Morbides Wien! 9 Seiten, von denen du deine Stadt noch nicht kanntest

Dunkle Gasse im morbiden Wien, auf der schemenhafte Gestalten zu sehen sind.

Morbides Wien: Wir suchen nach der schönen Leich und bringen Licht in die dunkle Wiener Stadtgeschichte. Adobe Stock, (c) nonverbal

Der Tod, das muss a Weaner sein, singt Georg Kreisler 1969. Zu diesem Zeitpunkt ruhen am Wiener Zentralfriedhof bereits mehr als drei Millionen Tote – die lebende Bevölkerung ist nur etwa halb so groß. Wir haben die Liebe der Wiener zum Schaurig-Schönen unter die Lupe genommen und zeigen dir die besten Spaziergänge und Führungen durch die dunklen Epochen der Stadtgeschichte: Vom Zentralfriedhof über das Bestattungsmuseum, die Kapuzinergruft und das Foltermuseum bis in den Narrenturm!

Morbides Wien oder die Stadt der schönen Leich‘

Hast du gewusst, dass Johann Strauß Vater auf den Zentralfriedhof „übersiedelt“ wurde, um Besucher anzulocken? Als die Simmeringer Totenstadt 1884 eingeweiht wird, will nämlich niemand den weiten Weg auf sich nehmen. Die Lösung des Gemeinderats ist typisch wienerisch: Anstatt eine direkte Anbindung zu schaffen, werden die Menschen mit Zeremoniell und Totenkult in den 11. Bezirk gelockt. Zu diesem Zweck werden sämtliche „prominente Überreste“ von anderen Wiener Friedhöfen überführt und 1885 die Ehrengrabanlage eingeweiht. Der Plan geht auf: Die Beisetzungen werden als öffentliches Ereignis stilisiert und fortan strömen die Massen auf den Zentralfriedhof.

1. Narrenturm – Wiens morbide Leichensammlung

Hast du gewusst, dass Wien in Sachen Körperspende weltweit führend ist? Sterben in der Donaumetropole ist so teuer, dass sich immer mehr Menschen dafür entscheiden, ihren Körper nach dem Tod dem Anatomischen Institut zu spenden. Kein Wunder also, dass die medizinisch-pathologische Sammlung in der ehemaligen Irrenanstalt des Alten Allgemeinen Krankenhauses so gut ausgestattet ist. Der fünfstöckige Rundbau, der im Volksmund als Narrenturm bekannt ist, beherbergt in erster Linie Feucht- und Trockenpräparate sowie mehrere Moulagensammlungen.

Wienführungen bzw. City Tours bietet spezielle Führungen durch den Narrenturm an, die dich mit allem Wissenswerten zur Wiener Medizingeschichte versorgen. Außerdem halten die Fremdenführer eine Menge makabre Details zu einzelnen Exponaten bereit. Worauf wartest du noch? Willkommen zum fröhlichen Nachmittag im Irrenhaus!

2. Bestattungsmuseum Wien – Klappsarg und Totenwecker

Probeliegen gefällig? Das Bestattungsmuseum befindet sich unterhalb der Aufbahrungshalle 2 am Wiener Zentralfriedhof und führt auf rund 300 Quadratmetern durch die Bestattungsgeschichte in Wien. Zu den gängigen Exponaten zählen Totenmasken, Grabtücher, Totengräber-Uniformen und die Wappen der Kaiserbegräbnisse. Etwas morbider wird es mit Sparsarg und Totenwecker: Der Sparsarg war an der Unterseite mit einer Klappe ausgestattet, die während des Begräbnisses mittels Hebel geöffnet wurde. Auf diese Weise fiel der Leichnam ins offene Grab und der Sarg konnte wiederverwendet werden.

Der Toten- bzw. Rettungswecker ist eine Erfindung des 18. Jahrhunderts und sollte verhindern, dass ein fälschlicherweise Toterklärter in seinem Sarg erstickte. Ebenfalls aus Angst vor dem Scheintod (und vor Vampirismus!) wurde das sog. Herzstichstilett erfunden. Es wurde verwendet, um das Herz des Toten zu durchbohren – um dafür zu sorgen, dass er auch wirklich tot blieb. Für den besonderen Gruseleffekt sorgt eine umfangreiche Sammlung von Totenportraits aus dem 19. Jahrhunderts.

Morbides Wien – Friedhöfe erkunden

3. Führungen am Zentralfriedhof

Wer zum Zentralfriedhof kommt, trägt nicht immer Falco oder Udo Jürgens im Herzen. Viele zieht es zum alten jüdischen Teil der Totenstadt, zum Anatomie-Friedhof oder zu den Ehrengräbern von Schauspielern, Politikern und Schriftstellern. Folgende Führungen kannst du als Privatführung für Gruppen über Wienführungen bzw. City Tours buchen.

  • Musiker am Zentralfriedhof: Führung zu den Gräbern von Beethoven, Strauß, Salieri und vielen anderen mit Erläuterungen und Anekdoten aus deren Lebensgeschichten.
  • Ehrengräber: Führung zu den Ruhestätten wichtiger Wiener Persönlichkeiten aus Politik, Medizin, Kunst und Kultur.
  • Rundgang: Einblicke in die Friedhofspraxis früher und heute; Spaziergang zur Ehrengrabanlage, der Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche und dem Grab von Johann Hölzel aka Falco.
  • Jüdischer Friedhof: Im alten jüdischen Teil des Zentralfriedhofs führen dich Experten der jüdischen Wiener Stadtgeschichte durch die verwitterten Spuren längst vergessener Lebensgeschichten.

4. Friedhöfe Wien Führungen

Wusstest du, dass es in Wien 53 Friedhöfe gibt? Die Führungen mit Infos zu Lebensgeschichten und Spuren in der Wiener Kulturgeschichte können sowohl zu Fuß als auch in Kombination mit einer Stadtrundfahrt über Wienführungen bzw. City Tours gebucht werden.

  • Hietzinger Friedhof: Bei Führungen am Hietzinger Friedhof besuchst du unter anderem die Gräber von Franz Grillparzer, Gustav Klimt und Engelbert Dollfuß.
  • Sankt Marxer Friedhof: Der Friedhof in St. Marx wurde zur Zeit des Biedermeier aufgelassen und wird heute als denkmalgeschützte Parkanlage geführt. Hier befindet sich unter anderem die (echte) letzte Ruhestätte von Wolfgang Amadeus Mozart.
  • Friedhof der Namenlosen: Der Friedhof der Namen- beziehungsweise Heimatlosen befindet sich im 3. Bezirk beim Alberner Hafen. Der Beisetzung der ersten unbekannten Wasserleiche aus der Donau im Jahre 1840 folgten 100 Jahre Beisetzungen unbekannter Toter. Seit 1940 werden Tote ohne Identität auf Kosten der Stadt Wien am Zentralfriedhof begraben.

Hexen, Mord und Teufelswerk in Wien

5. Hexenverfolgung in Wien: historische Führung

Wusstest du, dass in Wien nur eine einzige Hexe verbrannt wurde? Ihr Name war Elisabeth Plainacher und sie wurde am 27. September 1583 auf der Gänseweide, der heutigen Weißgerberlände im 3. Bezirk, den Flammen überantwortet. Das heißt aber nicht, dass Wien in Sachen Hexenjagd und Hinrichtungen eine weißere Weste hätte als andere Städte – im Gegenteil! Aber die Angst vor Teufelswerk war hier so groß, dass die Beschuldigten meistens so schnell wie möglich enthauptet wurden.

Radierung, die eine Hexenverbrennung in Wien zeigt. Morbides Wien.

Morbides Wien: Der historische Stadtspaziergang führt an Hinrichtungsstellen und Kerkern in Wien vorbei. Adobe Stock, (c) Erica Guilane-Nachez

Mit diesem düsteren Kapitel der Stadtgeschichte setzt sich die Historische Führung durchs Wiener Strafrecht (buchbar über Wienführung) auseinander. Hier besuchst du die ehemaligen Hinrichtungsstätten am Hohen Markt und dem Lobkowitzplatz (hier wurde 1408 ein Wiener Bürgermeister geköpft) und das Gefängnis in der Rauhensteingasse, wo den Angeklagten unter der peinlichen Befragung die Geständnisse abgepresst wurden.

Startpunkt der Tour ist das Mahnmal gegen Faschismus am Albertinaplatz. Die Führung endet am Platz am Hof, der ehemaligen Massenhinrichtungsstelle, bei der tausende Schaulustige den Enthauptungen beiwohnten. Übrigens: Die letzte Hinrichtung fand in Wien im Jahre 1950 statt …

6. Foltermuseum beim Haus des Meeres

Im Museum für mittelalterliche Rechtsgeschichte in 1060 Wien werden originalgetreue Nachbildungen von Folterinstrumenten ausgestellt, wie sie von der Antike bis weit in die Neuzeit hinein angewendet wurden. Außerdem erfährst du hier, wie sich das österreichische Rechtssystem entwickelt hat, wo sich in Wien die Hinrichtungsstätten befanden und welche Foltermethoden während der Regentschaft der Habsburger zum Einsatz kamen. Aktuell finden hier zwei Sonderausstellungen über Guantanamo und (in Kooperation mit Amnesty International) über Menschenrechte statt. Für Erwachsene kostet der Eintritt € 6,00.

Wachsfigur im Foltermuseum Wien, morbides Wien.

Das Foltermuseum informiert nicht nur über die Wiener Rechtsgeschichte, sondern sorgt auch für Gänsehaut. Adobe Stock, (c) alexandros33

7. Führungen im Wiener Kriminalmuseum

Das Kriminalmuseum im zweiten Wiener Gemeindebezirk zwischen Leopoldskirche und Karmelitermarkt geleitet dich in 20 Räumen durch die berühmtesten Kriminalfälle von Wien. Hier erfährst du alles über den mittelalterlichen Strafvollzug, die Geschichte des österreichischen Polizeiwesens und die letzten öffentlichen Hinrichtungen in Wien. Zu den Exponaten zählen Tatortfotos, Gerichtstexte und sogar Körperteile (ja wirklich!) hingerichteter Verbrecher. Für Gänsehaut-Garantie sorgt unter anderem der Kopf von Juliana Hummel, der um 1900 enthaupteten Kindsmörderin. Das Museum ist in einem der ältesten Häuser der Leopoldstadt, dem sogenannten Seifensiederhaus, untergebracht.

Wer noch tiefer in die Kriminalgeschichte Wiens eintauchen möchte, kann eine Spezialführung über Wienführungen bzw. City Tours buchen. Die Wiener Fremdenführer lassen die Geschichte lebendig werden und erzählen zum Beispiel wenig bekannte Details und Anekdoten über den Dienstmädchenmörder Hugo Schenk, das Attentat auf Kaiser Franz Joseph und die Ermordung des Kriegsministers Latour.

 

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8. Vienna Time Travel – Pestgrube & Bunker

Das Vienna Time Travel am Graben ist immer einen Besuch wert. Und auch, wenn sich hier natürlich vor allem die Touristen tummeln: Auch für Wienerinnen und Wiener, die die dunkle Seite ihrer Stadt ein bisschen besser kennenlernen möchten, lohnt sich das Spektakel. Und ein Spektakel ist es wirklich! Die Tour durch die bewegte Geschichte unserer Lieblingsstadt beginnt mit einem 5D Film von den Anfängen Wiens als römisches Lager bis in die heutige Zeit – inklusive Rattenschwänze und Taubenfedern. 😉

Neben einer Reise durch die Wiener Musikgeschichte und das Leben der Habsburger wartet die Zeitreise anschließend mit einem Ausflug in die Pestgrube (hier wartet der liebe Augustin auf die Besucher) und in einen recht lebensnahen Luftschutzbunker auf. Hier drängen sich die Besucher dicht aneinander, während die simulierten Bomben fallen und die schweren Schritte von russischen Soldaten auf dem Kopfsteinpflaster donnern.

 

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9. Stadtrundfahrt durch das morbide Wien

Du kannst dich nicht entscheiden, auf welchen Pfaden du das dunkle Wien erkunden möchtest? Kein Problem! City Tours bietet eine spezielle Stadtrundfahrt an, die unter dem Namen „Morbides Wien“ zum Schaudern und Gruseln einlädt. Die Rundfahrt umfasst eine Führung am Zentralfriedhof, die mit makabren Details zum Wiener Totenkult gespickt ist, und einen Spaziergang über den Sankt Marxer Friedhof.

Hier erfährst du unter anderem, warum Wolfgang Amadeus Mozart in Wien nicht bloß eines, sondern zwei Grabmäler hat. Abschließend geht es entweder ins Bestattungsmuseum oder in die Kaisergruft, wo die Habsburger Kaiser, Kaiserinnen und Königinnen begraben liegen.

 

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