Zahnfleischentzündung: Ursachen, Symptome, Behandlung

Zahnfleischentzündung

Eine Zahnfleischentzündung ist meist das Ergebnis einer mangelhaften Mundhygiene. Foto: AdobeStock (c) wissanustock

Blutet dein Zahnfleisch beim Zähneputzen, bei Berührung oder beim Biss in einen Apfel? Fühlt es sich geschwollen oder empfindlich an? Hast du vielleicht auch dauernd Mundgeruch? Das können Anzeichen für eine Zahnfleischentzündung sein. Wann du deswegen zum Zahnarzt musst und was dagegen hilft – die besten Tipps findest du hier.

Zahnfleischentzündung – was ist das?

Unter Zahnfleischentzündung, medizinisch Gingivitis genannt, versteht man eine akute oder chronische Entzündung des Zahnfleischs (Gingiva). Das ist jener Teil der Mundschleimhaut, der zum Parodontium (Zahnhalteapparat) gehört, das für einen sicheren Halt der Zähne sorgt. Gesundes Zahnfleisch ist rosa, straff und blutet nicht.

Wie kommt es zu Zahnfleischentzündung? Ursachen

Die Hauptursache für Zahnfleischentzündungen ist mangelhafte Mundhygiene. Denn wer seine Zähne nicht regelmäßig gründlich reinigt, behält Nahrungsreste an und zwischen den Zähnen. Die sind ein guter Nährboden für Krankheitserreger, meist Bakterien. Sie vermehren sich stark und bilden gemeinsam mit verbliebenen Nahrungsresten, Stoffwechselprodukten der Keime und Speichel einen weißlichen, weichen Biofilm auf den Zähnen. Vor allem am Zahnfleischrand, an Rändern von Füllungen und Kronen oder zwischen den Zähnen.

Dort gedeihen unterschiedliche Mikroorganismen wie beispielsweise Streptokokken und Laktobazillen besonders gut, denn in diesen schützenden Plaques sind sie weitgehend sicher vor Attacken des Immunsystems. Ein häufiger Genuss von klebrigen Kohlenhydraten wie Zucker, Süßigkeiten, Softdrinks etc. begünstigt die Bildung solcher Beläge.

Was bewirken die Bakterien in Plaques? 

Die Bakterien in den Plaques produzieren bei der Verstoffwechslung der Nahrungsreste aggressive Säuren und Toxine (Giftstoffe). Diese gelangen in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch. Die körpereigene Abwehr reagiert darauf mit einer Entzündungsreaktion und schon ist eine Gingivitis im Gange. Diese Plaque-induzierte Gingivitis (Schmutz-Gingivitis) ist oft mit Zahnkaries vergesellschaftet.

Außer Bakterien sorgen – seltener – auch Viren oder Pilze für eine Zahnfleischentzündung. Ebenso mechanische Reize wie z.B. zu intensives Zähneputzen, verschlissene Borsten der verwendeten Zahnbürste oder harte, scharfkantige Nahrungsbestandteile wie etwa Brotrinde. Oder andere Zahnfleischverletzungen. Denn dann können sich Bakterien in der Wunde ansiedeln und eine Entzündung auslösen.

Wer bekommt Zahnfleischentzündung? Risikofaktoren

Es gibt einige Umstände, die besonders anfällig für eine Gingivitis machen. Dazu gehören etwa

  • Stoffwechselstörungen wie z. B. Diabetes
  • Bluterkrankungen wie z. B. Leukämie
  • Alkoholkonsum
  • Rauchen, denn das führt zu einer chronischen Durchblutungsstörung des Zahnfleischs und einer verzögerten Wundheilung
  • übermäßiger Stress, denn er schwächt das Immunsystem
  • hormonelle Veränderungen, z. B. in der Pubertät, Schwangerschaft oder im Klimakterium
  • Mundtrockenheit, weil Speichel normalerweise Nahrungsreste, Bakterien und Co. wegspült sowie Schutzstoffe enthält, die dann wegfallen
  • einseitige Kost, Mangelernährung oder Vitamindefizite (v. a. Vitamin-C-Mangel)
  • Darmprobleme, weil sie die Nährstoffaufnahme behindern können
  • Medikamente wie orale Kontrazeptiva (“Pille“), Immunsuppressiva, bestimmte Antiepileptika oder Blutdrucksenker

Abgesehen davon führen erbliche Faktoren dazu, dass Zahnfleischerkrankungen in Familien gehäuft vorkommen und meist einen schwereren Verlauf nehmen. Zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit dieses Risikos gibt es einen Gentest.

Symptome: Wie macht sich eine Gingivitis bemerkbar?

Zahnfleischentzündung

Eine Zahnfleischentzündung macht sich durch gerötet & geschwollenes Zahnfleisch bemerkbar. Foto: AdobeStock (c) Double-Brain

Gesundes Zahnfleisch ist rosa, liegt fest am Zahn an und blutet nicht. Anders entzündetes Zahnfleisch. Das ist geschwollen und gerötet, oft auch weicher als normal. Es neigt zu Blutungen bei mechanischen Reizen wie Zähneputzen oder dem berühmten Biss in einen Apfel. Und kann schmerz- bzw. berührungsempfindlich sein oder Mundgeruch verursachen.

Bleiben weiche Plaques längere Zeit an den Zähnen, lagern sich darin Kalzium und andere Mineralien ein. So entsteht – nicht mehr mit der Zahnbürste wegputzbarer – Zahnstein. In dessen rauer Struktur siedeln sich noch leichter Bakterien an und vermehren sich ungestört.

Und es können sich – insbesondere bei veränderter Immunabwehr und Rauchen – Zahnfleischtaschen bilden. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Entzündung auf tiefergelegene Teile des Zahnhalteapparates (Parodontium, Attachment, Zahnbett) übergegriffen hat. Dann können Zähne sich lockern, schlimmstenfalls sogar ausfallen. Eine solche Parodontitis erhöht darüber hinaus das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen wie Lungenentzündung, Arteriosklerose, Schlaganfall, Herzmuskelentzündung und –infarkt. Denn Bakterien aus dem Zahnfleisch können in die Blutbahn und damit zu anderen Organen gelangen und dort Schäden anrichten.

Normalerweise verläuft eine Gingivitis eher diskret, ohne starke Schmerzen. Höchstens mit einem Spannungsgefühl durch die Schwellung. Daher wissen viele gar nicht, dass sie eine haben.

Formen der Gingivitis

Doch gibt es auch eine besondere Form der Zahnfleischentzündung, die akute nekrotisierende ulzeröse Gingivitis auch Fusospirochätose, Angina ulcerosa, Plaut-Vincent-Infektion oder Vincent-Angina genannt. Bei ihr bilden sich – eventuell mit grauen Pseudomembranen bedeckte – Geschwüre mit charakteristisch ausgestanztem Aussehen und das Zahnfleisch stirbt stellenweise ab. Prozesse, die mit akuten Schmerzen, plötzlichem, starkem Fieber, fauligem Mundgeruch, übermäßigem Speichelfluss und Abgeschlagenheit einhergehen. Die Erkrankung tritt häufig bei einem geschwächten Immunsystem auf. Beispielsweise bei HIV-Infizierten, Menschen unter immunsuppressiver Therapie oder mit ernährungsbedingten Mangelerscheinungen. Ebenso bei Rauchern und unter Stress stehenden Personen.

Behandlung: Was tun bei Zahnfleischentzündung? 

Eine Zahnfleischentzündung klingt üblicherweise nach spätestens einer Woche ab, wenn man die Zähne regelmäßig sorgfältig reinigt. Hält sie dennoch länger an, sollte man den Gang zum Zahnarzt antreten. Der überprüft, ob schon eine Parodontitis oder nur eine Gingivitis vorliegt, indem er in den Zahnfleischrand jedes Zahnes eine spezielle Parodontalsonde einsetzt und die Sondierungstiefe misst. Je höher dieser Wert liegt, desto weitreichender sind parodontale Schäden. Blutet das Zahnfleisch beim Sondieren, spricht das für eine Entzündung.

Jedenfalls veranlasst der Zahnarzt eine professionelle Zahnreinigung. So kommt es nach maximal einem Monat zum vollständigen Rückgang der Symptome bei einer Gingivitis.

Sind Arzneimittel an der Zahnfleischentzündung beteiligt, ist – wenn möglich – eine Umstellung auf andere Substanzen erwägenswert. Manche dieser Medikamente verursachen sogenannte gingivale Hyperplasien, Wucherungen am Zahnfleisch. Sie können nicht nur eine Medikamentenumstellung erfordern, sondern neben einer optimalen Zahnreinigung auch eine operative Beseitigung der Veränderungen.

Richtige Mundhygiene bei Zahnfleischentzündung

In erster Linie müssen die bakteriellen Beläge weg. Hierzu genügt es normalerweise, mindestens zweimal täglich gründlich die Zähne zu putzen. Am besten mit einer Zahnbürste mit weicheren Borsten, um das entzündete Zahnfleisch nicht zu verletzen oder zusätzlich zu reizen. Wichtig ist auch, die Bürste spätestens nach drei Monaten durch eine neue zu ersetzen, denn in ihr verweilen mit der Zeit immer mehr Bakterien. Nach einer Erkältung oder Pilzinfektion im Mund sollte sie sofort gewechselt werden.

Zahnfleischentzündung

Bei Zahnfleischentzündungen sollte man auf die Härte der Borsten bei der Zahnbürste achten. Foto: AdobeStock (c) evso

Zähneputzen ist gleichzeitig das beste Mittel, einer Zahnfleischentzündung vorzubeugen, wenn man noch keine hat. Wichtig dabei ist, alle Zahnflächen ordentlich zu säubern und von Zahnbelag zu befreien. Dabei darf man nicht auf die Zahnzwischenräume vergessen. Zu ihrer Reinigung eignet sich Zahnseide. Oder eine Interdental-Bürste (Zahnzwischenraum-Bürste).

Zuletzt mit einer antibakteriellen Mundspül-Lösung (“Mundwasser“) mindestens 30 Sekunden gurgeln und anschließend ausspucken hilft, das Bakterienwachstum einzudämmen. Mundspülungen müssen jedoch nach jedem Zähneputzen verwendet werden, damit sie wirken. Auch Salben mit antibakteriellen Wirkstoffen dienen ähnlichen Zwecken.

Falls keine Gelegenheit zum Zähneputzen besteht, zwischen den Mahlzeiten zuckerfreie Kaugummis kauen und nach den Mahlzeiten mit Wasser den Mund ausspülen.

Zudem ist es ratsam, ein-, besser zweimal im Jahr beim Zahnarzt eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. Denn sie erreicht auch Stellen im Mund, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Dann noch ungesunde und zuckerhaltige Lebensmittel einschränken und mit dem Rauchen aufhören. Und das Zahnfleisch ist bald wieder fit.

Hausmittel: Was hilft gegen Zahnfleischentzündung?

Im Garten von Mutter Natur wachsen zahlreiche Heilkräuter, die die Symptome einer Zahnfleischentzündung lindern und sie schneller abklingen lassen. Entzündungshemmend und schleimhautschützend wirkt etwa Kamille. Deshalb hilft es bei Gingivitis, mit Kamillentee zu gurgeln oder das Zahnfleisch mit Kamillentinktur zu betupfen. Antientzündlich und gleichzeitig desinfizierend sind auch Salbei, Thymian, Lavendel oder Myrrhe sowie Ingwer.

Tee eignet sich aber nicht nur zum Gurgeln. Auch auf entzündete Stellen für fünf Minuten aufgelegte Teebeutel lindern Zahnfleischentzündungen. Am besten Schwarztee, denn der enthält antiseptisches Tannin.

Zudem soll eine halbe Stunde vor dem Zähneputzen mit in einem Glas Wasser zwei gelösten Esslöffeln Apfelessig gurgeln die Speichelbildung anregen sowie entzündungshemmend und antibakteriell wirken.

Salzwasser – reinigt & regt die Durchblutung an

Genauso einfach und effektiv: einen Teelöffel (Meer-)Salz in einem Glas warmem Wasser auflösen und dieses Salzwasser entweder als Mundspülung benützen oder es mit der Zahnbürste direkt an den betroffenen Stellen einmassieren. Massagen – mit Salzwasser oder auch nur der Zahnbürste allein – regen die Durchblutung an und beschleunigen so die Heilung. Salzwasser ist nicht nur reinigend, es verändert den pH-Wert im Mund auch so, dass er die Vermehrung von Bakterien erschwert.

Auch ins Zahnfleisch einmassiertes Kokosnussöl ist ein gutes Heilmittel gegen Zahnfleischprobleme. Oder man lässt einen Esslöffel davon auf der Zunge zergehen, verteilt und schwenkt es im Mund, zieht es durch die Zähne und spuckt es wieder aus (“Ölziehen“). Die Prozedur dient auch zur Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen.

Zudem haben sich ätherische Öle wie Nelken-, Pfefferminz- und Teebaumöl als wirksame Hausmittel gegen Zahnfleischentzündungen erwiesen. Am besten in Form einer Mundspülung aus zwei bis drei Tropfen ätherischem Öl in einem Glas Wasser und nach dem Gurgeln den Mund ausspülen. Ebenso Knoblauch, der die Infektion direkt bekämpft. Er sollte daher oft zum Würzen verwendet werden.

Ist das Zahnfleisch empfindlich, kann darüber hinaus das Schüßler-Salz Nr. 4, Kalium chloratum, helfen.

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