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Pflegeheim – Was soll man beachten?

Eine Pflegerin trinkt zusammen mit einer älteren Dame eine Tasse Tee im Pflegeheim. Beide lachen.

Das richtige Pflegeheim zu finden ist gar nicht so einfach. Foto: Adobe Stock, (c) Photographee.eu

Wir Österreicher sind in Sachen Vorsorge nicht gerade vorbildlich. Ja, das muss einmal gesagt werden. In unser Vorstellung altern wir nicht – oder zumindest ausschließlich gesund und munter. Wir entschlafen in unseren Zukunftsvisionen im Vollbesitz unserer geistigen und körperlichen Kräfte mit etwa 120 Jahren friedlich zuhause im Kreise unserer Lieben. Leider ist dieses Szenario nicht vielen vergönnt. Und was oft vergessen wird: Man kann auch in jungen Jahren zum Pflegefall werden!

Vorsorge und Planung sind die halbe Miete. Geht es um natürlich Prozesse und nicht um Unfälle oder Schicksalsschläge, kann man sich auf einen Pflegefall in der Familie oder den eigenen rechtzeitig vorbereiten. In diesem Beitrag geht es nicht um Pflegefreistellung oder Pflegekarenz, nicht um mobile Pflegeunterstützung zuhause, nicht um Barrierefreiheit oder 24-Stunden Pflege in der eigenen Wohnung. Wir beschäftigen uns mit dem Fall, dass die Betreuung des Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden oder im Kreis der Familie nicht mehr möglich ist und die Person in ein Pflegeheim ziehen muss.

Wer darf bestimmen, ob ich ins Pflegeheim komme?

Wer gesund und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, hat die Möglichkeit über sich selbst zu bestimmen. Jeder von uns kann also im Rahmen eines Notariatsaktes, einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht wichtigen Entscheidungen für den Notfall für sich vorausschauend fällen. Diese Willenserklärungen sind rechtlich bindend. Hat der betroffene Patient nicht vorgesorgt, müssen die Angehörigen entscheiden. Der Notar ist der beste Ansprechpartner für diese Angelegenheiten. Und das Testament nicht vergessen, ich sag’s nur.

Pflegeheim und Altenheim: Eine alte Frau schaut nachdenklich aus dem Fenster.

So einfach können Verwandten einen Menschen nicht ins Pflegeheim abschieben. Foto: Adobe Stock, (c) De Visu

Grundsätzlich gilt bei der Aufnahme in ein Pflegeheim das Prinzip der Freiwilligkeit. Das heißt, solange man nicht entmündigt ist, können einen zum Beispiel missgünstige, boshafte Angehörige nicht einfach „wegsperren“. Auch gut zu wissen. Man kann nur mit der eigenen ausdrücklichen Zustimmung aufgenommen werden. Und in den meisten Einrichtungen muss man sowieso einen schriftlichen Antrag stellen, dem dann allerlei Unterlagen beizulegen sind.

Altenheim und Pflegeheim: für immer und ewig?

Ein interessanter Aspekt, der oft nicht bedacht wird, ist die Tatsache, dass man aus dem Altenheim oder Pflegeheim auch wieder raus kann. Für die Ewigkeit sind schließlich nur die Liebe und der Tod. Eine vorübergehende Aufnahme ist möglich, sodass man nicht sofort die eigenen Wohnung aufgeben sollte. Man unterscheidet drei temporäre Aufnahmearten:

  • Übergangspflege: Man bleibt, solange man pflegebedürftig ist. Das ist zum Beispiel nach Unfällen so, nach dem Spital oder der Rehabilitation.
  • Kurzzeitpflege: Ist der Betroffene eigentlich zuhause untergebracht, aber die Pflegenden Angehörigen können aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen die Pflege vorübergehend nicht übernehmen, kann der Patient für eine gewisse Zeit in einem Alten- oder Pflegeheim untergebracht werden.
  • Urlaubspflege: Jemanden tagein, tagaus, rund um die Uhr zu betreuen, ist kein Honigschlecken, bei aller Liebe. Die zeitweilige Unterbringung des Pflegebedürftigen ermöglicht den Angehörigen einen Urlaub. Dass man als pflegender Angehöriger teilweise Übermenschliches leistet, vergessen diese Personen oft. Ich habe in meinem Berufsalltag in der Apotheke oft völlig ausgelaugte Menschen vor mir stehen, die sich buchstäblich aufopfern für ihre Lieben.

Wer zahlt für das Pflegeheim?

Ein sehr wichtiger Punkt: das liebe Geld. Das Pflegegeld wird im österreichischen Sozialstaat bundesweit unter den gleichen Voraussetzungen gewährt. Es hängt vom Pflegeaufwand ab. Zu dessen Erhebung ist eine Untersuchung durch einen Amtsarzt nötig. Es muss ein monatlicher Bedarf von mindestens 65 Stunden für die Pflege des Betroffenen bestehen. Man unterscheidet insgesamt sieben Pflegestufen. Die Arbeiterkammer Wien hat dazu eine Grafik erstellt, die ich zitiere:

Pflegestufe notwendige
Pflegestunden
pro Monat
weitere Voraussetzung Pflegegeld
in Euro
1 über 65 Stunden   157,30
2 über 95 Stunden   290,00
3 über 120 Stunden   451,80
4 über 160 Stunden   677,60
5 über 180 Stunden außergewöhnlicher Pflegeaufwand 920,30
6 über 180 Stunden Tag- und Nachtbetreuung nötig 1.285,20
7 über 180 Stunden keine zielgerichteten Bewegungen möglich 1.688,90

Pflege- und Altenheim: Wer ist zuständig?

Die sozialen Dienste unterstehen den Bundesländern. Also das Geld kommt vom Bund, die Leistungen vom Land. Klingt kompliziert, ist aber so. Das Bundekanzleramt hat mit HELP.gv.at einen wunderbaren Wegweiser durch den Dschungel von Ämtern und Behörden geschaffen. Der erste Ansprechpartner ist auf jeden Fall der Hausarzt. Denn was für dich neu  ist, hat er schon ein paar Mal erlebt. Er steht dir mit Expertise und Erfahrung in dieser schwierigen Situation zur Seite.

Kosten: Wie teuer ist ein Pflegeheim?

Nicht verzweifeln, ist die Devise. Es ist alles da, was man braucht! Ich zitiere die Website des Bundeskanzleramts, denn besser kann man es nicht sagen:

„Die Höhe der Heimkosten ist sehr unterschiedlich und von mehreren Faktoren abhängig. So kommt es etwa darauf an, in welchem Bundesland das Heim liegt und ob es sich um eine öffentlich oder privat geführte Einrichtung handelt. In vielen Heimen setzen sich die Gebühren aus einem Grundbetrag und einem Zuschlag entsprechend dem Ausmaß der Pflegebedürftigkeit, meist in Anlehnung an die Höhe des Pflegegeldes, zusammen.

Neben dem Pflegegeld, der Pension oder Rente wird auch das sonstige Einkommen der/des Pflegebedürftigen zur Deckung der Heimkosten herangezogen. Wenn das Einkommen zur gänzlichen Abdeckung der Heimkosten nicht ausreicht, kommt meist die Sozialhilfe/Mindestsicherung für den Restbetrag auf.

In einem solchen Fall verbleiben der Heimbewohnerin/dem Heimbewohner 20 Prozent der Pension samt Sonderzahlungen sowie 45,20 Euro Pflegegeld als Taschengeld monatlich.“

Wie schnell bekommt man einen Platz im Pflegeheim?

Ja, ich sage es noch einmal, weil es so furchtbar ist: Man kann auch als junger Mensch ein Pflegefall werden. Und selbst in fortgeschrittenem Alter kann es einen rüstigen Senior gänzlich unvermutet von einem Tag auf den anderen „in die Windeln pracken“, wie man in Wien so schön sagt. Das Wichtigste ist: Nerven bewahren und Hirn einschalten. Das Zerfließen in Emotionen wie Mitleid und Bestürzung hilft niemandem. Ich zitiere wieder das Bundeskanzleramt:

„Der Zeitpunkt der Aufnahme ist abhängig von der Dringlichkeit einer stationären Pflege. Besteht der Wunsch nach einem bestimmten Pflegeplatz, kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Bei dringenden Fällen ist eine sofortige Aufnahme möglich. Ansonsten können Fristen nach Maßgabe der freien Plätze im gewünschten Wohn- und Pflegehaus entstehen.“

Wie kann ich das Pflegeheim finanzieren?

Noch einmal zur Beruhigung: Wir Österreicher leben gut versorgt. In Wien und auch in den Bundesländern gibt es eine Vielzahl von Fördertöpfen. Der Hausarzt und das Spital wissen dazu Einiges 04und auch auf dem Gemeindeamt findet man kompetente Ansprechpartner für finanzielle Unterstützung. In Wien gibt es laut HELP.gv.at folgende Möglichkeiten:

Muss man als Angehöriger für das Pflegeheim zahlen?

Ja und nein. „Die Bundesländer haben verschiedene Kostenersatzansprüche (Pflegeregresse) gegenüber Dritten (z. B. Ehegattin/Ehegatte) vorgesehen, um ihre Aufwendungen wieder ersetzt zu bekommen“, sagt das Bundeskanzleramt. Das bedeutet, dass man in den verschiedenen Bundesländern in unterschiedlicher Weise zur Kasse gebeten wird. Für Kinder gilt dies seit 1. Juli 2014 übrigens nicht.

Wo kann ich Beschwerde über ein Pflegeheim einreichen?

Leider eine nicht unwesentliche Frage. Gewalt gegen Schutzbedürftige ist auch in Österreich ein Thema. Wobei man aber festhalten muss, dass sich die Qualität der Betreuung in Altenheimen und Pflegeheimen in den letzten Jahren und Jahrzehnten hierzulande deutlich verbessert hat. Der erste Schritt muss es immer sein, das Gespräch mit den handelnden Personen zu suchen. Bringt das nichts, arbeitet man sich in den Hierarchien vor bis zur Heimleitung, spätestens dann allerdings schriftlich. In dramatischen Fällen ist natürlich die Polizei dein Freund und Helfer.

Gutes Pflegeheim finden mit Hilfe des NQZ

Einen Hinweis auf ein gutes Heim liefert das NQZ, das Nationale Qualitätszertifikat für Alten- und Pflegeheim, das vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz gemeinsam mit dem Bundesverband der Alten- und Pflegeheime Österreichs, allen Ländern, dem Seniorenrat und unter Einbeziehung von Experten entwickelt wurde.

„Mit diesem Zertifikat können jene Alten- und Pflegeheime ausgezeichnet werden, die sich systematisch um eine möglichst hohe individuelle Lebensqualität ihrer Bewohnerinnen/Bewohner bemühen. Voraussetzung ist, dass ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt wurde und eine Selbstbewertung vorliegt“, heißt es dazu auf HELP.gv.at.

Natürlich darf man die Guten auch loben. Bei aller Belastung, bei allem emotionalen und sonstigen Stress, den ein Pflegefall zweifelsohne bedeuten kann, darf man nicht vergessen, dass alle Beteiligten in ersten Linie Menschen sind.

In diesem Sinne: Gute Gesundheit!

Hier findest du Pflegeheime in deinem Bundesland:



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