Was ist Mediation? Was macht ein Mediator?

Blaue Figur, die zwischen einer Gruppe von gelben und einer Gruppe von roten Figuren steht und dadurch das Konzept einer Mediation versinnbildlicht.

Mediation Wien: In der Mediation werden Konflikte beigelegt und akzeptable Lösungen für beide Seiten gefunden. Foto: Adobe Stock, (c) ibreakstock

Manchmal enden Beziehungen, Freundschaften oder Arbeitsverhältnisse vor Gericht. Das ist nicht nur teuer, sondern verhärtet die Fronten oft noch zusätzlich. Die Mediation ist ein Verfahren zur außergerichtlichen Lösung von Sorgerechtsproblemen, Nachbarschaftsstreitigkeiten und anderen Konflikten im privaten und beruflichen Bereich. Wir haben recherchiert, wie ein Mediator arbeitet, welche Phasen die Parteien durchlaufen und wie viel das Konfliktmanagement kostet.

Mediation – was ist das?

Eheleben, Nachbarschaft, berufliches Umfeld: Überall, wo Menschen aufeinandertreffen, gibt es Konfliktpotenzial. Häufig hilft ein klärendes Gespräch, um Uneinigkeiten aus der Welt zu schaffen. Aber manchmal sind die Meinungen so verschieden oder die Gefühle so verletzt, dass zwei Parteien ihren Konflikt nicht aus eigener Kraft beilegen können. Hier kommt die Mediation ins Spiel. Der Mediator fungiert als unparteiischer Dritter, der die Konfliktparteien, auch Medianten oder Medianden genannt, bei der Lösungsfindung unterstützt.

Die Mediation ist ein strukturiertes Verfahren, das dazu dient, den Konflikt beizulegen und gemeinsam Win-Win-Lösungen für alle Beteiligten zu erarbeiten. Menschen, die sich dazu entschließen, einen Mediator einzuschalten, tun dies aus freiem Willen.

Wo wird Mediation eingesetzt?

Typische Einsatzbereiche von Mediatoren sind Familienstreitigkeiten (Generationenkonflikte, Scheidung, Sorgerechts- oder Unterhaltsprobleme etc.), Nachbarschaftskonflikte und Konfliktbewältigung an Schulen (Peer-Mediation). Mediation zielt allerdings nicht nur auf die Versöhnung zweier Individuen, sondern auch auf den Ausgleich der Interessen von Gruppen oder Teams, die miteinander im Konflikt stehen. Aus diesem Grund wird Mediation auch häufig in folgenden Bereichen eingesetzt:

  • Justiz (Mediation im Zivilrecht)
  • Umwelt (Bei der Umweltmediation sucht die Mediatorin gemeinsam mit allen von einem umweltrelevanten Projekt Betroffenen nach einer Lösung, die für alle akzeptabel ist.)
  • Wirtschaft (Wirtschaftsmediatoren arbeiten in Unternehmen und Organisationen und tragen so zur Prävention und Lösung von Konflikten bei. Die Wirtschaftsmediation ist vor allem dann wichtig, wenn Unternehmen umstrukturiert werden.)

Die Mediation ist Beratung und Coaching zugleich, da sie Ängste auffängt und zu einer Lösung des Konflikts hinleitet. Adobe Stock, (c) fizkes

Mediation im Beruf

Kommt es im beruflichen Alltag zu unüberwindbaren Spannungen zwischen Abteilungen oder einzelnen Angestellten, obliegt es den jeweiligen Führungskräften, für die Konfliktlösung zu sorgen. Sind die Fronten sehr verhärtet, kann eine Mediation durchaus sinnvoll sein. Dies gilt auch im Falle von Umstrukturierungen, da die Mediation unter anderem den Abbau von Ängsten zum Ziel hat. Achtung: Im Falle von Mobbing am Arbeitsplatz kann das Nicht-Engagieren eines Mediators dem Arbeitgeber als Verfehlung ausgelegt werden, die unter bestimmten Umständen einen Schadensersatzanspruch des Opfers rechtfertigt.

Wie arbeiten Mediatoren?

Der Mediator leitet die Gespräche und achtet darauf, dass gewisse Regeln eingehalten werden (zum Beispiel ein respektvoller und fairer Umgang miteinander).  Er oder sie trifft keine Entscheidungen, sondern leitet und strukturiert durch zielführende Fragen oder Feststellungen lediglich das Verfahren der Lösungsfindung. Bei manchen Arten von Mediation, zum Beispiel bei der sogenannten Peer-Mediation an Schulen, kann es sein, dass der Mediator selbst inhaltliche Vorschläge macht, um den Parteien Lösungswege und Formen des Konfliktmanagements aufzuzeigen, die die Teilnehmenden künftig in den Schulalltag integrieren können.

Vor Beginn des Verfahrens unterschreiben beide Parteien und der Mediator einen sogenannten Mediationsvertrag, in dem Zweck und Umfang der Mediation festgehalten werden. Dieser Vertrag ist rechtlich bindend und regelt unter anderem auch Fragen der Haftung. Die Rechte und Pflichten des Mediators sind außerdem im österreichischen Mediationsgesetz geregelt, das unter anderem die Freiwilligkeit der Parteien und die Schweigepflicht einschließt. Zur förderfähigen Ausübung ihrer Praxis sind nur Mediatoren berechtigt, die offiziell eingetragen sind und eine Haftpflichtversicherung nach § 19 abgeschlossen haben.

Mediation, Mediator Kontakt

Mediation. Adobe Stock, (c) Trueffelpix

Ablauf: Welche Phasen werden in der Mediation durchlaufen?

Sofern keine telefonische Mediation (ja, das gibt es auch!) vereinbart wurde, findet zunächst eine Erstinformation statt. Hier erläutert der Mediator/die Mediatorin das geplante Verfahren und einigt sich mit den Medianten über einen finanziellen und zeitlichen Rahmen. Anschließend wird der Konflikt beleuchtet und schriftlich festgehalten, welche Wünsche und Bedürfnisse die Medianten haben und welche Ansprüche sie an die Lösungsfindung stellen (Bestandsaufnahme).

  1. Bestandsaufnahme  →  2. Sortierung  →  3. Lösungen sammeln  →  4. Bewertung  →  5. Vertrag

In der Phase der Sortierung schildern die Medianten den Konflikt aus ihrer Perspektive und versuchen, herauszufinden, um was es ihnen wirklich geht. Es ist nicht selten, dass an diesem Punkt der Mediation neue Problemfelder hinzukommen oder der Konflikt eine ganz neue Wendung bekommt. Häufig sind diese Wendungen für die Beteiligten selbst überraschend, weil sie sich ihrer tatsächlichen Wünsche oder Problematiken zuvor vielleicht gar nicht bewusst waren. In der nächsten Phase machen beide Parteien Lösungsvorschläge, die zunächst einmal nur gesammelt und noch nicht bewertet werden.

In der Bewertungsphase wird besprochen, welche Lösungen tatsächlich realisierbar sind und von beiden Konfliktparteien akzeptiert werden können. Haben die Medianten sich auf eine Lösung geeinigt, mit der beide zufrieden sind, wird diese in einem Vertrag schriftlich festgehalten. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Mediationsvereinbarung. Diese ist zwar nicht mit einem Richterspruch gleichzusetzen, aber da es sich um einen privatrechtlichen Vertrag handelt, ist die in der Mediation erarbeitete Lösung für beide Konfliktparteien bindend.

Mann, der zwischen zwei Klippen hängt und mit seinen Armen eine Brücke bildet für andere Männer, die auf diese Weise den Abgrund überqueren können. Versinnbildlicht die Mediation Wien.

Der Mediator hilft den Konfliktparteien dabei, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Adobe Stock, (c) freshidea

Kosten: Wie teuer ist eine Mediation?

Bei Gerichtsverfahren sind die Kosten vom Streitwert abhängig. Wie teuer eine Mediation ist, hängt hingegen einzig und allein vom Zeitaufwand des Mediators ab. Dieser verrechnet in der Regel ein Stundenhonorar, das von Fall zu Fall variiert. Je komplexer der Fall ist, desto höher fällt der Stundensatz aus. So werden bei kleineren Schlichtungsfällen im privaten Rahmen normalerweise um die 100,- € verrechnet, während das Honorar bei komplexen Fällen aus dem Bereich der Wirtschaft beispielsweise bis zu 500,- €  pro Stunde betragen kann. Familienmediationen schlagen in Österreich mit rund 220,- € pro Stunden zu Buche.

Wer zahlt die Mediation? Gibt es staatliche Zuschüsse?

Mediationen sind, genau wie Anwaltskosten, normalerweise privat zu zahlen. In bestimmten Fällen gibt es allerdings die Möglichkeit, einen Zuschuss zu beantragen. Dies gilt beispielsweise im Scheidungs- oder Trennungsfall, wenn die Ex-Partner sich nicht über den Unterhalt, das Besuchsrecht oder die Vermögensaufteilung einigen können, aber auch nicht vor Gericht gehen möchten. In diesem Fall leistet das Bundeskanzleramt für Frauen, Familie und Jugend einen finanziellen Zuschuss, dessen Höhe sich am Familieneinkommen und der Anzahl der unterhaltspflichtigen Kinder orientiert. Auch für Mediationen im Wirtschaftsbereich gibt es Zuschüsse, die beim zuständigen Bundeskanzleramt zu beantragen sind.

Gut zu wissen: Wer über eine Rechtsschutzversicherung verfügt, kann anstelle eines Gerichtsverfahrens auch eine Mediation in Anspruch nehmen.

Mediation Wien – unsere Empfehlungen

Um herauszufinden, welcher Mediator für dein Anliegen am besten geeignet ist, solltest du dir den jeweiligen Internetauftritt anschauen. Auf Herold.at kannst du in der Kategorie Mediation nach Bundesländern, Relevanz und Bewertungen sortieren. Auf diese Weise findest du heraus, wer in deinem Bundesland Mediationen anbietet und wer welche Schwerpunkte hat. Für das Bundesland Wien haben wir bereits recherchiert, wer Mediationen anbietet:

Warum Mediation? Vorteile der zivilen Konfliktlösung

Damit eine Mediation gelingen kann, müssen beide Konfliktparteien verhandlungsfähig und dazu bereit sein, ihren Konflikt auf dem Verhandlungsweg beizulegen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, hat die Mediation gegenüber dem Gerichtsweg folgende Vorteile:

  • Eine Mediation ist deutlich kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren.
  • Die Lösung wird nicht durch eine dritte Person „vollstreckt“, sondern von den Beteiligten selbst erarbeitet.
  • Die Mediation hilft dabei, den Kontakt zwischen den Konfliktparteien wiederherzustellen und ein respektvolles Gesprächsklima zu schaffen.
  • In der zivilen Konfliktlösung geht die Lösungsfindung deutlich schneller als im Gerichtsverfahren.
  • Durch den strukturierten Ablauf und die neutrale Leitung durch den Mediator kann rasch und zielgerichtet auf die Konfliktlösung hingearbeitet werden.
Männliche Hand, die zwischen einem grünen und einem roten Holzmännchen liegt und dadurch die Mediation Wien versinnbildlicht.

Mediatorische Beratung kann im Bereich Justiz, Umwelt, Familie eingesetzt werden. Es gibt außerdem Wirtschaftsmediation. Adobe Stock, (c) Андрей Яланский

Wer darf Mediation anbieten?

Die Ausübung des Mediationsberufs ist in Österreich streng gesetzlich geregelt. Um in die offizielle Mediatoren-Liste des Justizministeriums eingetragen zu werden, muss ein Bewerber nicht nur seine fachliche Qualifikation nachweisen, sondern er muss auch mit den rechtlichen und psychosozialen Grundlagen der Mediation vertraut sein. Außerdem muss er zum Zeitpunkt der Eintragung das 28. Lebensjahr vollendet und eine Haftpflichtversicherung nach § 19 abgeschlossen haben. In der Regel lassen sich Menschen mit abgeschlossener Ausbildung oder abgeschlossenem Studium in den Bereichen Psychologie, Soziologie, Jura, Lehramt usw. zu Mediatoren aus- beziehungsweise weiterbilden.

Wo arbeiten Mediatoren?

Ähnlich wie Lebens- und Sozialberater arbeiten viele Mediatoren früher oder später selbstständig. Es ist aber auch möglich, als Mediator in einem Angestelltenverhältnis tätig zu sein. Die wichtigsten Unternehmensbereiche, in denen Mediatoren arbeiten können, sind:

  • Öffentlicher Dienst
  • Erwachsenenbildungsinstitutionen
  • Kindergärten, Jugendzentren, Jugendheime
  • Bildungseinrichtungen
  • Beratungsstellen

Hier findest du Mediatoren und Mediatorinnen in deinem Bundesland:



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