Blasenentzündung: Symptome, Hausmittel, Behandlung

Blasenentzündung Symptome und Behandlung: Eine Frau mit schmerzhafter Blasenentzündung sitzt auf ihrem Bett.

An Schmerzen, ständigem Harndrang und Blut im Urin kannst du eine Blasenentzündung erkennen. Foto: Adobe Stock, (c) jomkwan7

Es zieht und brennt in der Blasenregion. Ständiger Harndrang lässt die Toilette zum dauerhaften Aufenthaltsort werden. Das kennen vor allem Frauen. Denn hauptsächlich sie sind es, die sich – bedingt durch ihre kurze Harnröhre – eine bakterielle Blasenentzündung einfangen.  Manchmal genügen Hausmittel zur Therapie. In anderen Fällen müssen es Antibiotika sein. Was gegen einen solchen Harnwegsinfekt wirklich hilft und wie man ihm am besten vorbeugt? Das verraten wir hier.

Was ist eine Blasenentzündung?

Der Begriff Harnwegsinfekt kennzeichnet eine Entzündung der Schleimhäute, die die ableitenden Harnwege (Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre) auskleiden. Meistens handelt es sich dabei um die unteren Harnwege. Also um eine Zystitis (Blasenentzündung) oder Urethritis (Harnröhrenentzündung). Seltener kommt es zu einer oberen Harnwegsinfektion, d. h. Harnleiterentzündung (Ureteritis) oder Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Meist beschränkt sich eine Blasenentzündung auf die Blasenschleimhaut (“Urozystitis“). Daher stammt auch die Bezeichnung Blasenkatarrh (griech.: Katarrh = Schleimhautentzündung).

Sie kann sich aber auch auf die gesamte Wand der Harnblase erstrecken (“Panzystitis“). Das kann eine Organschädigung zur Folge haben, bei der Blasengewebe absterben (Nekrose) und verkalken bzw. verhärten kann. Das führt zu einer Verkleinerung der Harnblase (Schrumpfblase), die schlimmstenfalls eine Blasenentfernung und künstliche Harnableitung notwendig machen kann.

Wie entsteht eine Blasenentzündung?

Am häufigsten lösen Bakterien Harnwegsinfekte aus. Und zwar vorwiegend solche, die ein natürlicher Bestandteil der Darmflora sind (v.a. Escherichia coli, manchmal Enterokokken) und vom Darm in die an sich keimfreien Harnwege gelangen. Ebenso andere Bazillen wie z.B. Proteus mirabilis, Staphylokokken, Streptokokken oder Klebsiellen. Bei Frauen auch solche aus der Scheide. Im Harntrakt vermehren sie sich und verursachen entzündliche Veränderungen. Ebenso können, wenn auch seltener, Harnwegsinfekte hervorrufen

  • Pilze, z. B. Candida albicans: v. a. bei Immungeschwächten oder nach Einnahme bestimmter Antibiotika
  • Viren, z. B. Adeno- oder Polyoma-Viren, die zu einer hämorrhagischen (mit Blutungen einhergehenden) Zystitis führen
  • Parasiten, z. B. Schistosoma, d. h. Saugwürmer, die die Tropenkrankheit Bilharziose verursachen und eine chronische granulomatöse (knötchenartige) Blasenentzündung hinterlassen

Nun kennen die Harnwege einen “Trick“, sich vor dem Eindringen von Krankheitserregern zu schützen: das Wasserlassen. Dabei spült der Harn eventuelle Keime aus und erschwert so, dass sie sich in der Blase festsetzen. Bei Frauen unterstützt vom sauren Scheidenmilieu, das wie eine Barriere gegen krankmachende Mikroorganismen wirkt. Doch unüberwindlich sind diese Hürden nicht.

Ist eine Blasenentzündung ansteckend?

Wird eine Zystitis durch Keime verursacht, ist sie ansteckend, auch wenn das Risiko gering ist. Die Krankheitserreger werden per Schmierinfektion übertragen. Etwa über damit verunreinigte Oberflächen wie Türkliniken, Wasserhähne oder andere Gegenstände. Von dort gelangen sie auf die Hände, die sie – bei mangelhafter Händehygiene – in die Intimregion verschleppen. Oder sie werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Am größten ist die Ansteckungsgefahr auf gemeinschaftlich genutzten Toiletten. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen, die Benützung von Kondomen und eine angemessene Intimhygiene minimieren das Infektionsrisiko.

Honeymoon-Zystis und interstitielle Zystitis

Eine Sonderform von Blasenentzündung ist die sogenannte Honeymoon-Zystitis (Flitterwochen-Zystitis). Diese Begleiterscheinung intensiver sexueller Aktivität befällt fast ausschließlich Frauen. Vermutlich ebnet die mechanische Reizung der Schleimhäute im Genitalbereich Bakterien den Weg in den Harntrakt. Bei hohem Leidensdruck infolge einer Honeymoon-Zystitis kann eine medikamentöse Prophylaxe ins Auge gefasst werden. Das bedeutet die vorbeugende Einnahme von Antibiotika vor geschlechtlichen Aktivitäten. Oder danach (postkoitale Prophylaxe).

Eine Frau mit Blasenentzündung hält sich den Bauch vor Schmerzen.

Aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre trifft die Blasenentzündung v. a. Frauen. Foto: Adobe Stock, (c) Goffkein

Eine weitere Sonderform ist die interstitielle Zystitis. Die Ursachen für diese äußerst schmerzhafte chronische Harnblasenentzündung, die überwiegend Frauen heimsucht, sind weitgehend unbekannt.  Deshalb gestaltet sich ihre Behandlung (Schmerzmittel-, Antidepressivagabe, in die Blase eingefüllte Mittel wie Hyaluronsäure oder Chondroitinsulfat, Blasendehnung) unter Umständen schwierig und langwierig. Bleibt sie erfolglos, kann sich eine Schrumpfblase entwickeln, die schlimmstenfalls eine operative Entfernung der Harnblase notwendig macht.

Blasenentzündung Ursachen

Gefördert wird eine Infektion im Harntrakt durch Faktoren wie

  • eine Unterkühlung (z. B. nasse Badekleidung, kalte Füße, “Kaltfuß-Zystitis“)
  • eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr, denn dann wird der Urin in der Blase konzentriert. Die Anzahl der darin enthaltenen Bazillen erhöht sich.
  • eine geschwächte Immunabwehr
  • allergische Reaktionen auf Hygieneprodukte
  • sexuell übertragbare Krankheiten (z. B. Chlamydien)
  • psychische Einflüsse

Außerdem können verschiedene Umstände den für die Spülung der Harnwege so wichtigen Harnfluss behindern. Bei Männern in reiferem Alter ist das häufig eine Prostata-Hyperplasie (Vergrößerung der Vorsteherdrüse). Sie zieht eine schlechtere Blasenentleerung nach sich. Restharn verbleibt in der Blase. Dieser bildet einen idealen Nährboden für Keime, die eine Harnwegsinfektion auslösen können. Ähnlich wirken Blockaden, die zu einem Harnstau und einer Einengung der Harnwege bzw. einem Rückfluss von Urin aus der Blase in die Harnleiter (vesiko-ureteraler Reflux) führen wie

  • Fehlbildungen der Harnwege
  • Verengungen der Harnröhre
  • Fremdkörper in der Harnröhre
  • Harnsteine
  • Tumore der Harnblase und -röhre
  • die Anwendung medizinischer Instrumente im Blasenbereich (z. B. Harnkatheter)
  • eine Gebärmuttersenkung

Blasenfunktionsstörungen mit Behinderung der Blasenentleerung entstehen auch, wenn es mit der Koordination der beiden Blasenmuskeln Detrusor (“Harnaustreiber“) und Sphinkter (Schließmuskel) nicht stimmt. Wie es bei manchen Nervenleiden (z. B. Querschnittslähmung) der Fall ist. Ferner gibt es Grunderkrankungen (z. B. Immunschwäche, Diabetes), die die Entstehung von Blasenentzündungen fördern. Sie und Harnflussblockaden führen zu sogenannten komplizierten Harnwegsinfektionen. Auch Krebsbehandlungen (Chemo-, Strahlentherapie) oder eine medikamentöse Immunsuppression können eine Blasenentzündung auslösen.

Warum meist Frauen Blasenentzündungen bekommen

Die Anatomie ist “schuld“ daran, dass Frauen viel öfter Blasenentzündungen bekommen als Männer. Denn einerseits ist ihre Harnröhre bedeutend kürzer (~2 ½ bis 4 cm) als die des starken Geschlechts (~20 bis 25 cm). Andererseits liegt ihre Harnröhrenmündung näher am Enddarm. So haben die Darmbakterien leichtes Spiel, die Harnröhre zu bevölkern und in die Harnblase aufzusteigen.

Auch gibt es eine Reihe von Faktoren, die die Vaginalflora (in der Scheide natürlicherweise vorkommende Bakterien) nachteilig verändern. Dadurch beeinträchtigen sie die oben beschriebene Schutzfunktion der Scheide. Dazu zählen etwa

  • eine übertriebene bzw. falsche Intimhygiene, etwa mit stark parfümierten oder desinfizierenden Substanzen
  • eine unvorteilhafte Analhygiene
  • der Hormonhaushalt. So führt etwa der sinkende Östrogenspiegel in den Wechseljahren zu einem vermehrten Auftreten von Harnwegsinfekten. Oder die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft.
  • häufiger geschlechtlicher Kontakt bzw. eine hohe Anzahl von Intimpartnern
  • bestehende Scheidenentzündungen (z. B. durch einen Pilzbefall

Blasenentzündung beim Mann und bei Kindern

Bei Männern ist eine Blasenentzündung in der Regel ein Hinweis für ein anderes Gesundheitsproblem. Deshalb sollten Männer mit einem Harnwegsinfekt in jedem Fall ärztlich untersucht und behandelt werden. Senioren nehmen oft nicht genug Flüssigkeit zu sich und entleeren auch nicht regelmäßig ihre Blase. Das begünstigt die Entstehung von Entzündungen durch den in der Blase verbleibenden Urin.

Bei Kleinkindern können Windeln Blasenentzündungen auslösen, wenn durch sie nach einem Stuhlgang Darmbakterien in den Schambereich gelangen. Doch können die Symptome andere sein als bei Erwachsenen. Häufig haben die Kinder lediglich Fieber und fühlen sich krank. Oder nässen ein. Einem kindlichen fieberhaften Harnwegsinfekt kann ein Harnreflux zugrunde liegen. Das zwischen Blase und Harnleiter “pendelnde“ Harnvolumen bietet Keimen einen idealen Nährboden für ihre Vermehrung.

Blasenentzündung Symptome: Schmerzen, Harndrang, Blut im Urin

Stellt sich eine akute Blasenentzündung ein, geht es im Dauerlauf ab zur Toilette. Schuld daran ist ein ständiger Harndrang. Was dann beim häufigen Wasserlassen ausgeschieden wird, sind jedoch nur kleine Harnmengen (Pollakisurie). Und das per schwächerem Harnstrahl als gewohnt. Das erschwerte Urinieren (Dysurie) ist oft mit einem Brennen beim Wasserlassen (Algurie) sowie Schmerzen im Unterbauch verbunden. Die Schmerzen entstehen, weil sich die Harnblase beim Wasserlassen krampfartig zusammenzieht. Manchmal stellt sich zudem ein ungewollter Harnverlust ein.

Je nach Auslöser der Blasenentzündung kann die Harnröhre auch einen auffällig riechenden oder eitrigen Ausfluss absondern. Gelegentlich finden sich zudem Blutbeimengungen im Urin. Oder er ist trüb statt klar.

Entzündungen der unteren Harnwege gehen bei Erwachsenen eher selten mit Fieber einher. Tun sie das doch oder kommen Schmerzen im Nierenbereich und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu, ist das ein Hinweis, dass sie sich in Richtung Niere ausgebreitet haben. Also eine Nierenbecken- oder gar Nierenentzündung im Gange ist. Dann ist auf jeden Fall der Gang zum Doktor angesagt. Sonst droht ein bleibender Nierenschaden. Oder – in Ausnahmefällen – sogar eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Urosepsis). Für die sprechen Symptome wie sehr hohes Fieber, Schüttelfrost und Herzrasen. Eine Sepsis bedarf einer sofortigen Versorgung im Spital.

Blasenentzündung: Wann zum Arzt?

Es ist ratsam, Kontakt mit einem Arzt aufzunehmen, wenn

  • es zu starken Schmerzen oder einem Ziehen und Krämpfen im Unterbauch kommt.
  • länger als einen Tag andauerndes Brennen beim Wasserlassen auftritt.
  • Erbrechen eintritt.
  • sich Blut im Harn bemerkbar macht.
  • die Symptome länger als drei Tage bestehen bleiben oder sich gar verschlimmern.

Und auf jeden Fall, wenn Schwangere oder Kinder von Harnwegsinfekten betroffen sind. Um Komplikationen (z.B. Aufsteigen des Infekts in Richtung Nieren, Schädigung des Ungeborenen) zu vermeiden.

Blasenentzündung in der Schwangerschaft

Eine asymptomatische Bakteriurie (Bakterien im Urin, ohne Verursachung von Symptomen) kommt bei recht vielen Schwangeren vor. Doch kann bei werdenden Müttern selbst eine an sich harmlose Blasenentzündung schon zum Problem werden. Denn die Keime sind imstande, von der Blase unbemerkt bis zu den Nieren hochzuwandern und eine Nierenbeckenentzündung hervorzurufen. Diese kann schwere Schwangerschaftskomplikationen nach sich ziehen. Dazu zählen beispielsweise Frühgeburten und eine erhöhte Säuglingssterblichkeit.

Eine schwangere Frau hat eine Blasenentzündung

Gefährlich kann die Blasenentzündung in der Schwangerschaft sein. Foto: Adobe Stock, (c) David Pereiras

Leider ist das Risiko, einen Harnwegsinfekt zu erwerben, gerade in der Schwangerschaft erhöht. Denn dabei vergrößert sich die Gebärmutter und übt starken Druck auf die Harnwege aus. Das behindert den Harnfluss sodass der Urin wesentlich langsamer abfließt. Krankheitserreger haben also gegebenenfalls genug Zeit, um sich in den Harnleitern anzusiedeln. Außerdem steigt der Spiegel des Schwangerschaftshormons Progesteron. Dieses verändert die Eigenschaften der ableitenden Harnwege in Richtung “Entspannung“. Die darauffolgende Erschlaffung der Harnleiter verstärkt den Effekt der vergrößerten Gebärmutter.

Zudem ist die Zusammensetzung des Urins in dieser Zeit eine andere. Das heißt, sein Gehalt an Zuckern, Eiweißstoffen und der pH-Wert ändert sich dahingehend, dass sich Bakterien (meist E. coli, manchmal Enterkokken oder Streptokokken) besser vermehren können. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Infektion.

Wie kann man eine Blasenentzündung erkennen?

Die Anamnese (Erhebung der Krankheitsgeschichte) führt den Arzt in vielen Fällen bereits anhand der geschilderten Beschwerden zur richtigen Diagnose. Zur Bestätigung führt der Arzt eine Harnuntersuchung mit speziellen Teststreifen durch. Allerdings bedeutet ein negatives Ergebnis nicht zwangsläufig, dass kein Harnwegsinfekt vorliegt. Ausbleibende Verfärbungen der Felder des Teststreifens bzw. ein fehlender Nachweis von Leukozyten (= Entzündungszeichen) oder Nitrit, das von manchen Bakterien aus Nitrat gebildet wird, schließt also eine Blasenentzündung nicht aus.

Zuverlässiger als ein Teststreifen erweist sich eine Analyse des morgendlichen sogenannten Mittelstrahlharns im Labor. Hierzu landet beim ersten Wasserlassen des Tages die erste Portion des Harnstrahls im WC. Um die Harnröhre auszuspülen und das Untersuchungsergebnis nicht durch in der Nähe des Scheidenausgangs bzw. an der Harnröhrenmündung befindliche Bakterien zu verfälschen. Erst der darauffolgende Urin wird in einem sterilen Behälter gesammelt. Übersteigt dessen Gehalt an Keimen eine gewisse Grenze, spricht das für einen bakteriell bedingten Harnwegsinfekt. Die Übeltäter lassen sich dann gleich auch in einer Urinkultur (auf einem Nährmedium angezüchtete, im Harn befindliche Bakterien) bestimmen. Inklusive, welche Antibiotika gegen sie wirken (Antibiogramm).

Bei rezidivierenden oder wiederkehrenden Harnwegsinfekten wird die Prozedur mit dem morgendlichen Mittelstrahlurin an einem anderen Tag wiederholt.

Auch so lässt sich die Blasenentzündung erkennen

Im Bedarfsfall, z. B. zwecks Aufdeckung eingetretener Komplikationen, kann der Arzt weitere Untersuchungen veranlassen wie

  • Bluttests
  • ein Ultraschall, etwa zur Abgrenzung einer unteren Harnwegsinfektion von einer Nierenbeckenentzündung. Oder zur Restharnbestimmung nach möglichst vollständiger Blasenentleerung
  • eine Urographie (Röntgenaufnahmen der Harnwege nach intravenös gespritztem Kontrastmittel) oder Miktionszystographie (Kontrastmittel wird durch die Harnröhre in die Blase gespritzt. Die darauffolgende Serie von Röntgenbildern dokumentiert die Art der Blasenentleerung)
  • eine Blasenspiegelung (Zystoskopie), etwa bei Verdacht auf Entzündungen oder Tumore bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten
  • eine Uroflowmetrie (Harnflussmessung)
  • die Entnahme von Abstrichen aus der Harnröhre, Scheide oder vom Gebärmutterhals zur anschließenden mikroskopischen Identifizierung von Krankheitserregern. Etwa solchen, die sexuell übertragbare Erkrankungen (z. B. Gonorrhoe, Trichomoniasis, Chlamydien, Mykoplasmen) auslösen
Vor allem bei einer chronischen Blasenentzündung (≥ 2 Blasenentzündungen in 6 Monaten bzw. ≥ 3 pro Jahr) sollte eine gründliche urologische Untersuchung stattfinden. Um die Erreger genau zu bestimmen und eventuelle komplizierende Faktoren zu identifizieren.

Blasenentzündung Behandlung: Antibiotika

Eine unkomplizierte bakterielle Entzündung der unteren Harnwege heilt in der Regel bei rechtzeitiger Behandlung mit Antibiotika binnen weniger Tage folgenlos aus. Doch besitzt sie eine gewisse Neigung wiederzukehren. Und kann unter Umständen auch chronisch werden.

Die Antibiotika, deren Gabe eigentlich nicht in jedem Fall notwendig wäre, sollen vor allem ein Aufsteigen des Infekts ins Nierenbecken verhindern. Hier würde häufig schon eine einmalige Dosis reichen, um die Keime abzutöten. Doch erstreckt sich die Antibiotikaeinnahme meist über einige Tage, um die Beseitigung der Krankheitserreger zuverlässig zu gewährleisten. Bei ausbleibendem Erfolg, erkennbar an dem Fortbestand der Beschwerden, muss nochmals eine Harnprobe im Labor untersucht werden. Um ein anderes, passenderes, d. h. wirksames Antibiotikum zu finden.

Eine Frau nimmt Antibiotika gegen ihre Blasenentzündung

Antibiotika wirken schnell, sind aber nicht bei jeder Blasenentzündung nötig. Foto: Adobe Stock, (c)

Bei fachgerechter Therapie, d. h. genügend langer Antibiotikagabe, hinterlassen selbst chronische, rezidivierende oder gar komplizierte Harnwegsinfekte mit Nierenbeteiligung meist keine bleibenden Schäden. Ein verfrühtes Absetzen der Antibiotika hingegen birgt Risiken: Die Entzündung kann wieder aufflammen. Die Erreger können außerdem gegen das Antibiotikum eine Resistenz entwickeln und unwirksam werden. Wobei sich die Antibiotikagabe bei einer chronischen Blasenentzündung über Monate erstrecken kann.

Vor einer Dauertherapie mit Antibiotika zwecks Vorbeugung einer wiederkehrenden Blasenentzündung kann ein Versuch mit einem sogenannten Immunstimulans unternommen werden. Beispielsweise mit Teilen des Bakteriums Escherichia coli oder einer Mischung abgetöteter Bakterien. Die Wirkung dieser “Impfung gegen Blasenentzündungen“ soll jedoch nur einige Wochen anhalten.

Medikamente oder Cranberrysaft bei Blasenentzündung?

Zur Linderung der Schmerzen oder Entspannung der Krämpfe dienen entsprechende Schmerzmittel. In leichteren Fällen genügt hierzu eine mit heißem Wasser befüllte Wärmflasche oder ein in der Mikrowelle oder im Backofen erwärmtes Wärmekissen (z. B. mit Kirschkernfüllung). Nicht direkt auf die Haut sondern auf ein Tuch gelegt, sodass es nicht zu Verbrennungen kommt.

Ausreichendes Trinken (etwa zwei Liter täglich) sorgt für eine Durchspülung der Harnwege. Und steht im Ruf – bei regelmäßiger Entleerung der Blase – ein Ausschwemmen von Krankheitserregern zu bewirken. Zudem soll es durch die Harnverdünnung zur Schmerzlinderung bei Harnwegsinfekten beitragen. Leider verringert sich damit aber auch die Konzentration von Abwehrstoffen, die in den Urin ausgeschieden werden. Wie die der Tamm-Horsfall-Proteine. Diese Eiweißstoffe aktivieren unter anderem bestimmte Abwehrzellen und binden zudem gewisse Stämme von E. coli-Bakterien.

Cranberrysaft gegen Blasenentzündung: Eine Schale voll mit Cranberrys auf einem Tisch.

Ob Cranberrysaft bei einer Blasenentzündung hilft, ist nicht wissenschaftlich belegt. Foto: Adobe Stock, (c) Brent Hofacker

Bei akuten Blasenentzündungen sollten sexuelle Aktivitäten besser unterbleiben. Ebenso Aufenthalte in Schwimmbädern, denn dort herrscht eine erhöhte Keimdichte. Ein Warmhalten des Unterleibs durch entsprechende Kleidung, eine Rotlicht-Wärmetherapie oder Sitzbäder wirkt Schmerzen im Unterbauch entgegen.

Viele Frauen schwören bei einer Blasenentzündung auf Cranberrysaft. Ob Cranberrysaft wirklich gegen eine Blasenentzündung hilft, ist allerdings nicht wissenschaftlich belegt. Präparate mit Cranberry (Moosbeere) sind in Apotheken und Drogerien rezeptfrei in Form von Säften, Tabletten oder Pulver erhältlich. Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Liegt einer Blasenentzündung eine andere Ursache als eine Infektion zugrunde, gilt es natürlich, diese möglichst zu beseitigen. So kann etwa eine Prostatavergrößerung oder Fehlbildung, die eine Harnabflussstörung hervorruft, eine Operation notwendig machen. Bildet ein Östrogenmangel, wie er in den Wechseljahren vorkommt, die Ursache einer vermehrten Anfälligkeit für Harnwegsinfekte, kann eine Behandlung mit Östrogenpräparaten (z. B. auf die vordere Scheidenwand aufgetragene östrogenhaltigen Cremes) dem Problem abhelfen.

Hausmittel gegen Blasenentzündung

Bestimmte Arzneipflanzen aus der Apotheke können eine Blasenentzündung entweder allein kurieren oder wenigstens die Antibiotikatherapie unterstützen. Einem sich ankündigenden Harnwegsinfekt begegnet man am besten mit Blasen- und Nierentees, die die Niere zur Harnproduktion anregen. Sie enthalten Extrakte aus Pflanzen mit harntreibenden, antibakteriellen, entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften. Wie etwa

  • Brennnessel, Mädesüß-, Schachtelhalm-, Tausendgülden- oder Goldrutenkraut
  • Bärentrauben-, Birken-, Pfefferminz, Rosmarin- oder Orthosiphonblätter
  • Süßholz-, Hauhechel- oder Liebstöckelwurzeln
  • Hagebuttenschalen, Meerrettich, Kapuzinerkresse oder Wacholderbeeren.

Tee aus Bärentraubenblättern z.B. desinfiziert dank des darin vorkommenden Hydrochinons den Harn und bekämpft so die Bakterien. Wer keinen Tee mag, kann die heilsamen Inhaltsstoffe der Pflanzen auch in Tabletten- oder Tropfenform einnehmen. Kaffee, schwarzer Tee und Zitrusfruchtsäfte hingegen reizen die Blase und sind daher keine empfehlenswerten Getränke.

Darmbakterien tun sich schwer, in saurem Milieu zu wachsen. Das nutzt die Pflanzenheilkunde, indem sie Preiselbeeren bzw. daraus erzeugte Präparate (Tee, Saft, Kapseln) gegen Harnwegsinfekte einsetzt. Denn darin befinden sich einerseits Chinin- und Hippursäure, die den pH-Wert des Urins senken. Ihn also sauer machen. Andererseits Tannine, die die Oberflächenstruktur von Bakterien verändern, sodass sie ihre Fähigkeit, an Schleimhäuten zu haften, einbüßen.

Blasenentzündung vermeiden

Wer nicht immer wieder oder wochenlang Antibiotika einnehmen möchte, kann versuchen, mit folgenden Mitteln Blasenentzündungen vorzubeugen:

  • D-Mannose: Der natürlicherweise in Pflanzen vorkommende, mit der Glukose verwandte Einfachzucker ist als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Er wird – anders als die Glukose – im Organismus nur sehr langsam resorbiert und kaum verstoffwechselt, sondern unverändert mit dem Urin ausgeschieden, wobei er auf dem Weg durch den Harntrakt Bakterien (z. B. Escherichia coli) binden soll, sodass diese nicht an der Blasenwand haften bleiben. Und das angeblich nebenwirkungsfrei. Allerdings beruht hier die Datenlage hinsichtlich Wirksamkeit und unerwünschten Effekten auf wenig verlässlichen Studien. Dennoch wird D-Mannose nicht nur als (Begleit-)Therapie, sondern auch zur Vorbeugung von Blasenentzündungen eingesetzt.
  • Probiotika: Die Lactobazillen “rhamnosus“ und “fermentum“ sollen bei täglicher Einnahme langfristig das Immunsystem gegen Blaseninfekte stärken. Auch in die Scheide eingebrachten probiotischen Zäpfchen wird diesbezüglich ein gewisser Erfolg beschieden, nicht jedoch bei Scheidenpilz. Auch hier ist die Datenlage unsicher.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Zur Kontrolle und Vorbeugung von Harnwegsinfekten, die durch E.coli und andere, meist an der Entstehung von Blasenentzündungen beteiligten, gramnegativen Bakterien verursacht werden, dient z. B. eine Kombination aus Gelatine und Xyloglucan (Hemicellulose), Propolis, Hibiscus sabdariffa, Siliciumdioxid, Magnesiumstearat und Maisstärke.

Vorsicht auf der Toilette

Am wichtigsten ist es, dafür zu sorgen, dass möglichst keine Darmkeime in den Harntrakt gelangen. Deshalb sollten sich Frauen auf der Toilette immer von der Scheide in Richtung After abwischen und niemals in der Gegenrichtung. Besonders nach dem Stuhlgang. Zudem ist es ratsam, dass Frauen auf eine intakte Vaginalflora achten. Indem sie nur milde Pflegeprodukte oder besser lauwarmes Wasser und keine Scheidenspülungen, aggressiven Seifen, Intimlotions oder Intimsprays verwenden. Außerdem keine engen Slips oder Hosen tragen. Und auch auf Slipeinlagen verzichten.

Unterwäsche aus Baumwolle

In puncto Dessous erweisen sich als am geeignetsten bequeme Baumwollslips. Die Unterhosen sollten täglich gewechselt werden. Und am besten auskochbar oder wenigstens bei 60°C waschbar sein, um potenziellen Krankheitserregern den Garaus zu machen. Ist die Unterwäsche nicht kochwäschetauglich, empfiehlt sich die Verwendung eines Anti-Pilz-Waschmittels aus der Apotheke.

Chronische Blasenentzündung: Drei Baumwollslips und eine Baumwollblüte liegen auf einem rosa Untergrund.

Baumwollslips sind bei chronischer Blasenentzündung die bessere Wahl. Foto: Adobe Stock, (c) olgaarkhipenko

Stringtangas sind keine gute Wahl für Frauen mit erhöhter Anfälligkeit für Blasenentzündungen. Sie reizen den Schambereich und können Darmkeime in Richtung Scheide befördern.

Nach dem Sex auf die Toilette

Um eine Honeymoon-Cystitis zu verhindern, empfiehlt es sich, so bald wie möglich nach dem Geschlechtsverkehr die Toilette aufzusuchen, um die Blase ganz zu entleeren. Ein vorgebeugtes Sitzen dabei stört jedoch das Vorhaben. Überhaupt ist eine regelmäßige und komplette Entleerung der Blase anzustreben, um den natürlichen Spüleffekt zu unterstützen. Also bei Harndrang besser gleich auf die Toilette gehen und nicht erst lange zuwarten.

Wichtig ist auch die Wahl der richtigen Verhütungsmittel. Frauen, die zu Harnwegsinfekten neigen, verzichten besser auf spermizide Cremes oder Zäpfchen und mit einem Spermizid beschichtete Kondome. Ebenso auf mechanische Antikontrazeptiva wie einen Vaginalring, eine Spirale oder ein Diaphragma.

Warm anziehen und viel trinken

Warme Bekleidung im Bereich der Lenden, des Unterbauchs und der Beine (Füße!) kann bis zu einem gewissen Grad vor einer Blasenentzündung schützen. Weil sie Unterkühlungen vermeidet. Demselben Zweck dient, nasse Kleidung (z. B. Badeanzug) sofort zu wechseln. Und sich nicht auf kalte Böden oder Sitzflächen zu setzen.

Ausreichendes Trinken von Wasser, stark verdünnten Säften, Früchte- oder Kräutertees unterstützt die Durchspülung der Harnwege. Es verhindert, dass sich Bakterien im Harntrakt ansiedeln und eine Infektion entsteht. Alkohol, Kaffee, schwarzer Tee oder unverdünnte Säfte eignen sich allerdings nicht. Sie können die Blase zusätzlich reizen. Auch stark zuckerhaltige Getränke sind zu meiden. Manchmal macht es zudem Sinn, den Urin anzusäuern, um Harnwegsinfekten vorzubeugen.

Manche Glücklichen bleiben übrigens von Natur aus von bakteriellen Blasenentzündungen so gut wie immer verschont. Das spricht für eine genetische Grundlage. Diesen Menschen fehlen bestimmte Rezeptoren (Andockstellen, “P-Blutgruppenantigene“) in den Schleimhäuten der Harnwege, an denen sonst Bakterien haften.

10 Tipps um die Blasenentzündung zu vermeiden

  1. intakte Vaginalflora: aggressive Wasch- und Pflegemittel vermeiden
  2. auf der Toilette immer von der Scheide in Richtung After abwischen
  3. enge Slips oder Hosen vermeiden
  4. Unterwäsche aus Baumwolle tragen
  5. Unterwäsche bei 60°C waschen
  6. nach dem Geschlechtsverkehr Blase entleeren
  7. passendes Verhütungsmittel wählen
  8. Unterkühlung des Unterbauchs vermeiden
  9. nasse Badekleidung und kalte Oberflächen meiden
  10. ausreichend trinken

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