Milben unter der Haut! Krätze erkennen & behandeln

Krätze erkennen

Schwer zu diagnostizieren und schwer wieder loszuwerden: Wir verraten, wie du Krätze erkennen und behandeln kannst. Foto: Adobe Stock, c thodonal

Sie galt als ausgestorben, sorgt aber seit ein paar Jahren für Furore: Die Krätze, fachsprachlich Scabies (lat. scabere = kratzen), plagt derzeit unsere deutschen Nachbarn. Allein in Norddeutschland hat sich die Anzahl an verschriebenen Krätze-Medikamenten im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Wir verraten, wie du Krätze erkennen kannst, wie die Behandlung aussieht, und warum es so lange dauert, die fiesen Milben wieder loszuwerden. Außerdem erfährst du, was du tun kannst, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Was ist Krätze?

Grellrote Pusteln und Knötchen, die einen starken Juckreiz auslösen und sich in Windeseile auf den gesamten Körper ausbreiten. Klingt mittelalterlich? Ist es auch! Tatsächlich war die Krätze im Mittelalter, als man es mit der Hygiene nicht so genau nahm, nämlich ein regelrechtes Volksleiden. Später sorgte die Kretze (mittelhochdeutsch für ‚zu kratzen‘) sogar dafür, dass Napoleon Bonaparte keinen Feldzug ohne Badewanne antrat. Der französische Diktator hatte sich als junger Mann nämlich mit der Hautkrankheit infiziert und entwickelte aus Angst vor einer Wiedererkrankung einen regelrechten Reinlichkeitsfimmel.

Heute weiß man, dass er gut daran tat, sich täglich zu baden. Denn die Krätzmilben, die die juckenden Pusteln und Knötchen verursachen, gedeihen unter unhygienischen Bedingungen am besten. Da für eine Übertragung lediglich enger Kontakt notwendig ist, gehört die Scabies zu jenen Krankheiten, die auch beim Geschlechtsverkehr übertragbar sind.

Ursache: Wer überträgt Krätze?

Die Übertragung der Krätze erfolgt von Mensch zu Mensch. Theoretisch kann sie also durch jeden übertragen werden, der mit der Hautkrankheit infiziert ist. Für die einfache Form der Scabies ist lang anhaltender Körperkontakt (enge Umarmung, Geschlechtsverkehr usw.) notwendig, damit die Milben auf einen neuen Wirt übergehen. Die Infektiösität steigt allerdings mit der Anzahl der Milben auf der Hautoberfläche. Bei einer sehr hohen Milbendichte reicht manchmal schon eine Umarmung zur Begrüßung oder kurzes Händeschütteln für eine Infizierung aus. In diesem Fall handelt es sich um eine schwere Form der Krätze, die auch Scabies crustosa oder Borkenkrätze genannt wird.

Symptome: Wie sieht Krätze aus?

Das typischste Scabies Symptom ist der starke Juckreiz, der vor allem nachts auftritt (wird durch die Wärme im Bett intensiviert). Das Erscheinungsbild der Hauterkrankung kann je nach Form der Krätze und Reaktion des Immunsystems variieren. Normalerweise kann man Krätze an folgenden Anzeichen erkennen:

  • gerötete, schuppig-krustige Haut
  • grellrote Knötchen und Pusteln, manchmal auch einzelne, von einem roten Hof umgebene Papeln
  • Hautausschlag am ganzen Körper (bei allergischer Reaktion auf die Krätzmilben)
  • feine rötliche Linien auf beziehungsweise unter der Haut (Milbengang)
  • kleine Bläschen mit einem dunklen Punkt, wo die Milbe unter der Haut sitzt (Milbenhügel)
Krätze, Krätzmilben

Krätze ist eine stark juckende, ansteckende Hautkrankheit. Die Krätzmilben legen ihre Eier am liebsten in warmen Hautfalten ab . Adobe Stock, (c) Artemida-psy

Anfangsstadium Krätze: Wo fängt es an?

Die Inkubationszeit beträgt bei einer Erstansteckung mit Krätze etwa zwei bis fünf Wochen. Die Krätzmilben bevorzugen Hautstellen mit hoher Temperatur und möglichst dünner Hornschicht, da sie sich hier besser eingraben können. Die ersten Rötungen und Knötchen treten daher häufig zwischen Fingern und Zehen, in der Ellenbogenfalte, den Achselhöhlen, der Nabelregion oder auch im Genitalbereich auf. Bei der schweren Form der Krätze (Scabies crustosa) kommt es hingegen direkt zu einer extremen Krustenbildung, von der vor allem die Hand- und Fußflächen, die Knie und Ellenbogen betroffen sind. Die Borkenkrätze befällt auch häufig Regionen, die von der normalen Scabies nicht betroffen sind (zum Beispiel Gesicht, Rücken oder Nacken).

Warum juckt Krätze?

Die Krätze wird durch Parasiten, die sogenannten Krätzmilben (lateinisch Sarcoptes scabiei), ausgelöst. Die roten Pusteln und Knötchen entstehen dadurch, dass die Milbenweibchen mikroskopisch kleine Gänge direkt unter deiner Hautoberfläche graben, in denen sie ihre Eier ablegen. Die Jungtiere schlüpfen nach zwei bis drei Tagen und entwickeln sich innerhalb von drei Wochen zu voll geschlechtsreifen Krätzmilben, die wiederum sofort mit der Fortpflanzung beginnen. Der Juckreiz entsteht nicht allein durch die Bewegung der Tierchen unter der Haut, sondern auch aufgrund der vielen Entzündungsprozesse. Außerdem können die Absonderungen der Milben (Eier, Kot) zusätzliche allergische Reaktionen auslösen.

Ansteckung mit Scabies: Wer ist gefährdet?

Grundsätzlich ist das Ansteckungsrisiko für Krätze dort am höchsten, wo viele Menschen dicht zusammenleben. Besonders in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Spitälern, Pflegeheimen, Kindergärten usw. verbreiten die Milben sich sehr schnell. Die gemeinsame Nutzung von Textilien sowie mangelnde Hygiene (zum Beispiel unzureichendes Waschen von Bettbezügen, Handtüchern oder Kleidung) beschleunigt die Verbreitung der Krätze zusätzlich. Ein besonderes Risiko besteht außerdem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem (Kinder, ältere Menschen) beziehungsweise Autoimmunerkrankungen.

Achtung! Je schwächer das Immunsystem ist, desto schneller können die Milben sich vermehren. Ab einer bestimmten Anzahl von Milben wird die gewöhnliche Scabies zur Borkenkrätze. Bei dieser schweren Form der Erkrankung befinden sich häufig mehrere Millionen Krätzmilben auf und unter der Haut.

Wer diagnostiziert Krätze?

Wenn du unter unerklärlichem (nächtlichen) Juckreiz leidest oder sich vielleicht sogar schon erste Bläschen und Knötchen zwischen deinen Fingern bilden, solltest du unverzüglich deinen Hausarzt oder direkt einen Dermatologen aufsuchen. Für die Diagnose der Krätze gibt es verschiedene Methoden:

  • Bohrgänge: Suche nach Papeln und Bohrgängen mittels Lupe, Eröffnung mit dem Skalpell
  • Tesafilmabriss: Klebestreifen wird fest auf die Haut gedrückt, ruckartig abgezogen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht.
  • Skin Scraping: Aus dem Bohrgang wird mit dem Skalpell Gewebe herausgeschabt; unter dem Mikroskop lassen sich anschließend nicht nur die Milben selbst, sondern auch Eier und Kot erkennen.
  • Borkenkrätze: Bei der schweren Form der Scabies ist der Befall so stark, dass die Milben schon in einzelnen Hautschuppen nachweisbar sind.

Wer muss Krätze melden?

Aufgrund ihrer hohen Ansteckungsgefahr fällt die Scabies in Österreich unter das Infektionsschutzgesetz. Meldepflichtig ist sie allerdings nicht. Das heißt, dass lediglich Menschen, die in öffentlichen Einrichtungen arbeiten und Kontakt zu Betreuten haben (zum Beispiel Kinder, Jugendliche oder ältere Menschen), sich bereits bei Verdacht auf eine mögliche Erkrankung bei der Einrichtungsleitung melden müssen und die Räume der Einrichtung NICHT betreten dürfen, bis der Verdacht ausgeräumt ist. Der Einrichtungsleitung obliegt es, bei Bedarf das zuständige Gesundheitsamt zu verständigen.

Krätze Behandlung: Wie lange dauert die Heilung?

Die Behandlung der Krätze ist normalerweise ambulant möglich. Ausnahmen sind hier lediglich die Behandlung der Scabies crustosa sowie Krätze bei Säuglingen. In beiden Fällen sollte die Behandlung in einem Spital erfolgen. Die eingesetzten Behandlungsmethoden zielen in erster Linie darauf ab, die Krätzmilben inklusive ihrer Larven und Eier abzutöten. Um dies zu erreichen, werden spezielle Medikamente, sogenannte Sabizide, in Form von Salben, Cremes oder Sprays verwendet. Es gibt auch Sabizide, die oral verabreicht werden.

Krätze Behandlung

Die Behandlung der Krätze erfolgt medikamentös. Sie muss allerdings unter untadeligen hygienischen Bedingungen stattfinden. Adobe Stock, c ampyang

Warum geht die Krätze nicht weg?

Man hört immer wieder, dass Betroffene wochenlang mit der Hautkrankheit zu kämpfen haben beziehungsweise dass die Krätze immer wiederkommt. In den meisten Fällen liegt das Problem darin, dass die Behandlung nicht korrekt, nicht diszipliniert oder nicht lange genug durchgeführt wurde. Um Krätze vollständig zu heilen, sollte das vom Arzt verschriebene Präparat folgendermaßen angewendet werden:

  • Präparat vor dem Zubettgehen auf den gesamten Körper auftragen (nur Gesicht, Kopf und Genitalbereich aussparen).
  • Überreste des Präparats nach acht bis zwölf Stunden abwaschen oder -duschen und die Haut anschließend mit einer beruhigenden Lotion pflegen.
  • Behandlung mindestens zwei Wochen lang ohne Pausen durchführen. Sind nach zwei Wochen noch immer Anzeichen für aktive Milben vorhanden, das Ganze wiederholen.
  • Es sollten vorsorglich alle Familienmitglieder behandelt werden (auch diejenigen, die keine Symptome zeigen).

Was tun gegen den Juckreiz? Hausmittel

Gegen die Scabies selbst gibt es keine wirksamen Hausmittel. Um Krätze erfolgreich zu behandeln, müssen die Milben inklusive Larven und Eier vollständig abgetötet werden – und dies gelingt nur mit entsprechenden pharmazeutischen Präparaten. Gegen den Juckreiz allerdings kannst du Hausmittel anwenden, da dieser nicht von den Milben selbst, sondern durch die körpereigene Immunreaktion verursacht wird. Wirksame Hausmittel gegen Juckreiz sind zum Beispiel kalte Umschläge mit Kamillentee, welcher entzündungshemmend wirkt und die Wundheilung fördert. Auch das Gel der Aloe Vera lindert den Juckreiz und stimuliert die Regeneration der Haut. Als antiseptisches und antibakterielles Hausmittel hat sich auch Teebaumöl bewährt.

Krätze vorbeugen: Bettwäsche wechseln & Co

Neben der Behandlung mit entsprechenden Präparaten sind auch die hygienischen Umstände entscheidend für eine dauerhafte Bekämpfung der Krätze. Das Risiko für eine Erstinfektion oder Wiedererkrankung lässt sich erheblich senken, indem du

  • dir regelmäßig die Hände desinfizierst und auf eine gute Körperhygiene achtest.
  • dein Immunsystem durch eine ausgewogene Ernährungsweise und regelmäßige Bewegung stärkst.
  • du sämtliche Textilien (Kleidung, Kuscheltiere, Bettwäsche) nach einer Infektion bei mindestens 60°C wäschst oder alternativ für drei Tage einfrierst.
  • Polstermöbel nach einer Infektion für mindestens vier Tage nicht benutzt (während dieser Zeit sterben die Milben ohne Wirt von selbst ab).

Du suchst professionellen Rat? Hier findest du Hautärzte in deinem Bundesland:



Informationen zum Datenschutz einschließlich Cookie Richtlinie