definition

Als Hyposensibilisierung, spezifische Immuntherapie oder Allergie-Immuntherapie bezeichnen Mediziner eine Methode zur Behandlung der Überreaktionen des Immunsystems bei Typ-1-Allergien. Damit wirkt die Hyposensibilisierung der eigentlichen Ursache der Allergie entgegen. Im Gegensatz zu anderen Therapien. Wie etwa die Verabreichung antiallergischer Medikamente, die lediglich kurzfristig die Beschwerden lindern. Das umgangssprachlich Allergie-Impfung genannte Verfahren kann sich über mehrere Jahre erstrecken, hat aber oft gute Erfolgsaussichten. Erkennbar an einer merklichen Verringerung der Beschwerden. Im Bestfall verschwinden diese sogar.

Anders als die veraltete Bezeichnung Desensibilisierung vermuten lässt, ist die Allergie damit nicht weg, denn die Empfindlichkeit gegenüber dem Allergen besteht weiterhin. Doch bleiben überschießende Immunreaktionen aus bzw. treten nur bei sehr starker Allergenbelastung auf.

Wie Hyposensibilisierung wirkt

Wiederholte Gaben des jeweiligen Allergieauslösers, die noch zu keiner allergischen Reaktion führen, sollen eine Gewöhnung an das Allergen bewirken. Wobei in der Steigerungsphase die Dosis während der Therapie bis zur Erhaltungsdosis immer weiter angehoben wird. Ist diese erreicht, wird sie in regelmäßigen Abständen verabreicht (Erhaltungsphase).

Damit versucht man, die Sensibilisierung des Organismus gegenüber dem betreffenden Allergen so sehr zu verringern, dass es nur noch geringe oder gar keine allergischen Beschwerden auslöst. Indem das Immunsystem durch regelmäßig wiederholten Kontakt mit dem Allergen “lernt“, dass von diesem keine Gefahr ausgeht, es also nicht bekämpft werden muss.

Vorteile der Hyposensibilisierung:

  • Sie baut eine natürliche Toleranz gegenüber dem Allergen auf.
  • Ihre Effekte halten nach Therapieende an.
  • Sie beugt der Entwicklung von Asthma und neuen Allergien vor.
  • Die allergischen Beschwerden schwinden. Das senkt den Bedarf an symptomatisch wirkenden Medikamenten.

Hyposensibilisierung mit Spritzen

Je nach Art der Verabreichung der Allergen-Dosen unterscheidet man zwischen folgenden Formen der spezifischen Immuntherapie:

Subkutane Immuntherapie (SCIT): Der Arzt spritzt die Allergene unter die Haut, meist an der Hinterseite des Oberarms. Er steigert nach Beginn der Therapie allmählich die Dosis (Dauer: 7 bis max. 16 Wochen). Bis zum Erreichen der Erhaltungsdosis, die er dann in der Regel alle 4 bis 6 Wochen weiter injiziert.

Doch gibt es auch Verfahren mit kürzerer Aufdosierungszeit, um eine schnellere Gewöhnung des Immunsystems zu erreichen. Wie die Cluster-Therapie, bei der sie infolge der Verwendung eines speziell aufgereinigten Allergenextrakts 3 Wochen beträgt. Oder die Rush-/Ultra-Rush-Hyposensibilisierung, durchgeführt mit mehreren Spritzen täglich im Rahmen eines stationären Aufenthalts. Meist bei Insektengiftallergikern. Anschließend wird die Therapie mit monatlichen Spritzen über mindestens drei Jahre fortgesetzt.

Hyposensibilisierung mit Tropfen und Tabletten

Sublinguale Immuntherapie (SLIT):  Die Allergenzufuhr erfolgt in Form von Tropfen oder Tabletten, die unter die Zunge (sublingual) geträufelt bzw. gelegt (Tablette 2 Minuten unter der Zunge halten, dann schlucken). Von dort nimmt sie der Körper über die Mundschleimhaut auf. Und zwar täglich zur gleichen Zeit. Am besten morgens, auf nüchternen Magen. Danach mindestens fünf Minuten nichts essen oder trinken. Wobei die erste Einnahme unter ärztlicher Aufsicht geschehen sollte. Inklusive Einweisung in die richtige Handhabung und das richtige Verhalten beim Auftreten von Nebenwirkungen. Kommt es nach einer Einnahme des Präparates zu Atembeschwerden oder zunehmenden Lokalsymptomen, benötigt man ärztliche Hilfe.

Die Allergengabe wird bis zur Erhaltungsdosis innerhalb weniger Tage gesteigert und dann mit dieser fortgesetzt. Einige SLITs (Tablette) beginnen gleich mit der Höchstdosis. Vorteile: seltenere Arztbesuche, bequeme Einnahme zu Hause, eignet sich auch für Allergiker mit Angst vor Spritzen. Die Wirkung dieser Schluckimpfung gilt als gesichert für die Pollen- und die Hausstaubmilbenallergie.

Die Immuntherapie kann über Spritzen oder in Form von Tabletten oder Tropfen erfolgen. Foto: Adobe Stock, (c) Poprotskiy Alexey

Hyposensibilisierung Ablauf: Was passiert im Körper?

Die Wirkung der Hyposensibilisierung beruht auf der kontrollierten wiederholten Konfrontation des Immunsystems mit dem Allergieauslöser. Damit es lernt, dass das Allergen “ungefährlich“ ist. Welche Mechanismen zu dieser Toleranz führen, ist noch nicht vollständig geklärt, doch dürften sowohl Immunzellen als auch Botenstoffe daran beteiligt sein.

Eine wichtige Rolle dabei spielen etwa regulatorisch wirkende T-Zellen. Sie betätigen sich quasi als Aufsichtsorgane, die solche T-Zellen, die bei allergischen Reaktionen wie eine übereifrige Polizeitruppe agieren, zur Räson bringen.

Die Hyposensibilisierung soll – erhofft man sich jedenfalls – in den Antikörper produzierenden B-Zellen einen sogenannten Isotypenswitch herbeiführen. Das bedeutet, diese Immunzellen wechseln den Antikörper-Isotyp und erzeugen nicht mehr den Isotyp IgE, die durch Bindung an Mastzellen eine Freisetzung entzündungsfördernder Mediatoren und somit allergische Symptome zur Folge hat. Sondern den Isotyp IgG, dem die meisten im Blut nachweisbaren Antikörper angehören. Der Klassenwechsel bewirkt, dass das Allergen ein ähnliches Schicksal erleidet wie Bakterien. Die IgG erkennen es und räumen es ab, noch bevor es sich an IgE binden kann. In der Folge bremsen die Entzündungszellen ihre Ausschüttung von Botenstoffen ein.

Wer führt Hyposensibilisierungen durch?

Eine spezifische Immuntherapie sollte grundsätzlich nur von Allergologen oder anderen darin erfahrenen Ärzten mit griffbereitem Notfallset durchgeführt werden. Etwa allergologisch tätigen Fachärzten für Hals-, Nasen-, Ohrenerkrankungen, Fachärzten für Lungenheilkunde oder Allgemeinmedizinern. Weil die Zufuhr allergieauslösender Substanzen ein gewisses Behandlungsrisiko beinhaltet und unerwünschte Reaktionen verursachen kann, die es zu beurteilen und zu behandeln gilt.

Ärzte mit Schwerpunkt auf Hyposensibilisierung in Österreich:

Was wird bei der Hyposensibilisierung gespritzt?

Verabreicht wird der Allergieauslöser. Entweder in seiner ursprünglichen, nativen Form als wässriges Präparat, was mehr Injektionen erfordert. Oder in einem hochgereinigten und standardisierten Depot-Präparat, gebunden an einen Depotträger wie L-Tyrosin, Aluminiumhydroxid oder Calciumphosphat. Er gewährleistet eine schrittweise, gleichmäßige Freisetzung des Allergens über einen längeren Zeitraum. Und stellt sicher, dass der Allergiker mit jedem Folgepräparat exakt die gleiche Allergenzusammenstellung enthält, unabhängig von z.B. bei Pollenpräparaten Schwankungen in der Zusammensetzung, weil die Pollenernten von Jahr zu Jahr variieren.

Ebenfalls Einsatz finden Allergoide, d.h. durch Einwirkung von Glutaraldehyd oder Formaldehyd in ihren Proteinstrukturen chemisch veränderte Allergene. Die binden sich weniger an die IgE. Somit erkennt sie das Immunsystem nicht mehr so leicht, doch gut genug zur Toleranzbildung. Bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit. Durch Entfernung störender Pigmente entstehen depigmentierte Allergoide, also hochdosierte Allergen, das besonders für die Kurzzeit-Immuntherapie taugt.

Wie lange dauert die Hyposensibilisierung?

Die Gesamtdauer sowohl der subkutanen als auch der sublingualen Immuntherapie beträgt üblicherweise 3 bis 5 Jahre, sollte sich aber nach dem Rat des behandelnden Allergologen richten. Bei Pollenallergikern kann die Therapie perennial (ganzjährig) erfolgen. Oder nur präsaisonal (Kurzzeit-Therapie), d.h. sie wird während der Pollenflugzeit unterbrochen und danach wieder fortgesetzt. jedenfalls muss sie einige Zeit vor der Pollensaison beginnen, damit sie in der nachfolgenden Saison Wirkung zeigt.

Wie schnell wirkt die spezifische Immuntherapie?

Eine Spritze bekommen und die lästigen Symptome sind sofort und für immer weg. Das wünschen sich viele Allergiker. So schnell geht es aber leider nicht. Doch spüren viele Hyposensibilisierte bereits nach Wochen bis Monaten eine Besserung, die meisten spätestens nach Absolvierung der gesamten Impfkur.

Doch hängt der Zeitpunkt des Eintritts eines Therapieerfolges von vielen Faktoren ab. Wie etwa vom Verfahren (SCIT oder SLIT) selbst und den dazu verwendeten Substanzen. Vom immunologischen und gesundheitlichen Zustand des Geimpften. Aber auch von seiner Therapietreue, denn die Hyposensibilisierung muss während des ärztlich empfohlenen Zeitraums konsequent durchgeführt werden, um wirken zu können.

Da die Immuntherapie nicht von Anfang an die volle Wirkung zeigt, sollte sie durch Maßnahmen zur Vermeidung oder Minimierung des Kontakts mit dem Allergen oder auch antiallergische Medikamente unterstützt werden.

Besonders empfehlenswert ist eine Immuntherapie bei einer Allergie gegen Bienen- oder Wespengift. Foto: Adobe Stock, (c) G. Wahl

Heuschnupfen & Co: Wann hilft Hyposensibilisierung?

Unbedingt ratsam ist spezifische Immuntherapie bei einer – potenziell lebensbedrohlichen – Allergie gegen Bienen- oder Wespengift, bei der sie sich mit einer Erfolgsrate von 95 Prozent als besonders effizient erweist. Ebenso ist die saisonale allergische Rhinitis, besser bekannt als Heuschnupfen, sowie leichtes bis mittelgradiges allergisches Asthma, das durch Gräser-, Roggen-, Birken- oder Beifußpollen ausgelöst wird, eindeutig ein Fall für die Hyposensibilisierung.

Grundsätzlich ist auch eine Hyposensibilisierung gegen Tierepithelien (z.B. Katzen, Hunde, Pferde) möglich. Doch zeigt sich hier kein ausgewogenes Nutzen-Risiko-Verhältnis, sodass sie eher beruflich exponierten Allergikern wie z.B. Tierpflegern oder Tierärzten vorbehalten bleibt. Auch bei Schimmelpilzallergien lässt sich eine spezifische Immuntherapie nicht generell empfehlen.

Man kann auch gegen zwei (z.B. Gräser- und Birkenpollen) oder drei Allergene eine spezifische Immuntherapie durchführen.

Hyposensibilisierung bei Hausstaubmilben

Auch bei einer Hausstaubmilbenallergie hat sich die spezifische Immuntherapie bewährt. Hier liegen die Erfolgschancen bei 80 bis 90 Prozent.

Wie lange hält eine Hyposensibilisierung?

Die Erfolgsaussichten einer spezifischen Immuntherapie hängen davon ab, wie lang die Allergie schon besteht, wie alt der Geimpfte ist und welches Beschwerdebild er aufweist. Dementsprechend sind sie größer bei jungen Menschen mit erst seit 2 oder 3 Jahren auftretendem Heuschnupfen, der sich nur gegen eine Pollenart richtet als bei solchen mit schon seit vielen Jahren merkbaren verschiedenen Allergien. Doch ist eine derartige Polyallergie kein Grund, eine Hyposensibilisierung unbedingt auszuschließen.

In der Regel hält die durch die Impfkur erreichte Verbesserung Jahre, im Bestfall lebenslang an. Kehren die ursprünglichen Beschwerden dennoch zurück, hilft dagegen meist eine einjährige neuerliche Impfkur, um die Beschwerden wieder zu beseitigen.

Hyposensibilisierung Kosten

Sie hängen vom im Einzelfall verwendeten Präparat, von der Methode und Dauer der Therapie ab.

Wer zahlt die Hyposensibilisierung?

Im Normalfall übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Nach Diagnose der Allergie anhand entsprechender Blutuntersuchungen oder auch Hauttests und Feststellung der Eignung des Allergikers für das Verfahren durch einen Allergologen.

Hat die Hyposensibilisierung Nebenwirkungen?

Die Nebenwirkungen der Hyposensibilisierung beschränken sich meistens auf Lokalreaktionen wie einer Rötung, Schwellung, einem Juckreiz oder Brennen. Bei der subkutanen Immuntherapie an der Einstichstelle, bei der sublingualen Therapie an den Lippen bzw. Schleimhäuten im Mund-, Rachen- und Halsbereich. Und sie klingen rasch wieder ab. Oder eine Bildung von Quaddeln. Im Bedarfsfall schwächt die Gabe entzündungshemmender Substanzen oder Antihistaminika solche Folgeerscheinungen ab.

Ebenfalls möglich ist ein Gefühl der Abgeschlagenheit an den Behandlungstagen, weil das Immunsystem mit dem zugeführten Allergen kämpft. Oder eine allergische Reaktion auf das verabreichte Allergen wie z.B. Atemnot, Asthma-Anfälle, Niesanfälle oder starker Juckreiz. Gelegentlich hinterlässt die SCIT bleibende kleine Knötchen.

In seltenen Fällen führt die subkutane Hyposensibilisierung – etwa bei falscher Dosierung oder mangelhafter Technik (versehentliche Injektion in ein Blutgefäß) – allerdings zu einem allergischen Schock mit Kreislaufkollaps und Atemnot. Daher darf sie nur von einem Arzt durchgeführt werden. Und der Patient muss nach dem Verabreichen der Spritze noch mindestens eine halbe Stunde unter ärztlicher Beobachtung bleiben, wenn sie ambulant erfolgt. Damit im Bedarfsfall medizinische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Um das Risiko für unerwünschte Reaktionen gering zu halten, heißt es, nach einer Allergieimpfung körperliche Anstrengungen, üppige Mahlzeiten, warme Bäder, Saunabesuche und Alkohol zu vermeiden. Dazu trägt auch die Einnahme eines Antihistaminikums eine Stunde davor bei.

Kind niest im Feld wegen Pollen

Auch Allergien bei Kindern können mit Hyposensibilisierung behandelt werden. Foto: Adobe Stock, (c) Kzenon

Wer eignet sich für die spezifische Immuntherapie?

Um zu prüfen, ob ein Allergiker sich überhaupt einer Hyposensibilisierung unterziehen bzw. die nächste Impfdosis möglichst komplikationslos erhalten kann, möchte der Allergologe wissen, ob er

  • Medikamente einnimmt und wenn, welche.
  • an einer chronischen Erkrankung leidet.
  • einen Urlaub oder eine längere Dienstreise plant.
  • vor einem sportlichen Wettkampf steht.
  • demnächst notwendige Schutzimpfungen erhält (1 Woche Abstand ratsam).

Kommt eine sublinguale Immuntherapie infrage, will er wissen, ob es Beschwerden in der Mundhöhle gibt.

Denn es gibt auch einige Umstände, die meist eine Hyposensibilisierung verbieten. Dazu zählen

  • schweres Asthma
  • Krebsleiden
  • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen, eine Immunschwäche (z.B. AIDS) oder Immunsuppression (z.B. nach Organtransplantation)
  • die Einnahme bestimmter Beta-Blocker
  • eine mangelhafte Compliance (Mitarbeit des Patienten), sodass keine regelmäßige Anwendung möglich ist
  • je nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung schwerwiegende Reaktionen bei einer stattgehabten Immuntherapie

Die sublinguale Immuntherapie darf nicht erfolgen, wenn in der Mundhöhle Entzündungen mit schlimmen Symptomen vorhanden sind.

Falls die Durchführung einer Hyposensibilisierung unmöglich ist, verbleiben den Betroffenen nur Alternativen wie die symptomdämpfende Behandlung mit Antihistaminika und anderen Antiallergika oder auch Glucokortikosteroiden (Kortison), sowie, wenn möglich die Allergenvermeidung bis hin zum Umzug in eine Region mit anderer Flora/anderem Pollenspektrum bzw. anderem Klima bei Pollenallergikern.

Hyposensibilisierung in der Schwangerschaft?

Bei Frauen ist vor Beginn einer spezifischen Immuntherapie von Interesse, ob sie schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen. Denn dann muss die Hyposensibilisierung bis nach der Geburt des Kindes warten bzw. nach Eintritt einer Schwangerschaft unterbrochen werden.

Hyposensibilisierung bei Kindern?

Die Hyposensibilisierung wird auch bei Kindern angewendet, doch meist erst ab dem Schuleintrittsalter. Experten vermuten, dass die Erfolgschancen bei ihnen sogar größer sind als bei Erwachsenen, da die Therapie frühzeitig im sich verändernden Immunsystem eingreift. Und Kinder oftmals noch keine Folgeschäden wie z.B. Asthma haben. Wobei die Fachleute davon ausgehen, dass die subkutane Immuntherapie dabei besser wirkt als die sublinguale mit Tropfen.

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