Siphon – Geruchsverschluss für Abfluss in Bad und Küche

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Ein Siphon ist wichtig, damit das Abwasser nicht zu stinken beginnt. Foto: Adobe Stock; (c) mariesacha

Am 11. November 1775 meldete Alexander Cumming, seines Zeichens Uhrmacher, Mathematiker und Mechaniker, ein Patent an. Seine Erfindung, ein geschwungenes Rohr in der Form des Großbuchstabens S, sollte die Sanitärwelt auf immer verändern. Heute ist der Siphon ein unverzichtbarer Bestandteil in Küche, WC und Badezimmer, da er Rohr- und Leitungssysteme gas- und geruchsdicht verschließt damit es nicht dazu kommt, dass der Abfluss stinkt. Der HEROLD verrät dir, welche Varianten des Siphons es gibt, wie die ideale Reinigung aussieht und wer den Installateur bezahlen muss, wenn der Siphon mal schlapp macht oder der Abfluss verstopft ist.

Der Siphon – klein, aber große Wirkung

Zu Zeiten Alexander Cummings war der Gestank im englischen London kaum zu ertragen. Das gesamte Stadtgebiet war von Abwässer-Rinnsalen und Sickergruben durchzogen, die den Bevölkerungszahlen jedoch nicht einmal annähernd gewachsen waren. Folge dieser katastrophalen Zustände waren verheerende Cholera-Epidemien, da die Abwässer in weiten Teilen der Stadt das Grundwasser verseuchten. Der Spatenstich für das neue Kanalnetz, über welches das Abwasser in die Themse geleitet wurde, erfolgte erst im Jahre 1856. Die Erfindung des Siphons, von Cumming selbst noch Sifon bzw. Siffon genannt, war also weniger erfinderischer Ehrgeiz als vielmehr historische Notwendigkeit.

Ziel war es, Rohr- und Leitungssysteme mit möglichst geringem Aufwand geruchsdicht und gassicher zu verschließen. Beim ursprünglichen Modell sollte die Geruchsbildung auf mechanische Weise verhindert werden. Der untere Teil des S-förmigen Rohrs war stets mit Wasser gefüllt, die das Durchsickern von Abgasen aus der Kanalisation verhinderte.

Heute findet sich der Siphon in Badewannen, Gullys, Ausgüssen, Toiletten und natürlich beim Waschtisch. Unangenehme Gerüche in Bad und Küche, die aus den tiefer liegenden Rohrleitungen und dem Kanalisationssystem stammen, gehören also seit langem der Vergangenheit an. Wichtig ist jedoch, dass die Leitungen kontinuierlich belüftet sind, damit der Siphon ordnungsgemäß funktionieren kann. Ist die Belüftung nicht ausreichend, kann Unterdruck entstehen.

Der Siphon in verschiedenen Varianten

Während früher alle den gleichen Siphon hatten, gibt es mittlerweile mehrere unterschiedliche Produkte. Mit Blick auf die bauliche Konzeption unterscheidet man zwischen:

  • Röhrensiphon
  • Glockengeruchsverschluss
  • Absaugsiphon
  • Flaschen- oder Tassensiphon und
  • Tauchwandverschluss

Der Röhrensyphon bezeichnet die klassische Bauart in U- bzw. S-Form. Der Tassensiphon wird üblicherweise in Bädern oder in Waschbecken eingebaut und ist daher im Vergleich mit anderen Siphons in privat und gewerblich genutzten Wohngebäuden häufiger anzutreffen. Den Absaugsiphon findest du in Urinalen, da diese Siphonart das entstehende Abwasser mit einem kräftigen Unterdruck in das Rohr der Abwasserleitung zieht.

Ein Tipp: An den Wänden der Rohrleitungen setzen sich naturgemäß Rückstände ab, die sich im Laufe der Zeit zu hartnäckigen Ablagerungen verdichten können. Ist dies der Fall, kommt es zu Verstopfungen im Rohrleitungssystem, wodurch der Siphon unbrauchbar wird. Im schlimmsten Fall kann es zu Wasserschäden kommen. Informiere dich idealerweise bei einem Installateur in deiner Umgebung darüber, was im Notfall zu tun ist. Größere Schäden durch austretendes (Ab)wasser sind im Normalfall durch die Wohngebäudehaftpflichtversicherung gedeckt. Der Versicherungsbearbeiter deines Vertrauens informiert dich gerne individuell und ausführlich über den optimalen Versicherungsschutz.

Siphon reinigen

Der Siphon in Bad und Küche lässt sich relativ einfach in Eigenregie reinigen. Foto: Adobe Stock, (c) Markus Bormann

DIY: Siphon reinigen

Selbst das modernste Badezimmer bleibt nicht frei von Gerüchen, wenn der Siphon verstopft ist. Du bemerkst das Problem spätestens dann, wenn das Wasser im Waschbecken, der Spüle oder der Dusche nicht mehr richtig abfließt. In diesem Fall kannst du einen sogenannen „Saugheber“ verwenden, um Unterdruck zu erzeugen und etwaige Schmutzansammlungen nach oben bzw. nach unten zu befördern. Einen ähnlichen Effekt erreichst du mit der Drahtbürste. Wer lieber auf chemische Reinigung setzen möchte, findet im Baumarkt flüssige Abflussreiniger, die die Ablagerungen zersetzen.

Eine umweltfreundlichere Methode ist die Rohrreinigung mit Backpulver und Essig. Hierzu gibst du einfach 4 EL Backpulver oder Natron in den Abfluss und schüttest zwei Tassen unverdünnten Essig hinterher. Sobald der Essig mit dem Natron/dem Backpulver in Berührung kommt, findet eine chemische Reaktion statt. Dass es funktioniert, siehst du daran, dass es aus dem Abfluss blubbert und zischt. Nachspülen mit heißem Wasser nicht vergessen!

Ein Tipp: Rohrreiniger in Pulverform können das Problem noch verstärken. Die kleinen kugelförmigen Bestandteile der Präparate sind so konzipiert, dass sie den Abfluss zusätzlich verstopfen können.

DIY oder Profi: Am Waschtisch Siphon demontieren

Verstopfungen kannst du also selbst Einheit gebieten – doch was ist, wenn alle Hilfsmittel versagen? Wenn das Wasser nicht mehr abfließen will und dem Leitungssystem bereits fiese Gerüche entströmen, hilft nur noch eines: Du musst den Siphon abschrauben. Mit ein wenig handwerklichem Geschick sollte auch hierzu kein Profi-Einsatz notwendig sein.

Siphon lösen

Häufig befinden sich die Ablagerungen direkt im Siphon. Um diesen zu demontieren, solltest du eine Rohrzange, einen Lappen und einen Eimer bereithalten. Wickle den Lappen um den Siphon bzw. um die Überwurfmutter, um Kratzer durch die Rohrzange zu vermeiden. Fang erst an, den Siphon zu lösen, wenn der Eimer bereitsteht, um austretendes Wasser aufzufangen.

Siphon reinigen

Nun kannst du eine Drahtbürste zur Hilfe nehmen, um die verschiedenen Teile des Siphons zu reinigen. Idealerweise wechselst du bei dieser Gelegenheit auch direkt die Dichtungen aus. Wenn du feststellst, dass sich der gesamte Siphon in einem sehr schlechten Zustand befindet, solltest du ihn durch einen neuen ersetzen. Die geringen Anschaffungskosten für einen neuen Siphon rechnen sich im Hinblick auf einen etwaigen Wasserschaden auf jeden Fall.

Dichtungen austauschen

Bei tropfenden Geruchsverschlüssen ist in der Regel der Dichtungsring verantwortlich. Dieser sitzt direkt am Gewinde und ist in jedem Baumarkt erhältlich. Für die richtige Größe solltest du den Abstand zwischen Waschbeckenablauf und Adapter in der Wand, sowie den Durchmesser des Siphons mit einem Zollstock ausmessen. Für den Wechsel des Dichtungsrings fixierst du den Siphon mit ein paar Handgriffen in der Wand und setzt anschließend die Dichtung ein. Vergiss nicht, vor dem Verschrauben zu überprüfen, ob alles fest und solide verankert ist.

Test: Ist die Dichtung ausgetauscht, solltest du ein paar Minuten lang das Wasser laufen lassen und überprüfen, ob der Siphon tatsächlich nicht mehr tropft. Falls noch immer Wasser austritt, solltest du den Siphon ersetzen.

Rechtliche Grundlagen

Falls du dir die Arbeit mit der Rohrzange nicht zutraust oder vermutest, dass mit den Abwasserleitungen in deinem Haus etwas grundsätzlich nicht stimmt, solltest du einen Fachmann zurate ziehen. Ein Installateur kann dir genau sagen, ob es sich „nur“ um verstopfte Leitungen handelt, oder ob du mit größeren Investitionen rechnen musst. Falls du eingemietet bist, ist dein Vermieter für den tadellosen Zustand der Rohrleitungen verantwortlich und muss, falls du es nicht selbst machst, für den Austausch des Siphons sorgen.

Vorsicht: Wenn du dich dazu entschließt, den Geruchsverschluss selbst zu wechseln, solltest du wissen, was du tust. Unbedachte Handgriffe oder ein jahrelang vernachlässigter Siphon können in schlimmsten Fall Wasserschäden nach sich ziehen, für die du haften müsstest. Aus Mietersicht empfiehlt es sich also, für den Austausch des Siphons einen Installateur zu engagieren – denn die Kosten für den Arbeitseinsatz zahlt nach geltender Gesetzeslage der Vermieter.

Siphon wird in Kanalisation verwendet

Der Siphon steht am Beginn des modernen Kanalisationssystems. Photo: Adobe Stock, (c) Gina Sanders

Kosten für einen neuen Siphon

Für den Austausch des Siphons sind lediglich ein neuer Siphon, eine Siphonzange und eine Schieblehre (zur Ermittlung des Rohrdurchmessers) erforderlich. Die Materialkosten sind also relativ gering. Komplett-Sets aus Kunststoff für Wasch- und Spülbecken schlagen mit etwa 10 Euro zu Buche. Auch Röhrensiphons mit flexiblem Abwasserschlauch bewegen sich in etwa in dieser Preiskategorie. In der verchromten Variante kostet ein Geruchsverschluss 15 bis 20 Euro. Sogenannte Raumspar-Siphons kosten im Durchschnitt 30 bis 35 Euro. Die Anschaffung von Abläufen für Duschen mit Geruchsverschluss geht mit einem Kostenaufwand von bis zu 50 Euro einher, während Badewannen-Ablaufsysteme inklusive Überlauf-Feature bis zu 150 Euro kosten können.

Die Kosten für den Profi-Einsatz können sehr unterschiedlich sein und sind davon abhängig, welche Siphon-Variante du benötigst, wie hoch der Stundensatz des Installateurs ist, und welche Kosten (z.B. Anfahrtsweg) noch dazukommen. Am besten informierst du dich im Bedarfsfall bei einem Fachmann für Rohrleitungen und Abwassersysteme in deiner Umgebung.

Hier kannst du einen neuen Siphon in deiner Nähe kaufen:



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