Privatkonkurs Österreich: Was muss ich tun?

Ein Mann, der eine leere Geldbörse in Richtung der Kamera hält. Privatkonkurs.

Du bist pleite? Der Privatkonkurs bietet einen Ausweg aus den Schulden. Wir erklären, wie es geht. Foto: Adobe Stock, (c) slasnyi

Wachsen dir die Schulden über den Kopf? Der Privatkonkurs ist ein rechtliches Werkzeug, um sich von Schulden und ausstehenden Forderungen zu befreien, wenn du diese auf normalem Weg nicht mehr bewältigen kannst. Welche Voraussetzungen du dafür erfüllen musst und wie der Ablauf von einem Privatkonkurs in Österreich aussieht, erfährst du in unserem Ratgeber!

Wie funktioniert Privatkonkurs in Österreich?

Schulden sind ein Teufelskreis, da Mahnungen und Überziehungen mit immer größeren Nachzahlungen verbunden sind. Der Privatkonkurs bietet die Möglichkeit, sich von der wachsenden Schuldenlast zu befreien und einen wirtschaftlichen Neubeginn zu erreichen. Der große Vorteil bei einer Privatinsolvenz liegt darin, dass dieser im Unterschied zum Konkurs eines Unternehmens auch gegen den Willen von Gläubigern durchgesetzt werden kann.

Falls keine Zustimmung für einen Zahlungsplan erreicht werden kann, gibt es die Möglichkeit des sogenannten Abschöpfungsverfahrens, durch das man sich innerhalb von 5 Jahren von allen bestehenden Schulden befreien kann (Restschuldbefreiung). Als Schuldner ist hier keine bestimmte Quote vorgeschrieben, die du zurückzahlen musst. Bloß die Kosten des Konkursverfahrens musst du in jedem Fall decken.

Wie melde ich einen Privatkonkurs an?

Ein normaler Antrag auf Insolvenz kann sowohl vom Schuldner als auch von Gläubigern eingebracht werden. Um die Möglichkeiten des Privatkonkurses zu nutzen, muss der Schuldner aber selbst am Bezirksgericht seines Wohnsitzes ein Schuldenregulierungsverfahren einleiten. Dabei solltest du auch gleich einen Zahlungsplan vorlegen oder ein Abschöpfungsverfahren beantragen.

Ein eigener Konkursantrag ist auch dann noch möglich, wenn bereits ein fremder Antrag gestellt wurde. Wichtig ist, dass die Privatinsolvenz ohne schuldhaftes Zögern innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit eingeleitet werden muss. Bei Anmeldung mit Bürgerkarte oder Handysignatur kann der entsprechende Antrag auch online am Gericht eingebracht werden.

Ein Richterhammer, der neben einer Waage und Gesetzbüchern auf einem Tisch liegt. Privatkonkurs.

Der Antrag auf Privatkonkurs muss an deinem Bezirksgericht eingebracht werden. Foto: Adobe Stock, (c) Sebastian Duda

Bei Eröffnung einer Privatinsolvenz ist ein Kostenvorschuss vorgesehen, der die Anlaufkosten des Verfahrens decken soll. Ein Privatkonkurs ist auch ohne diesen Kostenvorschuss möglich, in diesem Fall muss der Schuldner aber ein genaues Vermögensverzeichnis einreichen und zeitgleich entweder einen Zahlungsplan vorlegen oder ein Abschöpfungsverfahren beantragen.

Wichtig: Auch wenn du einen Zahlungsplan anstrebst, empfiehlt es sich beide Varianten zu beantragen. Falls die Gläubiger dem Zahlungsplan nicht zustimmen, wird in diesem Fall automatisch das Abschöpfungsverfahren eingeleitet. Nachträglich kannst du es nicht eigenständig beantragen.

Was passiert beim Privatkonkurs in Österreich?

Die Eröffnung einer Privatinsolvenz ist mit diversen rechtlichen Folgen verbunden. Dazu gehören unter anderem:

  • Die Veröffentlichung im Internet
  • Die Verständigung der Gläubiger
  • Die Benachrichtigung von Arbeitgeber und Bank
  • Zinsenstopp und Exekutionsstopp
  • Teilweises Verbot von Rechtsgeschäften
  • Gegebenenfalls Sperre oder Kündigung des Bankkontos
  • Gegebenenfalls Auflösung von Handyverträgen

Diese Maßnahmen dienen dazu, den Zugriff auf Vermögenswerte zu gewährleisten, und betreffen die Dauer des Konkursverfahrens (Schuldenregulierungsverfahren) bei Gericht, nicht aber die Dauer der Entschuldung selbst. Mit Beginn eines Zahlungsplans oder Abschöpfungsverfahrens wird der Konkurs aufgehoben. Damit enden diese Einschränkungen und werden durch die Verpflichtungen der getroffenen Vereinbarung ersetzt.

Ein Anwalt, der mit einem Klienten ein Dokument bespricht. Privatkonkurs.

Dein Anwalt kann dich im Vorfeld umfassend über den Inhalt des Konkursverfahrens beraten. Foto: Adobe Stock, (c) Freedomz

Nach Eröffnung des Konkursverfahrens findet die erste Verhandlung in der Regel nach 2 Monaten statt. Dabei wird zunächst geprüft, ob alle Gläubiger und ausstehenden Zahlungen korrekt aufgelistet wurden. Das gesamte Verfahren dauert ca. 3 bis 4 Monate. Der Ablauf folgt einem vorgegebenen Schema und die notwendigen Formulare sind online zu finden. Dennoch ist es ratsam, im Vorfeld eine rechtliche Beratung wahrzunehmen. In Frage kommen dafür eine staatlich anerkannte Beratungsstelle, ein Rechtsanwalt oder ein Finanz- bzw. Steuerberater.

Wer kann in Privatkonkurs gehen?

Der Privatkonkurs steht in Österreich allen natürlichen Personen offen, wozu Privatpersonen und Einzelunternehmer gehören. Auch Unternehmer anderer Rechtsformen können in diese Kategorie fallen, sofern sie als Privatperson für Verbindlichkeiten haften (etwa als Geschäftsführer einer Gesellschaft). Abgesehen davon ist die einzige Voraussetzung für einen Privatkonkurs das Vorliegen von Zahlungsunfähigkeit.

Das bedeutet, dass ausstehende Forderungen nicht mithilfe des eigenen Einkommens oder Vermögens beglichen werden können. Ein Mindestbetrag an Schulden existiert hierbei nicht: bei einem geringen Einkommen können schon kleine Beträge ausreichen, um zahlungsunfähig zu sein. Ein Antrag auf Privatinsolvenz ist auch bei fehlendem Einkommen und Arbeitslosigkeit möglich. Während des Insolvenzverfahrens ist man jedoch dazu verpflichtet, sich um eine Erwerbstätigkeit zu bemühen.

Eine Tabelle voller Zahlen, über die mit rotem Stift das Wort "insolvent" geschrieben wurde. Privatkonkurs

Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn deine Schulden dein Vermögen und Einkommen übersteigen. Foto: Adobe Stock, (c) designer491

Eine Reihe von Ausschlussgründen, die sogenannten Einleitungshindernisse, können im Verlauf einer Privatinsolvenz jedoch zur Verweigerung oder dem Abbruch des Abschöpfungsverfahrens führen. Dazu gehören verschiedene Straftaten (betrügerische Krida, falsche Vermögensangaben, Bevorzugung eines Gläubigers), das Verletzen von Auflagen und Auskunftspflichten, sowie das Eingehen zusätzlicher Schulden während der Insolvenz. Auch Personen, die innerhalb der letzten 20 Jahre bereits ein Abschöpfungsverfahren genutzt haben, sind während dieser Sperrfrist davon ausgeschlossen.

Wichtig: Durch eine gesetzliche Änderung, den sogenannten Privatkonkurs Neu, gibt es im Abschöpfungsverfahren keine Mindestquote für die Rückzahlung von Schulden mehr. Falls ein früheres Abschöpfungsverfahren allein an dieser Mindestquote von 10 Prozent gescheitert ist, gilt die Sperrfrist von 20 Jahren nicht. Es kann sofort ein neuer Antrag gestellt werden.

Welche Arten von Privatkonkurs gibt es?

In Österreich wird bei einer privaten Insolvenz zwischen zwei Vorgehensweisen unterschieden. Dazu kommt die Möglichkeit zu einem außergerichtlichen Vergleich, sowie der sogenannte Sanierungsplan, der aber nur für Unternehmer von Relevanz ist.

Ein Zahlungsplan bietet die Möglichkeit, Schulden auch über einen kürzeren Zeitraum hinweg zu begleichen, sofern es möglich ist, einen bestimmten Prozentsatz davon zurückzuzahlen. Das Gesetz schreibt keine Mindestquote für einen Zahlungsplan vor, allerdings setzt dieser die mehrheitliche Zustimmung der Gläubiger voraus.

Deshalb kommt ein Zahlungsplan in der Regel nur dann zustande, wenn Schuldner anbieten, eine Quote in der Höhe von mindestens 10 Prozent der offenen Forderungen zu begleichen. Außerdem muss der Schuldner die Verfahrenskosten bezahlen, dafür kann aber eine Frist von bis zu 3 Jahren gewährt werden. Der Zahlungsplan hat den Vorteil, dass eine nachträgliche Verbesserung der finanziellen Lage (durch Neuanstellung, Gehaltserhöhung, etc.) nicht in das Insolvenzverfahren einfließt, sondern das Geld dem Schuldner zur Verfügung steht.

Eine Hand, die einen Taschenrechner auf einem Tisch voller Rechnungen bedient. Privatkonkurs.

Das Aufstellen von Einkommen und Ausgaben ist ein Teil des gerichtlichen Antrags bei einem Privatkonkurs. Foto: Adobe Stock, (c) eggeeggjiew

Wenn der angebotene Zahlungsplan nicht zustande kommt, wird stattdessen ein Abschöpfungsverfahren eingeleitet. Falls das Einkommen des Schuldners das Existenzminimum nur knapp übersteigt, kann er auch gleich den Antrag für einen Zahlungsplan überspringen und direkt zu dieser Methode übergehen.

Beim Abschöpfungsverfahren wird ein Teil des Einkommens gepfändet, um die bestehenden Schulden zu begleichen. Im Unterschied zum Zahlungsplan werden bei dieser Methode auch neue Vermögenswerte, wie etwa durch Schenkungen oder Erbschaften, vom Gericht eingezogen.

Der Schuldner verpflichtet sich während dieser Zeit zu einem Leben am Existenzminimum. Wie hoch dieser Betrag ist, hängt von Faktoren wie der Unterhaltspflicht ab. Genaue Informationen für das Jahr 2019 kannst du der Broschüre des Justizministeriums entnehmen.

Wie lange dauert ein Privatkonkurs?

Zusätzlich zu der Dauer des Schuldenabbaus musst du bei einer Privatinsolvenz auch die Dauer des Insolvenzverfahrens selbst einrechnen. Die gerichtliche Verhandlung wird normalerweise innerhalb von 3 bis 4 Monaten abgeschlossen. Bei hohen Schulden oder rechtlichen Unklarheiten kann es aber auch länger dauern.

Bei einem Abschöpfverfahren werden nach Ablauf der Frist von 5 Jahren sämtliche verbliebenen Schulden durch die sogenannte Restschuldbefreiung getilgt, egal wie viel davon du während dieser Zeit wirklich zurückzahlen konntest (nur die Kosten des Verfahrens müssen vollständig gedeckt sein). Der Zahlungsplan ist hier flexibler: Die maximale Laufzeit liegt bei 7 Jahren, je nach Ausmaß der Schulden und der vereinbarten Ratenzahlung kann es aber auch schneller gehen.

Ein Mann, der stark gebeugt auf seinem Rücken einen Steinblock mit der Aufschrift "Schulden" trägt. Privatkonkurs.

Bei einem Privatkonkurs bist du nach Abschluss des Abschöpfungsverfahrens deine Schulden los. Foto: Adobe Stock, (c) photoschmidt

Denk aber daran, dass bei einer Privatinsolvenz auch deine Daten gespeichert werden. Nach der erfolgreichen Absolvierung deines Privatkonkurses lässt sich dein Eintrag in der Insolvenzdatei automatisch ein Jahr später nicht mehr abrufen. Du kannst aber nach Abschluss der Entschuldung auch sofort einen Antrag auf Löschung stellen.

Nach dem Ende eines Abschöpfungsverfahrens werden zudem Sperrfristen aktiv, egal ob du es erfolgreich durchlaufen hast oder nicht. Du kannst danach 10 Jahre lang keinen Zahlungsplan und 20 Jahre lang kein weiteres Abschöpfungsverfahren nutzen. Deshalb ist es wichtig, die strengen Auflagen genau zu erfüllen, um die Restschuldbefreiung zu erreichen.

Privatkonkurs Beratung – Anwälte in Wien

Dr. Bernhard Eigner – Wien 1010

Dr. Bernhard Eigner ist Rechtsanwalt mit Kanzlei im ersten Wiener Gemeindebezirk und Experte in den Bereichen Immobilienrecht und Schadenersatz. Er bietet zudem Beratung bei Zahlungsunfähigkeit an und vertritt Klienten während des Konkursverfahrens vor Gericht.

„Herr Doktor Eigner besitzt eine enorme Fachkompetenz und setzt sich sehr für seine Mandanten ein. Er engagiert sich mit großem Fleiß und arbeitet auf höchstem intellektuellem Niveau, wobei er auch immer persönliches Verständnis und eine sehr freundliche Höflichkeit an den Tag legt. Ohne seine Hilfe wäre ich womöglich aufgeschmissen gewesen und ich bezweifle, dass mich irgendein anderer Anwalt besser hätte vertreten können.“

Kontakt: Dr. Bernhard Eigner

Kanzlei Tupy – Wien 1090

Die Rechtsanwälte Mag. Dr. Angelika Tupy und Mag. Alexander Tupy befassen sich in ihrer Kanzlei im 9. Bezirk mit verschiedenen Rechtsbereichen, wie Vertragsrecht, Strafrecht und auch Insolvenzrecht. Bei Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung hilft das Team der Kanzlei bei der Wahl und Umsetzung des richtigen Konkursverfahrens.

Kontakt: Mag. Alexander Tupy

SchuldenProfis Schuldnerberatung – Wien 1020

Die Firma SchuldenProfis hat sich auf das Thema Privatkonkurs spezialisiert und bietet in ihrem Büro im 2. Bezirk kompetente Beratung durch rechtskundige Insolvenzberater mit langjähriger Erfahrung. Zur Abklärung des weiteren Vorgehens kannst du hier ein kostenloses Erstgespräch in Anspruch nehmen.

„Ich habe schnell einen Termin bekommen. Ich wurde von einem Juristen ausführlich beraten und er hat mich bei meinem Insolvenzverfahren begleitet. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“

Kontakt: SchuldenProfis

Dr. Yvonne Haidl – Wien 1010

Dr. Yvonne Haidl ist Rechtsanwältin im 1. Bezirk und arbeitet in verschiedenen Bereichen des Rechts. Zu ihren Leistungen gehört auch die Beratung von Klienten im Rahmen eines Schuldenregulierungsverfahrens.

„Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei Fr. Dr. Haidl bedanken. Ein Schadenersatzfall, den ein RA-Kollege von ihr monatelang mit kostspieligen Vertröstungen verschleppte, wurde von Fr. Dr. Haidl, nach einem Wechsel zu ihr, schnell, kompetent und unkompliziert zu unseren Gunsten erledigt.“

Kontakt: Dr. Yvonne Haidl

Eine Hand, die eine Münze in eine weißes Sparschwein fallen lässt. Privatkonkurs

Die richtige Beratung hilft dir, deine Finanzen nach dem Privatkonkurs wieder auf Kurs zu bringen. Foto: Adobe Stock, (c) Wellnhofer Designs

Dr. Robert Klein – Wien 1010

Der Rechtsanwalt Dr. Robert Klein beschäftigt sich seit vielen Jahren ausschließlich mit dem Thema Insolvenzrecht und hilft nicht nur Unternehmen, sondern auch private Schuldner bei der Sanierung ihrer Finanzen. Fragen zur Konkurseröffnung und den rechtlichen Möglichkeiten beantwortet er im Rahmen eines ausführlichen Beratungsgesprächs. Falls du dich dazu entschließt, den Service der Kanzlei zu nutzen, werden dir die Kosten des Erstgesprächs gutgeschrieben.

Kontakt: Dr. Robert Klein

Mag. Mehmet Munar – Wien 1010

Mag. Mehmet Munar ist Rechtsanwalt und befasst sich mit Themen wie Schadenersatz, Versicherungsrecht und Ärztehaftung. Auch die rechtliche Betreuung im Rahmen von Insolvenzverfahren gehört zu seinen Leistungen.

Kontakt: Mag. Mehmet Munar

Dr. Karl Schirl – Wien 1010

Der Rechtsanwalt Dr. Karl Schirl hat Erfahrung als Masseverwalter und ist daher mit dem Ablauf einer Privatinsolvenz bestens vertraut. In seiner Kanzlei begleitet er Privatpersonen während dem Schuldenregulierungsverfahren und der Rückzahlung ihrer Schulden.

Kontakt: Dr. Karl Schirl

Mag. Thomas Steiner – Wien 1010

Mag. Thomas Steiner ist in seiner Kanzlei nicht nur als Rechtsanwalt, sondern auch als Insolvenzberater tätig. Er unterstützt Schuldner bei der Einigung mit Gläubigern, dem Vorgehen vor Gericht und dem Einleiten von Abschöpfungsverfahren.

Kontakt: Mag. Thomas Steiner

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