Kalzium: Alles zu Bedarf, Vorkommen & Mangel

Kalzium

Kalzium ist ein essentieller Bestandteil der Knochen und Zähne im menschlichen Körper. Foto: Adobe Stock, (c) airborne77

Kalzium ist ein wichtiger Mineralstoff für Knochen und Zähne und muss daher ausreichend über die Ernährung aufgenommen werden. Erfahre im Artikel, in welchen Lebensmitteln Kalzium vorkommt, wie Kalzium gemessen wird und wie ein Kalziummangel und Kalziumüberschuss entsteht.

Wofür benötigt der Körper Kalzium?

Von allen Mineralstoffen im Organismus ist Kalzium (Calcium) derjenige mit der höchsten Menge. In einem Erwachsenen befinden sich durchschnittlich 1.000 bis 1.500 Gramm Kalzium. Der Mineralstoff bildet einen unentbehrlichen Bestandteil der Knochen und Zähne, der ihnen die nötige Festigkeit verleiht. Rund 99% des gesamten Körperkalziums befindet sind in diesen Strukturen.

Der Organismus braucht Kalzium, um

  • Nervenimpulse in Muskeltätigkeit umzusetzen (elektromechanische Kopplung) und einen normalen Herzrhythmus aufrechtzuerhalten.
  • die Ausschüttung von Hormonen auszulösen.
  • Blutgerinnungsfaktoren zu aktivieren und Gefäße abzudichten.
  • die Aktivität von Enzymen zu regulieren und Stoffwechselvorgänge in Gang zu halten.
  • Entzündungen und Allergien zu zügeln.

Wie viel Kalzium braucht man?

Der Tagesbedarf an Kalzium, der sich am Knochenstoffwechsel ausrichtet und der über die Nahrung gedeckt werden muss, liegt bei Erwachsenen zwischen 800 und 1.200 mg. Bei Heranwachsenden, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie nach dem Wechsel beträgt er 1.500 mg und mehr.

Lebensmittel mit Kalzium

Folgende Lebensmittel haben einen hohen Kalziumgehalt:

  • Milch: Kuhmilch ist sehr reich an Kalzium. Ein Glas Milch (200 Gramm) enthält etwa 250 mg Kalzium. Sojamilch ist oft mit Kalzium angereichert und eignet sich als gute Alternative zur Kuhmilch.
  • Joghurt: Auch Joghurt ist ein kalziumreiches Lebensmittel. Ein 200 Gramm Becher Joghurt hat etwa 220 mg Kalzium.
  • Käse: Milchprodukte sind reich an Kalzium. Käse hat einen besonders hohen Kalziumgehalt. In 30 Gramm Emmentaler sind 240 mg Kalzium. Camembert (30g) hat 150 mg Kalzium.
  • Broccoli: Auch grünes Gemüse besitzt viel Kalzium. Broccoli (110 Gramm) beispielsweise 120 mg Kalzium.
  • Blattspinat: Etwa 210 Gramm Blattspinat enthalten 310 mg Kalzium.
  • Grünkohl: In 160 Gramm Grünkohl sind 280 mg Kalzium.
  • Mineralwasser: Auch Mineralwasser gilt als kalziumreich. 200 ml Mineralwasser hat etwa 70 mg Kalzium.

In Milchprodukten kommt besonders viel Kalzium vor. Foto: Adobe Stock, (c) bit24

Regulation des Kalziumspiegels

Seine Vielfalt an Aufgaben kann Kalzium nur erfüllen, wenn sein Spiegel im Blutserum in engem Rahmen konstant gehalten wird. Hier toleriert der Organismus nur geringe Schwankungen. Für eine präzise Regulation des Kalziumspiegels sorgen daher gleich mehrere zusammenspielende Kontrollsysteme wie

  • das von derNebenschilddrüse produzierte Parathormon, das den Kalziumspiegel hebt, indem es Kalzium aus den Knochen mobilisiert.
  • das von der Schilddrüse gebildete Calcitonin, das für den Kalziumeinbau in die Knochen sorgt und somit den Kalziumspiegel senkt.
  • der Säure-Basen-Haushalt.
  • der Vitamin-D-Stoffwechsel, denn Vitamin D3 fördert die Kalziumaufnahme im Darm und vermindert die Kalziumausscheidung über die Nieren.
  • der Phosphatstoffwechsel, der in enger Verbindung zum Kalziumstoffwechsel steht.

Den Kalziumspiegel bestimmen

Im Labor lassen sich im Blut zwei Kalziumwerte messen:

  • das freie, ionisierte Kalzium
  • das Gesamtkalzium, das das freie, das proteingebundene und das komplexierte Kalzium umfasst

Beide sind als diagnostisch gleichwertig einzustufen. Aber nur dann, wenn der pH-Wert des Blutes und das Gesamteiweiß bzw. Albumin im Normbereich liegen. Andernfalls kommt es bei der Bestimmung des Gesamtkalziums zu Verschiebungen. Der Normwert des Gesamtkalziums im Serum liegt bei Erwachsenen im Bereich von 2,1-2,6 mmol/l. Der Normbereich für ionisiertes Kalzium beträgt 1,1 bis 1,4 mmol/l.

Für die Blutabnahme muss der Patient nüchtern sein. Und er muss sitzen, da die Werte im Liegen niedriger ausfallen. Ein zu langes Stauen der Vene vor der Blutabnahme führt zu falsch hohen Kalziumwerten. Ebenso eine Bettlägerigkeit, weil sie zu einem Knochenabbau führt.

Kalzium kann auch im Harn (sog. 24-Stunden-Sammel-Urin) gemessen werden. Der Wert sollte bei Frauen < 6,2 und bei Männern < 7,5 sein. Aber Achtung: Ausschlaggebend für die Bewertung des Blut- bzw. Harnwertes ist der jeweils vom Labor angegebene Referenzwert.

Als wichtig erweist sich auch das Verhältnis von Kalzium zu Magnesium im Körper. Es sollte 2:1 betragen.

Wozu wird der Kalziumspiegel bestimmt?

Weil dieser Laborparameter als typischer Screening-Test zum Ausschluss einer Reihe von Krankheiten (z.B. Tumorleiden, Nierenschwäche) dient. Denn er gibt u.a. Auskunft über

  • den Knochenstoffwechsel
  • die Nierenfunktion
  • hormonelle Zusammenhänge (Parathormon, Calcitriol) bzw. Erkrankungen
  • Magen-Darm-Krankheiten

Zudem wird der Kalziumspiegel häufig zur Überwachung einer Behandlung mit Vitamin A, Diuretika oder Antiepileptika gemessen.

Kalzium

In der Schwangerschaft ist der Kalziumbedarf erhöht. Foto: Adobe Stock, (c) chompoo

Kalziummangel: Was führt zu einem erniedrigten Kalziumspiegel?

Zu wenig Kalzium im Blut (Hypokalziämie, Hypocalcaemie) zeigt sich bei

  • einer niedrigen Eiweißkonzentration
  • Lebererkrankungen (z.B. Leberzirrhose)
  • Nierenleiden (z.B. Nephrotisches Syndrom, Nierenschwäche) durch vermehrte Kalziumausscheidung
  • einem Parathormonmangel infolge einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse oder nach Mitentfernung von Epithelkörperchen bei einer Schilddrüsenoperation
  • einer Mangelernährung bzw. einem Vitamin-D-Defizit (kann im Kindesalter zu Rachitis führen), z.B. im Rahmen einer Magersucht
  • einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Erkrankungen des Verdauungstrakts mit Malabsorption (mangelhafte Aufnahme von Nährstoffen wie z.B. Kalzium aus dem halbverdauten Speisebrei) wie z.B. Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit)
  • der Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. gewisser Antiepileptika oder Diuretika (Entwässerungsmittel)

Zu wenig Kalzium: Folgen & Behandlung

Die Knochen dienen als Kalziumspeicher, die bei Bedarf Kalzium ins Blut abgeben. Übersteigt der Kalziumbedarf jedoch die über die Nahrung aufgenommene Kalziummenge, hat das unliebsame Folgen. So bewirkt ein kurzfristiger ausgeprägter Kalziummangel eine anfallsartige Steigerung der muskulären Erregbarkeit, d.h. Tetanie (Krampfneigung) bis hin zu schmerzhaften Verkrampfungen, Gesichtszuckungen und Sensibilitätsstörungen (z.B. Kribbeln auf der Haut, erhöhtes bzw. vermindertes Schmerzempfinden).

Ein langfristiger relativer oder absoluter Kalziummangel führt letztendlich zu

  • einer Osteoporose
  • einem grauen Star
  • einer Muskelschwäche, Sprach- und Bewegungsstörungen
  • einer schnellen Erschöpfbarkeit und verminderten Leistungsfähigkeit
  • Stimmungsschwankungen und Depressionen
  • trockener Haut, Ekzemen, brüchigen Nägeln und Haarausfall
  • einer Bradykardie (verlangsamter Herzschlag), Herzrhythmusstörungen und einer Hypotonie (zu niedriger Blutdruck)
  • Bauchschmerzen
  • einem verstärkten Harndrang und einer Inkontinenz

Bei Kindern kann ein ausgeprägtes Kalziumdefizit eine gestörte Knochen- und Zahnentwicklung, Wachstumsverzögerung und Intelligenzdefekte hinterlassen.

Die Behandlung eines Kalziummangels richtet sich nach seiner Ursache. Diese sollte behoben werden. Ist das nicht möglich, gilt es, wenigstens die Kalziumkonzentration im Körper zu normalisieren. Etwa durch die Einnahme von Kalzium und Vitamin D. Bei einer lebensbedrohlichen Tetanie ist eine sofortige Behandlung auf einer Intensivstation inklusive Kalziuminfusionen angesagt.

Kalzium

Bei einem Kalziummangel werden oft Kalzium Tabletten verschrieben. Foto: Adobe Stock, (c) diego cervo

Kalziumüberschuss: Was führt zu einem überhöhten Kalziumspiegel?

Zu viel Kalzium im Blut (Hyperkalziämie, Hypercalcaemie) findet sich bei

  • einer Ruhigstellung des Körpers über einen längeren Zeitraum (z.B. bei Bettlägerigkeit)
  • einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion
  • Tumoren (z.B. Brust-, Lungen-, Prostata-, Nierenkrebs)
  • Flüssigkeitsverlusten, z.B. bei Durchfall, Erbrechen, Alkoholmissbrauch
  • einer Vitamin-A- oder -D-Überdosierung
  • einer Schilddrüsen-Überfunktion
  • einem Morbus Addison (Nebennierenrinden-Unterfunktion)
  • einem Phäochromozytom (hormonell aktiver Tumor des Nebennierenmarks)
  • einer Akromegalie (Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin)
  • einem Morbus Paget (Knochenerkrankung mit gesteigertem Knochenumbau)
  • einer Sarkoidose (Morbus Boeck, knötchenförmige Entzündung, meist der Lunge)
  • Knochentumoren
  • der Einnahme bestimmter Medikamente wie z.B. Lithium, einiger Diuretika oder Östrogene.

Kalzium erhöht: Folgen & Behandlung

Im Normalfall scheidet der Körper zu viel aufgenommenes Kalzium einfach über den Stuhl aus. Eine Überdosierung von Kalzium kommt daher nur bei gleichzeitiger Aufnahme von Vitamin D bzw. bei bestimmten Krankheiten vor. Sie macht sich bemerkbar durch

  • Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung
  • Müdigkeit
  • Muskelschwäche

Eine vermehrte Kalziumausscheidung über die Nieren kann zu einem gefährlichen Flüssigkeitsmangel führen. Mögliche Langzeitfolgen sind Gallensteine, eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Magengeschwüre, Nierenverkalkungen und -steine.

Die Behandlung eines Kalziumüberschusses zielt auf die Bekämpfung seiner Ursache ab. Zumindest aber auf eine Normalisierung der Kalziumkonzentration im Körper. Durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Trinken und/oder Infusionen) und den Verzicht auf Milchprodukte (stark kalziumhaltig). Bei Bedarf auch durch eine medikamentöse Anregung der Kalziumausscheidung mit dem Urin. Oder die Gabe von Arzneien, die den Kalziumeinbau in den Knochen fördern und dadurch den Kalziumspiegel im Blut senken wie Biphosphonate oder Calcitonin.

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