Spielsucht: Anzeichen & Therapie

Spielsucht: Anzeige eines Spielautomatens

Es gibt verschiedene Formen der Spielsucht. Doch wo beginnt sie? Foto: Unsplash, (c) Dear

In Österreich leiden circa 40.000 bis 65.000 Menschen an Spielsucht. Der überwiegende Teil davon ist männlich und zwischen 18 und 35 Jahre alt. Unabhängig davon, ob du am Automaten gamblest oder tagelang ein Onlinespiel zockst – sobald die Spielsucht dein Leben bestimmt, ist das problematische Maß längst überschritten. In diesem Beitrag erfährst du, ab wann ein krankhaftes Spielverhalten beginnt und was du selber dagegen tun kannst. Außerdem erfährst du hier, an wen du dich wendest, wenn der Zeitpunkt da ist, professionelle Hilfe einzuschalten.

Was ist Spielsucht?

Spielsucht ist allgegenwärtig und betrifft Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Im Unterschied zu Süchten, bei denen man von stofflichen Substanzen (Nikotinabhängigkeit, Alkoholsucht etc.) abhängig ist, ist die Spielsucht eine (stoffungebundene) Verhaltenssucht. Betroffene leiden unter einem unkontrollierten und exzessiven Spielverlangen. Sie können nicht mehr steuern, ob sie spielen wollen oder nicht.

Bei der Glücksspielssucht steigen in weiterer Folge die Häufigkeit des exzessiven Spiels und die Einsätze, um die gespielt wird. Wer an Spielsucht erkrankt ist, sieht sich nach und nach mit größer werdenden Problemen (z.B. hohe Schulden) konfrontiert. Pathologisches Glücksspiel ist für gewöhnlich eine schwere und chronische Erkrankung.

Morgen, morgen wird alles ein Ende haben!  Dostojevskij (aus dem Roman „Der Spieler“)

Seit 1991 ist die Spielsucht als Erkrankung in der „Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen“ dokumentiert. Die negativen Folgen der Spielsucht betreffen nicht nur den Abhängigen, sondern in der Regel auch das soziale Umfeld. Gemeint ist hier im engeren Sinn die Glücksspielsucht und im weiteren Sinn jede Form pathologischen Spielverhaltens (auch Videospielsucht u.Ä.).

Spielsucht: zwei rote Würfel

Alea iacta est: Allein in Wien leben etwa 20.000 Spielsüchtige. Foto: Unsplash, (c) Aldric Rivat

Warum entsteht Spielsucht?

Zum besseren Verständnis ist es wichtig zu wissen, was eine Sucht biochemisch mit uns macht. Denn jede Sucht arbeitet eng mit unserem Gehirn zusammen: Unser Belohnungssystem im Gehirn schüttet Dopamin aus und vermittelt uns dadurch ein Glücksgefühl.

Egal, ob es sich um eine stoffgebundene (Nikotin, Alkohol etc.) oder stoffungebundene Sucht (Kaufsucht, Sexsucht etc.) handelt: Abhängige stimulieren durch Verhaltensweisen oder Substanzen das Belohnungszentrum im limbischen System unseres Gehirns, wodurch der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet wird. Mit der Zeit wird die körpereigene Produktion von Glückshormonen zurückgefahren. Dadurch verstärkt sich das eigene Suchtverhalten.

Neun Spieler können nicht einen einzigen Hahn ernähren. Jugoslawisches Sprichwort

Um die erwünschte Erregung beim Spielen aufrecht zu erhalten, müssen Spieler den Einsatz mit der Zeit erhöhen. Denn das Gehirn gewöhnt sich an die Art und Weise der Belohnung und benötigt allmählich einen stärkeren Reiz, um dieselbe Menge an Dopamin ausschütten zu können. Hier schließt sich der Teufelskreis: Bei negativen Erfahrungen und depressiven Verstimmungen flüchten Betroffene immer öfters in das eigene Eldorado.

Spielsucht: limbisches System

Unsere Gefühle entstehen im limbischen System (farblich hervorgehoben). Auch die Spielsucht beginnt hier. Foto: Adobe Stock, (c) decade3d

Wo beginnt Spielsucht?

Die Spielsucht beginnt dort, wo das Vergnügen am Spielen aufhört. Die Grenzen zwischen Spiel und Sucht sind jedoch fließend und besonders für Betroffene schwer zu erkennen. Ein pathologisches Spielverhalten fängt dort an, wo es zu negativen Auswirkungen in anderen Lebensbereichen kommt. Wenn du selber schon über dein Spielverhalten kritisch nachdenkst, hast du wahrscheinlich schon ein problematisches Maß erreicht.

Nachfolgend haben wir für dich Symptome der Spielsucht aufgelistet. Treffen mindestens vier der folgenden Kriterien auf dich zu, ist von einer Spielsucht auszugehen:

a) Um die gewünschte Erregung zu erreichen, musst du deine Dosis steigern, was zu immer höheren Einsätzen im Glücksspiel führt.
b) Sobald du versuchst, dein Spielverhalten zu kontrollieren oder damit aufzuhören, entwickelst du Unruhe und Stress.
c) Frühere Versuche, auf das Spielen zu verzichten oder es zumindest zu reduzieren, sind schief gegangen und waren nur von kurzer Dauer.
d) Du ertappst dich dabei, dass du immer wieder ans Spielen oder sogar an frühere Spiele denkst. Oder du beschäftigst dich bereits mit der (finanziellen) Planung für die nächste Runde.
e) Spielen ist für dich außerdem eine Art von Realitätsflucht: Bei Problemen, Enttäuschungen oder depressiven Verstimmungen flüchtest du in die Welt des Spielens, wo du alle Regeln kennst.
f) Geldverluste möchtest du so schnell wie möglich wieder „reinspielen“.
g) Du verheimlichst oder verharmlost das Ausmaß deiner zeitlichen und finanziellen Investitionen.
h) Du vernachlässigst soziale Beziehungen und riskierst, deinen Arbeitsplatz zu verlieren.
i) Um deine vom Spielen verursachten finanziellen Probleme zu überwinden, verlässt du dich auf Unterstützung durch Familie oder Freunde.

Warum ist Spielsucht gefährlich?

Die österreichische Spielsuchthilfe erhebt seit über zehn Jahren statistische Daten über die Folgen pathologischen Spielens. Bei rund 1.000 Klienten jährlich liegt hier eine aussagekräftige Studie vor. Die negativen Konsequenzen der Spielsucht sind:

  • Hohe Schulden (80%)
  • Probleme in der Partnerschaft/Trennung (40%)
  • Verlust des Arbeitsplatzes (20%)
  • Verlust der Wohnung (10%)

Weitere negative Auswirkungen des pathologischen Spielverhaltens:

  • Beschaffungskriminalität (20%, davon 10% mit Vorstrafen)
  • psychosomatische Beschwerden (20%)
  • Selbstmordgedanken (15%)
  • Selbstmordversuche (5%)

Spielsucht kann unterschiedliche Formen annehmen. Glückspielautomaten sind in diesem Zusammenhang aber besonders gefährlich, da man sie an jeder Straßenecke finden kann. Außerdem wurden sie jahrzehntelang entwickelt, um Ertragspotenzial und Suchtpotenzial zu maximieren. Das Automatenglückspiel ist in Österreich weit verbreitet und verschafft vielen Betreibern schnelles Geld. Eine gesellschaftliche Diskussion über ein bundesweites Verbot ist in vollem Gange.

Spielsucht: eine Spielhalle

Spielautomaten und Online-Casinos ermöglichen das anonyme Glücksspiel. Foto: Unsplash, (c) John Schnobrich

Wie Spielsucht besiegen?

Wer zum Automaten geht, hat automatisch verloren. Ab einem bestimmten Moment ist die Sogwirkung der eigenen Spielsucht so groß, dass man sich ihr nicht mehr entziehen kann. Dazu braucht es oft nur einen kleinen Stimulus (Reiz, der eine Kettenreaktion auslöst): Du erblickst beispielsweise ein Spiellokal auf der anderen Straßenseite. Und im nächsten Moment schiebst du schon Geldscheine in den Automaten.

Der beste Wurf mit Würfeln ist, diese wegzuwerfen. Englisches Sprichwort

Wer seine Spielsucht besiegen will, muss sich seiner Sucht bewusst werden. Verharmlosungen führen in die falsche Richtung. Die richtige Strategie besteht darin, die Spielsucht zu problematisieren und offen zur Sprache zu bringen. Jede Aussprache (mit Freunden, Angehörigen, Psychotherapeuten etc.) ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ohne Hilfe können Betroffene oft nicht mehr aus dem Teufelskreis ausbrechen.

Professionelle Hilfe kann in verschiedenen Formen in Anspruch genommen werden: Von Einzeltherapie bis Gruppentherapie in ambulanter oder stationärer Betreuung durch einen Psychiater. Für das Umlernen von Verhaltens- und Denkweisen wird oftmals die kognitive Verhaltenstherapie herangezogen. Therapeutisches Ziel ist die Glücksspielabstinenz. Eine medikamentöse Behandlung findet nicht statt.

Spielsucht: zwei Würfel und Jetons

Das pathologische Glücksspiel ist eine schwere psychische Erkrankung. Foto: Unsplash, (c) Heather Gill

Wie kann ich mir bei Spielsucht selber helfen?

Alles, was dein Gehirn „gelernt“ hat, lässt sich mit Übung wieder „verlernen“. Dies gilt auch für schlechte Gewohnheiten und Suchtverhalten. Für ein Umlernen gilt es zunächst, Gefahrensituationen zu erkennen, diese großflächig zu vermeiden und in kritischen Momenten einen Notfallplan parat zu haben. Denn unser „Suchtgedächtnis“ reagiert auf bestimmte Reize wie das Klimpern von Münzen oder das bunte Licht der Automaten. Da wir niemals volle Kontrolle über äußere Umweltreize haben können, besteht die Aufgabe darin, spontanen Impulsen zu widerstehen und neue Verhaltensmuster zu trainieren.

Lohnenswert ist es beispielsweise, Sport zu betreiben oder musische Talente beziehungsweise Hobbies auszuüben. Betroffene merken dann, dass diese Beschäftigungen Glücksgefühle auf nachhaltige Weise produzieren. Allerdings ist man bei einer stark ausgeprägten Spielsucht in der Regel auf Hilfe angewiesen.

Therapeutische Unterstützung in Verbindung mit einer gesunden Lebensweise ist eine vielversprechende Herangehensweise im Kampf gegen die Spielsucht. Für welchen Weg du dich auch entscheidest: Rückschläge gehören zu jedem größeren Projekt – sie sollten mit der Zeit jedoch weniger werden.

Spielsucht: Spielhalle

Spielautomaten haben bereits viele Familien in den Ruin gestürzt. Foto: Unsplash, (c) Francesco Ungaro

Geldverlust und Rückforderung

Wer im pathologischen Sinn eine Spielsucht aufweist, ist nach österreichischem Recht nicht geschäftsfähig. Verträge mit nachweislich geschäftsunfähigen Personen sind nichtig – eine Rückabwicklung mit Schadenersatz ist daher möglich. Einige Rechtsanwälte wie Dr. Christoph Naske haben sich auf Schadenersatz bei Geldverlusten aufgrund von Spielsucht spezialisiert.

Spielsucht – was tun als Angehöriger?

Am Anfang steht die Einsicht, dass es nicht in deiner Macht liegt, die Spielsucht des Betroffenen zu therapieren. Als Angehöriger solltest du dich zunächst über die Spielsucht und damit einhergehende Probleme informieren. Auf keinen Fall solltest du Druck ausüben, eine Aussprache erzwingen oder dergleichen. Sinnvoller ist es, zum richtigen Zeitpunkt den Betroffenen zu motivieren, professionelle Hilfe in Form einer Therapie in Anspruch zu nehmen.

Finanzielle Zuwendungen, die über das Nötigste hinausgehen, sollten auf jeden Fall unterbleiben. Stattdessen müssen Spielsüchtige den Umgang mit Geld neu lernen. Im konkreten Fall kann dies für Angehörige bedeuten, dass Betroffene (sofern noch nicht berufstätig) mit einem geringen Taschengeld lernen müssen ihr Auskommen zu finden.

Ruhig und sachlich bleiben ist das Gebot der Stunde. Denn wer hier seiner Hilfe zuviel Nachdruck verleiht, läuft Gefahr, vom Betroffenen abgewiesen zu werden und den Kontakt völlig zu verlieren. Eine Zwangstherapie ist nie eine Option. Zu guter Letzt sollten Angehörige nicht vergessen, ihre eigenen Bedürfnisse im Blick zu behalten.

Spielsucht: Jugendlicher spielt Fortnite.

Ein Jugendlicher spielt Fortnite. Auch Online Games haben ein starkes Suchtpotenzial. Foto: Adobe Stock, (c) jjfarquitectos

Wer behandelt Spielsucht?

Die ersten Ansprechpartner für Spielsucht sind Psychotherapeuten und bundesweite Ambulanzen für Suchthilfe. Der Verein für ambulante Psychotherapie und die Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung bieten in Wien vorfinanzierte Kassenplätze für eine Therapie an. Die von der Krankenkasse bereitgestellten Therapieplätze sind zahlenmäßig begrenzt, längere Wartezeiten sind daher die Regel.

Spielsucht: Psychotherapie in Wien

Dr. Brigitte Wiesinger-Dimter – Suchttherapie Wien 1020

Dr. Brigitte Wiesinger-Dimter ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Sie ist spezialisiert auf die Behandlung von Suchterkrankungen. Von der fachärztlichen Untersuchung bis hin zur Erstellung eines ambulanten Therapieplans bist du hier bestens aufgehoben. Aufgrund ihrer langjährigen klinischen Karriere kann Dr. Wiesinger-Dimter auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Termine können auf der Website, telefonisch oder per Mail vereinbart werden.

Dr. Brigitte Wiesinger-Dimter, 1020 Wien

Dr. Kristof Klimpt – Suchttherapie Wien 1030

Dr. Kristof Klimpt ist leitender Oberarzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin und in dieser Funktion auf die Therapie von Suchtkrankheiten spezialisiert. Der Wahlarzt begleitet dich durch schwere Lebensphasen und hilft dir dabei, deine Sucht zu bewältigen.

Dr. Kristof Klimpt, 1030 Wien

Pruckner & Feichtner – Suchttherapie Wien 1050

Die Eheleute Pruckner-Feichtner betreuen in ihrer psychotherapeutischen Praxis Menschen mit verschiedenen Formen von Suchterkrankungen. Termine können telefonisch oder per Anmeldeformular vereinbart werden.

Psychotherapeutische Praxis Pruckner & Feichtner, 1050 Wien

Dr. Christine Fauland – Suchttherapie Wien 1120

Die erfahrene Verhaltenstherapeutin Dr. Christine Fauland hilft dir dabei, Schritt für Schritt einen Weg aus deiner Sucht zu finden. Die Vertragsärztin arbeitet mit der österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zusammen. Die Terminvereinbarung erfolgt telefonisch oder per Mail. Alle Kassen/ÖGK.

Psychotherapeutische Praxis Dr. Fauland, 1120 Wien

Dr. Katharina Weissenböck – Suchtherapie Wien 1120

Gemeinsam mit der Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin Dr. Katharina Weissenböck erarbeitest du einen individuellen Therapieplan, um einen Weg zurück in ein glückliches Leben zu finden. Dr. Weissenböck bietet neben der Therapie von Suchterkrankungen ein umfangreiches Spektrum an medizinischen und therapeutischen Behandlungen. Termine können telefonisch vereinbart werden.

Dr. Katharina Weissenböck, 1120 Wien

Dr. Ulli Caravias-Krones – Suchttherapie Wien 1140

Patientenorientierte Psychotherapie bekommst du bei Dr. Ulli Caravias-Krones. Die Fachärztin für Psychiatrie bietet ein breites Spektrum an verschiedenen Methoden, die an deine individuellen Situation zugeschnitten werden. Die Ordination ist nur nach Vereinbarung geöffnet. Eine Verrechnung bei deinem Sozialversicherungsträger ist problemlos möglich.

Dr. Ulli Caravias-Krones, 1140 Wien

Dr. Human Valipour – Suchttherapie Wien 1210

Ein kompetenter Ansprechpartner für alle Formen von Suchterkrankungen ist Dr. Human Valipour. In seiner Ordination klärt er dich nach einer fundierten Diagnose über alle Behandlungsmöglichkeiten auf, um eine individuell zugeschnittene, optimale Therapie zu gewährleisten. Telefonische Vereinbarung für das Erstgespräch erwünscht. Alle Kassen/ÖGK.

Dr. Human Valipour, 1210 Wien 

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