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Kurzsichtigkeit: wie sie entsteht, wie du sie behandelst

Kurzsichtigkeit

EIne Kurzsichtigkeit kann angeboren oder erworben sein. Foto: Adobe Stock, (c) lassedesignen

Nahe Objekte kannst du gut erkennen, aber weiter entferne Gegenstände siehst du verschwommen? Dann bist du vermutlich kurzsichtig. Erfahre im Artikel, was die Ursachen einer Kurzsichtigkeit sind, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie eine Kurzsichtigkeit diagnostiziert wird.

Was ist Kurzsichtigkeit? Definition

Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt, ist eine Form der Fehlsichtigkeit des Auges. Dabei erscheinen Objekte in der Ferne verschwommen, während Gegenstände in der Nähe scharf gesehen werden. Fehlsichtigkeit wird in Dioptrie (dpt) gemessen. Kurzsichtige haben dabei stets einen Negativwert. Je höher die Zahl nach dem Minus, desto ausgeprägter ist die Kurzsichtigkeit. Zum Beispiel bedeutet – 1,5 dpt eine leichte Kurzsichtigkeit.

Man unterscheidet zwischen zwei Formen von Kurzsichtigkeit:

  • einfache Myopie (Myopia simplex): Diese Form der Kurzsichtigkeit kommt am häufigsten vor und wird auch als Schulmyopie bezeichnet. Sie tritt meistens in der Schulzeit zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr auf und kommt meistens zwischen dem 20. und 30. Geburtstag zum Stillstand. Danach schreitet sie nicht mehr fort. Viele erreichen bis zur Stabilisierung einen Wert von -6 bis -8 Dioptrien.
  • degenerative Myopie (maligne Myopie): Diese eher selten vorkommende Form von Kurzsichtigkeit nimmt lebenslang zu. Sie tritt in früher Kindheit auf und führt zu starker Fehlsichtigkeit. Zudem besteht eine große Gefahr der Netzhautablösung.

Wie entsteht Kurzsichtigkeit? Ursachen

Bei einem gesunden Auge werden Lichtstrahlen von der Hornhaut und der Linse so gebrochen, dass sie direkt auf der Netzhaut gebündelt werden. Fallen die Lichtstrahlen auf diesen fokussierten Punkt, wird das Bild scharf gesehen. Rücken Objekte näher oder weiter weg, muss sich die Linse so anpassen, dass die Lichtstrahlen weiterhin auf der Netzhaut gebündelt werden. Der Punkt, an dem sich die Lichtstrahlen bündeln wird als Brennpunkt bezeichnet.

Bei Kurzsichtigkeit werden nur Objekte aus der Nähe direkt auf der Netzhaut fokussiert. Die einfallenden Lichtstrahlen von Gegenstände in der Ferne bündeln sich vor der Netzhaut. Das Bild erscheint dadurch unscharf. Kurzsichtigkeit kann zwei Ursachen haben:

  • Der Augapfen ist zu lang. (Achsenmyopie)
  • Der Brechwert der Hornhaut oder der Linse ist zu hoch. (Brechungsmyopie)

Die Achsenmyopie ist die häufigste Ursache von Kurzsichtigkeit. Dabei ist der Augapfel zu lange, weshalb sich die Lichtstrahlen vor der Netzhaut und nicht direkt auf der Netzhaut bündeln. Die Brechungsmyopie entsteht durch eine Zunahme der Brechkraft der Hornhaut (in Folge einer Hornhautverkrümmung) oder der Linse. Die Brechkraft des Auges gibt an, wie stark einfallende Lichtstrahlen gebrochen werden und wird in der Maßeinheit Dioptrie (dpt) gemessen.

Kurzsichtigkeit

Bei Kurzsichtigen befindet sich der Brennpunkt vor der Netzhaut (rechte Abbildung). Foto: Adobe Stock, (c) Neokryuger

Kurzsichtigkeit durch Naharbeit & zu wenig Tageslicht

Kurzsichtigkeit ist in vielen Fällen genetisch bedingt. Sind die Eltern kurzsichtig, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch die Kinder kurzsichtig werden. Aber auch Lebensbedingungen haben einen Einfluss auf die Sehkraft. So wird vermutet, dass viel Naharbeit wie z. B. Lesen, Schreiben oder Smartphone-Nutzung eine Kurzsichtigkeit begünstigt. Wissenschaftlich bestätigt wurde diese Annahme jedoch noch nicht.

Wissenschafter konnten aber herausfinden, dass Tageslicht einen positiven Effekt auf die Augen hat. Sie konnten beweisen, dass die Menge an Tageslicht darüber entscheidet, ob eine Myopie entsteht bzw. voranschreitet. Je länger man sich im Tageslicht aufhält, desto höher ist die Dopamingehalt in der Netzhaut des Auges. Der Wirkstoff Dopamin hemmt das Längenwachstum des Auges und verhindert dadurch eine Kurzsichtigkeit.

Bei Kindern kann also Kurzsichtigkeit vorgebeugt werden, indem sie sich regelmäßig im Freien aufhalten. Empfohlen wird eine Dauer von mindestens zwei Stunden am Tag.

Symptome einer Kurzsichtigkeit

Das Leitsymptom der Kurzsichtigkeit ist, dass Betroffene in der Ferne verschwommen sehen, aber Objekte in der Nähe einwandfrei erkennen können. Das kann man etwa dadurch merken, dass man Gesichter aus der Ferne nur schwer erkennen oder Straßenschilder oder Plakate nur mit Mühe lesen kann. Oft macht sich eine Kurzsichtigkeit auch damit bemerkbar, dass die Person in der Schule oder auf der Universität das Geschriebene auf der Tafel nicht mehr lesen kann. Ein erstes Anzeichen einer Myopie ist ein verschlechtertes Sehen in der Nacht oder bei Dämmerung.

Ein oft auftretendes Symptom von Kurzsichtigkeit sind zudem Kopfschmerzen und müde Augen. Vor allem dann, wenn man für längere Zeit konzentriert in die Ferne sieht wie etwa beim Autofahren.

Bei Kurzsichtigen ist zudem oft eine Art blinzeln, also ein Zusammenkneifen der Augenlider zu beobachten. Dadurch können sie zumindest kurzzeitig weit entfernte Objekte ein wenig besser erkennen. Von diesem Phänomen hat Myopie auch seinen Namen erhalten. Myopie leitet sich nämlich von dem griechischen Wort Myops ab, welches so viel wie „Blinzelgesicht“ bedeutet.

Unterschied zwischen Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit

Kurzsichtige Personen sehen nahe Objekte scharf und weiter entfernte Gegenstände unscharf. Bei Weitsichtigen ist genau das Gegenteil der Fall. Sie sehen Nahes verschwommen, dafür können sie Objekte in der Ferne gut erkennen. Kurzsichtigkeit (Myopie) entsteht durch einen zu langen Augapfel, weshalb sich der Brennpunkt vor der Netzhaut befindet. Die Ursache für Weitsichtigkeit (Hyperopie) ist ein zu kurzer Augapfel, weshalb der Brennpunkt hinter der Netzhaut liegt.

Kurzsichtigkeit

Die am häufigsten verwendete Sehhilfe bei Kurzsichtigkeit ist die Brille. Foto: Adobe Stock, (c) Cookie Studio

Wie kann man Kurzsichtigkeit verbessern? Behandlungen

Die eigentliche Ursache der Myopie, nämlich der in die Länge gewachsene Augapfel, kann nicht behandelt werden. Es gibt aber mehrere Methoden, eine Myopie zu korrigieren. Am häufigsten kommen Brillen und Kontaktlinsen zum Einsatz, mit denen die Sehschwäche kompensiert wird. Eine weitere Möglichkeit, die Kurzsichtigkeit zu verbessern, ist eine Augenoperation. Diese kann eine Myopie sogar zur Gänze heilen.

Kurzsichtigkeit mit Brille ausgleichen

Die Brille ist die am häufigsten verwendete Sehhilfe bei Kurzsichtigkeit, vor allem bei einem Brechwert bis zu -8 dpt. Die Minusgläser in der Brille zerstreuen die einfallenden Lichtstrahlen so, dass sie wie bei gesunden Augen direkt an der Netzhaut zusammentreffen. Die Brille korrigiert somit die Brechkraft des Auges.

Die Brille hat einige Vorteile. So kann man sie jederzeit an die Sehkraft des Auges anpassen. Aus diesem Grund ist die Brille die bevorzugte Sehhilfe für Kinder, deren Augen sich während dem Wachstum noch verändern. Auch für ältere Menschen, die für das Sehen in die Ferne eine andere Sehstärke benötigen als für das Sehen in der Nähe ist die Brille geeignet. Gleichtsichtgläser ermöglichen ein scharfes Sehen sowohl in Ferne als auch Nähe.

Kontaktlinsen bei Kurzsichtigkeit

Kontaktlinsen sind kleine Linsen aus hartem oder weichem Kunststoff, die ins Auge eingesetzt werden und dort auf der Tränenflüssigkeit schwimmen. Sie korrigieren die Sehkraft des Auges auf die selbe Weise wie die Brille, nur dass sie sich direkt am Auge befinden. Das geht mit einigen Vorteilen einher: Kontaktlinsen sind quasi unsichtbar und können von anderen Personen nicht erkannt werden. Sie stören nicht beim Sport und können auch nicht beschlagen. Auch bei Kontaktlinsen ist es möglich, die Sehstärke an die Augen anzupassen. Sie sind besonders für Menschen ab -8 dpt geeignet, da sie das Bild nicht verkleinern, was bei einer Brille mit starken Gläsern schon der Fall ist.

Bei Kontaktlinsen gibt es aber auch einiges zu beachten. So darf man Kontaktlinsen nur für einen gewissen Zeitraum tragen, da die Augen sonst gereizt reagieren. Auch ein regelmäßige Pflege der Kontaktlinsen ist notwendig, um Schäden am Auge zu vermeiden.

Welche Arten von Kontaktlinsen es gibt, wie man sie richtig einsetzt und was sie kosten, kannst du im Artikel „Wissenswerte Informationen zu Kontaktlinsen“ nachlesen.

Kurzsichtigkeit

Viele Menschen finden Kontaktlinsen weniger störend als eine Brille. Foto: Adobe Stock, (c) llhedgehogll

Eine andere Form der Kontaktlinsen sind die orthokeratologischen Nachtlinsen. Diese trägt man in der Nacht während dem Schlaf. Sie sorgen dafür, dass die Hornhaut vorübergehend abflacht, wodurch sich die Kurzsichtigkeit ausgleicht. Am nächsten Tag kann die Person ohne Sehhilfe für einen gewissen Zeitraum scharf sehen. Diese Form der Sehhilfe erfordert häufige Kontrollen beim Augenarzt.

Operation bei Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit kann auch mit einem operativen Eingriff behandelt werden. Je nachdem, wie stark die Fehlsichtigkeit ist, kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Bei einer Sehschwäche von bis zu – 8 dpt eignen sich Laserverfahren, bei denen die Hornhaut abgeflacht wird. Dabei wird zwischen der LASIK-Methode, der PRK-Methode und der LASEK-Methode unterschieden:

LASIK-Methode: Dabei schneidet der Chirurg die oberste Hornhautoberfläche mit einem Hobel ein und klappt die Lamelle zur Seite. Dann trägt er das Hornhautgewebe mit einem Excimer-Laser ab und klappt die Lamelle wieder zu. Diese wächst von selbst wieder an.

PRK-Methode: Die photorefraktive Keratektomie (PRK) ist die älteste Methode der Augenlaserchirurgie. Hier wird die oberste Hornhautschicht komplett entfernt und anschließend das Auge mit dem Laser behandelt.

LASEK-Methode: Dabei schiebt der Chirurg die oberste Hornhautschicht zur Seite und nach der Laserbehandlung wieder zurück.

Bei Personen mit Brechwert über -8 dpt gibt es die Möglichkeit, eine Korrektionslinse operativ in das Auge einzusetzen. Bei einem Linsenimplantat wird entweder eine künstliche Linse zusätzlich zur eigenen Linse eingesetzt oder anstelle der eigenen Augenlinse implantiert.

Kann man Kurzsichtigkeit mit Augentraining verbessern? Die Antwort lautet leider Nein. Man kann den Muskel im Auge nicht gezielt trainieren wie es z. B. beim Bizeps möglich ist. Aus diesem Grund haben spezielle Augenübungen keinen Effekt.
Kurzsichtigkeit diagnostizieren mit einem Sehtest

Der Augenarzt kann mit der Refraktionsmessung die Dioptrienwerte deiner Augen ermitteln. Foto: Adobe Stock, (c) Monkey Business

Wie wird eine Kurzsichtigkeit diagnostiziert?

Der zuständige Arzt bei Fehlsichtigkeit ist der Augenarzt bzw. Facharzt für Augenheilkunde. Eine etwaige Kurzsichtigkeit wird im Rahmen einer augenärztlichen Untersuchung diagnostiziert. Die Untersuchung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei welcher der Arzt mehrere Fragen zum Sehvermögen des Patienten stellt. Danach führt er einen Sehtest durch, um deine Sehschärfe zu überprüfen. Dabei testet der Arzt jedes Auge einzeln, während er das andere abdeckt. Der Sehtest wird zuerst ohne und danach mit korrigierenden Gläsern durchgeführt.

Anschließend ermittelt der Augenarzt mit einer Refraktionsmessung die Brechkraft des Auges. Damit kann er die Dioptrienzahl für die Brille oder Kontaktlinse bestimmen. Zuerst findet die objektive Refraktionsmessung statt, bei der der Refraktometer automatisch die Brechkraft ermittelt. Bei der subjektiven Refraktionsmessung wird die Wahrnehmung des Patienten miteinbezogen. Dabei tauscht der Arzt verschiedene Gläser aus und fragt den Patienten, mit welchem Glas er besser sehen kann.

Solltest du kurzsichtig sein, ist eine regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt wichtig. Einerseits kann dadurch die Sehstärke deiner Brille stets an deine Augen angepasst werden. Andererseits können dadurch Erkrankungen wie etwa der Grüne Star erkannt und frühzeitig behandelt werden.

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