Epilepsie: Ursachen, Arten & Behandlung

Epilepsie

Fokale Epilepsie Anfälle beschränken sich auf bestimmte Areale des Gehirns. Foto: AdobeStock (c) sudok1

Plötzlich umfallen, zucken und krampfen, so kann ein epileptischer Anfall aussehen. Doch hat die Epilepsie auch weniger dramatische Erscheinungsformen. Manche sind schwer zu erkennen. Andere schwierig zu behandeln. Hier ein kleiner Überblick.

Was ist Epilepsie?

Das Wort Epilepsie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Ergriffenwerden. Damit bezeichnet man eine Erkrankung, bei der ohne erkennbaren Grund für den Zeitpunkt des Geschehens wiederholt epileptische Anfälle auftreten. Wobei ein solcher Anfall durch unkontrollierte, synchrone (gleichzeitige) elektrische Entladungen von Nervenzellen zustande kommt. Diese bewirken unwillkürliche, stereotype (gleichförmig ablaufende) Verhaltens- oder Empfindungsstörungen.

Die Krankheit wird auch zerebrales Krampfleiden, zerebrales Anfallsleiden oder – veraltet – Fallsucht genannt. Bis zum Mittelalter auch Morbus sacer (lateinisch für heilige Krankheit). Ein Ausdruck, der die Besonderheit der Epilepsie hervorkehren wollte.

Die meisten Epilepsien beginnen entweder bereits im Kindes- oder Jugendalter oder aber erst nach dem 60. Lebensjahr (“Altersepilepsie“).

Epilepsie: Definition

Gleich vorweg: Epilepsie ist keine Geisteskrankheit. Die Mehrzahl aller Menschen mit Epilepsie ist nicht geistig behindert.

Epilepsie ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe von anfallsartigen Funktionsstörungen des Gehirns, bei denen eine andauernde Anfälligkeit für epileptische Anfälle besteht. Die Erkrankung liegt vor, wenn mindestens zwei nicht provozierte, einzelne Anfälle im Abstand von mindestens 24 Stunden vorgefallen sind. Oder wenn nach einem ersten Anfall ein hohes Risiko für weitere Anfälle besteht.

Was sind Epilepsie Anfälle?

Epileptische Anfälle sind plötzliche Änderungen in puncto Bewusstsein, Denken, Verhalten, Gedächtnis, Empfinden oder Muskelanspannung. Sie werden durch vorübergehende Funktionsstörungen von Nervenzellen im Gehirn hervorgerufen, die gleichzeitig Impulse abfeuern.

Doch nicht jeder epileptische Anfall bedeutet, dass man unter Epilepsie leidet. Schätzungen zufolge erleiden rund fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben einen Krampfanfall, ohne dass sich daraus eine Epilepsie, d.h. eine erhöhte Neigung zu epileptischen Anfällen, entwickelt.

Es gibt mehr als zehn Formen epileptischer Anfälle und mehr als 30 Arten von Epilepsien. Auch weil letztere mit einer Kombination aus verschiedenen Anfallsformen einhergehen können. Wobei jeder an Epilepsie Erkrankte üblicherweise nur eine Art von Epilepsie aufweist, die eine bis drei Anfallsformen umfasst.

Was passiert bei Epilepsie im Gehirn?

Die Aufgabe der miteinander vernetzten Nervenzellen im Gehirn besteht darin, Informationen aufzunehmen, in elektrochemische Signale umzuwandeln und diese an andere Nervenzellen, Sinnes-, Muskel- oder Drüsenzellen weiterzuleiten, wo sie in Aktivitäten (z.B. Bewegungen) umgesetzt werden. Die Signalübertragung geschieht mithilfe der Freisetzung von Botenstoffen (Neurotransmitter), die durch einen schmalen Spalt zu benachbarten Nervenzellen gelangen. Wobei es Neurotransmitter wie z. B. Glutamat und Aspartat gibt, die dort eine Erregung auslösen, und andere wie z. B. Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), die sie hemmen.

Normalerweise entladen sich Nervenzellen rund 80 mal in der Sekunde. Bei Epilepsie feuern sie bis zu 500 mal pro Sekunde. Welche Auswirkungen das hat, hängt davon ab, wozu die am epileptischen Anfall beteiligten Nervenzellen normalerweise dienen. Sind sie z. B. für den Zustand Wachheit verantwortlich, kommt es zu Bewusstlosigkeit. Ist es etwa das Sehen, kann es zur Wahrnehmung von Blitzen oder anderen Lichtreizen kommen.

Gibt es spezielle Auslöser für epileptische Anfälle?

Manche Formen epileptischer Anfälle lassen sich durch bestimmte Auslöser provozieren. Zu solchen Triggern zählen beispielsweise:

  • Alkohol
  • Drogen wie z.B. Ecstasy, Crack, Kokain und Amphetamine
  • Medikamente wie etwa Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva und Sympathomimetika
  • Alkohol-, Medikamenten-, Drogen- oder Schlafentzug
  • emotionaler Stress
  • Flackerlicht, etwa von Monitoren wie Fernseher oder Computer, Stroboskopeffekte in Diskotheken rasche Hell-Dunkel-Wechsel, z.B. bei Filmen oder Videospielen
  • gewisse optische Muster, z.B. Schachbrettmuster
  • exzessive körperliche Verausgabung
  • Sauerstoffmangel oder Hyperventilation
  • Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen
  • Elektrolytentgleisungen wie Hypomagnesiämie, Hypokalziämie, Hypo- oder Hypernatriämie
  • Unterzuckerungen bei Diabetikern (vor allem bei Insulinüberdosierung)
  • Präeklampsie und Eklampsie in der Schwangerschaft

Epilepsie – wie oft hat man Anfälle?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Die Abstände zwischen den einzelnen Anfällen können im günstigsten Fall Jahre bis sogar Jahrzehnte betragen, schlimmstenfalls nur Sekunden.

Epilepsie Anfall – wie reagieren?

Das wichtigste bei einem epileptischen Anfall, der meist nur ein bis drei Minuten dauert, ist, Ruhe zu bewahren und den Krampfenden vor Gefahren abzuschirmen. Indem man in seinem Umfeld z.B. Objekte, die zu Verletzungen führen können, entfernt, Absturzkanten sichert, laufende Maschinen abstellt etc.

Keinesfalls darf man ihn festhalten. Oder ihm in scheinbar wohlmeinender Absicht einen Gegenstand in den Mund stecken, um einen Zungenbiss zu verhindern.

Hat er aufgehört zu krampfen, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht werden, damit eventuell Erbrochenes nicht in die Lunge gelangt. Außerdem ist darauf zu achten, dass seine Atemwege frei sind. Nach dem Anfall bei ihm bleiben, bis er ansprechbar und voll orientiert ist.

Geht ein epileptischer Anfall mit Bewusstseinsstörungen wie Verwirrtheit einher, gilt es, den Patienten nur zu beobachten. Ohne zu versuchen, seine – vielleicht merkwürdig erscheinenden – Handlungen, zu unterbrechen oder zu ändern.

Handelt es sich um einen erstmaligen Anfall, ist immer der Notarzt zu rufen. Ebenso bei einem länger als fünf Minuten dauernden Anfall oder kurz aufeinander folgenden weiteren Anfällen. Denn dann liegt ein lebensbedrohlicher Status epilepticus vor, der unbedingt einer ärztlichen Versorgung bedarf.

Viele Epilepsie-Patienten oder deren Angehörige führen Notfallmedikamente mit sich. Sie werden entweder in die Wangentasche oder Nase getropft, unter die Zunge gelegt oder als Mikroklistier in den After eingeführt und können nach entsprechender Schulung auch von medizinischen Laien verabreicht werden.

Arten von Epilepsie/ Anfallarten

Beschränkt sich die unkontrollierte Entladung von Nervenzellen bei epileptischen Anfällen auf bestimmte Areale des Gehirns, spricht man von fokalen Anfällen. Erfasst sie das gesamte Gehirn, handelt es sich um generalisierte Anfälle. Findet bei einem zunächst fokalen Anfall eine anschließende Ausbreitung der Entladungen auf das ganze Gehirn statt, wird dieses Geschehen als sekundäre Generalisierung bezeichnet.

Die Vielzahl an Anfallsformen hat zu verschiedenen Ansätzen geführt, epileptische Anfälle zu klassifizieren. Derzeit richtet man sich im Regelfall nach der Klassifikation der Internationalen Liga gegen Epilepsie (International League Against Epilepsy, ILAE), einer länderübergreifenden medizinischen Fachgesellschaft zur Bekämpfung der Epilepsie.

Welche sind die am häufigsten auftretenden Formen von Epilepsie?

Jedenfalls umfassen die häufigsten Formen von Epilepsie einerseits genetisch bedingte idiopathische generalisierte Epilepsien wie z.B. die juvenile Absence-Epilepsie, juvenile myoklonische Epilepsie oder Aufwach-Grand Mal (Grand Mal Anfälle beim Erwachen). Anderseits erblich bedingte idiopathische fokale Epilepsien wie etwa die primäre Lese-Epilepsie, bei der – meist an der Pubertät – v.a. lautes Vorlesen Zuckungen der Kau-, Gesichts- und Halsmuskulatur auslöst.

Und als dritte Gruppe symptomatische oder kryptogene (auf eine derzeit nicht nachweisbare, aber höchstwahrscheinlich vorhandene Schädigung zurückzuführende) fokale Epilepsien, die in jedem Alter auftreten können. Mögliche Ursachen sind Hirntumore, Infektionen, Schlaganfälle, Kopfverletzungen u.v.a.m. Je nach Ausgangspunkt der Anfälle im Gehirn unterscheidet man im Wesentlichen zwischen Schläfen-, Stirn-, Scheitel- und Hinterhauptslappen-Epilepsien, doch gibt es auch Mischformen. Aufgrund der zahlreichen möglichen Ursachen und unterschiedlichen betroffenen Hirnareale gestalten sich die Symptome vielfältig. Die Palette reicht von rein subjektiven, also nur für den Erkrankten selbst wahrnehmbaren Symptomen, über unkontrollierte Bewegungen ohne oder mit Bewusstseinstrübung bis hin zu sekundär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen.

Fokale Epilepsie

Epilepsie

Einfach fokale Epilepsie Anfälle sind mit keiner Bewusstseinstrübung verbunden. Foto: AdobeStock (c) Aleksandra Mikhailec

Fokale Anfälle gehen von einem bestimmten Hirnareal aus und beschränken sich üblicherweise auf eine Gehirnhälfte. Sogenannte komplex fokale Anfälle gehen mit einer Bewusstseinseinschränkung einher. Das heißt, der Erkrankte nimmt den epileptischen Anfall nicht bewusst wahr und kann sich später an nichts erinnern. Einfach fokale Anfälle hingegen sind mit keiner Bewusstseinstrübung verbunden.

Während der Anfälle laufen unterschiedliche Bewegungsabläufe oder Verhaltensweisen ab. Oft kommt es zu oroalimentären Automatismen wie Schmatzen, Lippenlecken, Kauen oder Grimassieren sowie nestelnden oder wischenden Handbewegungen, seltener zu komplexeren Arm- und Beinbewegungen (z.B. Radfahrbewegungen, zielloses Herumlaufen).

Möglich sind motorische Symptome wie

  • Zuckungen eines Körperteils, meist einer Extremität.
  • epileptische Spasmen, rasche blitzartige Muskelanspannungen
  • Versivanfälle, eine unwillkürliche Drehung von Augen, Kopf oder Körper zu einer Seite.
  • Haltungs- bzw. Arrestanfälle, ein Verharren in ungewöhnlichen Körperpositionen.
  • phonatorische Anfälle, Wortwiederholungen oder Lautäußerungen wie z.B. Stöhnen, Schreien oder Röcheln.

Oder (somato-)sensorische Symptome wie

  • Missempfindungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Ameisenlaufen.
  • visuelle Auren, etwa die Wahrnehmung von Blitzen, Streifen, Schatten oder farbigen, sich bewegenden Objekten.
  • auditive Auren wie die Wahrnehmung eines Pfeifens, Quietschens oder einer Melodie.
  • olfaktorische Auren, Geruchsempfindungen meist unangenehmer Natur.
  • gustatorische Auren, Geschmacksstörungen unangenehmen Charakters.
  • vertiginöse Auren (Drehschwindel).

Auch möglich sind autonome Symptome wie

  • epigastrische Auren, vom oberen Bauchraum zum Hals-/Kopfbereich aufsteigende Missempfindungen.
  • Blässe, Schwitzen, weite Pupillen, Gänsehaut, schneller Puls oder Inkontinenz.

Ebenso psychische Symptome wie etwa Wut-, Angst- oder Glücksgefühle sowie die Empfindung, etwas schon einmal gesehen (“déjà vu“) bzw. gehört (“déjà entendu“) zu haben. Oder – seltener – etwas in dieser Intensität noch nie gesehen (“jamais vu“) bzw. gehört (“jamais entendu“) zu haben. Auch gibt es kognitive Anfälle mit z. B. Träumen oder verzerrter Zeitwahrnehmung.

Komplex-fokale Anfälle können von einer der oben beschriebenen Auren eingeleitet werden.

Vor allem mit einer Bewusstseinsstörung verbundene fokale epileptische Anfälle können in einen sekundär generalisierten Anfall übergehen.

Temporallappenepilepsie

Eine Temporallappenepilepsie ist die Folge einer Schädigung des Schläfenlappens im Großhirn. Sie macht etwa ein Drittel aller Epilepsien aus. Besonders häufig in Form eines Syndroms, das man als mesiale Temporallappen Epilepsie mit Hippocampussklerose bezeichnet. Dieses entsteht als Auswirkung einer Sklerose unbekannter Ursache in einer bestimmten Region an der Innenseite (mesial) des Temporallappens, Hippocampus genannt.

Dadurch kommt es zunächst zu einem einfach fokalen Anfall mit einer epigastrischen Aura, d.h. einem von der Magengegend aufsteigenden Unwohlsein. Ihm folgt häufig ein komplex-fokaler Anfall mit plötzlicher oder schleichender Bewusstseinstrübung. Währenddessen laufen Automatismen ab, d.h. unwillkürliche stereotype Bewegungen. Oft ein Schmatzen oder Kauen als Reaktion auf einen empfundenen seltsamen Geschmack im Mund. Gefolgt von sich wiederholenden Handbewegungen (“Nesteln“), einem Umherschauen und schließlich Bewegungen des ganzen Körpers. Auch können die fokalen Anfälle in einen Grand mal-Anfall übergehen.

Ursachen für Temporallappenepilepsie

Als mögliche Ursachen einer Temporallappenepilepsie werden Fieberkrämpfe, Traumata, Infektionen oder ein Sauerstoffmangel des Gehirns in Betracht gezogen, denn darunter haben viele der daran Erkrankten vor ihrem fünften Lebensjahr gelitten.

Im Vergleich zur Temporallappenepilepsie treten Epilepsien, die vom Frontallappen (Stirnlappen) ausgehen und häufig mit sehr heftigen Bewegungen verbunden sind, relativ selten auf. Ebenso solche, die ihren Ursprung im Parietallappen (Scheitellappen) haben, hauptsächlich ohne Beeinträchtigung des Bewusstseins, aber häufig mit sogenannten somatosensorischen Anfällen, d.h. einem Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühlen usw. einhergehen. Und auch Epilepsien, die vom Okzipitallappen (Hinterhauptslappen), dem Sitz des Sehzentrums, ihren Ausgang nehmen und daher oft zu visuellen Halluzinationen, vorübergehender Blindheit oder unkontrollierten Augenbewegungen führen.

Generalisierte Epilepsie

Generalisierte Anfälle lassen sich keinem umgrenzten Ursprungsort im Gehirn zuordnen. Ihre Ausbreitung kann unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal umfassen. Sie treten auf als

  • Absencen (früher: Petit mal): vor allem bei Kindern vorkommende, nur wenige Sekunden anhaltende Bewusstseinsstörungen mit “ins Leere starren“, Unterbrechung der aktuell ausgeübten Aktivität und verzögerter Reaktion auf Ansprechen.
  • myoklonische Anfälle: oft in der morgendlichen Aufwachphase stattfindende, durch Schlafentzug und Flackerlicht provozierbare, sehr kurze, nicht rhythmische Muskelzuckungen vorwiegend am Kopf und – meist symmetrisch – an Armen oder auch Beinen, bei erhaltenem Bewusstsein.
  • klonische Anfälle: länger anhaltende rhythmische Zuckungen der Beugemuskulatur der Extremitäten, des Kopfes oder Rumpfes, oft mit Blauverfärbung der Lippen oder des gesamten Gesichts durch die Sauerstoffunterversorgung und anschließender Erschöpfung.
  • tonische Anfälle: abrupte, sekundenlang andauernde Muskelkontraktionen der gesamten Muskulatur mit Bewusstseinsverlust sowie Sturz- und Verletzungsgefahr.
  • tonisch-klonische Anfälle alias Grand-mal-Anfälle: plötzlicher Bewusstseinsverlust mit massiver Anspannung der gesamten Muskulatur und daher Sturz- und Verletzungsgefahr.
  • atonische (astatische) Anfälle: plötzlicher Bewusstseinsverlust und abruptes Erschlaffen der Muskulatur mit Sturz- und Verletzungsgefahr.

Der tonisch-klonische oder Grand-mal-Anfall ist wohl die bekannteste aller Art von epileptischem Anfall. Er beginnt mit einer tonischen Phase, die in eine klonische Phase übergeht, die wiederum in großer körperlicher Erschöpfung oder tiefem Schlaf endet. Der Anfall kann mit einem Initialschrei beginnen. Und hinterlässt eine Blauverfärbung der Lippen oder der gesamten Gesichtshaut, einen heftigen Muskelkater, oft auch Kopfschmerzen. Während des Anfalls kann es zu einem Zungenbiss, einem Einnässen oder auch Einkoten kommen.

Nicht klassifizierbare epileptische Anfälle

Nicht alle epileptischen Anfälle sind aufgrund unzureichender oder unvollständiger Daten nach dem gängigen Schema klassifizierbar. So gibt es etwa generalisierte Anfälle nur einer Hirnhälfte wie den Jackson-Anfall, der fokal im Frontal- oder Parietallappen beginnt. Oder von mehreren Herden ausgehende fokale Anfälle. Ist eine Zuordnung nicht möglich, wird für solche Anfälle der Begriff “nicht klassifizierbare epileptische Anfälle“ verwendet.

Notfall Status epilepticus

Ein Spezialfall, der tödlich enden kann, liegt vor, wenn ein generalisierter Krampfanfall länger als fünf Minuten dauert oder mehrere Anfälle rasch hintereinander auftreten. Ebenso, wenn fokale Anfälle oder Absencen länger als 20 bis 30 Minuten anhaltend. Denn dabei handelt es sich um einen Status epilepticus. Das ist ein Notfall, der schnell notärztlich versorgt werden muss, da sonst irreversible Schädigungen des Gehirns drohen.

Der Notarzt verabreicht meist zunächst ein Beruhigungsmittel, indem er es intravenös spritzt, in die Wangentasche platziert oder als Creme über eine kleine Tube in den After einführt. Oder auch andere Antiepileptika sowie Sauerstoff. Zudem nimmt er jeweils erforderliche symptomatische Maßnahmen (z.B. Versorgung eventueller Verletzungen) vor. Danach bedarf es einer weiteren Behandlung im Krankenhaus, bei länger als 30 bis 60 Minuten anhaltenden Krämpfen häufig einer Gabe von Narkotika oder auch künstlichen Beatmung.

Epilepsie bei Kindern

Epilepsie

Oft ist eine Unreife des Gehirns dafür verantwortlich, dass Kinder häufig unter Epilepsie leiden. Foto: AdobeStock (c) Tobilander

Epileptische Anfälle können zwar in jedem Lebensalter auftreten, tun das jedoch häufig bei Kindern. Oft ist eine Unreife des Gehirns dafür verantwortlich. Oder angeborene Störungen. Auch gibt es mehrere Epilepsie-Formen, die ausschließlich bei Kindern vorkommen bzw. sich in der Kindheit das erste Mal zeigen. Mehr Informationen zu kindlichen Epilepsien bieten wir in einem eigenen Beitrag.

Epilepsie – Ursachen

Manche Epilepsien lassen sich auf einen konkreten Auslöser zurückführen. Wie etwa

  • einen Sauerstoffmangel im Gehirn während der Schwangerschaft oder Geburt
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn, z.B. durch Schlaganfälle, Hirnblutungen, Hirnvenenthrombosen, Gefäßmissbildungen, Aneurysmen, Hämangiome oder Arteriosklerose
  • Gehirnentzündungen (z.B. durch Meningokokken, Herpes-, Hepatitis C- oder FSME-Viren)
  • Gehirntumoren oder Metastasen
  • Fehlbildungen von Hirngewebe
  • Hirnverletzungen oder -abszesse
  • Stoffwechselstörungen wie Hyperparathyreoidismus, Hämochromatose oder Diabetes

Solche Einflüsse können Narben im Gehirn hinterlassen, die Nervenzellen in ihrer Umgebung irritieren, sodass sich in diesem Hirnareal leichter Anfälle entwickeln. In diesem Fall spricht man von einer symptomatischen Epilepsie.

Weisen Symptome und Befunde klar darauf hin, dass es eine konkrete Ursache für die Epilepsie geben muss, lässt sich diese aber trotz entsprechender Untersuchungen nicht nachweisen, nennen das Mediziner eine kryptogenetische Epilepsie.

Recht oft jedoch liegt eine idiopathische Epilepsie vor. Im Klartext: Ursache unbekannt. Manche Menschen haben einfach eine erhöhte Neigung zu epileptischen Anfällen. Sie reagieren auf Faktoren wie Schlafmangel, Fieber oder Flimmerlicht leichter als andere mit einem epileptischen Anfall. Eine solche grundsätzliche Bereitschaft zur Entwicklung einer Epilepsie kann auch familiär gehäuft vorkommen. Doch bedeutet eine erhöhte Neigung zu Anfällen noch nicht, dass tatsächlich welche auftreten müssen. Warum aus der bloßen Neigung eine behandlungsbedürftige Erkrankung wird, kann die Wissenschaft noch nicht schlüssig erklären und ist Gegenstand intensiver Forschungen.

Als mögliche Ursache diskutiert werden Veränderungen mehrerer Gene, weshalb Wissenschaftler bei der idiopathischen Epilepsie auch von genetischer Epilepsie sprechen. Doch sind mehr als 90 Prozent aller Epilepsien sind nicht in dem Sinne erblich, dass bei einem von Epilepsie betroffenen Elternteil mit einer kindlichen Epilepsie gerechnet werden muss.

Bei Kindern treten idiopathische Epilepsien deutlich häufiger auf als bei Erwachsenen, die hauptsächlich an symptomatischen Epilepsien leiden.

Wie entsteht Epilepsie?

Grund für das “Gewitter im Gehirn“ ist eine Übererregbarkeit einzelner Hirnzellen, wobei sich ganze Nervenzellverbände gleichzeitig abnorm entladen. Darüber hinaus liegt ein Ungleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Botenstoffen vor, sodass es zu einer mangelnden Koordination neuronaler Netzwerke kommt.

Auch dürften krankhafte Veränderungen an der Nervenzellmembran wie z. B. defekte Natrium- oder Kalzium-Ionen-Kanäle und eine fehlerhafte Erregungsübertragung zwischen den Nervenzellen eine Rolle bei der Entstehung der Anfälle spielen. Doch sind noch nicht alle neurobiologischen Details, die zu Epilepsie führen, restlos geklärt.

Warum kann Epilepsie plötzlich auftreten?

Kennzeichen einer Epilepsie ist, dass Nervenzellen im Gehirn abrupt anfangen, sich synchron und exzessiv zu entladen. Warum genau sie das tun, daran wird noch intensiv geforscht.

Wo im Gehirn entsteht Epilepsie?

Das ist an verschiedensten Stellen möglich, denn grundsätzlich sind alle Nervenzellen imstande, sich abnorm zu entladen. Ein bevorzugter Ort scheint der Schläfenlappen zu sein. Dann entsteht eine Temporallappenepilepsie (siehe oben).

Epilepsie erkennen: Symptome

Welche Symptome sich bei einem epileptischen Anfall einstellen, hängt davon ab, in welchem Teil des Gehirns die Nervenzellen sich unkontrolliert entladen. Dementsprechend groß ist die Vielfalt der Krankheitszeichen. Eine recht umfassende Auswahl beschreiben wir weiter oben unter “fokale Epilepsie“, “Temporallappenepilepsie“ und “generalisierte Epilepsie“.

Sieht man einen epileptischen Anfall kommen?

Nicht unbedingt. Bestimmten epileptischen Anfällen (siehe: fokale Epilepsie) kann aber eine Aura, d.h. aber Sinnesempfindungen verschiedenster Natur (z. B. halluzinatorische Geruchs-, Geschmacks- oder Geräuschwahrnehmung,) vorausgehen.

Wie fühlt sich ein epileptischer Anfall an?

Das gestaltet sich sehr unterschiedlich. So empfinden beispielsweise manche an fokaler Epilepsie Erkrankte eine Art Euphorie beim Anfall, andere ein Hitze- oder Schwächegefühl. Wieder andere nehmen einen metallischen Geschmack im Mund, einen Ozongeruch, Blitze oder bunte Sterne wahr. Bei recht vielen setzt die Erinnerung aus. Doch gibt es noch viele andere Möglichkeiten, wie ein epileptischer Anfall erlebt werden kann.

Epilepsie feststellen: Welcher Arzt diagnostiziert Epilepsie?

Die Erkennung von Epilepsien fällt in den Zuständigkeitsbereich von Fachärzten für Neurologie.

Wie wird Epilepsie festgestellt?

Epilepsie

Eine Art zur Feststellung von Epilepsie ist die Magnetresonanztomographie.  Foto: AdobeStock (c) digitale-fotografien

Erster und wichtigster Schritt zur Erkennung einer Epilepsie ist eine sorgfältige Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) durch einen Neurologen. Wobei der Schilderung der Symptome und Beschreibung der Anfälle durch den Patienten selbst besondere Bedeutung zukommt. So liefern etwa angegebene Vorzeichen, Veränderungen der Wahrnehmung oder motorische Auffälligkeiten wie etwa Zuckungen wichtige Hinweise auf die Natur der Epilepsie. Ebenso Symptome nach dem Anfall wie z.B. Dämmerzustand, anhaltende Gedächtnisstörung, Verwirrtheit, Unruhe, Muskelkater etc.

Der Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung. Und eine Elektroenzephalographie (EEG), d.h. Aufzeichnung der Hirnströme. Dabei auftretende bestimmte Muster von Zacken, Wellen und Kurven, sogenannte Spikes, Sharp-Waves, Spikes and Waves sowie Hypsarrhythmien, weisen auf eine Epilepsie sowie ihre Lokalisation im Gehirn hin. Manchmal zeigen sich diese erst nach Provokation durch Reize wie Schlafentzug, Lichtstimuli oder Hyperventilation.

Bildgebende Verfahren

Eine cerebrale Computertomographie (cCT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zeigen spezielle Hirnfunktionen und etwaige Änderungen von Strukturen im Gehirn. Sie dienen der Ortung epilepsieauslösender Herde.

Um andere Krankheiten als Ursache von Anfällen auszuschließen, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Etwa ein EKG zum Nachweis von Herzrhythmusstörungen als mögliche Auslöser plötzlicher Bewusstlosigkeit, Blutuntersuchungen zur Feststellung von Stoffwechselstörungen oder eine Lumbalpunktion zur Gewinnung von Nervenwasser, das im Labor begutachtet wird, bei Verdacht auf eine Gehirnentzündung.

Wer behandelt Epilepsie?

Auch die Behandlung von Epilepsien gehört in die Hände eines Neurologen, in bestimmten Fällen – wenn eine Epilepsiechirurgie infrage kommt – auch eines Neurochirurgen.

Epilepsie behandeln: Therapie

Wie wird Epilepsie behandelt? Therapie Leitlinien

Treten symptomatische epileptische Anfälle infolge einer akuten Gehirnerkrankung (z.B. Schlaganfall), Stoffwechselerkrankung oder Provokation durch Alkoholgenuss oder Schlafmangel auf, lässt sich die Ursache durch entsprechende Behandlung bzw. Änderungen des Lebensstils meist beseitigen, sodass keine antiepileptische Therapie notwendig ist.

Erfolgt der erste Anfall spontan, d.h. ohne Provokation, kommt es bei rund einem Drittel aller Erwachsenen zu weiteren Anfällen. Vor allem, wenn in bildgebenden Verfahren (Magnetresonanztomographie) Gehirnveränderungen wie Narben oder in der Elektroenzephalographie epileptische Aktivitäten nachweisbar sind, erscheint bereits nach dem ersten Anfall eine antiepileptische Therapie angesagt, nicht wie sonst erst nach dem zweiten Anfall.

Eine solche medikamentöse Therapie hat eine vollständige Anfallsfreiheit zum Ziel. Bei möglichst guter Verträglichkeit, d.h. das eingesetzte Mittel sollte gar keine oder zumindest keine beeinträchtigenden Nebenwirkungen haben. Bleibt diese Strategie erfolglos, zielt die Behandlung entweder in erster Linie auf eine Anfallsfreiheit ab und nimmt dafür tolerierbare Nebenwirkungen in Kauf. Oder sie duldet sehr wenige bzw. sehr leichte Anfälle, sofern es zu nur geringen Nebenwirkungen kommt.

Womit beginnt eine solche Epilepsietherapie?

Begonnen wird eine Epilepsietherapie üblicherweise mit einem einzelnen Wirkstoff in niedriger Dosierung. Bei ausbleibendem Erfolg wird meist dessen Dosis gesteigert. Führt auch das nicht zum Ziel oder treten starke Nebenwirkungen auf, erfolgt der Wechsel zu einem anderen Wirkstoff oder es wird eine Wirkstoffkombination verabreicht.

Epilepsien gut einzustellen erfordert oft ein längeres Ausprobieren verschiedener Medikamente. Denn ob ein bestimmter Wirkstoff helfen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Zur Überprüfung des Therapieerfolgs ist es notwendig, einen Anfallskalender zu führen. In diesem notiert man, welche Medikamente man wie und wann einnimmt, wann Anfälle auftreten, wie und unter welchen Umständen sie sich äußern.

Die Auswahl des Mittels richtet sich nach der Epilepsieform, dem Alter und eventuellen Begleiterkrankungen des Patienten. Auch nach möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie blutverdünnenden Cumarinen, Immunsuppressiva oder der Anti-Baby-Pille. Zur Risikoeinschätzung und Wirkstoffauswahl stehen dem Neurologen wissenschaftlich fundierte Leitlinien zur Verfügung.

Epilepsie Medikamente  

Antiepileptika (Antikonvulsiva) beseitigen zwar nicht die Ursache der Epilepsie, hemmen aber die übermäßige Aktivität der Nervenzellen und senken so das Risiko, dass es zu Anfällen kommt. Sie kommen in verschiedenen Darreichungsformen – meist als Tablette, Kapsel oder Saft – zur Anwendung. Manche werden auch gespritzt, infundiert oder als Zäpfchen verabreicht.

Sie können teils unerfreuliche Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Schwindel, verlangsamtes Denken, Übelkeit, Hautausschlag, Osteoporose, starke Gewichtsveränderungen, Störungen der Sexualfunktion oder Psyche haben, werden aber in niedriger Dosierung oft gut vertragen. Jedenfalls ist es wichtig, sorgfältig abzuwägen, ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist und falls ja, welches Mittel in welcher Dosierung infrage kommt. Treten Anfälle nur sehr selten auf und sind diese eher leichter Natur, sodass sie die Lebensqualität kaum einschränken, hat eine medikamentöse Behandlung z.B. nur wenige Vorteile.

Welche Wirkstoffe werden bei welchen Formen der Epilepsie eingesetzt?

Mehr als 20 verschiedene Wirkstoffe sind für die Behandlung von Epilepsie hierzulande zugelassen. Sie eignen sich unterschiedlich gut für die verschiedenen Formen der Erkrankung. Welche im jeweiligen Fall infrage kommen, hängt nicht nur von der erwarteten Wirksamkeit und den möglichen Nebenwirkungen, sondern auch von der individuellen Verträglichkeit, den Lebensumständen und persönlichen Bedürfnissen des Patienten ab.

Bei generalisierten Epilepsien finden Wirkstoffe wie Valproinsäure, Lamotrigin oder Topiramat bzw. in Kombination mit anderen Wirkstoffen Levetiracetam und Perampanel Anwendung.

Die gängigsten Substanzen zur Behandlung fokaler Epilepsien sind Carbamazepin, Gabapentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Topiramat, Valproinsäure und Zonisamid sowie kombiniert mit anderen Wirkstoffen Eslicarbazepinacetat, Lacosamid, Perampanel oder Pregabalin.

Ist ein Mensch mit Epilepsie über mehrere Jahre anfallsfrei, kann es – nach Absprache mit dem behandelnden Neurologen – unter Umständen möglich sein, die Medikamente abzusetzen. Doch keinesfalls abrupt. Denn das kann einen lebensbedrohlichen Status epilepticus hervorrufen. Vielmehr ist ein langsames Reduzieren der Medikamentendosis angesagt. Meistens bietet sich diese Option, wenn nur ein einziges, niedrig dosiertes Medikament eingenommen und im EEG keine erhöhte Anfallsneigung mehr festgestellt wird.

Epilepsie – Operation möglich?

Es kann vorkommen, dass Arzneien keine oder nur wenig Wirkung zeigen. So leidet etwa ein Drittel der Menschen mit Epilepsie trotz Mehrfachtherapie weiter unter Anfällen. Dann muss abgeklärt werden, ob dafür nicht-epileptische Anfälle oder eine schwer behandelbare Epilepsie verantwortlich sind. Oder ob eine falsche Zuordnung der Epilepsie vorliegt, für die die aktuelle Therapie nicht taugt. Oder man muss andere Therapieoptionen ins Auge fassen.

Ist es bei einer fokalen Epilepsie möglich, den Bereich im Gehirn zu orten, von dem die Anfälle höchstwahrscheinlich ausgehen, kann eine operative Entfernung dieses Areals zu einer Reduktion der Anfallshäufigkeit führen. Bestenfalls sogar zu einer Anfallsfreiheit. Das gelingt bei bis zu 70 Prozent der Patienten mit Temporallappenepilepsie.

Liegt eine schwer behandelbare Epilepsie vor, bei der eine solche Operation nicht infrage kommt, lässt sich die Frequenz der Anfälle durch die Implantation eines Vagusnerv-Stimulators verringern. Dabei wird der linke Vagusnerv in regelmäßigen Abständen über feine Elektroden immer wieder elektrisch gereizt. Die zum Gehirn weitergeleiteten Impulse verändern dort die Aktivität der Nervenzellen.

Hierzu wird der Stimulator, der aus einem Pulsgenerator (“Schrittmacher“) chirurgisch implantiert. Das Gerät wird unterhalb des linken Schlüsselbeins unter die Haut eingesetzt, die Elektrode im Halsbereich um den linken Vagusnerv gelegt und befestigt, das Kabel unter der Haut bis zum Schrittmacher geführt und mit dem Gerät verbunden. Bereits während der Operation findet eine Funktionsprüfung des Vagusnerv-Stimulators statt. Später wird die Stromstärke, mit der der Vagusnerv gereizt wird, bis zur optimalen Einstellung nach und nach erhöht.

Was kann ich selbst tun?

Besteht nachweislich bereits eine Epilepsie, kann man epileptischen Anfällen am ehesten vorbeugen, indem man regelmäßig die verordneten Antiepileptika in der ärztlich empfohlenen Dosierung einnimmt. Und potenziell anfallsauslösende Faktoren wie Alkohol- und Drogenmissbrauch oder -entzug, starke Erschöpfung, Schlafmangel, Lichtreize oder Medikamente, die die Krampfschwelle erniedrigen, meidet sowie bei Fieber dieses bekämpft.

Bestimmte Antiepileptika wie z.B. die Wirkstoffe Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Primidon und Valproinsäure senken den Blutspiegel von Vitamin D und Folsäure. Das kann vor allem die Blutbildung, das Denkvermögen und die Knochendichte beeinträchtigen. Daher ist es sinnvoll, sich darüber mit dem behandelnden Arzt zu beraten bzw. gegebenenfalls entsprechende Vitaminpräparate einzunehmen.

Empfehlenswert ist, einen Notfallausweis mitzuführen, der Informationen zur Erkrankung und ihrer genauen Therapie enthält, sodass sich im Bedarfsfall Helfer daran orientieren können. Ebenso Notfallmedikamente. Unter Umständen, etwa bei häufigen Anfällen, kann es auch sinnvoll sein, vorsorglich einen Epilepsiehelm, der vor Kopfverletzungen schützt, zu tragen.

Epilepsie & der Alltag

Geht es darum, mit der Epilepsie im Alltag zurechtzukommen, kann eine psychologische Beratung hilfreich sein, in jugendlichem Alter auch eine Beratung hinsichtlich Berufswahl. Denn wenn die Arbeit z.B. Tätigkeiten in großer Höhe oder das Lenken eines Fahrzeugs umfasst, kann sie sich aufgrund des erhöhten Unfallrisikos als ungeeignet erweisen. Zudem existieren für verschiedene Führerscheinklassen und Krankheitsausprägungen unterschiedliche gesetzliche Regelungen, in welchem Fall jemand mit Epilepsie ein Fahrzeug lenken darf und wann nicht. Gegebenenfalls muss ein Fahrtauglichkeitsgutachten erstellt werden.

Gibt es Trigger, die ich vermeiden kann?

Um epileptische Anfälle zu verhindern, kann es sich lohnen nachzuforschen, ob es bestimmte Auslöser dafür gibt. Etwa mittels Anfallskalender, in dem vermerkt wird, wann unter welchen Umständen Anfälle bevorzugt auftreten. Häufig sind das

  • Alkoholgenuss
  • emotionaler Stress
  • Flackerlicht
  • bestimmte optische Muster
  • Schlafmangel

Die kann man weitgehend ausschalten.

Gibt es eine Diät gegen Epilepsie?

Epilepsie

Ketonkörpern wirken direkt auf das Gehirn und können bei Epilepsie Anfälle verhindern. Foto: AdobeStock (c) anaumenko

Einen Versuch wert sein kann – besonders bei Epilepsien in sehr jungem Alter – das Einhalten einer sogenannten ketogenen Diät unter ärztlicher und diätologischer Aufsicht. Sie führt häufig zu einem Rückgang der Anfallshäufigkeit, bestenfalls sogar Anfallsfreiheit. Ihr Motto lautet: kaum Kohlenhydrate, viel Fett, genügend Eiweiß. Vom Speiseplan möglichst gestrichen werden also z.B. Bananen, Kartoffeln, Karotten, Süßigkeiten und anderes, das Zucker enthält. Stattdessen stehen Lebensmittel mit vielen “guten“ Fettsäuren wie Avocado, grüne Bohnen, Oliven, Rucola, Zucchini und verschiedene Kohlsorten auf dem Tisch Ebenso Käse, Fleisch, Nüsse und Fisch. Und Präparate mit Mineralstoffen und Vitaminen, um einem Vitalstoffmangel vorzubeugen.

Der Entzug von Kohlenhydraten führt zu einer Umstellung des Stoffwechsels. Denn nun muss der Organismus Fett als Energiequelle heranziehen. Bei dieser Art von Energiegewinnung kommt es zur Produktion von sogenannten Ketonkörpern. Sie wirken direkt auf das Gehirn und können epileptische Anfälle verhindern sowie das Gehirn vor freien Radikalen schützen.

Epilepsie vorbeugen – geht das?

Vielen Epilepsie-Formen kann man kaum vorbeugen. Was doch bis zu einem gewissen Grad möglich erscheint ist, Schädigungen und Krankheiten des zentralen Nervensystems und damit symptomatische Epilepsien zu verhindern. Etwa indem man

  • in der Schwangerschaft potenziell schädliche Einflüsse wie Röntgenstrahlen, Infektionen, Nikotin, Alkohol, Drogen oder fruchtschädigende Medikamente meidet.
  • bei Neugeborenen durch Vitamin-K-Gabe Hirnblutungen vorbeugt.
  • Kinder und Jugendliche regelmäßig auf Stoffwechselstörungen testen lässt.
  • unfallbedingte Gehirnerkrankungen durch das Tragen von Schutzhelmen z.B. beim Radfahren, Rollerbladen oder Skaten vermeidet.
  • Infektionskrankheiten, die Hirnentzündungen nach sich ziehen können, durch Schutzimpfungen vorbeugt.

Hier findest du die besten Neurologen in deinem Bundesland: 

 

Informationen zum Datenschutz einschließlich Cookie Richtlinie