Typ 1 Diabetes: Ursachen, Erkennung, Behandlung

Typ 1 Diabetes

Typ 1 Diabetes ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Foto: Adobe Stock, (c) Andrey Popov

Beim Typ 1 Diabetes kann die Bauchspeicheldrüse kein Insulin herstellen. Daher müssen Typ-1-Diabetiker das lebenswichtige Hormon zeitlebens spritzen. Ab der Diagnose zählen also Blutzuckermessgerät und Insulin-Pen zu den täglichen Begleitern. Trotzdem ist ein fast normaler Alltag möglich.

Was ist Typ 1 Diabetes?

Zuckerkrankheit kann auf unterschiedliche Arten entstehen. Je nach Ursache unterscheidet man daher im Wesentlichen vier Diabetes-Typen:

  • Typ-1-Diabetes, der durch einen absoluten Insulinmangel zustande kommt.
  • Typ-2-Diabetes, der auf einer Insulinresistenz beruht.
  • Formen der Zuckerkrankheit, die durch Veränderungen des Erbguts, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Infektionen, die Einwirkung von bestimmten Arzneien oder Chemikalien u. a. m. ausgelöst werden.
  • Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Unabhängig von der Ursache handelt es sich bei jedem Diabetes mellitus (lat.: honigsüßer Durchfluss) um eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Vorgänge im Organismus auswirkt. Je nach Art der Zuckerkrankheit kann entweder die Bauchspeicheldrüse kein Insulin produzieren (Typ 1) oder der Körper ist nicht imstande, das Hormon genügend zu nutzen (Typ 2).

Denn das aus der Bauchspeicheldrüse ins Blut abgegebene Insulin schleust normalerweise Glukose (Traubenzucker) in die Zellen, die den Zucker zur Energiegewinnung verwenden. Ohne Insulin können die Zellen die Glukose nicht verwerten und sie verbleibt im Blut. Der dadurch entstehende hohe Blutzuckerspiegel hat viele gesundheitsschädliche Folgen.

Wer bekommt Typ-1-Diabetes?

Der klassische Insulinmangel-Diabetes kann in jedem Lebensalter erstmals in Erscheinung treten, tut das aber meistens schon in der Kindheit oder Jugend, weshalb er auch juveniler Diabetes oder Jugenddiabetes genannt wird.

Doch kommt er auch bei Erwachsenen vor. So weisen etwa rund zehn Prozent der früher als Typ-2-Diabetiker klassifizierten Zuckerkranken für einen Diabetes Typ 1 typische Antikörper auf, zeigen Untersuchungen. In einem solchen Fall spricht man von LADA (latent autoimmune diabetes of the adult = spätes Auftreten eines autoimmunen Diabetes beim Erwachsenen).

Typ 1 Diabetes ist weltweit im Steigen. In Österreich leiden derzeit rund 40.000 Menschen daran.

Ist Typ 1 Diabetes erblich?

Im Gegensatz zum Diabetes Typ 2 zeigt der Diabetes Typ 1 eine deutlich geringere familiäre Häufung. Das Risiko eines Kindes, daran zu erkranken, liegt bei

  • 20 Prozent, wenn beide Eltern Typ-1-Diabetiker sind.
  • rund 5 Prozent, wenn nur der Vater Typ-1-Diabetiker ist.
  • etwa 2,5 Prozent, wenn nur die Mutter Typ-1-Diabetikerin ist.

Ist Typ-1-Diabetes heilbar?

Bislang leider nicht, doch können Zuckerkranke mit Hilfe einer maßgeschneiderten Therapie ein nahezu normales Leben führen.

Kann man Typ 1 Diabetes vorbeugen?

Auch das ist leider nicht möglich. Denn bei seiner Entstehung spielen – anders als beim Typ 2 – Lebensstilfaktoren kaum eine bedeutende Rolle.

Typ 1 Diabetes

Typ 1 Diabetes tritt oft schon im Kindesalter auf. Foto: Adobe Stock, (c) Andrey Popov

Wie entsteht ein Diabetes mellitus Typ 1?

Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das heißt, das Immunsystem bekämpft körpereigene Strukturen. Und zwar richten sich bestimmte Antikörper gegen die insulinproduzierenden Betazellen (β-Zellen) in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse. Dadurch kommt es zu einer als Insulitis bezeichneten Entzündungsreaktion, die zu einer Zerstörung von β-Zellen und somit zu einem zunehmenden Insulinmangel führt. Doch müssen bereits rund 80 bis 90 Prozent der β-Zellen zugrunde gegangen sein, bis sich Symptome des dadurch bedingten Insulinmangels einstellen.

Der Insulinmangel wirkt sich folgendermaßen aus:

Glukose kann nicht mehr in insulinabhängige Zellen aufgenommen werden, fehlt innerhalb der Zellen als Energielieferant und sammelt sich im Blut an. Dadurch erhöht sich der Blutzuckerspiegel.

Die Leber reagiert auf den Zuckermangel innerhalb der Zellen mit einer ungebremsten Neubildung von Glukose aus z.B. Glyzerin, Laktat, Pyruvat und manchen Aminosäuren (Glukoneogenese) und gibt sie ins Blut ab. Doch können die Körperzellen auch diesen Zucker nicht verwerten und der Blutzuckerspiegel steigt weiter.

Zwecks Energiegewinnung baut der Körper nun seine Fettdepots ab und überschwemmt das Blut so mit freien Fettsäuren. Die bräuchten zu ihrem Abbau Substanzen aus dem Kohlenhydratstoffwechsel, die ihnen aber aufgrund der gestörten Glukoseverwertung nicht zur Verfügung stehen. Daher werden sie zu sogenannten Ketonkörpern, d. h. Aceton, Betahydroxybuttersäure und Acetessigsäure, verstoffwechselt. Diese Säuren führen zu einer Ketoazidose, einer Übersäuerung des Blutes, die sämtliche Stoffwechselvorgänge im Organismus beeinträchtigt.

Überschreitet der Blutzucker die Nierenschwelle, kann also in den Nierentubuli nicht mehr rückresorbiert werden, wird Glukose mit dem Urin ausgeschieden (Glukosurie).

Wodurch kommt es zu einem Typ 1 Diabetes? Ursachen

Die Entstehung von Typ-1-Diabetes beruht höchstwahrscheinlich auf dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren wie Erbanlagen und Umwelt. So stehen etwa mehr als 50 Gene im Verdacht, an der Entwicklung von Diabetes Typ 1 beteiligt zu sein. Insbesondere Genveränderungen in einer bestimmten Region am Chromosom 6, die Erbinformationen für Oberflächenproteine (HLA) enthält, die das Immunsystem normalerweise als Unterscheidungsmerkmal zu fremden Eiweißstoffen erkennt.

An äußeren Einflüssen, die bei entsprechender erblicher Veranlagung einen Typ 1 Diabetes in Erscheinung treten lassen, sind

  • eine Entbindung per Kaiserschnitt, weil sie beim Kind eine andere Darmflora als normal bedingt, was die Entwicklung einer Autoimmunität (Unfähigkeit des Organismus, seine Bestandteile als körpereigen zu erkennen) begünstigt.
  • Fremdeiweiße mit einer Insulin ähnlichen Struktur, sodass das Immunsystem nicht nur das fremde Antigen, sondern auch die Bauchspeicheldrüse attackiert (“Kreuzreaktivität“).
  • möglicherweise diabetogene (Diabetes auslösende) Viren, z.B. Coxsackie-, Echo-, Herpes-, Cytomegalie-, Entero- oder Rubeolaviren (Röteln), vor allem während der Schwangerschaft. Vermutlich aufgrund einer Kreuzreaktivität.
  • an faulen Stellen von Wurzelgemüse (Kartoffeln, Karotten) von Streptomyceten-Bakterien gebildete Bafilomycine, die die Langerhansschen Inseln in der Bauchspeicheldrüse schädigen.
  • ein Vitamin-D-Mangel, denn in Ländern mit niedriger UVB-Sonnenstrahlung gibt es eine erhöhte Rate an Typ-1-Diabetikern, während die hochdosierte Gabe von Vitamin D bei Kleinkindern offenbar das spätere Diabetesrisiko verringern kann.
  • Atemwegsinfektionen im Säuglingsalter, weil sich da oft schon entsprechende Autoantikörper bei Babys oder Kleinkindern nachweisen lassen, auch wenn die Zuckerkrankheit erst viel später auftritt.

Als weiteren potenziellen Auslöser eines Typ 1 Diabetes betrachten manche Forscher den Konsum von Kuhmilch in den ersten drei Lebensmonaten bei nur kurz gestillten Kindern. Ebenso eine sehr frühe Zufuhr von Gluten, das in verschiedenen Getreidesorten enthalten ist und die Darmflora verändert.

Es scheint aber auch Umstände zu geben, die vor der Entwicklung eines Diabetes Typ 1 schützen. Wie etwa die für Kleinkinder empfohlene Impfung gegen Durchfall auslösende Rotaviren, legt eine australische Studie nahe.

Woran erkennt man Typ 1 Diabetes? Symptome

Typisch für einen Typ-1-Diabetes ist, dass es innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen zu Symptomen kommt wie

  • einem deutlichen Gewichtsverlust
  • häufigem Wasserlassen (Polyurie)
  • unstillbarem Durst (Polydipsie)
  • zunehmendem Flüssigkeitsmangel (Dehydration) bis hin zur Austrocknung (Exsikkose)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger
  • (nächtlichen) Wadenkrämpfen
  • Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungseinbußen
  • Seh- und Konzentrationsstörungen, Schwindel
  • Kopf- oder Bauchschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Juckreiz, entzündlichen Hautveränderungen
  • Azetongeruch in der Atemluft (ähnelt dem Geruch von Nagellackentferner oder faulem Obst)

Schlimmstenfalls entwickelt sich ein lebensbedrohliches ketoazidotisches Koma. Diese schwerwiegende Stoffwechselentgleisung zeigt sich mit Symptomen wie einer beschleunigten Atmung, nach Azeton riechendem Atem, Übelkeit und Bewusstlosigkeit.

Wie erkennt der Arzt Typ 1 Diabetes? Diagnose

Die Schilderung oben genannter Symptome sowie eine gründliche körperliche Untersuchung können den Arzt bereits zur richtigen Diagnose führen. Gewissheit aber besteht erst nach der mehrfachen Messung des Blutzuckers (Glukose-Konzentration im Blut) und der Bestimmung des Blutzucker-Langzeitwerts HbA1c. Bei Gesunden liegt der normale Nüchtern-Blutzucker zwischen 70 und 100 mg/dl Blut, der Blutzuckerwert innerhalb zwei Stunden nach dem Essen unter 200 mg/dl. Im Harn nachgewiesener Zucker lässt darauf schließen, dass der Blutzuckerspiegel bereits höher als 180 mg/dl ist.

Der HbA1c-Wert gibt Auskunft darüber, wie viel Blutzucker sich dauerhaft an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb) angelagert hat. Damit verrät er, wie es in den letzten zwei bis drei Monaten vor der Messung um die durchschnittliche Zuckerkonzentration im Blut bestellt war. Als “Blutzuckergedächtnis“ eignet er sich somit gut zur Therapieerfolgskontrolle. Der Normwert beträgt vier bis sechs Prozent. Ein HbA1c-Wert über 6,5 Prozent spricht für das Vorliegen einer Zuckerkrankheit.

Ein Maß für die körpereigene Insulinproduktion ist das aus Proinsulin abgespaltene sogenannte C-Peptid (connecting peptide) Es lässt sich bei Typ-1-Diabetikern meist kaum nachweisen.

Findet man bestimmte Antikörper im Blut, kündigen sie die Entstehung eines Typ 1 Diabetes an. Anhand solcher Autoantikörper gegen Insulin (IAA), Glutamat-Decarboxylase (GADA), Tyrosinphosphatase IA-2 (IA-2A) und den Zink-Transporter 8 (ZnT8A), die in verschiedenen Lebensaltern unterschiedlicher Ausprägung vorkommen, lässt sich auch eine Einschätzung treffen, wann das sein wird.

Ab der Diagnose “Diabetes Typ 1“ gehören Insulin, Blutzuckermessgerät und “Notfall-Kohlenhydrate“ gegen eventuelle Unterzuckerungen zu den ständigen Begleitern des Patienten auf allen seinen Wegen.

Typ 1 Diabetes

Erst nach mehrfacher Blutzuckermessung kann der Arzt Typ 1 Diabetes diagnostizieren. Foto: Adobe Stock, (c) skyfotostock

Wie sieht die Behandlung bei Typ-1-Diabetes aus?

Anders als beim Typ 2 Diabetes gilt beim Typ 1 Diabetes: Ohne Insulin geht nichts. Denn da die Bauchspeicheldrüse nicht imstande ist, das Hormon zu produzieren, muss es durch von außen zugeführtes, d. h. gespritztes Insulin, ersetzt werden. Und zwar lebenslang. Oberstes Ziel ist eine weitgehende Normalisierung des Blutzuckers. Das ist notwendig, um

  • diabetesbedingte Einschränkungen der Lebensqualität,
  • Stoffwechselentgleisungen wie schwere Hypoglykämien (Unterzuckerungen) und eine Hyperglykämie (zu hoher Blutzucker) mit Ketoazidose (Übersäuerung des Blutes) sowie
  • Gefäßschäden als Spätkomplikationen

zu vermeiden.

Früher nannte man den Typ-1-Diabetes daher auch insulinabhängigen Diabetes. Das ist insofern nicht ganz korrekt als auch ein Typ-2-Diabetes insulinpflichtig werden kann. Der Typ 1 ist es aber auf jeden Fall.

Umfassende Untersuchungen zeigen, dass eine gute Einstellung der Zuckerwerte diabetische Spätschäden verringern bis verhindern und eine normale Lebenserwartung ermöglichen kann. Dabei wesentlich ist auch die adäquate Behandlung eventueller Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte.

Die Diabetesbehandlung gehört idealerweise in die Hände eines Diabetologen, d.h. fachkundigen Allgemeinmediziners oder Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Stoffwechselerkrankungen (Endokrinologie). Empfehlenswerte Endokrinologen in Wien findest du hier.

Welche Arten von Insulintherapie gibt es?

Ein Typ-1-Diabetes erfordert eine lebenslange Insulintherapie, um Stoffwechselentgleisungen zu verhindern. Grundsätzlich stehen hierfür drei verschiedene Methoden zur Verfügung, die konventionelle Insulintherapie, die intensivierte (funktionelle) Insulintherapie und die Insulinpumpentherapie (kontinuierlich subkutane Insulintherapie).

Konventionelle Insulintherapie

Bei der konventionellen Insulintherapie erfolgt eine Anpassung der Essensmengen und Essenszeiten an die zweimal täglich – vor dem Frühstück und dem Abendessen – verabreichten Insulinmengen. Gespritzt wird intermediäres Insulin, das mindestens einen halben Tag lang wirkt, oder lang wirksames Insulin. Eventuell fix kombiniert mit kurz wirksamem Insulin. Um der anhaltenden Insulinwirkung gerecht zu werden, muss regelmäßig eine festgelegte Menge an Nahrung zugeführt werden. Bei viel Bewegung sind zum Ausgleich Zwischenmahlzeiten angesagt. Das Insulin wird mit einer Spritze oder einem Pen, d.h. füllfederhalterähnlichen Injektionsgerät, unter die Haut in das Fettgewebe am Bauch, Oberschenkel oder Oberarm gespritzt.

Dieses starre Therapieschema kommt üblicherweise nur zu Beginn der Erkrankung zum Einsatz und wird – wenn möglich – nach einigen Monaten von einer der anderen Formen der Insulintherapie abgelöst. Um eine nahezu normale Blutzuckereinstellung und weitgehend normale Gestaltung des Alltags zu erreichen. Eignet sich die konventionelle Insulintherapie doch vorwiegend für Menschen mit relativ gleichförmigem Tagesablauf, die feste Spritzzeiten bevorzugen. Sie beugt Folgekrankheiten der Zuckerkrankheit weniger gut vor als die funktionelle Insulintherapie.

Intensivierte Insulintherapie

Bei der funktionellen Insulintherapie (Basis-Bolus-Therapie) läuft es umgekehrt zur konventionellen Insulintherapie: Die verabreichte Insulindosis richtet sich nach der Nahrungsmenge bzw. ihrem Kohlenhydratgehalt und den körperlichen Aktivitäten, außerdem nach dem aktuellen Blutzuckerwert, der Tageszeit und eventuell bestehenden Krankheiten (z.B. fieberhafte Infekte). Diese Vorgangsweise erlaubt eine weitgehend flexible Gestaltung des Tagesablaufs. Wie viel Insulin zu verabreichen ist, hängt dabei von den Essgewohnheiten, der Nahrungsmenge, dem Alter und der Lebensweise des Diabetikers ab. Zur Feststellung der jeweils benötigten Insulinmenge sind mehrmals täglich Kontrollen des Blutzuckers erforderlich.

Dabei finden lang wirksame Insulinpräparate, die die kontinuierliche Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse ersetzen sollen (“Basis- oder Basalinsulin“) ein bis zweimal täglich Anwendung. Und schnell wirksames Insulin zur Bewältigung von Blutzuckerspitzen (“Bolusinsulin“) nach der Nahrungsaufnahme.

Kontinuierliche subkutane Insulintherapie

Bei der Insulinpumpentherapie übernimmt die Abgabe von Insulin eine für den Diabetiker individuell programmierte, am Körper getragene Pumpe. Sie setzt kontinuierlich ein kurz wirksames Insulin ins Blut frei. Zu den Mahlzeiten ruft der Diabetiker eine zusätzliche Insulindosis über die Pumpe ab.

Typ 1 Diabetes

Typ 1 Diabetes wird mit dem Spritzen von Diabetes behandelt. Foto: Adobe Stock, (c) Dmitry Lobanov

Wie spritzt man Insulin richtig?

Damit Insulin optimal wirken kann, ist eine korrekte Anwendung erforderlich. Denn Fehler bei der Injektionstechnik können seinen blutzuckersenkenden Effekt beeinflussen.

Wichtig sind vor allem drei Dinge:

1.) Immer die Nadel des Insulinpens überprüfen und sie vor jedem Gebrauch des Pens wechseln. Ist sie verbogen, muss man sie austauschen. Auch ist zu checken, ob sich genug Insulin in der Ampulle befindet.

2.) Die richtige Stelle zum Spritzen wählen. Am besten am Oberschenkel oder Bauch. Letzterer lässt kurz wirkendes Insulin schneller ins Blut gelangen. Doch nicht dort, wo sich vielleicht ein Muttermal, blauer Fleck, Leberfleck oder eine Narbe befindet. Auch nicht nahe einer Krampfader. Vor dem Einstich kann man an der anvisierten Stelle – bei entsprechender Dicke des Fettgewebes – eine Hautfalte bilden. Der Einstich sollte senkrecht zur Hautoberfläche erfolgen. Danach langsam den Knopf bis zum Anschlag drücken und zehn Sekunden bis zum Nadel herausziehen warten, damit kein Insulin zurückfließt.

3.) Die Stelle zum Spritzen bei jeder Injektion wechseln. Sonst kommt es an zu oft malträtierten Orten zu beulenartigen Verdickungen des Unterhautfettgewebes, die man medizinisch Lipohypertrophie und umgangssprachlich Spritzhügel bezeichnet. Solche Stellen werden weniger gut durchblutet, sodass sich das Insulin nicht ausreichend verteilen kann.

Was bedeutet Honeymoon-Phase?

Manchmal verbessern sich die Blutzuckerwerte kurz nach Beginn der Insulintherapie so sehr, dass die Insulingabe gedrosselt oder sogar eingestellt werden kann. Doch leider nur vorübergehend, also für einige Wochen bis Monate. Diesen Zeitraum bezeichnen Mediziner als Honeymoon-Phase.

Was lernt man in einer Diabetikerschulung?

Voraussetzung für eine gelungene Umsetzung der lebensnotwendigen Hormonersatztherapie und einen praxisbezogenen Umgang mit der Erkrankung ist eine entsprechende Schulung des Diabetikers. Außerdem seine Bereitschaft, die Blutzuckerwerte mehrfach täglich zu messen, um seine Behandlung im Alltag zu steuern.

Im Mittelpunkt einer solchen Schulung steht die Handhabung der Blutzuckermessung sowie der Insulintherapie und damit bestmögliche Einstellung des Blutzuckerspiegels. Die Teilnehmer lernen, den Kohlenhydratgehalt ihrer Mahlzeiten abzuschätzen und die dazu benötigte Insulinmenge zu berechnen. Das dazu verwendete Maß sind sogenannte Broteinheiten, wobei eine Broteinheit (BE) 12 Gramm Kohlenhydraten entspricht. Also einer dünnen Scheibe Weißbrot, woher auch die Bezeichnung „Broteinheit“ kommt. Oder man verwendet Kohlenhydrateinheiten (KE). Eine KE entspricht 10 Gramm Kohlenhydraten. Eine Broteinheit bzw. Kohlenhydrateinheit erhöht, abhängig von der Art der Kohlenhydrate (schnell oder langsam wirkende), Zusammensetzung der Mahlzeit, dem Körpergewicht, Stoffwechsel und Aktivitäten des Diabetikers, den Blutzuckerspiegel um 30 bis 40 mg/dl. Sie erfordert 0,5 bis zwei Einheiten schnell wirksames Insulin.

Auch die Vermittlung von Kenntnissen über eventuelle Folgeschäden der Krankheit ist Thema der Diabetikerschulung.

Bei Kindern sollten sich beide Elternteile, besser noch möglichst viele ihrer Betreuungspersonen, das nötige Wissen für den Umgang für den Alltag mit Typ-1-Diabetes aneignen.

Sinnvoll ist auch, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Dort findet man Unterstützung in vielen praktischen Belangen durch Leidensgenossen.

Gibt es Alternativen zur Insulintherapie?

Leider keine. Doch arbeiten Forscher heftig daran, die Blutzuckermessung und Insulinverabreichung zu automatisieren, sodass keine dauernden Nadelstiche mehr erforderlich sind.

Indem sie z. B. künstliche Betazellen zu entwickeln versuchen, die die bedarfsorientierte Freisetzung von in ihnen gespeichertem Insulin übernehmen. Diese Zellen sollen, geht es nach dem Willen der Wissenschaftler, über ein spezielles Pflaster schmerzfrei über die Haut in den Körper gelangen.

Auch noch im Experimentierstadium befindet sich eine Art künstliche Bauchspeicheldrüse. In Form einer Kombination aus kontinuierlich den Blutzucker messenden Glukosesensoren und Insulinpumpe. Sie soll zeit- und bedarfsgerecht Insulin und gegebenenfalls auch Kohlenhydrate freisetzen.

Ebenfalls noch Zukunftsmusik ist die Transplantation von gesunden Betazellen von Spendern.

Wie unterscheiden sich Typ 1 und Typ 2 Diabetes?

Schon allein die Ursachen sind verschieden: Der Typ 1 beruht auf einem absoluten Insulinmangel, weil die Bauchspeicheldrüse nicht imstande ist, das Hormon zu produzieren. Beim Typ 2 wird zwar – zumindest anfangs – genügend Insulin erzeugt, doch reagieren die Körperzellen nicht adäquat darauf, sodass das Insulin seiner Aufgabe, Glukose in die Zellen zu schleusen, nicht richtig nachkommen kann. Insulinresistenz nennt man diese verminderte Empfindlichkeit der Zellen gegenüber dem Insulin. Sie führt zu einem relativen Insulinmangel.

Häufigkeit und Verlauf

Typ-1- und Typ-2-Diabetes unterscheiden sich zudem in ihrer Häufigkeit, dem bevorzugten Alter ihres Auftretens, der Vererblichkeit und der Geschwindigkeit ihres Verlaufs. So leiden etwa viel öfter Menschen unter einem Typ 2 Diabetes als an einem Typ 1. Beide können prinzipiell in jedem Alter vorkommen. Doch während sich der Typ-1-Diabetes eher in jungen Jahren bemerkbar macht, entsteht ein Typ-2-Diabetes oft erst in fortgeschrittenem Alter. Außerdem entwickelt sich der Typ-2-Diabetes meist schleichend über viele Jahre, während die Autoimmunreaktionen, die zum Typ-1-Diabetes führen, oft bedeutend schneller ablaufen. Und der Typ 2 zeigt viel öfter eine familiäre Häufung.

Risikofaktoren und Vorbeugung

Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel spielen eine entscheidende Rolle beim Ausbruch eines Typ 2 Diabetes, beim Typ 1 kaum. Er ist oft bei Normalgewichtigen zu finden.

Starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und erhöhte Infektanfälligkeit zählen zu den klassischen Symptomen beider Diabetesformen. Doch kommen beim Typ 1 Diabetes welche hinzu, die beim Typ 2 meist fehlen: Gewichtsverlust und Azetongeruch des Atems.

Der bedeutendste Unterschied zwischen den beiden Formen von Zuckerkrankheit liegt jedoch in ihren Auswirkungen auf den Alltag der daran Erkrankten. Während der Typ-1-Diabetes immer das lebenslange Spritzen von Insulin erfordert und es nach bisherigem Kenntnisstand nicht möglich ist, ihm vorzubeugen, ist das bei Typ-2-Diabetes anders. Da beim Typ 2 die Bauchspeicheldrüse in der Lage ist, Insulin auszuschütten und Lebensstilfaktoren wie ungesunde Kost und Bewegungsarmut zu seinem Ausbruch beitragen, kann man einen Diabetes Typ 2 durch Änderung gesundheitsschädlicher Gewohnheiten beeinflussen oder ihm sogar vorbeugen. Das bedeutet: Gesunde Ernährung, regelmäßig Sport sowie eine Gewichtsreduktion bei Fettleibigkeit können genügen, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen bzw. sie zu verhindern. Wenn nicht, sind orale Antidiabetika, also Tabletten, die den Blutzuckerspiegel anders als Insulin beeinflussen, oft eine Therapiemöglichkeit. Erst wenn auch sie nicht fruchten, kommt Insulin ins Spiel.

Welche Folgen hat ein Typ 1 Diabetes? Prognose

Ein unbehandelter Diabetes mellitus Typ 1 endet in einem ketoazidotischen Koma, das ohne medizinische Gegenmaßnahmen zum Tode führt.

Beim unzureichend behandelten, d.h. schlecht eingestellten Typ 1 Diabetes schädigt der zu hohe Blutzuckerspiegel auf längere Sicht vor allem die Blutgefäße (diabetische Angiopathie). Einerseits die kleinen, das nennt man Mikroangiopathie. Andererseits auch die großen, das bezeichnet man als Makroangiopathie. Zu viel Blutzucker alias Hyperglykämie beeinträchtigt auf die Art besonders die Netzhaut der Augen (diabetische Retinopathie mit Erblindungsrisiko), Nieren (diabetische Nephropathie mit Gefahr des Nierenversagens) und Füße. Die Makroangiopathie begünstigt zudem das Eintreten kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch die sogenannte vaskuläre (gefäßbedingt) Demenz soll mit Diabetes in Zusammenhang stehen.

Abgesehen davon kann die Zuckerkrankheit eine diabetische Neuropathie, Störungen der peripheren Nerven mit z.B. herabgesetztem Tast- und Temperaturempfinden oder Taubheitsgefühlen, hervorrufen. In der Folge werden Druckstellen und kleine Verletzungen nicht bemerkt, sodass sich daraus Wunden entwickeln, die noch dazu wegen der verminderten Durchblutung oft nur schlecht heilen. Oft an den Füßen (“diabetischer Fuß“). Therapeutisch nicht beherrschbare Verletzungen können bis zur Amputation von Zehen, Füßen oder mehr führen.

Typ 1 Diabetes

Diabetiker müssen regelmäßig eine diabetikergerechte Fußpflege durchführen lassen. Foto: Adobe Stock, (c) IEGOR LIASHENKO

Wie kann man Folgeschäden vermeiden?

Auch das andere Extrem von Blutzuckerspiegelentgleisung wirkt sich negativ aus. Zu wenig Blutzucker (< 50 mg/dl), sprich eine Hypoglykämie, kann nämlich zunächst zu Heißhunger, Schwitzen, Zittrigkeit, Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen bis hin zu Bewusstlosigkeit führen und schlimmstenfalls auch tödlich enden.

Sie ist meist die Konsequenz einer Überdosierung von Insulin. Das heißt, die gespritzte Insulinmenge wurde zu hoch gewählt. Oder es wurden Umstände wie zu wenig essen, körperliche Anstrengungen (z.B. Sport), Fieber, Alkoholgenuss usw., bei denen der Körper mehr Glukose verbrennt, nicht eingerechnet. Dann heißt es, schnellstmöglich Zucker zu sich nehmen. Günstig ist auch, einen Glucagon-Pen mit sich zu führen, denn Glucagon, ein ebenfalls von der Bauchspeicheldrüse hergestelltes Hormon, setzt Zuckerreserven aus der Leber frei. Und in Zukunft die Therapie besser an solche Gegebenheiten anzupassen. Etwa indem man vor dem Sport etc. weniger Insulin spritzt oder zusätzliche Kohlenhydrate zu sich nimmt.

Um unliebsame Folgen der Zuckerkrankheit zu vermeiden, empfiehlt es sich generell,

  • regelmäßig Körpergewicht und Blutdruck zu messen sowie allfällige Unterzuckerungen zu dokumentieren.
  • viertel- bis halbjährlich das HbA1c, bei bereits geschädigter Niere auch das Kreatinin und Mikroalbumin bestimmen zu lassen.
  • jährlich zu Vorsorge-Untersuchungen zu gehen, die auch ein Elektrokardiogramm (EKG), eine Bestimmung der Nieren- und Blutfettwerte sowie Prüfung der Sensibilität und Durchblutung der Füße beinhalten sollte.
  • Kontrollen beim Augenarzt wahrzunehmen, deren Intervalle sich danach richten, ob bereits Schäden vorhanden sind.
  • eine diabetikergerechte Fußpflege in Anspruch zu nehmen.

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