Lungenkrebs: Anzeichen, Diagnose & Therapie

Lungenkrebs: Illustration eines Adenokarzinoms

Lungenkrebs wird auch als Bronchialkarzinom bezeichnet. Foto: Adobe Stock, (c) Kateryna_Kon

Die Diagnose Lungenkrebs ist für jeden Betroffenen ein Schlag ins Gesicht: Mit rund 5.000 prognostizierten Neuerkrankungen im Jahr 2020 gehört der Lungenkrebs mit Abstand zu den häufigsten Krebserkrankungen in Österreich. In diesem Beitrag erfährst du, ab wann du zur Risikogruppe gehörst, auf welche Warnzeichen deines Körpers du achten musst, auf welche Weise Lungenkrebs diagnostiziert wird und wie er behandelt wird. Weiters stellen wir dir Lungenfachärzte vor, die du im Zweifelsfall konsultieren kannst.

Was ist Lungenkrebs?

Der weitläufige Begriff Lungenkrebs, mit dem verschiedene Krebsgeschwüre im Bereich der Lunge bezeichnet werden, ist der häufigste und zugleich tödlichste Krebs weltweit. Weitere gängige Bezeichnungen sind: Lungentumor, Lungenkarzinom, Bronchuskarzinom und Bronchialkarzinom. Lungenkrebs kann prinzipiell in allen Bereichen der Lunge entstehen. In mehr als der Hälfte aller Fälle entwickelt er sich jedoch in den oberen Arealen der Lungenflügel.

Info: Über 90 % aller Tumore in der Lunge sind bösartig.

Je nachdem, welche Zellen (Entstehungsort) befallen sind, liegen folgende Tumorarten vor:

  • Mesotheliom (Brustfell)
  • Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom (Bronchien oder Drüsengewebe der Lunge)
  • Alveolarzellenkarzinom (Lungenbläschen)

Mediziner unterscheiden zunächst einmal zwischen gutartigen (benigne) und bösartigen (maligne) Krebszellen. Gutartige Zellen breiten sich zwar am Entstehungsort aus, zerstören aber kein benachbartes Gewebe. Im Bereich der Lunge sind gutartige Tumore eher selten. Bösartige Lungentumore hingegen wachsen unkontrolliert in alle Richtungen und können über die Blutbahn und unser Lymphsystem andere Organe befallen. Ist dies der Fall, spricht man von Metastasen (Tochtergeschwulsten).

Lungenkrebs: Zellteilung

Lungenkrebs ist eine unkontrollierte Zellteilung. Es gibt hier jedoch verschiedene Arten von Tumoren. Foto: Adobe Stock, (c) RAJCREATIONZS

Erste Anzeichen: Wie erkennt man Lungenkrebs?

Früherkennung bei Lungenkrebs ist in den meisten Fällen ein Zufall. Es gibt keine spezifischen Symptome im Frühstadium, aufgrund derer man zwingend einen Arzt aufsuchen würde. So verursacht ein Lungenkarzinom im Anfangsstadium oftmals keine Beschwerden – ein Umstand, der, wie oben erwähnt, den Lungentumor so heimtückisch macht. Liegen spezifische Symptome vor, ist der Krebs oftmals bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.

Allgemeine Symptome, die auf Lungenkrebs hindeuten können, sind:

  • Allgemeine Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • Atemnot/Kurzatmigkeit
  • Bronchitis (keine Besserung nach Antibiotika)
  • Auswurf beim Husten mit Blut
  • Fieber
  • Chronischer Raucherhusten
  • Unerklärlicher Gewichtverlust (ab 5 kg)
  • Schmerzen (Brustkorbs, Schultern, Arme etc.)

Viele der hier beschriebenen Symptome treffen auch auf andere Lungenkrankheiten wie COPD oder Lungenfibrose zu.

Lungenkrebs: DNA Strang und Krebszelle

Ein DNA-Strang neben einer Krebszelle. Foto: Adobe Stock, (c) catalin

Warum entsteht Lungenkrebs?

Lungenkrebs gehört zu den wenigen Krebsarten, deren Hauptrisikofaktor bekannt ist: Tabakkonsum. Nachweislich verursacht das Rauchen 85 % aller Erkrankungen der Lunge. Aufgrund der chronischen Schädigung durch das Rauchen beispielsweise kommt es zu einer Veränderung (Mutation) in der Erbsubstanz. Durch diese Mutation in unserer DNA werden die Kontrollmechanismen der Zellen deaktiviert. Dadurch kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung geschädigter Zellen: Es bildet sich ein Geschwulst beziehungsweise ein Tumor.

Info: Nur 15 % aller Lungenkrebspatienten hat nie geraucht!

Raucher haben ein 24-fach höheres Risiko an Lungenkrebs zu erkranken als Nichtraucher. Denn Zigarettenrauch enthält nachweislich über 50 krebserregende Substanzen. Auch Passivrauchen und Luftverschmutzung beziehungsweise Feinstaubbelastung erhöhen das Lungenkrebsrisiko signifikant.

Lungekrebs: wer ist gefährdet?

Um das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern zu ermitteln, berechnest du deine Packungsjahre (engl. Pack Years). Ein Packungsjahr steht für die Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten (Annahme: 20 Zigaretten pro Packung). Die Packungsjahre berechnest du, indem du die Anzahl der pro Tag gerauchten Packungen mit der Anzahl deiner Raucherjahre multiplizierst. Beispiel: Herr Müller raucht fünf Jahre lang zwei Packungen am Tag. Somit hat Herr Müller bereits zehn Packungsjahre beziehungsweise dieselbe Anzahl, als ob er über zehn Jahre lang die Hälfte geraucht hätte.

Packungsjahr = Anzahl der täglich gerauchten Zigarettenpackungen x Raucherjahre

Wer in seinem Leben weniger als 100 Zigaretten geraucht hat, darf sich als Nieraucher bezeichnen. Leichtraucher sind Menschen mit maximal 15 Packungsjahren – vorausgesetzt, sie haben seit mindestens zehn Jahren nicht mehr geraucht. Langzeitstudien konnten belegen, dass Personen mit mehr als 40 Packungsjahren ein sehr hohes Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken.

Risikogruppen sind:

  • Raucher
  • Menschen, die mit krebserregenden Stoffen arbeiten
  • Menschen mit familiärer Vorbelastung

Krebserregende Stoffe am Arbeitsplatz sind beispielsweise: Asbest, Arsen, Benzol, Chrom, Nickel, Quarzstaub, Ruß, Teer u.a.

Lungenkrebs: Lungenschablone mit ausgedrückten Zigaretten darauf

Tabakkonsum ist der Hauptverursacher für Lungentumore. Foto: Adobe Stock, (c) samuel

Warum ist Lungenkrebs so gefährlich?

Die Lungenkrebs-Lebenserwartung hängt im Wesentlichen davon ab, in welchem Krankheitsstadium du dich zum Zeitpunkt der Diagnose befindest. Wenn Lungenkrebs diagnostiziert wird, ist es oftmals schon zu spät für eine vollständige Heilung. Denn in frühen Krankheitsstadien haben Betroffene keine spezifischen, oft auch überhaupt keine Beschwerden.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Tumortyp. Hier unterscheidet man zwischen kleinzelligen (SCLC: Small Cell Lung Cancer) und nicht-kleinzelligen Tumorarten (NSCLC: Non Small Cell Lung Cancer). Welcher Typ vorliegt, können Ärzte aufgrund der vorgefundenen Krebszellen bestimmen.

Das kleinzellige Bronchialkarzinom ist weitaus seltener, allerdings aggressiver. Die Krebszellen teilen sich beim kleinzelligen Tumor schneller, außerdem kommt es auch früher zu Metastasenbildung (Metastasierung). Hierbei verbreiten sich Krebszellen im Körper und befallen andere Organe.

Ohne entsprechende Behandlung führt dieser Tumortyp nach wenigen Monaten zum Tod. Die Überlebenschancen sind dementsprechend gering. In sehr seltenen Fällen ist der kleinzellige Krebs aufgrund einer rechtzeitigen Diagnose noch operabel.

Wie Lungenkrebs diagnostizieren?

In einem frühen Stadium wird Lungenkrebs meist per Zufall im Rahmen einer Routine-Untersuchung entdeckt. Besteht hingegen ein begründeter Verdacht, liefern Lungenröntgen und Blutanalyse die ersten diagnostischen Ergebnisse. Um im Röntgenbild als runder Schatten sichtbar zu werden, muss der Tumor jedoch bereits eine gewisse Größe erreicht haben, wenn er sich nicht gerade gut sichtbar an der Oberfläche der Lungenflügel befindet.

Anschließend gibt eine CT-Untersuchung (Computertomografie) Aufschluss über die Größe des Tumors und gegebenenfalls auch darüber, ob benachbarte Areale von Metastasen befallen sind. Für eine genaue Bestimmung des Tumortyps entnehmen Ärzte eine Gewebeprobe (Biopsie) im Rahmen einer Spiegelung deiner Bronchien (Bronchoskopie).

Bronchoskopie und Biopsie sind die wichtigsten diagnostischen Werkzeuge zur Sicherung des Befunds. Hierbei werden auch die Schleimhäute der unteren Atemwege analysiert. Bestätigen die bisherigen Untersuchungen den Verdacht, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Denn nun gilt es herauszufinden, wie sich der Tumor im Brustkorb ausgebreitet hat beziehungsweise ob streuende Metastasen im Körper vorhanden sind. Das entsprechende Verfahren heißt PET-CT (Positronen-Emissions-Tomografie mit Computertomografie).

Wer stellt Lungenkrebs fest?

Die ersten Ansprechpartner sind in der Regel Hausärzte oder Spitäler mit entsprechenden Ambulanzen. Gibt es einen begründeten Verdachtsmoment, wird dich dein Hausarzt an einen Lungenfacharzt oder eine spezialisierte Ambulanz überweisen.

Lungenkrebs: ein Arzt mit einem Röntgenbild

Lungenfachärzte (Pneumologen) sind die ersten Ansprechpartner beim Thema Lungenkrebs. Foto: Adobe Stock, (c) BillionPhotos.com

Wie wird Lungenkrebs behandelt?

Zunächst muss der Lungenfacharzt feststellen, um welchen Typ des Lungenkrebs es sich handelt und in welchem Krankheitsstadium sich der Patient befindet. Außerdem spielt der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten eine wichtige Rolle. Die Therapie richtet sich also nach:

  • Tumortyp
  • Krankheitsstadium
  • Gesundheitszustand des Patienten

Zu diesem Zweck hat sich ein internationales System zur Klassifizierung des Tumors herausgebildet. Die Stadieneinteilung berücksichtigt alle genannten Faktoren. Für kleinzellige und nicht-kleinzellige Tumore gibt es unterschiedliche Einteilungen.

Zur Behandlung des Lungentumors gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die in den meisten Fällen kombiniert werden. Die wichtigsten Therapieformen der Lungenkrebsbehandlung sind:

  • Operation
  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie
  • Immuntherapie

Eine Operation ist dann sinnvoll, wenn der Tumor noch lokal begrenzt ist und sich keine Metastasen gebildet haben. Die Chemotherapie ist zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung ein effektives therapeutisches Mittel. Mit Hilfe der Chemotherapie werden die Krebszellen daran gehindert, sich weiter auszubreiten. Die hier zum Einsatz kommenden Medikamente greifen Zellen an, die sich in der Teilungsphase befinden (zum geringeren Anteil auch gesunde Zellen). Im besten Fall kann auf diese Weise sogar eine Rückbildung des Tumors erreicht werden.

In Kombination dazu setzen Ärzte auch Strahlentherapie ein: Ionisierende Strahlen sollen in diesem Verfahren den Zellkern des Tumors zerstören. Es kommen spezielle Geräte zum Einsatz, die energiereiche Strahlen direkt auf den Tumor abfeuern. Die Immuntherapie als vierte therapeutische Maßnahme unterstützt die körpereigenen Abwehrmechanismen auf medikamentöser Basis. In diesem Bereich gibt es zahlreiche, vielversprechende Forschungsansätze. Einen ausführlichen Artikel zum Thema kannst du hier nachlesen: IMMUNTHERAPIE GEGEN KREBS: ABLAUF, NEBENWIRKUNGEN, KOSTEN.

Lungenkrebs: ein Mann zerbricht eine Zigarette

Lungenkrebs: ein perfider Massenmörder. Foto: Adobe Stock, (c) Nopphon

Was kann man gegen Lungenkrebs tun?

Das effektivste Mittel gegen ein Lungenkrebsrisiko ist der Verzicht auf Tabak. Darüber hinaus kannst du mit gesunder Ernährung dazu beitragen, das Lungenkrebsrisiko zu reduzieren. Der regelmäßige Verzerr von Früchten kann das Krebsentstehungsrisiko senken. Obst und Gemüse verfügen über Antioxidantien, welche die DNA der Zellen vor oxidativen Schäden schützen.

Info: Es ist nie zu spät, um mit dem Rauchen aufzuhören!

Je früher du mit dem Rauchen aufhörst, desto früher kann dein Krebsrisiko auf das Niveau von Nichtrauchern gesenkt werden. Als Faustregel gilt hier: Deine Lunge braucht in etwa zehn Jahre, um eine Generalsanierung durchzuführen. Gleichzeitig steigt etwa ab dem 40. Lebensalter das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern dramatisch an.

Wenn du mit dem Rauchen aufhören willst, bekommst du bei deinem Hausarzt oder Lungenfacharzt weiterführende Informationen und hilfreiche Ratschläge. Tipps zur Raucherentwöhnung kannst du sonst auch in unserem Beitrag ICH WILL MIT DEM RAUCHEN AUFHÖREN: DIE 5 BESTEN TIPPS nachlesen.

Lungenkrebs in Österreich: Forschung & Statistik

Österreich liegt bei den Neuerkrankungen im europäischen Spitzenfeld. Auf der anderen Seite liegt Österreich in der medizinischen Versorgung von Krebspatienten weltweit vorne. Das liegt einerseits an der ausgezeichneten Behandlungsstruktur im Lande, andererseits an einer regen Forschungstätigkeit im Bereich der pneumologischen Onkologie.

Derzeit wird eine bemerkenswerte Entwicklung prognostiziert: Im Jahr 2014 lebten hierzulande 7.200 Männer und 5.200 Frauen mit Lungenkrebs (Statistik Austria). Laut Prognosen werden im Jahr 2030 circa 11.700 Männer und bereits 11.900 Frauen betroffen sein. Dieser Trend wird mit dem sogenannten „Nachlaufeffekt“ beim Rauchen erklärt: Galt das Rauchen lange Zeit als männliches Attribut, griffen mit der Emanzipation in den 60er und 70er Jahren auch immer mehr Frauen zur Zigarette.

Allmählich findet jedoch ein gesellschaftliches Umdenken statt: Am 1. November 2019 ist in Österreich die Nichtraucherschutzgesetz-Novelle in Kraft getreten. Rauchen in Lokalen und gastronomischen Betrieben ist seither verboten.

Gut bewertete Lungenfachärzte in Wien:

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