Magenbypass in Österreich: Wer zahlt, wie funktioniert es?

Schematische Darstellung einer Frau, die durch einen Magenbypass viel Gewicht verliert.

Der Magenbypass verspricht eine drastische Gewichtsreduktion innerhalb weniger Monate. Aber gibt es Risiken? Adobe Stock, (c) adrenalinapura

Extra breite Rettungswagen, XXL-Särge und Typ-2-Diabetes bei Kindern: Was in Amerika bereits traurige Realität ist, zeichnet sich langsam aber sicher auch in Europa ab. In Österreich sind laut Ernährungsbericht 2017 bereits 41 Prozent aller Erwachsenen übergewichtig.  Der Magenbypass verspricht einen Ausweg aus Diätwahn und Jojo-Effekt. Aber wie funktioniert der Eingriff? Was darf man nach der OP noch essen? Und ist der Eingriff zur Gewichtsreduktion überhaupt eine Kassenleistung? Wir haben recherchiert. (Stand Juli 2019)

Was ist ein Magenbypass?

Der Magenbypass ist ein Eingriff, der im Rahmen der Adipositaschirurgie durchgeführt wird. Unter Adipositaschirurgie (auch bariatrische Chirurgie genannt) versteht man Maßnahmen zur chirurgischen Veränderung des Magen-Darm-Traktes. Ziel dieser Eingriffe ist die drastische Gewichtsreduktion über einen relativ kurzen Zeitraum. Andere bariatrische Maßnahmen neben dem Magenbypass sind der Schlauchmagen (Gastric Sleeve Resection), der Magenballon und das Magenband.

Achtung: Da bestimmte Eingriffe (zum Beispiel Magenbypass und Schlauchmagen) nicht rückgängig zu machen sind, gilt die Adipositaschirurgie als letzter Ausweg für krankhaft Übergewichtige, bei denen alle konservativen Therapiemöglichkeiten fehlgeschlagen sind.

Was wird beim Magenbypass gemacht?

Der Bypass verdankt seinen Namen der Tatsache, dass der Magen wenige Zentimeter unterhalb des Eingangs abgetrennt und direkt mit dem mittleren Dünndarm verbunden wird. Auf diese Weise wird der obere, direkt an den Magen anschließende Dünndarm umgangen (englisch: to bypass). Die zugeführte Nahrung und die Gallen- und Bauchspeichelflüssigkeit aus dem ursprünglichen Magen werden auf diese Weise erst wieder im mittleren Dünndarm vereint. Das bedeutet, dass die Aufnahme der Nahrungsbestandteile durch den Darm erst viel später als normal einsetzt und ein großer Teil der aufgenommenen Nahrung fortan unverdaut direkt in den Dickdarm befördert wird.

Gibt es beim Magenbypass Risiken?

Der Bypass des Magens ist ein großer und komplexer Eingriff, durch den die Anatomie deines Magen-Darm-Systems endgültig verändert wird. Durch den Einsatz modernster Operationstechniken und aufgrund der Tatsache, dass der Magenbypass in der Chirurgie mittlerweile fast schon zu einer Standard-Operation geworden ist, sind die Risiken allerdings verhältnismäßig gering. Trotzdem kann es, wie bei allen (größeren) Eingriffen, natürlich zu Komplikationen kommen. Zu den möglichen Operationsrisiken und Komplikationen, die im Anschluss an den Bypass auftreten können, zählen:

  • Organ- und/oder Gefäßverletzungen
  • Komplikationen im Zuge der Narkose
  • Wundheilungsstörungen/Infektionen der Wunden (innen und/oder außen)
  • Undichtigkeiten der künstlich hergestellten neuen Organverbindungen
  • Gefahr einer Bauchfellentzündung
  • Störungen der normalen Magen-Darm-Bewegungen (Verdauungsstörungen)

Nach dem Magenbypass: Wie lange ist man krankgeschrieben?

Wie jede Operation ist natürlich auch der Magenbypass mit einem gewissen Risiko verbunden. Die Sterblichkeitsrate liegt derzeit bei 0,4 Prozent. Da der Eingriff nach Möglichkeit jedoch mithilfe der sogenannten Knopflochchirurgie durchgeführt wird, welche minimal invasiv ist, gilt diese Maßnahme als sehr sicher. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist eine sehr rasche Mobilisierung nach der OP. Normalerweise beträgt der Spitalsaufenthalt nicht länger als drei bis sechs Tage. Die Dauer des Krankenstands hängt von deinem generellen Gesundheitszustand und deinem Beruf ab. Sie beträgt normalerweise zwischen einer (Büro-Jobs) und vier Wochen (körperliche Arbeit).

Keyhole Operation bei Magenbypass

Die Adipositas Chirurgie ist der letzte Ausweg, wenn jede andere Therapie zur Gewichtsreduktion versagt hat. Adobe Stock (c) Damian

Warum nimmt man durch den Magenbypass ab?

Effektiv handelt es sich bei diesem Eingriff um eine Magenverkleinerung. Der kleine entstehende „Restmagen“ (englisch pouch genannt) fasst nur etwa 15 ml Volumen, wodurch die Nahrungszufuhr dramatisch beschränkt wird. Dadurch, dass die zugeführte Nahrung außerdem einen Großteil des Darms umgeht, wird nur ein kleiner Teil der Nährstoffe tatsächlich aufgenommen und vom Körper verarbeitet. Das bedeutet, dass du durch einen Magenbypass nicht nur deutlich weniger Nahrung zu dir nehmen kannst, sondern dass diese Nahrung gleichzeitig auch schlechter verwertet wird. Die Folge ist ein hoher Gewichtsverlust in sehr kurzer Zeit, wie er auf traditionellem Wege durch Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität nicht möglich wäre.

Wie lange und wie viel kann man abnehmen?

Der Magenbypass wurde speziell dafür entwickelt, innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Gewicht zu verlieren. Je höher das Ausgangsgewicht ist, desto schneller purzeln nach der OP die Kilos – 20 oder 30 kg allein in den ersten Wochen ist bei extrem übergewichtigen Patienten keine Seltenheit. Mit der Zeit pendelt sich der Gewichtsverlust jedoch auf einem normalen Level ein. Je näher du deinem Zielgewicht kommst, desto langsamer geht es für gewöhnlich. Grundsätzlich kann man damit rechnen, durch den Magenbypass allein rund 70 Prozent des gesamten Übergewichts zu verlieren. Für den Rest bedarf es jedoch trotzdem noch einer Umstellung auf die richtige Ernährung und einen aktiveren Lebensstil.

Schematische Darstellung Magenbypass.

Beim Magenbypass wird ein neuer Magen (Stomach Pouch) geschaffen, der deutlich weniger Volumen aufnehmen kann. Adobe Stock, (c) Normaals

Magenbypass: Was muss ich tun, damit es funktioniert?

Was viele Leute nicht wissen: Der Magenbypass ist kein „Quick Fix“. Im Gegenteil: Das Abnehmen geht zwar deutlich schneller als auf traditionellem Wege, aber trotzdem ist ein Magenbypass eine lebenslange Angelegenheit und erfordert sowohl eine Anpassung des Lebensstils als auch der Ernährung. Obwohl der Patient schon ein paar Wochen nach der Operation wieder „normales“ Essen zu sich nehmen darf, haben die meisten Betroffenen Schwierigkeiten damit, das rechte Maß zu finden. Außerdem entbindet die Operation nicht von der Pflicht, körperlich aktiv zu sein.

Was und wie darf ich nach der Magenbypass-OP essen?

Da der neue Magen nur ein sehr geringes Volumen fassen kann, sollten vorrangig Lebensmittel mit sehr hohem Proteingehalt verzehrt werden. Außerdem reagiert der neue Magen empfindlich auf Zucker, Alkohol und (stark) verarbeitete Lebensmittel. Für den Patienten bedeutet die falsche Ernährungsweise nach der OP Unwohlsein, Übelkeit und im schlimmsten Fall starke Mangelerscheinungen. Stattdessen sollte folgendermaßen gegessen werden:

  • kleine Portionen essen (kleine Schüsselchen verwenden)
  • langsam essen, sehr bewusst kauen
  • kein rohes Obst und Gemüse
  • keine (zu) kalten, heißen, scharfen, fettigen oder salzigen Speisen
  • möglichst zuckerfrei essen
  • möglichst eiweißreich essen
  • keine kohlensäurehaltigen Getränke
  • NICHT zu den Mahlzeiten trinken, sondern mindestens 30 Minuten davor oder danach
Tipp: Es gibt Ernährungsberater und Diätologen, die spezielle Beratungsgespräche für Magenbypass-Patienten anbieten. Hier lernst du, wie du dich bestmöglich auf die Operation vorbereitest und wie es dir gelingt, deinen Körper nach dem Eingriff optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Die Resize OG in 10101050, 1090 und 1220 Wien, 8010 Graz, 8530 Deutschlandsberg und 8580 Köflach berechnet für ein einstündiges Beratungsgespräch 120 €.

Vitaminmangel und andere Nebenwirkungen nach Magenbypass

Durch einen Magenbypass wird der normale Verdauungsablauf verändert. Dadurch, dass die Nahrung den größten Teil des Darms umgeht, wird nicht nur die Aufnahme der Kalorienträger herabgesetzt, sondern natürlich gelingt auch die Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aus der Nahrung nicht mehr annähernd so gut wie vorher. Das bedeutet, dass der Patient nach der Operation vollkommen neu „essen lernen“ muss und außerdem ein Leben lang auf die Zufuhr bestimmter Vitamine und Mineralstoffe angewiesen bleibt. Häufige Nebenwirkungen einer Magenbypass-OP sind daher:

  • Durch den Mangel an Mineralstoffen und Spurenelementen fehlt es dem Haarboden an wichtigen Nährstoffen. Eine häufige Nebenwirkung ist daher dünnes, brüchiges und stumpfes Haar oder sogar starker Haarausfall.
  • Der chronische Vitaminmangel macht die lebenslange tägliche Einnahme eines Multivitaminpräparates erforderlich.
  • Vitamin B 12 gehört zu jenen Vitaminen, die vom Restdarm nicht mehr absorbiert werden können. Betroffene müssen das Vitamin daher lebenslang über Injektionen zuführen.
  • Auch Eisen muss in den meisten Fällen über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.
  • Durch das Stilllegen hormoneller Regulationsmechanismen im Darm kann es zu einem hormonellen Ungleichgewicht kommen.
  • Eingriffe wie Magenspiegelung oder Gallenstein-Entfernung sind nicht mehr möglich.
  • Bei ungünstiger Nahrungszusammensetzung kann es zu Blähungen, Durchfällen und dem sogenannten Dumping-Syndrom (= Kreislaufabfall und blitzartige Darmentleerung) kommen.
  • Wer zu viel isst, riskiert, dass sich der kleine pouch ausdehnt, wodurch die restriktive Wirkung verloren geht. Die Folge ist eine erneute Gewichtszunahme.

Wer bekommt einen Magenbypass?

Der Magenbypass ist der letzte Ausweg für Menschen, die (nachweislich) bereits auf allen herkömmlichen Wegen versucht haben, das Gewicht zu verlieren. Da es sich um einen Eingriff handelt, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, finden im Vorfeld umfassende Gespräche mit dem Hausarzt, dem Chirurgen und gegebenenfalls einem Diabetologen statt. Bei einem BMI ab 40 wird die Operation in der Regel bewilligt.

Liegt der BMI zwischen 35 und 40, so hängt die Entscheidung in entscheidendem Maße vom Gesundheitszustand des Antragstellers ab. Liegen bereits Folgeerkrankungen wie Diabetes, Schlafapnoe, Bluthochdruck oder Herzbeschwerden vor, wird die OP in der Regel ebenfalls durchgeführt. Grundsätzlich kann man sagen: Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der Antragssteller innerhalb der nächsten zehn Jahre an den Folgen seines Übergewichts stirbt, höher ist als das Risiko, das die Operation darstellt, wird die Magenbypass-OP durchgeführt. Das Mindestalter für eine Magenbypass-OP liegt in Österreich bei 14 Jahren.

Magenbypass Operation, Adipositas

Zahlt die Krankenkasse den Magenbypass?

In Österreich wird eine Magenbypass-Operation häufig schon ab einem BMI von 35 von der Krankenkasse bezahlt. Man geht nämlich davon aus, dass der Patient die Kassa aufgrund von Folgeerkrankungen auf lange Sicht mehr Geld kostet, wenn er das Übergewicht nicht verliert. In vielen Fällen wird auch eine Folgeoperation bezahlt, um überschüssige Haut zu entfernen. Die notwendigen Voraussetzungen für die Übernahme dieses Eingriffs sind jedoch von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Da der Magenbypass mit Kosten von rund 10.000 € zzgl. Spitalaufenthalt die aufwändigste der bariatrischen Eingriffe ist, können Privatleute die Kosten häufig nicht tragen. Manche Patienten entscheiden sich nach einem ablehnenden Bescheid ihrer Krankenkasse daher stattdessen für einen Magenballon oder ein Magenband und zahlen dieses aus eigener Tasche.

Wer bietet die Magenbypass-OP an?

Magenbypässe werden in Österreich sowohl in Krankenhäusern als auch in Privatkliniken für Chirurgie durchgeführt. Für einen ersten Überblick haben wir sowohl niedergelassene Anbieter als auch Zentren für Adipositas Chirurgie in den Bundesländern recherchiert. Weitere Informationen findest du auf den jeweiligen Websites:

Magenbypass in Wien

Prim. Dr. Franz Hoffer, 1110 Wien

Krankenhaus Göttlicher Heiland, 1170 Wien

Dr. Alexis Freitas, 1130 Wien (europäischer Facharzt für Koloproktologie)

Univ. Prof. Dr. Wolfgang Feil, 1090 Wien (Evangelisches Krankenhaus)

OA Dr. Michael Kisser, 1060 Wien

Univ. Doz. Dr. Gerhard Prager, 1070 Wien (Universitätsklinik)

Magenbypass in Niederösterreich

Prim. Dr. Friedrich Schmöller, 3300 Amstetten (Landesklinikum Amstetten)

Prim. Dr. Franz Hoffer, 2020 Hollabrunn (Landesklinikum Hollabrunn)

Prim. Dr. Klaus Dittrich, 2100 Kornneuburg (Landesklinikum Kornneuburg)

Magenbypass in Oberösterreich

Kepler-Universitätsklinikum, 4020 Linz

Oberösterreichische Gesundheits- u. Spitals-AG, 4020 Linz

OA Dr. Jarjoura Eid, 4600 Wels (Klinikum Wels-Grieskirchen)

Doz. Dr. Gernot Köhler, 4020 Linz (Ordensklinikum Linz)

OA Dr. Sonja Pedevilla, 4861 Schörfling am Attersee (Salzkammergut-Klinikum Gmunden)

Magenbypass in der Steiermark

Univ. Prof. Dr. Selman Uranüs, 8010 Graz

Dr. med. univ. Friedrich Tadler, 8010 Graz (Krankenhaus der Elisabethinen)

LKH Hochsteiermark, 8600 Bruck an der Mur

Magenbypass in Salzburg

Prim. Univ. Doz. Dr. Helmut Weiss, 5020 Salzurg (Krankenhaus Barmherzige Brüder)

Landeskrankenhaus Salzburg, 5020 Salzburg

Magenbypass in Kärnten

Klinikum Klagenfurt, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

LKH Wolfsberg, 9400 Wolfsberg

LKH Villach, 9500 Villach

Magenbypass in Tirol

Adipositaschirurgie Zams, 6511 Zams

Bezirkskrankenhaus Kufstein, 6330 Kufstein

Prim. Doz. Dr. Hermann Nehoda, 6380 Sankt Johann (Bezirkskrankenhaus St. Johann)

Magenbypass in Vorarlberg

Landeskrankenhaus Bregenz, 6900 Bregenz 

Krankenhaus der Stadt Dornbirn, 6850 Dornbirn



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