Hausstauballergie: Wenn Milbenkot krank macht

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Volksleiden Hausstauballergie. Wir verraten Tipps und Tricks gegen Hausstaubmilben für einen leichteren Alltag. Foto: Adobe Stock, (c) Sebastian Kaulitzki

Tränen deine Augen, sobald du ins Bett gehst? Musst du niesen, wenn du die Bettwäsche aufschüttelst? Bingo! Wahrscheinlich leidest du, wie tausende andere Österreicher, an einer Hausstauballergie. Genauer: Du reagierst allergisch auf die Ausscheidungsprodukte der Milliarden Hausstaubmilben, die deine Bettwäsche, Vorhänge, Teppiche und andere Textilien bevölkern. Bei uns erfährst du, wie eine Hausstauballergie entsteht, auf welche Symptome du achten solltest, wie ein entsprechender Allergietest abläuft und wie du Hausstaubmilben bekämpfen kannst.

Was genau ist eine Hausstauballergie?

Die Allergie, eine abwehrende Reaktion unseres Organismus auf körperfremde Substanzen, ist ein wahres Volksleiden. Manche Menschen reagieren allergisch auf Erdnüsse, andere auf Birkenpollen und für Menschen mit einer Insektenstichallergie kann der Sommer zu einer wahren Herausforderung werden. Die Hausstauballergie ist eine der häufigsten Allergien. Dabei ist eigentlich niemand wirklich allergisch auf Hausstaub. Die Substanz, auf die das Immunsystem reagiert, sind die Ausscheidungsprodukte der sogenannten Hausstaubmilben, die in Matratzen, Polstermöbeln und Teppichen leben. Im Grunde sind die Milben harmlos. Ihr Kot enthält jedoch ein bestimmtes Protein, das bei vielen Menschen eine heftige Reaktion des Immunsystems auslöst (= Allergie).

Doch wie kommt der Kot in den Hausstaub? Ganz einfach: Die mikroskopisch kleinen Kotballen trocknen, zerfallen und vermengen sich mit jenen Schmutz- und Feinstaubpartikeln, die zusammen den Hausstaub bilden. Bei Kontakt mit Haut und Schleimhäuten einer allergischen Person löst der Hausstaub nun Symptome aus, die einer Erkältung ähnlich sind. Allerdings verschwindet eine Hausstaubmilbenallergie nicht nach einigen Tagen von selbst.

Woraus besteht Hausstaub?

Er lebt vor allem unter Schränken und Betten und kommt spätestens zum Vorschein, wenn ein Luftzug durch die Wohnung geht: der Lurch. Aber woraus besteht Hausstaub eigentlich? Per Definitionem handelt es sich um eine Mischung aus organischen und anorganischen Stoffen wie Feinstaub, Hautschuppen, Pollen, Spinnweben, Schmutzpartikeln von draußen (zum Beispiel Straßenabrieb, kosmischer Staub etc.), Haaren, Fasern und Fusseln (zum Beispiel von Kleidung, Sesseln, Sofas) usw. Je nach Wohnort und Lebensweise (Haustierhaltung, Gartenwohnung usw.) hat jeder Hausstaub eine individuelle Zusammensetzung.

Wie entsteht eine Milbenallergie?

Wie eine Hausstaubmilbenallergie entsteht, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass die Veranlagung eine große Rolle spielt. Wenn Allergien in deiner Familie verbreitet sind, hast du also ein erhöhtes Risiko für eine Hausstauballergie. Darüber hinaus spielen auch Umwelteinflüsse und der persönliche Lebensstil eine Rolle. Man vermutet außerdem, dass Menschen, die in ihrer Kindheit nur selten mit Allergenen in Kontakt gekommen sind, später häufiger eine Milbenallergie entwickeln.

Hausstauballergie durch Hausstaubmilben im Teppich

Haustaubmilben leben in Textilien aller Art, wo sie sich von abgestorbenen Hautschuppen ernähren. Sie können Allergien auslösen. Adobe Stock, c crevis

Wo leben Hausstaubmilben?

Hausstaubmilben sind mikroskopisch kleine weiße Spinnentiere, deren Körper mit haarförmigen Borsten bedeckt ist. Sie in der Wohnung zu haben ist KEIN Zeichen von mangelnder Hygiene, denn menschliche Behausungen sind der natürliche Lebensraum der Milben. Sie gelangen normalerweise über die Kleidung in deine Wohnung, wo sie sich bei guten Bedingungen rasend schnell vermehren. In der Wohnung leben sie überall dort, wo sie ausreichend viel Nahrung (= abgestorbene Hautschüppchen) und ideale Bedingungen vorfinden. Hausstaubmilben bevorzugen warme Umgebungen mit einer relativ hochen Luftfeuchtigkeit.

Aus diesem Grund finden sich im Bett, vor allem im Polster und in der Matratze, besonders hohe Populationen. Aber die kleinen Spinnentiere gedeihen auch in Polstermöbeln, Vorhängen, Teppichen und manchmal sogar in alten Büchern ganz hervorragend. In Haushalten mit Tieren finden sich besonders viele Hausstaubmilben, da Tierhaltung naturgemäß die Luftfeuchtigkeit erhöht. Erschreckendes Detail am Rande: In nur einem Gramm Hausstaub leben oft bis zu 15.000 Milben!

Hausstauballergie Symptome: Was richten Hausstaubmilben an?

Sobald die Exkremente der Hausstaubmilben trocknen und in mikroskopisch kleine Partikel zerfallen, mischen sie sich mit dem Hausstaub und verteilen sich in der Luft. Die Anzahl von Allergenen in der Luft ist besonders hoch, wenn die Polster aufgeschüttelt werden oder Heizung beziehungsweise Klimaanlage aufgedreht wird. Sobald ein Mensch mit Hausstaubmilbenallergie in einer solchen Umgebung einatmet, bildet der Körper Abwehrstoffe. Diese Abwehrstoffe ziehen die Ausschüttung von Histamin nach sich. Histamin wiederum ist ein Entzündungsstoff, der unter anderem für Schwellungen, Hautrötungen und die Verengung der Luftwege verantwortlich ist. Es verursacht also die typischen Allergie-Symptome:

  • laufende oder verstopfte Nase
  • Niesanfälle
  • juckende, tränende und/oder gerötete Augen
  • Halskratzen, Hustenreiz, Hustenanfälle
  • Kopfschmerzen
  • (chronische) Müdigkeit, Konzentrationsmangel
  • Atemnot, manchmal sogar asthmatische Zustände

Ist es wirklich eine Hausstauballergie?

Die oben genannten Symptome einer Hausstauballergie könnten ebenso gut eine Erkältung ankündigen. Wenn sie jedoch durch Hautausschlag mit oder ohne Juckreiz begleitet werden, liegt der Verdacht auf eine Milbenallergie nahe. Gleiches gilt, wenn die Symptome dauerhaft anhalten. Hier besteht im Übrigen ein wesentlicher Unterschied zur Pollenallergie: Während die Beschwerden bei einer Pollenallergie saisonal auftreten, leiden Betroffene einer Milbenallergie ganzjährig. Allerdings können sich die Symptome im Laufe eines Tages in Intensität und Ausprägung verändern. So berichten einige Allergiker, dass die Beschwerden nur nachts oder direkt nach dem Aufwachen auftreten.

Test: Wie lässt sich eine Hausstauballergie feststellen?

Wenn du eine Milbenallergie vermutest, solltest du zunächst deinen Hausarzt aufsuchen und ihm deine Symptome schildern. Für gewöhnlich wird er oder sie deine Nase und Schleimhäute untersuchen und dich auf verdächtige Atemgeräusche abhören. Bei Verdacht auf eine Allergie folgt normalerweise der sogenannte Pricktest. Hier gibt der Arzt kleine Mengen von potenziellen Allergenen auf die Innenseite deines Unterarms. Dann ritzt er die Haut ganz oberflächlich mit einer Pinzette oder Nadel an, damit die Lösungen eindringen können. Etwa 20 Minuten später wird die Haut erneut untersucht. Hat sich an der Stelle, die mit Allergenen von der Hausstaubmilbe versehen wurde, eine gerötete, juckende Quaddel gebildet, spricht dies für eine Milbenallergie.

Um die Diagnose zu sichern, kommen außerdem Blutuntersuchungen infrage, um entsprechende Antikörper im Blut nachzuweisen. Eine weitere Möglichkeit ist ein nasaler Provokationstest, bei dem Allergene der Hausstaubmilbe in die Nase gesprüht werden.

Hausstauballergie durch Hausstaubmilben im Polster.

Hausstaubmilben fühlen sich im Bett am wohlsten. Bei einer Allergie bedeutet das: Niesen, Hautausschlag und Hustenreiz. Adobe Stock, (c) Monkey Business

Was tun gegen Hausstauballergie?

Hyposensibilisierung gegen Hausstaubmilben

Für Menschen, die stark unter den Beschwerden der Hausstauballergie leiden, bietet sich eine sogenannte Hyposensibilisierung an. Diese Therapie, die auch als Allergieimpfung oder spezifische Immuntherapie bezeichnet wird, hat sich bei der Behandlung von diversen Allergien als effektiv erwiesen. Der Arzt verabreicht dir in regelmäßigen Abständen das Allergen, welches die Symptome verursacht. Zu Beginn führt er sehr kleine Mengen zu, die im Wochenabstand langsam gesteigert werden. Sobald die sogenannte Erhaltungsphase erreicht ist, erhältst du die allergene Substanz nur noch alle vier bis sechs Wochen.

Wer eine Hyposensibilisierung anstrebt, muss Geduld haben. Je nach Intensität der Allergie kann eine entsprechende Therapie bis zu drei Jahre dauern. Innerhalb dieses Zeitraums gewöhnt sich der Körper an das Allergen und beginnt, es zu tolerieren. Die allergische Reaktion bleibt zukünftig also aus.

Wie wird das Allergen zugeführt? Man unterschiedet zwischen der subkutanen Hyposensibilisierung, bei der die Allergenlösung direkt unter die Haut gespritzt wird, und der sublingualen Hyposensibilisierung, bei der du das Allergen in Form einer Tablette einnimmst.

Hausstauballergie: Was zahlt die Krankenkasse?

Eine Hyposensibilisierung kann begonnen werden, sobald die Allergie durch deinen Haus- oder Hautarzt diagnostiziert wurde, und aus gesundheitlicher Sicht keinerlei Bedenken gegen die Therapie bestehen. In Österreich werden die Kosten für die spezifische Immuntherapie mit Ausnahme der Rezeptgebühr vollständig von der Krankenkasse übernommen. Von einer Hyposensibilisierung gegen Hausstaubmilben ist abzusehen bei:

  • bestehenden Schwangerschaften
  • aktuellen Krebserkankungen
  • schweren Immundefekten oder Autoimmunerkrankungen
  • Asthma, das aktuell nicht unter Kontrolle ist
  • aktuelle Einnahme von Betablockern
  • schweren aktuellen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Homöopathie bei Hausstauballergie?

Wer lieber mit Homöopathie gegen Hausstaubmilben vorgehen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel wird in der Alternativtherapie häufig dazu geraten, bei Allergien in erster Linie die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken. Dies gelingt unter anderem durch die Einnahme von Vitamin C (auch als Infusionen möglich, hier bitte deinen Hausarzt kontaktieren), angeblich aber auch mithilfe bestimmter Bachblüten. Diese sind so stark verdünnt, dass die Essenzen selbst keinerlei allergenes Potenzial mehr aufweisen. Bei Hausstauballergie werden normalerweise folgende Bachblüten empfohlen: Beech (bei chronischen Allergien), Holly (bei körperlichen Reaktionen auf das Allergen), Impatiens (bei starkem Juckreiz) und Vervain (bei generellen Überreaktionen).

Manchmal wird im homöopathischen Bereich auch mit Eigenblutinjektionen gearbeitet, die im Vorfeld mit bestimmten homöopathischen Essenzen versetzt werden. Indem das aufbereitete venöse Blut in einen Muskel (normalerweise der Gesäßmuskel) injiziert wird, werden gezielt Abwehrmaßnahmen des Körpers provoziert. Laut Alternativtherapie kurbelt dies den Stoffwechsel an, kräftigt den Organismus und bessert die Symptome der akuten Allergie.

Hausstaubmilben bekämpfen: Tipps & Tricks

Hausstaubmilben gibt es in jedem Haushalt. Aber es beherbergt nicht jeder Haushalt gleich viele der kleinen Spinnentiere! Du hast also entweder die Möglichkeit, dein Zuhause zu einem Staubmilben-Paradies zu machen, indem du dir ein Haustier und dicke Teppiche anschaffst, oder du kannst versuchen, es den Milben so ungemütlich wie möglich zu machen. Das gelingt, indem du deine Bettbezüge regelmäßig wäschst und die Matratze reinigst, die Wohnung von Staubfängern befreist und dein Schlafzimmer kühl und trocken hältst.

Hausstaubmilbenallergie durch Hausstaubmilben

Milbendichte Bettwäsche ist zwar etwas unhandlich, aber garantiert weniger Allergiebeschwerden und erholsame Nächte. Foto: Adobe Stock, (c) drubig-photo

Wie oft Bettwäsche waschen bei Hausstaubmilbenallergie?

Menschen mit Milbenallergie tun gut daran, so viele Tierchen wie möglich aus dem Bett zu vertreiben. Dies gelingt, indem du deine Matratze mit einem speziellen Schutzbezug, einem sogenannten Encasing, versiehst. Dieser sollte luftdurchlässig sein und du solltest ihn alle sechs bis acht Wochen bei 60°C waschen, um sämtliche Milben abzutöten. Deine Bettwäsche solltest du wöchentlich wechseln und ebenfalls bei 60°C waschen. Natürlich gibt es auch milbendichte Überzüge für Kissen und Bettdecke, allerdings sind diese etwas unhandlich und vor allem im Sommer häufig zu warm und zu schwer.

Eine Alternative sind synthetische Kissen und Bettdecken, die du problemlos alle sechs bis acht Wochen waschen kannst (ebenfalls bei 60°C). Außerdem solltest du daran denken, deine Bettwäsche täglich aufzuschütteln, um sie zu durchlüften. Für die Lüftung ist es außerdem wichtig, dass dein Bett auf Füßen steht. Bettkästen sind ideale Brutstätten für Staubmilben.

Hilft häufiges Saugen gegen Hausstaubmilben?

Mit häufigem Saugen allein ist es nicht getan. Wichtig ist bei einer Hausstauballergie, dass du so viele Staubfänger wie möglich aus deiner Wohnung entfernst. Gehäkelte Gardinen und lange Vorhänge sind zwar ein stilistisches Statement, sollten aber wenigstens aus dem Schlafzimmer verbannt werden (idealerweise auch aus dem Rest der Wohnung). In Sachen Sitzmöbel sind glatte Bezüge wie Leder oder Lederimitat der flauschigen Variante grundsätzlich vorzuziehen. Offene Regal sehen zwar hübsch aus, bieten aber jede Menge Möglichkeit für die Staubpartikel, sich dauerhaft niederzulassen. Denn mal ehrlich: Wer staubt schon regelmäßig seine Bücher ab?

Ob Teppiche bei einer Hausstauballergie die beste Wahl sind, ist unter Experten umstritten. Einerseits bieten sie den Milben Platz, sich anzusiedeln, andererseits binden sie aber auch die Staubpartikel, die anderenfalls bei jedem Luftzug aufgewirbelt werden. Wenn es Teppichboden sein soll, solltest du eine pflegeleichte Variante wählen, die sich gut absaugen lässt. Und apropos Staubsauger: Hier solltest du dich für ein Gerät mit Feinstaubfilter entscheiden, welcher den feinen Milbenkot im Staubsack einschließt.

Schaffe eine (für Milben) unwirtliche Atmosphäre

Milben haben es gerne warm und feucht. Daher solltest du dein Schlafzimmer trocken und möglichst kühl halten. Eine für Staubmilben unwirtliche Umgebung ist unter 20°Grad warm und hat eine Luftfeuchtigkeit von weniger als 60 Prozent. Da wir im Schlaf Feuchtigkeit verlieren, solltest du jeden Morgen mindestens zehn Minuten lang Stoßlüften, damit die gesamte Feuchtigkeit entweichen kann. Insgesamt solltest du deine Wohnung täglich dreimal für mindestens zehn Minuten komplett durchlüften. Da Zimmerpflanzen die Luftfeuchtigkeit erhöhen, haben sie im Schlafzimmer nichts verloren. Gleiches gilt, jedenfalls in der Nacht, für deinen Hund oder deine Katze.

Hier findest du die bestbewerteten Hausärzte in deinem Bundesland:

 



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