Hypospadie: Wann muss man operieren?

Last Updated on: 3rd Juni 2020, 12:16 pm

Eine grafische Darstellung des Verlauf der Harnröhre.
Wir verraten, welche Möglichkeiten zur Behandlung es bei Hypospadie gibt. Foto: Adobe Stock, (c) SciePro

Unter Hypospadie versteht man eine angeborene Entwicklungsstörung, bei der Jungen mit einer verkürzten Harnröhre auf die Welt kommen. Diese häufige Fehlbildung kann unliebsame Folgen haben und wird chirurgisch behandelt. Wie läuft eine Hypospadie OP ab und welcher Arzt führt sie durch? Bei uns findest du alle wichtigen Informationen!

Hypospadie – Was ist das?

Bei der Hypospadie handelt es sich um eine angeborene Fehlentwicklung der Harnröhre, die dazu führt, dass das Organ kürzer als normal angelegt ist. Die Öffnung der Harnröhre befindet sich deshalb nicht an ihrer vorgesehenen Position.

Anstelle der Spitze der Eichel mündet die Harnröhre je nach Schweregrad an der Unterseite des Penis oder im Bereich des Hodensacks bzw. Dammes. Bei Mädchen mit Hypospadie befindet sich die Harnröhrenöffnung in der Scheidenwand.

Was bedeutet Hypospadie?

Der Begriff Hypospadie setzt sich aus den griechischen Wörtern hypo (zu wenig) und spadon (Rinne, Spalte) zusammen, bezeichnet wörtlich also die verkürzte Harnröhre dieser angeborenen Störung.

Übrigens: Es gibt auch ein Gegenstück zur Hypospadie: die Epispadie (epi = darüber). Bei dieser deutlich selteneren Störung liegt die erweiterte Öffnung der Harnröhre an der Oberseite des Penis.

Wie oft kommt Hypospadie vor?

Hypospadie tritt nur selten bei Mädchen auf und betrifft hauptsächlich Jungen. Bei ihnen liegt die Chance, mit Hypospadie auf die Welt zu kommen, bei ca. 1 zu 200. Damit ist diese Entwicklungsstörung die häufigste Fehlbildung der Harn- und Geschlechtsorgane bei männlichen Neugeborenen.

Wie entsteht Hypospadie?

Eine Hypospadie ist die Folge einer Entwicklungshemmung in der 9. bis 13. Schwangerschaftswoche. Warum diese eintritt, ist bislang nicht genau bekannt. Wir wissen allerdings, dass sie familiär gehäuft auftritt. Neben erblichen Faktoren dürften auch hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen, wie etwa ein Defekt der Bindungsstellen für männliche Hormone. Auch die Einnahme von Progesteron (Gelbkörperhormon) während der Schwangerschaft scheint das Risiko für die Entwicklung zu erhöhen.

Abgesehen davon leiden Beobachtungen zufolge untergewichtig geborene Babys überdurchschnittlich häufig an einer Hypospadie. Auch Umweltfaktoren, wie die Einwirkung bestimmter Schadstoffe (z. B. Dioxin, Pestizide), werden als mögliche Auslöser diskutiert.

Wie zeigt sich Hypospadie?

Bei Hypospadie ist die Harnröhre verkürzt und endet deshalb nicht an der Spitze des Penis, sondern darunter. Je nachdem, in welchem Bereich sich ihre Öffnung befindet, unterteilt die Medizin diese Entwicklungsstörung in drei Kategorien.

  • vordere Hypospadie (Grad I): Die Harnröhre mündet an der Unterseite der Eichel.
  • mittlere Hypospadie (Grad II): Die Harnröhrenöffnung sitzt an der Mitte des Penisschaftes.
  • hintere Hypospadie (Grad III): Die Harnröhre endet am Hodensack oder Damm.

Unter diesen Formen tritt die vordere Hypospadie am häufigsten auf. In diesem Fall liegt meistens auch eine Spaltung der Vorhaut vor. Dann umhüllt die Vorhaut nicht die gesamte Eichel, sondern ist an der Penisunterseite gespalten und liegt kapuzenförmig über der Spitze des Penis. Der untere Teil der Vorhaut fehlt also, während der obere Teil sehr groß ist. Somit bildet sich eine Art Vorhautschürze.

Ein Mann bei einem Arzt für Urologie und Chirurgie.
Der Verlauf der Harnröhre kann auch bei Erwachsenen korrigiert werden. Foto: Adobe Stock, (c) Oleksandr

Bei ausgeprägter Hypospadie ist der Penis durch die verkürzte Harnröhre bzw. Mitbeteiligung des Harnröhrenschwellkörpers oft nach unten gekrümmt. In manchen Fällen verstärkt ein derber, bindegewebiger Strang (die sogenannte Chorda) diesen Effekt zusätzlich. Diese Krümmung kann schmerzhaft sein und zu einem nach unten abgelenkten Harnstrahl führen. Das kann kann es unmöglich machen im Stehen zu urinieren. Ohne Therapie können bei Patienten später auch Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Abgesehen davon kann zusätzlich ein Leistenbruch vorhanden sein und der Hodensack zu weit oben liegen oder zweigeteilt sein. Zudem stellt das veränderte Erscheinungsbild des Genitals oft eine psychische Belastung dar.

Wie erkennt der Arzt eine Hypospadie?

Eine Hypospadie lässt sich in der Regel durch die Begutachtung des Intimbereichs feststellen (Blickdiagnose). Da die Entwicklungsstörung recht häufig mit anderen Fehlbildungen der Harn- und Geschlechtsorgane gemeinsam auftritt, sucht der Arzt aber mittels Tastuntersuchung und Ultraschall immer auch nach weiteren Störungen, wie etwa:

  • nicht im Hodensack gelegenen Hoden
  • einem zu weit oben liegenden oder zweigeteilten Hodensack
  • einem Leistenbruch
  • Fehlbildungen im oberen Harntrakt wie z. B. Ureterabgangsstenosen, einem Harnreflux oder Nierenagenesie (Fehlen einer Niere).

Findet er Hinweise auf eine Intersexualität (Vorkommen von männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen, keine eindeutige Geschlechtszugehörigkeit), können weitere diagnostische Schritte wie etwa Hormonbestimmungen oder Untersuchungen des Erbguts folgen.

Intersexualität ist keine Krankheit und nicht jede körperliche Abweichung muss auf medizinischem Weg „korrigiert“ werden. Im Gegenteil: Experten raten dazu, auf nicht notwendige Eingriffe zu verzichten, da diese häufig als traumatisch erlebt werden. Auf der Website des Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich findest du Beratungsangebote und weitere Informationen.

Wie behandelt man Hypospadie?

Die Therapie der Störung besteht in einer chirurgischen Berichtigung. Im Idealfall wird diese in einer einzigen Operation durchgeführt. Bei einem stark ausgeprägten Erscheinungsbild können jedoch mehrere Eingriffe notwendig sein.

Der Kinderchirurgie bzw. -urologie stehen für die Therapie zahlreiche Operationstechniken zur Verfügung. Sie unterscheiden sich hinsichtlich des Risikos für Komplikationen sowie der kosmetischen und funktionalen Ergebnisse. Welche Technik zum Einsatz kommt, hängt unter anderem von der Lage der Harnröhrenmündung und dem Ausmaß der Verkrümmung des Penisschaftes ab.

Hypospadie: Warum operieren?

Eine Hypospadie OP gewährleistet für betroffene Kinder Schmerzfreiheit und eine spätere optimale Entwicklung. Die operative Korrektur hat zum Ziel:

  • ein ungehindertes und schmerzfreies Wasserlassen zu erreichen.
  • die Weiterleitung von Sperma durch die Harnröhre zu ermöglichen.
  • durch die Aufrichtung der Penisverkrümmung Erektionen in gerader Position und ein normales Sexualleben möglich zu machen.
  • psychische Belastungen wie z. B. Angst vor öffentlichen Einrichtungen, Schwimmbädern, Gemeinschaftstoiletten etc. oder Einschränkungen im männlichen Selbstwertgefühl zu verhindern.

Hypospadie Spezialisten Österreich – Kontakt

Die operative Korrektur der Hypospadie fällt in das Fachgebiet der Kinderurologie bzw. Kinderchirurgie. Entsprechende Abteilungen findest du in vielen Krankenhäusern in Österreich. Für die Voruntersuchung und eine Einschätzung über die chirurgischen Möglichkeiten wendest du dich am besten an einen Kinderurologen. Wir haben einige Spezialisten für dich recherchiert, die bestens mit dem Thema Hypospadie vertraut sind.

Dr. Franklin Kühhas – Wien 1010

Dr. Franklin Kühhas ist Facharzt für Urologie und Spezialist auf dem Gebiet der Genitalchirurgie und rekonstruktiven Andrologie. In seiner Praxis in Wien bietet er Patienten kosmetische Eingriffe wie Penisvergrößerungen oder die Korrektur einer Peniskrümmung. Auch die Hypospadie OP bei Erwachsenen gehört zu seinem Angebot.

Kontakt: Dr. Franklin Kühhas, 1010 Wien

Dr. Romana Altenhuber – Wien 1180

Die Fachärztin für Urologie Dr. Romana Altenhuber hat sich auf die Behandlung von Frauen und Kindern spezialisiert. Als Expertin im Bereich der Kinderurologie berät sie Eltern bei Problemen wie Hypospadie, einem Hodenhochstand oder der Phimose.

Kontakt: Dr. Romana Altenhuber, 1180 Wien

Dr. Josef Oswald – Linz 4020

Dr. Josef Oswald ist Primar der Kinderurologischen Abteilung der Ordensklinik in Linz. Mit über 20 Jahren Erfahrung in Bereich der Kinderurologie kennt er alle Behandlungsmöglichkeiten bei angeborenen Störungen. Seinen Wissensschatz teilt er mit Patienten auch in seiner privaten Ordination.

Kontakt: Dr. Josef Oswald, 4020 Linz

Dr. Bernhard Herrnegger – Innsbruck 6020

Der Urologe Dr. Bernhard Herrnegger behandelt sowohl erwachsene Patienten als auch Kinder. In seiner Praxis führt alle nötigen Untersuchungen durch, um den Schweregrad einer Hypospadie zu beurteilen und die nächsten Schritte in die Wege zu leiten.

Kontakt: Dr. Bernhard Herrnegger, 6020 Innsbruck

Dr. Dagmar Strohmeyer – 6271 Uderns

Dr. Dagmar Strohmeyer bietet Patienten eine umfassende urologische Betreuung. Auch die Korrektur angeborener Störungen gehört zu ihrem Leistungsspektrum. Stationäre Operationen führt sie in der Klinik Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck durch.

Kontakt: Dr. Dagmar Strohmeyer, 6271 Uderns

Wie läuft eine Hypospadie OP ab?

Das Ziel einer Hypospadie OP ist ein aufrechter Penis mit einer Harnröhrenöffnung in regulärer Position, also an der Spitze der Eichel. Soweit die Voraussetzungen es zulassen, wird ein möglichst “normales“ Aussehen angestrebt. Das heißt, die Operation beinhaltet die Verlagerung der Harnröhrenöffnung an die Spitze der Eichel, wozu auch eine Verlängerung der verkürzten Harnröhre, die Neubildung oder Beschneidung der Vorhaut sowie die Beseitigung der Penisverkrümmung notwendig sein kann.

Hierzu gibt es verschiedene Operationstechniken, deren Anwendung sich nach den jeweiligen Gegebenheiten richtet. Am einfachsten zu korrigieren sind Hypospadien, bei denen die Harnröhre an der Eichel oder am Eichelrand endet und keine Penisverkrümmung vorliegt. Die Technik, die in diesem Fall zum Einsatz kommt, trägt den Namen MAGPI: meatal advancement and glanuloplasty. Dabei handelt es sich um die Vorverlagerung der Harnröhrenmündung und kosmetische Anpassung der Eichel durch eine besondere Schnittführung.

Ein Team an Ärzten für Chirurgie und Kinderurologie im Operationssaal einer Klinik.
Durch die Operation der Hypospadie kann die normale Funktion des Penis gewährleistet werden. Foto: Adobe Stock, (c) Kadmy

Je weiter unten die Harnröhrenmündung liegt, umso komplizierter gestaltet sich der Eingriff. Denn dann kann es notwendig sein, die Harnröhre von den Schwellkörpern zu lösen und in gedehntem Zustand bis an die Eichelspitze vorzuziehen. In einigen Fällen kommt eine Harnröhrenplastik zum Einsatz, bei der die verkürzte Harnröhre verlängert wird indem man den fehlenden Teil aus anderem Gewebe formt. Daher sollten Kinder vor dem Operationstermin nicht beschnitten werden, weil die Vorhautschürze unter Umständen noch zur Neubildung der Harnröhre dient.

Bei hochgradiger Hypospadie können auch mehrere Operationen erforderlich sein. Zudem kann dem Eingriff eine mehrwöchige Salbenbehandlung mit einem lokal wirksamen Testosteronpräparat vorausgehen. Sie dient zur Verbesserung der Durchblutung und Verfestigung der Penishaut, sowie zur vorübergehenden Vergrößerung des Penis. Auf diesem Weg wird das Risiko für Komplikationen gesenkt.

Wann sollte eine Hypospadie OP stattfinden?

Grundsätzlich ist eine Operation nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen möglich. Allerdings liegt der ideale Zeitpunkt für den Eingriff im Alter zwischen 12 und 18 Monaten, also noch während die betroffenen Kinder Windeln tragen. In diesem Alter ist der Penis noch nicht als Teil des eigenen Körperbildes in die Wahrnehmung gerückt. Falls eine Verengung der Harnröhre den Harnfluss behindert, muss unter Umständen aber auch schon früher operiert werden.

Je länger Eltern mit der Operation warten, desto eher nehmen betroffene Kinder ihren Körper als „anders“ war. Neben der kosmetischen Abweichung rücken auch funktionale Unterschiede in ihre Aufmerksamkeit. Etwa, dass ihr Harnstrahl nicht nach vorne, sondern nach unten gerichtet ist. Oder später, dass wegen der Krümmung des Schaftes keine gerade Erektion möglich ist.

Zudem zeigt die chirurgische Korrektur in den ersten beiden Lebensjahren bessere Ergebnisse als etwa im Jugend- oder Erwachsenenalter. Sie hat auch den Vorteil, dass die Buben bei Eintritt in den Kindergarten bereits einen normal ausgebildeten Penis aufweisen.

Wie lange muss man bei einer Hypospadie OP im Krankenhaus bleiben?

Wie viel Zeit die Operation und Genesung in Anspruch nehmen, hängt von ihrer Ausprägung und den individuellen anatomischen Gegebenheiten ab. In der Regel dauert die Operation 1 bis 4 Stunden. Bei sehr geringen Ausprägungen kann die Korrektur in einigen Fällen auch ambulant erfolgen.

Bei einem stationären Aufenthalt richtet sich die Entlassung aus dem Krankenhaus nach der Schwere des Eingriffs, etwaigen Komplikationen und danach, wann bei Patienten das Wasserlassen wieder gut funktioniert. Die Entlassung erfolgt üblicherweise nach vier bis fünf Tagen.

Was passiert nach einer Hypospadie OP?

Nach der Operation ist eine Ruhigstellung des Penis per straffem Verband und oft auch eine vorübergehende Ableitung des Urins über einen Blasenkatheter erforderlich, um den Behandlungserfolg zu sichern. Meist wird dieser Kunststoffschlauch in die Harnröhre eingelegt. Manchmal ist es aber notwendig, über einen kleinen Hautschnitt oberhalb des Schambeins einen Blasenkatheter zu setzen, der den Harn direkt aus der Blase leitet. Der Katheter verbleibt üblicherweise für zwei bis zwölf Tage in seiner Position.

Bis zur Entfernung des Katheters sollte das Kind hauptsächlich liegen, um das Ergebnis der Operation und die Wundheilung nicht zu gefährden. Nach dem Ziehen des Katheters kann es dann allmählich vorsichtig aufstehen und herumlaufen.

Ein Baby in Rückenlage dessen Windel gewechselt wird.
Die Therapie in jungen Jahren erlaubt eine normale Entwicklung für betroffene Kinder. Foto: Adobe Stock, (c) Mladen

Um postoperative Schmerzen zu minimieren gilt es in der ersten Zeit nach dem Eingriff eine Bauchlage zu vermeiden sowie möglichst weite Hosen und Windeln zu tragen. Außerdem darf das operierte Kind nicht am Schritt hochgehoben werden. Das Fahren mit dem Bobby-Car, Dreirad oder Fahrrad und Spielzeuge wie ein Schaukelpferd sind tabu. Auch sollte das Kind reichlich trinken, um eventuell in die Blase geratene Keime auszuspülen.

Falls eines der folgenden Symptome auftritt, sollten Eltern den Arzt aufsuchen:

  • Fieber
  • starke Schmerzen
  • eine starken Rötung des Wundbereichs
  • ein Harnverhalt

Welche Komplikationen kann es bei einer Hypospadie OP geben?

Auch wenn die meisten Korrekturen einer Hypospadie erfolgreich verlaufen, kommt es vor allem bei hochgradiger Formen doch vor, dass sich die Fehlbildung nicht vollständig oder nicht auf Anhieb operativ korrigieren lässt. Ansonsten bergen solche Operationen – ebenso wie andere chirurgische Eingriffe – Risiken wie Schwellungen, Nachblutungen, Wundinfektionen, überschießende Narbenbildung und Funktions- oder Wundheilungsstörungen.

Recht häufig kommt es nach der Operation zur Bildung einer Fistel, erkennbar durch einen zweiten Harnstrahl oder ein Harnträufeln. Oder zu einer Harnröhrenstriktur (Verengung der Harnröhre) durch Narben. Ebenso möglich ist die Entwicklung einer Meatusstenose (Enge der neu gebildeten Harnröhrenöffnung), von narbigen Verziehungen der Harnröhre oder Talgansammlungen.

Unter Umständen ist ein erneuter Eingriff notwendig, um diese Komplikationen zu beseitigen. Wie beispielsweise ein Erweiterungsschlitz bei Verengungen. Zudem kann es zu einer neuerlichen Fehllage der Harnröhrenmündung oder wiederkehrenden Harnwegsinfektionen kommen.

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HEROLD Blog Team

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