Diabetes Typ 2: Ursachen, Symptome, Vorbeugung

Diabetes Typ 2

Diabetes Typ 2 kommt beispielsweise durch eine fett- und zuckerreiche Ernährung zustande. Foto: AdobeStock (c) adragan

Diabetes Typ 2 ist eine Krankheit, die vor allem Menschen mit Übergewicht trifft. Daher gelten Normalgewicht und regelmäßige körperliche Bewegung als oberstes Gebot, um sie zu bekämpfen bzw. verhindern. Das ist unbedingt notwendig, denn zu hoher Blutzucker hat auf Dauer schlimme Folgen.

Was ist Diabetes Typ 2?

Zuckerkrankheit kann auf unterschiedliche Arten entstehen. Je nach Ursache unterscheidet man daher im Wesentlichen vier Diabetes-Typen:

  • Typ-1-Diabetes, der durch einen absoluten Insulinmangel zustande kommt.
  • Typ-2-Diabetes, der auf einem relativen Insulinmangel beruht.
  • Formen der Zuckerkrankheit, die durch Veränderungen des Erbguts, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Infektionen, die Einwirkung von bestimmten Arzneien oder Chemikalien u.a.m. ausgelöst werden.
  • Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Unabhängig von der Ursache handelt es sich bei jeder Form von Diabetes mellitus (lat.: honigsüßer Durchfluss) um eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Vorgänge im Organismus auswirkt. Je nach Art der Zuckerkrankheit kann entweder die Bauchspeicheldrüse kein Insulin produzieren (Typ 1) oder der Körper ist nicht imstande, das Hormon genügend zu nutzen (Typ 2).

Denn das aus der Bauchspeicheldrüse ins Blut abgegebene Insulin schleust normalerweise Glukose (Traubenzucker) in die Zellen, die den Zucker zur Energiegewinnung verwenden. Ohne Insulin können die Zellen die Glukose nicht verwerten und sie verbleibt im Blut. Der dadurch entstehende hohe Blutzuckerspiegel hat viele gesundheitsschädliche Folgen.

Wer bekommt Diabetes Typ 2?

Für den Diabetes Typ 2 findet man noch recht oft die Bezeichnung Altersdiabetes bzw. Alterszucker, weil er meist erst in höherem Lebensalter auftritt. Doch entwickelt er sich inzwischen immer häufiger bei jüngeren Erwachsenen, Jugendlichen und sogar Kindern, weshalb der Begriff nicht mehr angebracht erscheint. Grund für sein zunehmendes Vorkommen in jüngeren Jahren ist, dass immer mehr Menschen schon in jungen Jahren stark übergewichtig sind und sich nur wenig bewegen.

Ist Diabetes Typ 2 heilbar?

Typ-2-Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich allerdings durch einen vernünftigen Lebensstil vor allem in ihrer frühen Phase derart positiv beeinflussen lässt, dass es zumindest für eine Zeit lang zu einer Normalisierung der Blutzuckerwerte ohne Anwendung von Arzneien kommen kann. Auf lange Sicht sind bei guter therapeutischer Blutzuckereinstellung eine weitgehende Beschwerdefreiheit, Verlangsamung des Krankheitsverlaufs und das Hintanhalten von Folgeschäden der Krankheit erreichbar.

Ist Diabetes Typ 2 erblich?

Eine erbliche Veranlagung spielt eine wichtige Rolle beim Typ-2-Diabetes. Wobei wahrscheinlich viele verschiedene Gene in variabler Kombination an seiner Entstehung beteiligt sind, was vermutlich der Grund für die unterschiedlichen Verlaufsformen der Erkrankung ist. Eines dieser Gene z.B., das am Chromosom 20 sitzende PTPN1, das für eine Protein-Tyrosin-Phosphatase kodiert, kommt in mehreren Varianten vor, einer neutralen, einer schützenden und einer riskanten. Ist Letztere vorhanden, bleibt eine adäquate Reaktion insulinabhängiger Zellen auf Insulin aus. Dann besteht eine angeborene Insulinresistenz. Allerdings nur bei hellhäutigen Bevölkerungsgruppen. Doch prädestiniert nicht nur diese Veränderung des Erbgutes für einen Diabetes Typ 2, sondern noch zahlreiche andere.

Auch eine bei Kindern und Jugendlichen zunehmend zu findende, Typ-2-Diabetes-artige Form von Zuckerkrankheit, der sogenannte MODY-Diabetes (Maturity Onset Diabetes of the Young = Erwachsenendiabetes, der bei Jugendlichen auftritt) beruht auf Veränderungen der Erbmasse. Wobei aber jeweils ein einziges Gen für seine Entstehung verantwortlich zeichnet. Doch gibt es mehrere dieser MODY-Diabetes auslösenden Gene, die auf verschiedenen Chromosomen liegen. Diese Art von Zuckerkrankheit kann anfangs mit Tabletten behandelt werden, endet jedoch in der Regel als insulinpflichtiger Diabetes.

Hat ein Elternteil Typ-2-Diabetes, beträgt die Wahrscheinlichkeit für das Kind, auch einen zu entwickeln, 25 bis 50 Prozent. Sind beide Eltern zuckerkrank, steigt es auf rund 60 Prozent. Leidet ein eineiiger Zwilling daran, hat der andere Zwilling ein 80- bis hundertprozentiges Risiko für einen Typ 2-Diabetes. Geschwister von Typ-2-Diabetikern entwickeln zu 20 bis 40 Prozent die Krankheit, Töchter und Enkelinnen vermehrt einen Schwangerschaftsdiabetes. Ausschlaggebend dafür, dass das Stoffwechselleiden bei genetischer Disposition tatsächlich in Erscheinung tritt, ist jedoch die Lebensweise, beispielsweise die Ernährung.

Wie entsteht ein Diabetes Typ 2?

Beim Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zwar – zunächst ausreichend – Insulin, doch kann das Hormon seine Aufgabe, Glukose ins Zellinnere zu schleusen, nicht ausreichend erfüllen. Denn die Zellen reagieren weniger empfindlich als normal auf Insulin, sodass das Hormon an Wirkung einbüßt. Diesen Zustand nennt man Insulinresistenz.

Darauf antwortet die Bauchspeicheldrüse zunächst mit einer vermehrten Insulinbildung. Dieser Hyperinsulinismus kann aber kaum auf Dauer die Insulinresistenz kompensieren. Reicht die ausgeschüttete Insulinmenge nicht mehr aus zur Regulierung des Blutzuckerspiegels, tritt der Typ 2 Diabetes in Erscheinung. Das heißt, trotz der Erzeugung von viel mehr Insulin als bei Stoffwechselgesunden entwickelt sich bei Typ-2-Diabetikern infolge der Insulinresistenz ein Anstieg des Blutzuckers. Es herrscht also ein relativer Insulinmangel vor, der allerdings unter Umständen in einen absoluten Insulinmangel übergehen kann. Wenn die Bauchspeicheldrüse in ihrer Fähigkeit zur Insulinerzeugung erschöpft ist.

Wodurch kommt es zu einem Diabetes Typ 2? Ursachen

Diabetes Typ 2

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung eines Typ 2 Diabetes spielt die ErnährungFoto: AdobeStock (c) LiliGraphie

Diabetes Typ 2 wird durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren ausgelöst, wobei Übergewicht infolge einer fett- und zuckerreichen Ernährung als Hauptursache gilt. Speziell übermäßiges Bauchfett bzw. viszerales Fett um innere Organe wie Leber oder Bauchspeicheldrüse erweist sich als Risikofaktor.

Denn anders als bei Stoffwechselgesunden führt bei Übergewichtigen die Einwirkung von Insulin auf insulinabhängige Zellen nicht dazu, dass sie – vor allem im Muskel- und Fettgewebe – vermehrt Glukose-Transportproteine vom Typ 4 (GLUT-4) in ihre Zellmembran einfügen. Zudem produzieren dicke Menschen in ihrem Fettgewebe erhöhte Mengen an dem Botenstoff Retinol Binding Protein 4 (RBP-4), der anscheinend verhindert, dass Muskel- und Leberzellen auf Insulin reagieren.  Dafür spricht auch, dass nach körperlichem Training, durch das die Insulinresistenz abnimmt, niedrigere RBP-4-Blutspiegel messbar sind.

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung eines Typ 2 Diabetes spielt zudem die Ernährung, nicht nur im Hinblick auf das Körpergewicht. So zeigt sich etwa, dass der Genuss von Fruchtsäften das Diabetesrisiko erhöht. Der Verzehr von frischem Obst – vor allem von Heidelbeeren, Weintrauben und Äpfeln – hingegen reduziert es.

Weiters steigert eine erhöhte körpereigene Glukoneogenese (Zuckerneubildung) in der Leber das Risiko für die Entwicklung eines Diabetes Typ 2. Sie wird durch den Gegenspieler des Insulins, das ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon Glukagon, das als Antwort auf den Zuckerbedarf in den Körperzellen vermehrt gebildet wird, angekurbelt. Ebenso durch Stresshormone wie Katecholamine (z.B. Adrenalin) und Glukokortikoide (z.B. Kortison).

Auch Diabetes in einer früheren Schwangerschaft oder die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Entwässerungsmittel) erhöhen das Risiko, an Typ 2 Diabetes zu erkranken. Darüber hinaus können Leberleiden, Infektionen, Traumen, Operationen und Hormonstörungen seine Entstehung begünstigen.

Außerdem scheint ein Mangel an Melatonin das Typ-2-Diabetes-Risiko zu erhöhen. Das in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildete Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, wird vor allem nachts ausgeschüttet.

Woran erkennt man einen Diabetes Typ 2? Symptome

Viele Typ-2-Diabetiker zeigen jahrelang kaum Krankheitszeichen. Nur bei deutlich erhöhten Blutzuckerwerten kommt es zu vermehrtem Wasserlassen und starkem Durstgefühl sowie einer Gewichtsabnahme. Sonst treten eher unspezifische Symptome auf wie

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsminderung
  • Sehstörungen
  • eine erhöhte Infektanfälligkeit
  • Wundheilungsstörungen
  • häufige Blasenentzündungen
  • Infektionen an der Haut oder im Intimbereich (z.B. Pilzbefall), oft mit starkem Juckreiz
  • Haut- oder Mundtrockenheit
  • bei Männern Potenzprobleme oder wiederholte Entzündungen der Eichel und/oder Vorhaut, eventuell inklusive Vorhautverengung
  • bei Frauen Menstruationsstörungen

Beschwerden, die nicht unbedingt gleich an eine Zuckerkrankheit denken lassen, sodass die Diagnose häufig erst nach Jahren gestellt wird.

Nur selten kommt es durch einen extrem hohen Blutzuckerspiegel zu einem hyperosmolaren Syndrom. Weil dann die Nieren so viel Wasser ausscheiden, dass der Flüssigkeitsverlust durch Trinken nicht mehr ausgeglichen werden kann. Anzeichen dafür sind unstillbarer Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust, Schwäche, Teilnahmslosigkeit, beschleunigter Puls, Bewusstseinstrübung bis zum Koma, Nierenversagen und Krampfanfälle.

Wie erkennt der Arzt Diabetes Typ 2? Diagnose

Ein Typ 2 Diabetes wird oft nur zufällig entdeckt. Etwa, wenn es bereits zu Folgeschäden gekommen ist, die sich bemerkbar machen, sodass Laboruntersuchungen erfolgen. Wie die Messung des Blutzuckers (Glukose-Konzentration im Blut). Bei Gesunden liegt der normale Nüchtern-Blutzucker zwischen 70 und 100 mg/dl Blut, der Blutzuckerwert innerhalb zwei Stunden nach dem Essen unter 200 mg/dl. Im Harn per Teststreifen wiederholt nachgewiesener Zucker lässt fast immer auf einen Diabetes schließen. Aussagekräftig ist auch ein Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranz-Test), bei dem eine definierte Menge an Zuckerlösung geschluckt sowie vorher und danach in bestimmten zeitlichen Intervallen der Blutzucker gemessen wird.

Gewissheit verschafft die Bestimmung des Blutzucker-Langzeitwerts HbA1c. Er gibt Auskunft darüber, wie viel Blutzucker sich dauerhaft an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb) angelagert hat. Damit verrät er, wie es in den letzten zwei bis drei Monaten vor der Messung um die durchschnittliche Zuckerkonzentration im Blut bestellt war. Als “Blutzucker-Langzeitgedächtnis“ eignet er sich somit gut zur Therapieerfolgskontrolle. Der Normwert beträgt vier bis sechs Prozent. Ein HbA1c-Wert über 6,5 Prozent spricht für das Vorliegen einer Zuckerkrankheit.

Steht die Diagnose Diabetes fest, werden der Augenhintergrund, Blutdruck sowie die Nieren- und Blutfettwerte, Nerven und Füße begutachtet, um etwaige Begleiterkrankungen bzw. Folgeschäden frühzeitig zu erkennen, um sie zu behandeln.

Wie sieht die Behandlung bei Typ-2-Diabetes aus?

Anders als der Typ-1-Diabetes ist der Typ2-Diabetes üblicherweise nicht von vorneherein insulinpflichtig. Daher nannte ihn früher auch “nicht-insulinabhängiger Diabetes“. Das ist insofern nicht ganz korrekt, als auch bei ihm Insulin zum Einsatz kommt. Etwa, wenn andere Therapieoptionen nicht zu einer ausreichenden Verbesserung der Blutzuckerwerte führen.

Oberstes Gebot: gesunde Lebensführung

Diabetes Typ 2

Durch Sport, eine ausgewogene Ernährung und abnehmen lässt sich eine Insulinresistenz verringern. Foto: AdobeStock (c) pauchi

Da beim Diabetes Typ 2 vorrangig eine erhöhte Insulinresistenz besteht, die sich durch Abnehmen und vermehrte Bewegung verringern lässt, stehen an erster Stelle seiner Behandlung Veränderungen des Lebensstils in Richtung Normalisierung des Gewichts, ausgewogene Ernährung und mindestens dreimal pro Woche, besser noch täglich mindestens 30 Minuten Sport. Oder besser gesagt, stünden. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Umsetzung dieser Empfehlungen, die zugegeben eine hohe Motivation und Konsequenz erfordern, kaum im nötigen Ausmaß erfolgt. Auch wird die Einnahme von Medikamenten von chronisch Kranken, wozu Diabetiker ja gehören, oft viel eher akzeptiert als Lebensstilmodifikationen.

Schlimm, denn – wie Untersuchungen zeigen – erreicht ein Drittel der Typ-2-Diabetiker bereits durch eine Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Kilogramm normale Nüchternblutzuckerwerte. Also eine Remission (vorübergehendes oder bleibendes Nachlassen von Krankheitszeichen). Je erfolgreicher eine Normalisierung der Blutzuckerwerte gelingt, desto eher lassen sich unliebsame, teils unumkehrbare gesundheitliche Folgen der Zuckerkrankheit verhindern. Der Blutzuckerspiegel sollte daher vor einer Mahlzeit unter 120 mg/dl, danach unter 200 mg/dl liegen. Seine regelmäßige Kontrolle durch den Diabetiker selbst unterstützt nachweislich, dass dieser die geforderten Lebensstilmodifikationen nachhaltiger befolgt.

Die Basistherapie eines Typ-2-Diabetes besteht somit in

  • einer Diabetikerschulung
  • Blutzuckermessungen, nüchtern und nach Mahlzeiten
  • einer Ernährungsberatung und -therapie
  • diabetesgerechter Kost
  • einer Einschränkung des Alkoholkonsums, wenn erforderlich
  • regelmäßiger Bewegung
  • einer Tabakentwöhnung bei Rauchern

Sie zielt auf das Erreichen eines HbA1c-Wertes von höchstens sieben Prozent ab.

Abgesehen davon sind normale Blutdruckwerte erstrebenswert, denn ein Bluthochdruck schadet – ebenso wie die Zuckerkrankheit – vor allem den Augen, Nieren und Blutgefäßen. Auch er hat viel mit dem Lebensstil zu tun und ist daher oft mit Diabetes vergesellschaftet. Deshalb helfen gegen arterielle Hypertonie ähnliche Änderungen bei den Lebensgewohnheiten. Andernfalls sind blutdrucksenkende Arzneien angebracht.

Medikamentöse Therapie von Diabetes Typ 2

An und für sich wäre eine Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten erst nach Ausschöpfung aller notwendigen Lebensstiländerungen angesagt. Doch zeigen Studien, dass manche Antidiabetika bei frühzeitiger Einnahme die Entwicklung bzw. das Fortschreiten von Diabetes Typ 2 verzögern können. Wie etwa Metformin, das die Insulinresistenz vermindert.

Jedenfalls erfolgt, wenn mit der Lebensstilmodifikation allein nach drei bis sechs Monaten nicht der angepeilte HbA1c-Wert erreicht wird, eine medikamentöse Behandlung des Typ-2-Diabetes mit einem oralen Antidiabetikum. In der Regel mit dem Biguanid Metformin, dessen Funktionsmechanismus nicht vollständig geklärt ist. Wenn sich die Anwendung dieser Substanz verbietet, etwa aufgrund einer Unverträglichkeit oder eingeschränkten Nierenfunktion, kommen andere orale Antidiabetika zum Einsatz.

Die Auswahl des bzw. der Präparate sollte ein Spezialist, d.h. Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt auf Stoffwechselerkrankungen unter Berücksichtigung allfälliger anderer Erkrankungen und Medikationen sowie Lebensumstände des Diabetikers treffen.

Orale Antidiabetika

Zur Verfügung stehen mehrere Substanzgruppen:

Acarbose ist ein spezieller Zucker, der die Glukoseaufnahme aus dem Darm nach dem Essen durch Hemmung eines Enzyms vermindert, jedoch Blähungen verursacht und in seiner Wirksamkeit anderen oralen Antidiabetika hinterherhinkt.

Glinide steigern die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse. Doch besteht die Gefahr von Unterzuckerungen bei zu wenig Nahrungszufuhr oder zu viel Bewegung.

Sulfonylharnstoffe wirken wie Glinide, jedoch über andere Mechanismen, und bergen ähnliche Risiken.

Glitazone werden auch Insulin-Sensitizer genannt, weil sie bei den Leber-, Muskel- und Fettzellen die Empfindlichkeit für Insulin steigern. Doch können sie das Risiko für Knochenbrüche erhöhen, zu einer Gewichtszunahme und Beinödemen führen, kommen daher bei Herzschwäche nicht infrage.

Gliflozine alias SGLT-2-Inhibitoren hemmen die Wiederaufnahme von Glukose in den Nieren und fördern so die Zuckerausscheidung über den Harn. Den Vorteilen Gewichtsabnahme und Blutdrucksenkung stehen Nachteile wie – vor allem bei Frauen – gehäufte Pilzinfektionen im Intimbereich und Harnwegsinfekte gegenüber. Ihre Anwendung verbietet sich bei eingeschränkter Nierenfunktion und Herzschwäche unter Entwässerungstherapie.

Gliptine, d.h. DPP-IV-Inhibitoren erhöhen die die Ausschüttung von Insulin bei Nahrungsaufnahme und hemmen die Zuckerproduktion in der Leber sowie den Abbau von im Darm produzierten Hormonen wie Glucagon-like-peptide 1 (Glucagon-like Peptid 1).

Darmhormone beeinflussen auch GLP-1-Rezeptor-Agonisten alias Inkretinmimetika. Sie ahmen die Wirkung von GLP-1 nach, kurbeln somit die Insulinausschüttung an, bremsen die Glukagonfreisetzung und drosseln die Zuckerproduktion in der Leber. Doch müssen sie ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden und können vorübergehend Übelkeit und Erbrechen auslösen. Aber sie führen zu einer Senkung von Gewicht, Blutdruck und Blutfetten sowie Risikominderung für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes

Diabetes Typ 2

Durch einen Insulin Pen kann auch bei Diabetes Typ 2 Insulin schmerzfrei verabreicht werden. Foto: AdobeStock (c)-Orawan

Bewegt sich der Blutzucker trotz medikamentöser Behandlung nicht in Richtung Normalität, d.h. liegt das HbA1c trotz Kombination oraler Antidiabetika über sieben Prozent, kann eine Insulintherapie notwendig werden. Davor haben viele Diabetiker Angst und werden daher zu spät mit Insulin behandelt. Das müssten sie nicht, denn heutzutage erfolgt die Injektion von Insulin mittels Stechhilfen, füllfederartigen Pens, also schmerzlos.

Eine Insulintherapie erfordert allerdings auch häufigere Kontrollen des Blutzuckerspiegels mithilfe eines Blutzuckermessgerätes. Sie kann mit der Einnahme oraler Antidiabetika kombiniert werden. Die Wahl der Insulinpräparate und Art der Insulintherapie richtet der Arzt nach den Bedürfnissen, Lebensumständen und eventuellen Begleiterkrankungen des jeweiligen Diabetikers.

Zur Verfügung stehen

  • kurzwirksames Insulin, das meist vor dem Essen gespritzt wird, um den Blutzuckeranstieg nach der Nahrungsaufnahme zu beeinflussen.
  • langwirksames Insulin(Basisinsulin), das ein- bis zweimal täglich verabreicht wird, um die stetige, nahrungsunabhängige Insulinausschüttung zu ersetzen.
  • Mischinsulineaus kurz- bzw. langwirksamem Insulin.

Was lernt man in einer Diabetikerschulung?

Voraussetzung für eine gelungene Umsetzung der Lebensstiländerungen und medikamentösen Therapien, also einen praxisbezogenen Umgang mit der Erkrankung, ist eine entsprechende Schulung des Diabetikers. Außerdem seine Bereitschaft, seine Blutzuckerwerte zu messen, um seine Behandlung im Alltag zu steuern.

Im Mittelpunkt einer solchen Schulung steht die bestmögliche Einstellung des Blutzuckerspiegels. Somit die Handhabung der Blutzuckermessung sowie gegebenenfalls der Insulintherapie. Die Teilnehmer lernen, den Kohlenhydratgehalt ihrer Mahlzeiten abzuschätzen, bei Bedarf auch die dazu benötigte Insulinmenge zu berechnen. Das dazu verwendete Maß sind sogenannte Broteinheiten, wobei eine Broteinheit (BE) 12 Gramm Kohlenhydraten entspricht. Also einer dünnen Scheibe Weißbrot, woher auch die Bezeichnung „Broteinheit“ kommt. Oder man verwendet Kohlenhydrateinheiten (KE). Eine KE entspricht 10 Gramm Kohlenhydraten. Eine Broteinheit bzw. Kohlenhydrateinheit erhöht, abhängig von der Art der Kohlenhydrate (schnell oder langsam wirkende), Zusammensetzung der Mahlzeit, dem Körpergewicht, Stoffwechsel und Aktivitäten des Diabetikers, den Blutzuckerspiegel um 30 bis 40 mg/dl. Sie erfordert 0,5 bis zwei Einheiten schnell wirksames Insulin.

Auch die Vermittlung von Kenntnissen über eventuelle Folgeschäden der Krankheit ist Thema der Diabetikerschulung.

Bei Kindern sollten sich beide Elternteile, besser noch möglichst viele ihrer Betreuungspersonen, das nötige Wissen für den Umgang für den Alltag mit Diabetes aneignen.

Sinnvoll ist auch, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Dort findet man Unterstützung in vielen praktischen Belangen durch Leidensgenossen.

Ernährung bei Diabetes Typ 2

Diabetes Typ 2

Zur Vorbeugung von Diabetes Typ 2 ist eine ausgewogenen vitaminreiche Ernährung von Vorteil. Foto: AdobeStock (c) anastasiafotoss

Eine an tierischen Fetten und rasch resorbierbaren Kohlenhydraten arme Ernährung empfiehlt sich nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Vorbeugung eines Typ-2-Diabetes. Empfohlen wird eine abwechslungsreiche Mischkost. Sie sollte vorzugsweise bestehen aus

  • frischem Obst und Gemüse als Quelle für Vitamine
  • Vollkornprodukten, die Ballaststoffe liefern
  • Meeresfischen wie Lachs oder Thunfisch
  • pflanzlichen Ölen wie z.B. Olivenöl
  • nur wenig tierischen Produkten wie Fleisch oder Wurst

und angepasst an den persönlichen Kalorienbedarf sein. Zudem ist genug Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig. Am besten zuckerfreie Getränke wie Wasser oder Kräutertees.

Möglichst zu vermeiden oder wenigstens zu reduzieren sind “Zuckerfallen“ wie Limonaden, fertige Eistees, Fruchtsäfte, Smoothies, Fruchtjoghurts, (Salat)Saucen, Sekt, Wein, zuckerreiche Obstsorten wie Bananen, Weintrauben oder Ananas, Dosenobst oder Honig.

Wie unterscheiden sich Typ 1 und Typ 2 Diabetes?

Schon allein die Ursachen sind verschieden: Der Typ 1 beruht auf einem absoluten Insulinmangel, weil die Bauchspeicheldrüse nicht imstande ist, das Hormon zu produzieren. Beim Typ 2 wird zwar – zumindest anfangs – genügend Insulin erzeugt, doch reagieren die Körperzellen nicht adäquat darauf, sodass das Insulin seiner Aufgabe, Glukose in die Zellen zu schleusen, nicht richtig nachkommen kann. Insulinresistenz nennt man diese verminderte Empfindlichkeit der Zellen gegenüber dem Insulin. Sie führt zu einem relativen Insulinmangel.

Häufigkeit und Verlauf

Typ-1- und Typ-2-Diabetes unterscheiden sich zudem in ihrer Häufigkeit, dem bevorzugten Alter ihres Auftretens, der Vererblichkeit und der Geschwindigkeit ihres Verlaufs. So leiden etwa viel öfter Menschen unter einem Typ 2 Diabetes als an einem Typ 1. Beide können prinzipiell in jedem Alter vorkommen. Doch während sich der Typ-1-Diabetes eher in jungen Jahren bemerkbar macht, entsteht ein Typ-2-Diabetes oft erst iön fortgeschrittenem Alter.

Außerdem entwickelt sich der Typ-2-Diabetes meist schleichend über viele Jahre, während die Autoimmunreaktionen, die zum Typ-1-Diabetes führen, oft bedeutend schneller ablaufen. Und der Typ 2 zeigt viel öfter eine familiäre Häufung.

Risikofaktoren und Vorbeugung

Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel spielen eine entscheidende Rolle beim Ausbruch eines Typ 2 Diabetes, beim Typ 1 kaum. Er ist oft bei Normalgewichtigen zu finden.

Starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und erhöhte Infektanfälligkeit zählen zu den klassischen Symptomen beider Diabetesformen. Doch kommen beim Typ 1 Diabetes welche hinzu, die beim Typ 2 in der Regel fehlen: Gewichtsverlust und Azetongeruch des Atems.

Der bedeutendste Unterschied zwischen den beiden Formen von Zuckerkrankheit liegt jedoch in ihren Auswirkungen auf den Alltag der daran Erkrankten. Während der Typ-1-Diabetes immer das lebenslange Spritzen von Insulin erfordert und es nach bisherigem Kenntnisstand nicht möglich ist, ihm vorzubeugen, ist das bei Typ-2-Diabetes anders.

Da beim Typ 2 die Bauchspeicheldrüse in der Lage ist, Insulin auszuschütten und Lebensstilfaktoren wie ungesunde Kost und Bewegungsarmut zu seinem Ausbruch beitragen, kann man einen Diabetes Typ 2 durch Änderung gesundheitsschädlicher Gewohnheiten beeinflussen oder ihm sogar vorbeugen. Das bedeutet: Gesunde Ernährung, regelmäßig Sport sowie eine Gewichtsreduktion bei Fettleibigkeit können genügen, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen bzw. sie zu verhindern. Wenn nicht, sind orale Antidiabetika, also Tabletten, die den Blutzuckerspiegel anders als Insulin beeinflussen, oft eine Therapiemöglichkeit. Erst wenn auch sie nicht fruchten, kommt Insulin ins Spiel.

Diabetes Typ 2: Spätfolgen und Vorbeugung

Da der Typ 2 Diabetes meist schleichend beginnt und wenig charakteristische Symptome zeigt, wird er oft erst so spät erkannt, dass er bereits Spätfolgen hat.

Beim unzureichend behandelten, d.h. schlecht eingestellten Typ 2 Diabetes schädigt der zu hohe Blutzuckerspiegel auf längere Sicht vor allem die Blutgefäße (diabetische Angiopathie). Einerseits die kleinen. Das nennt man Mikroangiopathie. Andererseits auch die großen. Das bezeichnet man als Makroangiopathie. Zu viel Blutzucker alias Hyperglykämie beeinträchtigt auf die Art besonders die Netzhaut der Augen (diabetische Retinopathie mit Erblindungsrisiko), Nieren (diabetische Nephropathie mit Gefahr des Nierenversagens) und Füße. Die Makroangiopathie begünstigt zudem das Eintreten kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch die sogenannte vaskuläre (gefäßbedingt) Demenz soll mit Diabetes in Zusammenhang stehen.

Abgesehen davon kann die Zuckerkrankheit eine diabetische Neuropathie, Störungen der peripheren Nerven mit z.B. herabgesetztem Tast- und Temperaturempfinden oder Taubheitsgefühlen, hervorrufen. In der Folge werden Druckstellen und kleine Verletzungen nicht bemerkt, sodass sich daraus Wunden entwickeln, die noch dazu wegen der verminderten Durchblutung oft nur schlecht heilen. Oft an den Füßen (“diabetischer Fuß“). Therapeutisch nicht beherrschbare Verletzungen können bis zur Amputation von Zehen, Füßen oder mehr führen.

All diese Komplikationen können jedoch bei entsprechender Behandlung und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen bzw. Vorsorgeuntersuchungen weitgehend vermeidbar. Denn das Auftreten von Folgeerkrankungen hängt von der Stoffwechseleinstellung ab. Je besser sie ist, desto später und seltener kommt es zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden.

Was schützt vor Diabetes Typ 2?

Diabetes Typ 2

Ein hoher Vitamin-D-Spiegel halbiert das Risiko für Diabetes Typ 2. Foto: AdobeStock (c) irissca

Vor allem Normalgewicht und regelmäßige Bewegung sind wirksame Maßnahmen, die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes hintanzuhalten. Sinnvoll sind auch Blutzuckerkontrollen. Ab dem 45. Lebensjahr, bei erhöhter Gefährdung – etwa durch familiäre Diabetesfälle, Übergewicht, Schwangerschaftsdiabetes usw. – auch schon früher.

Ein hoher Vitamin-D-Spiegel halbiert das Diabetesrisiko, zeigt eine Reihe von Studien.

Auch reduziert sich das Diabetesrisiko für Frauen sich mit jedem Jahr an Stillzeit um etwa 15 Prozent. Ein Effekt, der nach dem Abstillen noch einige Jahre anhält.

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