Osteoporose: Früherkennung rettet Knochenmasse - HEROLD.at

Osteoporose: Früherkennung rettet Knochenmasse

Frau greift sich auf den Nacken, weil sie Nackenschmerzen hat

Osteoporose erkennst du an Symptomen wie Rückenschmerzen oder Nackenschmerzen. Foto: Adobe Stock, (c) agenturfotografin

Typisch für Osteoporose: Oft bleibt sie lange unbemerkt, dann kommen Rückenschmerzen oder gleich Knochenbrüche. So weit muss es nicht kommen. Denn dem Knochenschwund kann man vorbeugen. Oder ihn zumindest in Schach halten.

Der Zusammenhang von Osteoporose und Knochendichte

Unser Skelett setzt sich aus einzelnen Knochen zusammen. Sie bestehen aus geflechtartig angeordnetem Kollagen, d.h. Bindegewebe. Dass sie eine gewisse Härte und Festigkeit aufweisen, beruht auf darin eingelagerten Mineralstoffen, allen voran Kalzium und Phosphat. Den Einbau von Kalzium in die Knochen steuern Hormone und Vitamine. Die Gebeine unterliegen fortlaufenden Auf- und Umbauprozessen, um sich an diverse Anforderungen anzupassen. Zwei Arten von Zellen sind daran beteiligt: Osteoblasten, die Knochengewebe aufbauen, und Osteoklasten, die es abbauen. Auf die Art wird immer wieder Knochensubstanz erneuert.

Die großteils erblich festgelegte maximale Knochendichte (Peak Bone Mass, PBM) erreicht der Mensch zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr. Denn bis dahin überwiegt der Aufbau von Knochenmasse, sodass ausgewogene Ernährung, Sport und ein ausbalancierter Hormonhaushalt genügen, um die Knochen zu stärken, d.h. den PBM innerhalb der genetisch vorgegebenen Grenzen zu optimieren. Danach aber nehmen die Abbauprozesse zu und die Knochen büßen zunehmend an Stabilität ein. Natürliche Vorgänge, die sich zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr beschleunigen, jedoch nicht zwingend zu Osteoporose führen müssen. Doch sind diejenigen mit in jungen Jahren guter maximaler Knochendichte im Vorteil. Denn je höher die erreichte PBM, desto später kommt es zu nennenswerten Abbauvorgängen. Mit fortschreitendem Alter lässt sich nur noch der Abbau von Knochenmasse verringern, die PBM aber nicht im Nachhinein erhöhen.

Osteoporose – was ist das?

Bei der Osteoporose (griech.: ostéon = Knochen, poros = Furt, Pore) geht der übliche Knochenabbau über das normale Maß hinaus. In der Folge reduziert sich die Knochenmasse. Daher spricht man von Knochenschwund. Doch verändert sich auch die Struktur der Knochen, ihre Qualität und Festigkeit. Sie werden löchrig und brüchig. Und damit so instabil, dass sie schon bei geringer Belastung oder unkomplizierten Stürzen brechen können.

Osteoporose erkennen: Symptome

Da sich der Knochenschwund in der Regel langsam entwickelt und vorerst keine Schmerzen verursacht, bleibt er häufig lange Zeit unbemerkt. Selbst dann, wenn z.B. Wirbelkörper der Brust- oder Lendenwirbelsäule langsam in sich zusammenbrechen (“schleichender Bruch“). Brechen sie allerdings akut ein, kommt es zu heftigen Rückenschmerzen.

Solche Sinterungen bzw. Kompressionsfrakturen führen zu einer charakteristischen Rundrückenbildung (“Witwenbuckel“), die eine Abnahme der Körpergröße bis hin zu mehreren Zentimetern bewirkt. Die Beschwerden führen zu Fehl- und Schonhaltungen, die eine Bewegungsunsicherheit auslösen, die wiederum die Sturz- und damit Bruchgefahr erhöht.

Typisch für die fortgeschrittene Osteoporose sind sogenannte Spontanfrakturen, d.h. Knochenbrüche ohne erkennbaren Anlass. Bevorzugt an Stellen wie den Wirbelköpern, am Oberschenkelhals oder am handgelenksnahen Ende der Speiche des Unterarms (distale Radiusfraktur), aber auch am Oberarmkopf oder Becken. Auch genügen oft schon für Gesunde harmlose Belastungen, um einen Knochenbruch hervorzurufen (“Fragilitätsfraktur“) wie das Heben einer schweren Tasche, Abstützen mit der Hand, ein Hustenanfall oder geringfügiges Stolpern.

die vier Stadien der Osteoporose

Bei Osteoporose verliert der Knochen an Knochenmasse. (links: gesunder Knochen; rechts: Knochen mit Osteoporose) Foto: Adobe Stock, (c) crevis

Erste Anzeichen für Osteoporose – Vorstufe

Das Teuflische ist: Osteoporose verursacht lange Zeit keine Beschwerden. Umso wichtiger ist es, auf frühe Symptome achten. Osteoporotische Knochenveränderungen führen zu starken Druckbelastungen der kleinen Wirbelgelenke, Verhärtungen von Muskeln, Überdehnungen von Gelenkskapseln und Verletzungen der Knochenhaut. Da der Verlust an Knochendichte an den Wirbelkörpern besonders ausgeprägt ist, kommt es oft zu dumpfen Rückenschmerzen als erstes Warnsignal.

Doch bei Rückenschmerzen denkt nicht sofort jeder an einen Knochenschwund. So kommt es, dass Anzeichen dafür ignoriert werden und die Diagnose erst erfolgt, wenn er sich in einem fortgeschrittenen, therapiebedürftigen Stadium befindet. Jedenfalls sollten Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, Bewegungseinschränkungen oder gar ein Knochenbruch infolge normaler Alltagsbelastung als mögliche Hinweise auf eine Osteoporose verstanden werden.

Osteoporose – wer ist besonders gefährdet?

Einige Risikofaktoren, die die Entwicklung einer Osteoporose fördern, lassen sich kaum beeinflussen. Dazu gehören etwa hohes Alter, stattgehabte Knochenbrüche nach dem 50. Lebensjahr und bei Frauen eine frühe Menopause. Andere wie z.B. Rauchen, hoher Alkoholkonsum oder falsche Ernährung schon. Je mehr davon man aufweist, umso höher liegt die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Osteoporose entwickelt.

Wer sich nun fragt, ob er selbst gefährdet ist, eine Osteoporose zu erleiden, kann checken, ob folgende Eigenschaften auf ihn zutreffen:

  • Gibt es Osteoporose in der Familie?
  • Bin ich weiblich/über 50 Jahre alt/ein Bewegungsmuffel/Raucher/kleiner geworden in den letzten Jahren?
  • Habe ich Rückenschmerzen/einen Rundrücken/einen Hormonmangel/eine Schilddrüsenüberfunktion?
  • Beinhaltet meine Ernährung v.a. Fast-Food und Soft-Drinks/wenige Milchprodukte?
  • Habe ich eine Chemotherapie oder Kortisonbehandlung hinter mir?

Je mehr davon zutrifft, umso eher ist von einem Osteoporoserisiko auszugehen.

Frau mit Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind erste Anzeichen für Osteoporose. Foto: Adobe Stock, (c) WavebreakMediaMicro

Ursachen: Wie entsteht Osteoporose?

Primäre Osteoporose (idiopathische Osteoporose): Diese häufigste Art von Knochenschwund kommt durch den natürlichen Alterungsprozess der Knochen, einem Defizit an Kalzium und Vitamin D sowie Bewegungsmangel zustande, bei Frauen auch durch den in der Menopause einsetzenden Östrogenmangel (postmenopausale/postklimakterische/Typ-I-Osteoporose). Diese chronische Skeletterkrankung tritt daher typischerweise nach den Wechseljahren oder im höheren Lebensalter (Involutions-, senile oder Typ-II-Osteoporose) auf. Und zwar deutlich häufiger und auch früher bei Frauen als bei Männern, doch holt das männliche Geschlecht zunehmend auf.

Sekundäre Osteoporose: Sie entwickelt sich meist als Folge von bestimmten Erkrankungen oder medikamentösen Therapien, die sich negativ auf den Knochenstoffwechsel auswirken.

Auslöser für eine primäre Osteoporose

Als Risikofaktoren für diese Form der Osteoporose gelten:

  • Alter über 50 Jahre
  • weibliches Geschlecht: niedrigere Knochenmasse als Männer, hormonelle Umstellung in den Wechseljahren
  • bei Frauen eine späte Menarche (1. Regelblutung), frühe Menopause (Wechseljahre) oder frühzeitige Entfernung der Eierstöcke, weil sie die Zeit der schützenden Hormonproduktion verkürzen
  • erbliche Veranlagung, da sich eine familiäre Häufung der Erkrankung zeigt
  • an Kalzium und Vitamin D arme, an Phosphat und Phytin reiche Ernährung
  • Bewegungsmangel oder Immobilität (v.a. während der Pubertät)
  • Untergewicht: BMI < 20
  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • zu wenig Sonnenlicht

Zudem gibt es die idiopathische juvenile Osteoporose (Dent-Friedman-Syndrom), ein im Kindes- und Jugendalter auftretender Knochenschwund unbekannter Ursache, der meist nach der Pubertät spontan ausheilt. Er macht sich durch Kreuz-, Hüft- und Fußschmerzen, Wirbeleinbrüche und Kompressionsfrakturen der langen Knochen bemerkbar.

Auslöser für eine sekundäre Osteoporose

Hier kommen folgende Erkrankungen als Verursacher infrage:

Auch einige Medikamente sind imstande, eine sekundäre Osteoporose auszulösen:

  • Glukokortikoide (“Kortison“) bei längerer Verabreichung in Spritzen- oder Tablettenform
  • Glitazone (Antidiabetika) bei Frauen mit Diabetes Typ 2
  • Antiepileptika und Antidepressiva (Lithium)
  • Immunsuppressiva
  • Chemotherapeutika, Antiandrogene gegen Prostatakrebs, Aromatasehemmer gegen Brustkrebs
  • bei Langzeitgebrauch Protonenpumpenhemmer, Blutgerinnungshemmer (Heparin, Cumarine), Abführmittel und der Cholesterinsenker Cholestyramin

Abgesehen davon gibt es eine schwangerschaftsassoziierte Osteoporose, die während der Schwangerschaft und Stillzeit auftritt und Wirbelbrüche mit heftigen Rückenschmerzen bewirkt. Diese tritt jedoch nur sehr selten auf.

Wer stellt Osteoporose fest? Diagnose

Frau sieht sich mit Ärztin Röntgenbild an

Bei Osteoporose muss der Patient Röntgenaufnahmen, Labortests und eine Knochendichtemessung machen lassen . Foto: Adobe Stock, (c) RFBSIP

In der Regel führen chronische Rückenschmerzen zum Arzt. Der führt eine Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) durch, bei der er auch Risikofaktoren für einen Knochenschwund wie z.B. eine erbliche Veranlagung und stattgehabte oder bestehende Erkrankungen, die eine sekundäre Osteoporose verursachen können, erkundet.

Es folgen körperliche Untersuchungen. Sie sollten neben der Messung von Körpergröße und –gewicht zwecks Verlaufskontrolle eine Prüfung des Bewegungsapparates beinhalten. Mit Beurteilung der Muskelspannung und -kraft, Feststellung eventueller Wirbelsäulendeformationen sowie einer möglichen Sturzgefährdung. Hinweise für Wirbelbrüche sind ein Größenverlust bzw. das dadurch verursachte Tannenbaum-Phänomen (charakteristische Hautfaltung am Rücken), eine Rundrückenbildung sowie ein verkürzter Rippen-Becken-Abstand.

Ergibt sich der Verdacht auf Osteoporose, veranlasst der Arzt weiterführende diagnostische Maßnahmen wie eine Knochendichtemessung, Röntgenaufnahmen oder Labortests. Skelettröntgen dienen allerdings nur der Erkennung bereits eingetretener Knochenbrüche und Skelettdeformationen, eignen sich jedoch nicht zur Erfassung des Knochenmineralgehalts. Blutuntersuchungen wie beispielsweise der Kalzium-, Phosphor-, Vitamin D-, Geschlechts- und Schilddrüsenhormonspiegel, Leber- und Nierenfunktionsparameter etc. haben das Ziel, andere Stoffwechselstörungen zu erkennen bzw. Ursachen einer sekundären Osteoporose aufzudecken.

Vermutet man einen Knochenschwund, eignen sich als Anlaufstellen Allgemeinmediziner, Internisten, Orthopäden und Gynäkologen bzw. Andrologen. Knochendichtemessungen führen Krankenhäuser mit radiologischer oder nuklearmedizinischer Abteilung sowie spezielle Institute durch, wofür aber eine ärztliche Überweisung erforderlich ist.

Gold-Standard: Knochendichtemessung

Die Grundlage jeder Osteoporose-Diagnose ist die Knochendichtemessung alias Osteodensitometrie oder kurz Densitometrie. Doch genügt hierzu ihre alleinige Anwendung nicht, da auch andere Knochenerkrankungen (z. B. Osteomalazie) mit einem geringeren Dichtewert einhergehen und zuerst auszuschließen sind.

Zum Einsatz kommt dabei meist ein spezielles Röntgenverfahren mit recht geringer Strahlenbelastung, die DEXA (dual-energy-x-ray-absorptiometry, DXA, Dual-Röntgen-Absorptiometrie), weil sie eine genaue Berechnung des Knochenmineralgehalts bezogen auf eine Fläche in g/cm2 im Untersuchungsbereich gestattet. Konventionelle Röntgenbilder dagegen lassen erst ab einem Knochensubstanzverlust von mindestens 30% auf eine Osteoporose schließen. Die DEXA wird vor allem an der Lendenwirbelsäule oder am Oberschenkelhals durchgeführt.

Nachteil: Vor allem bei älteren Patienten mit ausgeprägten Abnutzungserscheinungen, einer Wirbelkörpersinterung oder Skoliose der Lendenwirbelsäule und/oder Verkalkungen der Hauptschlagader kann das Verfahren zu einem nicht verwertbaren Resultat führen. Weil solche Veränderungen einen höheren Knochenmineralgehalt als tatsächlich vorhanden vortäuschen. Für ein brauchbares Ergebnis müssen zumindest zwei Wirbelkörper beurteilbar sein.

In Kombination mit klinischen Risikofaktoren erlauben DEXA-Ergebnisse die Berechnung des FRAX-Tools (Fracture Risk Assessment Tool) – eine Art Vorausschau in puncto Risiko für Osteoporosefrakturen wie etwa Schenkelhalsbrüche für die nächsten 10 Jahre, das die Wahl der Therapie beeinflusst.

Knochendichtemessungen kannst du in den meisten Ambulatorien und Röntgeninstituten durchführen lassen. Folgende Ärzte in Wien bieten Knochendichtemessung durch:

Seniorin liegt unter DXA zur Knochendichtemessung in der Radiologie

Bei Verdacht auf Osteoporose sollte eine Knochendichtemessung durchgeführt werden. Foto: Adobe Stock, (c) Robert Kneschke

Alternativen zur Standard-DEXA 

Bei Patienten mit ausgeprägten Abnutzungserscheinungen im Bereich der Lendenwirbelsäule, Verkalkungen der Hauptschlagader, Hüftprothesen, bei speziellen Fragestellungen oder ausschließlicher Verfügbarkeit eines Computertomografen, bietet sich die sogenannte quantitative Computertomografie (QCT) an, die allerdings mit einer höheren Strahlenbelastung einhergeht.

Auch lässt sich die Knochendichte mittels DEXA oder QCT an anderen Körperregionen ermitteln als an der Lendenwirbelsäule oder am Oberschenkelhals. Bei einer solchen peripheren Densitometrie erfolgt die Messung meist am Unterarm. Mit dem Nachteil, dass der Messort nicht den Stellen (z.B. Hüfte, Wirbel) entspricht, an denen klinisch relevante Knochenbrüche auftreten.

Eine strahlungsfreie Alternative ist die quantitative Ultraschallmessung, die hinsichtlich ihrer Aussagekraft jedoch umstritten ist.

Welche Werte sind kritisch?

Das Ergebnis einer DEXA-Messung wird als sogenannter T-Wert angegeben. Dieser vergleicht das Messergebnis mit dem Mittelwert eines Kollektivs knochengesunder junger Erwachsener. Besteht zwischen dem erhobenen T-Wert eine Differenz von bis zu einer Standardabweichung zu demjenigen der Vergleichsgruppe, handelt es sich um einen Normalbefund. Liegt er im Bereich von

  • -1 bis -2,5 Standardabweichungen, spricht das für eine Osteopenie (verminderte Knochendichte).
  • -2,5 Standardabweichungen oder darunter für eine Osteoporose
  • -2,5 Standardabweichungen bei zusätzlich einem oder mehreren Knochenbrüchen für eine schwere Osteoporose.

Ab dem Wert von -2,5 besteht also therapeutischer Handlungsbedarf. Bei der Wahl der Maßnahmen gilt es, außer dem T-Score das Fraktur- und Sturzrisiko, Alter und Begleiterkrankungen zu beachten. Die Therapie der Osteoporose fußt auf mehreren Säulen, die an jeden Patienten anzupassen sind.

Ich habe Osteoporose – was bedeutet das?

Je nach Ausprägung ist mit chronischen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu rechnen, die schlimmstenfalls letztendlich in eine Bettlägerigkeit münden können. Sofern der Osteoporose nicht mit adäquater Therapie gegengesteuert wird.

Besonders problematisch sind Brüche. Denn sie erhöhen das Risiko für Folgebrüche um das Mehrfache. Betreffen sie die Wirbelsäule, sinkt diese immer weiter zusammen und man schrumpft um bis zu 20 Zentimeter. Auch verformt sie sich, sodass sich u.U. die gesamte Körperhaltung ändert. Da das verkrümmte Rückgrat Herz und Lunge nach unten drückt, entsteht ein Kugelbauch mit möglichen Folgen wie Kurzatmigkeit oder Lungenentzündung.

Gerade für Senioren ist ein Bruch des Oberschenkelknochens fatal. Denn schon allein altersbedingt dauert die Verheilung sehr lang. Infolge Bettlägerigkeit verschlechtert sich häufig der Gesamtzustand. Das kann zu Pflegebedürftigkeit und letztendlich sogar zum Tod führen.

Chronische Schmerzen und Kurzatmigkeit können Schlafstörungen nach sich ziehen. Sie und die eingeschränkte Beweglichkeit sind imstande, die gesamte Lebensqualität sehr stark zu beeinträchtigen. Mit Folgen wie Einsamkeit, Angst, Unselbstständigkeit und Depressionen. Alles Gründe, rechtzeitig Behandlungen gegen Osteoporose und Alltagshilfen in Anspruch zu nehmen.

Osteoporose Behandlung

Osteoporose Medikamente

Ab einem T-Score von -3, je nach Fall auch schon bei Werten zwischen -2,5 und -3, empfiehlt sich eine medikamentöse Behandlung der Osteoporose. Denn dann genügt die für alle Osteoporosepatienten geltende Basistherapie allein nicht mehr. Diese besteht aus einer ausreichenden Versorgung mit Kalzium (ab dem 60. Lebensjahr 1.000 mg täglich) und Vitamin D, die im Normalfall über die Nahrung gedeckt wird.

Andernfalls wird Kalzium in Form von Mineralstoffpräparaten zugeführt. Dabei sollte die tägliche Menge 1.500 mg aber nicht überschreiten. Denn zu viel Kalzium begünstigt arterielle Gefäßverschlüsse, weil es sich in arteriosklerotische Plaques einbaut und somit das Herzinfarktrisiko erhöht. Bei unzureichender Aufnahme von Vitamin D oder nicht genügend Sonnenexposition, die für die körpereigene Produktion von Vitamin D notwendig ist, kann auch dieses Präparat (800 IE täglich) eingenommen werden. Am besten erfolgt die kombinierte Einnahme von Kalzium mit Vitamin D.

Ziel der medikamentösen Therapie, die nur in schweren Fällen zum Einsatz kommt, ist jedenfalls, einen weiteren Knochenschwund zu verhindern und somit das Risiko für Knochenbrüche zu reduzieren. Hierzu stehen unterschiedliche Arzneien zur Verfügung.

Einerseits antiresorptive Substanzen, d.h. Mittel, die den Knochenabbau hemmen wie Bisphosphonate, die aber – selten – atypische Brüche des Oberschenkelknochens und Osteonekrosen (Absterben von Knochengewebe) der Kiefer hervorrufen können, oder Raloxifen, ein selektiver Östrogen-Rezeptor-Modulator (SERM). Andererseits osteoanabole Substanzen, d.h. Mittel, die den Knochenaufbau unterstützen, indem sie z.B. die Osteoblasten stimulieren, wie Teriparatid, ein Parathormon-Abkömmling. Oder auch solche, die beides können, wie etwa Strontiumranelat, das die Osteoklasten bremst und positiv auf die Osteoblasten einwirkt.

Mann bei der Physiotherapie

Physiotherapie ist eine wichtige Säule bei der Behandlung von Osteoporose. Foto: Adobe Stock, (c) pololia

Osteoporose Spritze

Eine relativ neue Therapieoption ist Denosumab, ein monoklonaler Antikörper. Die alle 6 Monate unter die Haut gespritzte Substanz dient vor allem der Behandlung einer Osteoporose mit erhöhtem Frakturrisiko v.a. bei Frauen nach dem Wechsel und bei Männern mit antihormoneller Behandlung (Androgendeprivation) wegen Prostatakrebs. Sie hemmt auf spezielle Art die Osteoklasten-Aktivität im Knochenmark.

Selten eingesetzte Arzneimittel

Bei Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden ist eine zeitlich begrenzte Hormonersatztherapie überlegenswert, da ein erkennbarer Zusammenhang zwischen der nachlassenden Hormonproduktion der Eierstöcke, der Knochendichte und dem Knochenbruchrisiko besteht. Doch sind Östrogene in Österreich zur Behandlung der Osteoporose nicht zugelassen. Und sie bergen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Brustkrebs.

Kaum noch in Verwendung zur Therapie der Osteoporose wird Calcitonin, dessen Nutzen fraglich ist und das Nebenwirkungen (schwere allergische Symptome) haben kann. Aus ähnlichen Gründen auch das Wachstumshormon STH.

Veraltet ist auch die Behandlung mit Fluoriden, die harte, aber spröde und in ihrer Stabilität nicht verbesserte Knochen hinterlassen und das Bruchrisiko sogar erhöhen können, weil die Qualität des unter hoher Dosierung neu gebildeten Knochengewebes nicht der des normalen Knochens entspricht.

Anabole Steroide, die einen mäßigen Zuwachs an Knochenmineraldichte bewirken sowie muskel- und kraftaufbauende Effekte haben, werden für die Osteoporosetherapie nur in speziellen Fällen empfohlen.

Sonstige Behandlungsmethoden

Eine unverzichtbare Säule in der Behandlung der Osteoporose ist die Physiotherapie. Mit ihrer Hilfe erfolgt eine Schmerzlinderung, Verbesserung der Mobilität und Knochenfestigkeit. Bei gleichzeitiger Förderung des Gleichgewichts, was das Sturzrisiko vermindert.

Bei Schmerzen kommen nicht-steroidale Antirheumatika zum Einsatz, die zugleich eine entzündungshemmende Wirkung haben, aber für einen dauerhaften Gebrauch aufgrund ihrer Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt nicht taugen. Sehr starke Schmerzen können die Anwendung von Opioiden erfordern.

Liegt eine sekundäre Osteoporose vor, erfolgt zusätzlich die Behandlung der Grunderkrankung bzw. verursachen Medikamente den Knochenschwund, sofern möglich, die Umstellung auf knochenfreundlichere Arzneien.

Bei osteoporotischen Frakturen kommen verschiedene Operationstechniken wie z.B. Zementierung und Implantate zur Anwendung.

Wie oft Knochendichtemessung bei Osteoporose?

Die Durchführung einer Densitometrie finden Experten bei klinischem Verdacht auf Vorliegen einer Osteoporose, dem Vorhandensein von mindestens einem oder gar mehreren Risikofaktoren dafür, sonst bei Frauen ab dem 65. und bei Männern ab dem 70 Lebensjahr ratsam.

Messungen zur Erfolgskontrolle bei Durchführung einer Osteoporosetherapie sollten frühestens nach zwei Jahren erfolgen. Es sei denn, der Patient steht unter fortlaufender Cortisontherapie oder hat eine Organtransplantation hinter sich. Dann sind engmaschigere Verlaufskontrollen angesagt. Je nach ärztlicher Empfehlung auch sonst. Wobei Kontrollmessungen möglichst am gleichen Gerät beim gleichen Untersucher stattfinden sollten, um einen optimalen Vergleich der Messergebnisse zu gewährleisten.

Osteoporose Vorbeugung – geht das?

Ernährung bei Osteoporose

Eine erfolgreiche Osteoporoseprophylaxe beginnt bereits früh, nämlich in der Kindheit. Denn eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung von Anfang an bilden die Grundlage für eine spätere gute Knochengesundheit. Beides genügt auch zur Behandlung einer Osteopenie.

Wichtig zum Erhalt der Knochengesundheit ist vor allem eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Beim Kalzium empfehlen Experten eine tägliche Aufnahme von rund 1.000 mg bis maximal 2.000 mg. Der Mineralstoff kann sich nur mithilfe von Vitamin D in die Knochen einlagern. Letzteres kann der Körper zwar selbst herstellen, braucht hierzu jedoch eine ausreichende (täglich 15 Minuten auf rund ein Viertel der Körperoberfläche = Gesicht, Hals, Dekolleté, Teile der Extremitäten) Sonnenbestrahlung, um in der Haut Vitamin D entstehen zu lassen. Ebenfalls an der Gesunderhaltung der Knochen beteiligt: die Vitamine C, K, B6, B12 und Folsäure.

Was essen, was nicht essen bei Osteoporose?

grünes Gemüse

Eine kalziumreiche Ernährung ist bei Osteoporose besonders wichtig. Foto: Adobe Stock, (c) kucherav

Da Kalzium so wichtig für die Knochen ist, muss es in genügender Menge zugeführt werden. Dazu eignen sich vor allem

  • Milch und Milchprodukte
  • grünes Blattgemüse wie z.B. Brokkoli, Kohl, Lauch, Fenchel, Kräuter (z.B. Petersilie, Dille)
  • Samen und Nüsse wie z.B. Sesam, Chiasamen, Mohn, Para- und Haselnüsse
  • Vollkornprodukte, Quinoa, Amaranth
  • Mineralwasser

Vorsicht geboten ist hingegen bei sogenannten Kalziumantagonisten, die die Verwertung des mit der Nahrung aufgenommen Kalziums herabsetzen. Zu den Kalziumräubern gehören vor allem

  • Phosphate z.B. in Fleisch, Wurst, Schmelzkäse
  • Koffein z.B. im Kaffee, Cola
  • Phytinsäure z.B. in Getreideprodukten (v.a. Kleie)
  • Oxalsäure z.B. in Rhabarber, Spinat, Mangold, Tomaten, Kakao und Schokolade

Sie sollte man nicht zeitgleich mit kalziumreichen Lebensmitteln verzehren. Ein übermäßiger Konsum von Alkohol, Salz und Eiweiß beeinflusst die Kalziumbilanz auch negativ und sollte deshalb zu vermieden werden.

Beim Vitamin D kann man sich nicht allein auf die körpereigene Produktion verlassen, sondern muss auch dieses über die Nahrung aufnehmen. Gute Vitamin-D-Lieferanten sind

  • fette Fischsorten wie Lachs, Hering, Makrele, Heilbutt oder Thunfisch
  • Leber
  • Eidotter
  • Speisepilze (Steinpilz, Morchel, Champignon)
  • Butter

Daher lauten die Empfehlungen, pro Woche zwei Fischmahlzeiten zu verzehren und sich täglich im Freien aufzuhalten, um die körpereigene Synthese von Vitamin D anzukurbeln. Mit entsprechendem Sonnenschutz, versteht sich. 

Ansonsten sollte das Essen auch genügend Proteine und Vitalstoffe enthalten, die der Knochen braucht wie

  • Vitamin K in grünem Blattgemüse, Leber, Trockenfrüchten
  • Magnesium in Nüssen, Samen, Vollkorngetreide, Fisch
  • Zink in Fleisch, Geflügel, Vollkorn
  • Carotinoide (Vorstufe zu Vitamin A) in rotem Paprika, Karotten, grünem Blattgemüse 

Wie man den Tagesbedarf an Kalzium deckt

In puncto Milch oder Milchprodukte empfehlen Experten, täglich drei Portionen fettarmer Varianten davon zu verspeisen. Am besten eine davon am Morgen sowie eine am Abend, denn zu diesen Zeiten ist die Kalziumaufnahme am effektivsten. Wobei die Portionsgrößen 200 Milliliter Milch, 150 bis 180 Gramm Joghurt, 200 Gramm Topfen oder Hüttenkäse und 30 bis 60 Gramm Käse betragen. Für Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit gibt es laktosefreie Varianten. Für solche mit einer Kuhmilchallergie Milchersatzprodukte (z.B. Sojamilch), die allerdings mit Kalzium angereichert sein sollten.

Der Tagesbedarf (1 Gramm) eines Senioren an Kalzium ist etwa enthalten in

  • 250 Gramm Joghurt
  • 50 Gramm Gouda-Käse
  • 200 Gramm gekochtem Brokkoli
  • 1 Liter kalziumreiches Mineralwasser (ab 150 Milligramm)

Osteoporose vorbeugen durch Bewegung 

zwei Senioren fahren mit Rad

Mit regelmäßigem Sport kannst du Osteoporose vorbeugen. Foto: Adobe Stock, (c9 Jenny Sturm

Regelmäßiges körperliches Training aktiviert die Osteoblasten und wirkt so einem vermehrten Knochenabbau entgegen. Daher stärkt es Knochen, Muskeln und Gelenke, fördert Gleichgewicht und Koordination, sodass das Sturzrisiko sinkt. Als förderlich für die Knochenstabilität erweisen sich Sportarten, bei denen das eigene Gewicht eingesetzt wird. Also etwa Wandern, Tanzen, Nordic Walken, Laufen, Gymnastik oder leichtes Krafttraining. Bei Kindern und Jugendlichen vor allem “High-Impact-Sportarten“, die die individuell maximal erreichbare Knochenmasse erhöhen. Wie etwa Tennis, Step Aerobic, Leichtathletik oder Bodenturnen. Schon eine halbe Stunde Bewegung pro Tag wirkt sich positiv auf die Stabilität der Gebeine aus.

Doch auch, wenn bereits ein durch Osteoporose bedingter Knochenbruch vorliegt, ist nach Behandlung der Fraktur Bewegung wichtig, denn Inaktivität verstärkt den Knochenabbau.

Was noch die Knochen schützt

Knochen lieben also Bewegung und gesunde Ernährung. Doch kann man sie zusätzlich auch noch anders stärken. Durch

  • Vermeidung von Untergewicht
  • Einschränkung des Nikotin- und Alkoholkonsums
  • regelmäßige Überprüfung der Einnahme verschriebener Medikamente, die das Osteoporose- bzw. Sturzrisiko begünstigen, bezüglich Notwendigkeit und Dosis

Besonders wichtig ist die Verhinderung von Stürzen. Durch 

  • die Beseitigung von Stolperfallen wie Teppichen, Kabeln oder rutschigen Böden
  • eine gute Beleuchtung
  • die Anbringung von Einrichtungen wie Haltegriffen und rutschfesten Matten im Badezimmer/der Toilette etc.
  • Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts
  • das Tragen von flachen Schuhen mit rutschfesten Sohlen
  • die Verwendung von Gehhilfen (Stock, Rollator) bei Bedarf
  • das Anlegen von Hüftprotektoren, über der Hüfte mittels Pflaster oder Klettverschluss fixierte oder in die Wäsche eingenähte gepolsterte Kunststoffschalen

Zusätzlich empfiehlt sich die Abklärung und gegebenenfalls Therapie anderer Sturzursachen wie Gleichgewichtsstörungen, Muskelschwäche, Sehprobleme.

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