Hochzeitsbräuche: Schönes und Kurioses aus aller Welt - HEROLD.at

Hochzeitsbräuche: Schönes und Kurioses aus aller Welt

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Beliebte Hochzeitsbräuche? Das Torte anschneiden bestimmt angeblich darüber, wer in der Ehe später das Sagen hat. Foto: Adobe Stock, (c) bilderstoeckchen

Tauben, Reis und blaues Strumpfband: Wenn zwei Menschen sich ewige Liebe versprechen, machen sie einander das schönste Geschenk, das ein Paar sich machen kann. Nun ist es an Freunden und Verwandten, die Trauung durch kleine Bräuche, Spiele und Traditionen zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen. Wir haben die schönsten Hochzeitsbräuche aus aller Welt recherchiert.

Woher kommen die Hochzeitsbräuche?

Französischen Bräuten ist der Weg zur Kirche mit weißen Bändern versperrt, in Kanada führen die älteren Geschwister der Brautleute einen „Sockentanz“ auf, und spanische Ehemänner übergeben ihrer Braut am Tag der Trauung 13 goldene Münzen. Aber wie kommt es eigentlich, dass der Weg ins Eheleben mit Bräuchen und Zeremonien gepflastert ist? Ganz einfach: Die meisten Hochzeitsbräuche stammen aus einer Zeit, in der jung geheiratet wurde und die Angst vor bösen Geistern sehr real war. Die Tradition zielte also darauf ab, schlechtes Karma vom Brautpaar fernzuhalten und es finanziell zu unterstützen.

Heute spuken die Geister zwar nur noch im Märchenbuch und die meisten Paare heiraten erst dann, wenn sie auf eigenen Beinen stehen, aber trotzdem können wir es nicht lassen, am Vorabend der Vermählung Porzellan zu zerschmeißen und den Kirchgang mit Blumen zu bestreuen. Und das ist auch gut so: Diese symbolischen Traditionen, mit denen die Gäste die Hochzeit begehen, sollen dem Paar immerwährende Liebe und viele Kinder bescheren.

1. Hochzeitsbrauch Blaues Strumpfband: gestern, heute & morgen

Wusstest du, dass der Brauch vom Alten, Neuen, Geborgten und Blauen ursprünglich aus England kommt? Das Alte (z.B. ein Familienschmuckstück in der Brautfrisur) steht für das bisherige Leben der Braut und für die Verbundenheit mit ihrem Elternhaus. Das Neue (z.B. das Brautkleid oder die Brautschuhe) symbolisiert den Neubeginn und die Gründung einer eigenen Familie. Das Geborgte (z.B. Ohrringe einer Freundin) steht für die Freundschaftsbande, die auch in der Ehe gepflegt werden, und das Blaue (z.B. das Strumpfband) steht in der Tradition für Treue und Ehrlichkeit.

Apropos Farben: Wer in Schweden als weiblicher Hochzeitsgast ein rotes Kleid trägt, hat mindestens einmal mit dem Bräutigam geschlafen – und möchte auch gerne, dass dies auf der Feier thematisiert wird. Vorsicht also bei der Farbwahl! 😉

2. Hochzeitsbrauch Geldstück im Schuh: Möge euch niemals das Geld ausgehen!

In früherer Zeit begannen die Mädchen schon im Kindesalter damit, für ihre Aussteuer zu sparen. Schafften sie es, ihre Brautschuhe vollständig mit kleinen Münzen zu bezahlen, galt dies als gutes Omen für die Finanzen in der Ehe. Dem späteren Ehemann bewiesen sie dadurch Genügsamkeit und ihre Fähigkeit, einen Haushalt auch mit wenig Geld zu führen.

Übrigens: Auch heute zahlen noch manche Bräute ihre Schuhe mit 1-Cent-Stücken und legen sich am Tag der Trauung ein Geldstück in den Schuh. Dieser Brauch soll dafür sorgen, dass in der Ehe niemals das Geld ausgeht.

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Traditionelle Hochzeitsbräuche: Auch heute haben noch manche Bräute ein Geldstück im Schuh, wenn sie den Mittelgang der Kirche beschreiten. Foto: Adobe Stock, (c) beeboys

3. Hochzeitsmandeln: Wir wünschen euch das Allerbeste!

Auf italienischen Hochzeiten erhält jeder Gast bei der Verabschiedung fünf Mandeln, die symbolisch für die wichtigsten Wünsche zur Hochzeit stehen: Glück, Fruchtbarkeit, Wohlstand, Gesundheit und ein langes Leben. Die Mandeln haben sich hierzulande zwar nicht durchgesetzt, aber viele Brautpaare verteilen kleine Gastgeschenke oder werfen Süßigkeiten in die Menge.

Apropos gute Wünsche: Frei nach dem Motto „Scherben bringen Glück“ zerbrechen slowenische Hochzeitsgäste nach der Trauung die Sektgläser – und das Brautpaar darf, natürlich, aufräumen.

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Viele Paare ehren den Hochzeitsbrauch, bei der Feier kleine Gastgeschenke zu verteilen. Foto: Adobe Stock, (c) monus_jr8

4. Bridal Shower: die Aussteuer von heute

Die „Baby Shower“ ist schon vor einigen Jahren aus den USA zu uns rübergeschwappt, die „Bridal Shower“ hat es bislang noch nicht geschafft. Nicht nur in Amerika, sondern auch in Kanada und Neuseeland feiern die Bräute ihren Abschied aus dem Junggesellinnen-Leben mit Freundinnen und sämtlichen Frauen der Familie. Während der Junggesellinnenabschied hierzulande mit mehr oder weniger peinlichen Spielen und einer Menge Alkohol begangen wird, liegt der Fokus bei der „Bridal Shower“ auf dem Beschenken der Braut. Ursprünglich war der Brauch nämlich dazu gedacht, den Töchtern armer Eltern zu einer ausreichenden Mitgift zu verhelfen.

Tipp: Beliebte Geschenke für die Bridal Shower sind z.B. Geschirr, teures Porzellan und Küchengeräte. Mit anderen Worten: Eben all das, was man in einem gut ausgestatteten Vorstadt-Haushalt erwartet. 😉

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5. Junggesellenabschied: Bau‘ keinen Scheiß!

Hast du gewusst, dass der Junggesellenabschied früher absolut nicht witzig war? Der Brauch stammt ursprünglich aus England, wo der Brautvater den zukünftigen Schwiegersohn ins Wirtshaus einlud, um langatmige Ansprachen über die Bedeutung der Ehe und all jene Dinge zu halten, die von einem Ehemann erwartet würden. Nur wenn der Bräutigam zufriedenstellende Antworten gab und sich demütig zeigte, konnte am nächsten Tag geheiratet werden.

Tipp: Wie gut, dass heute nicht mehr der Brautvater über die Würdigkeit des Werbers entscheidet. Anderenfalls würden viele Hochzeiten nach dem Junggesellenabschied, wie wir ihn kennen, sicher ins Wasser fallen.

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Der Junggesellenabschied ist eine Tradition, die früher gefürchtet wurde und heute wild gefeiert wird. Foto: Adobe Stock, (c) Janina Dierks

6. Hochzeitsbrauch Fremdküssen: Verliert euch nicht aus den Augen!

In Schweden wird bei der Hochzeitsfeier auf perfide Art und Weise dafür gesorgt, dass Braut und Bräutigam einander nicht aus den Augen lassen. Wann immer er die Toilette aufsucht oder sie sich die Nase pudert, darf jeder knutschwillige Gast die zurückgelassene Braut bzw. den alleingelassenen Bräutigam küssen.

Apropos schlüpfrige Bräuche: In den Niederlanden schlafen die Brautleute mit dem Korken jener Sektflasche, die bei der Feier als erste geöffnet wurde, unter dem Kopfkissen. Dieses Brauchtum soll dafür sorgen, dass es im Schlafzimmer „knallt“. 😉

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Kuriose Hochzeitsbräuche: Bei einer schwedischen Hochzeitsfeier dürfen die Gäste Braut und Bräutigam küssen, wann immer sie oder er allein gelassen wird. Foto: Adobe Stock, (c) Martina Fenske

7. Polterabend: Scherben machen glücklich!

Den Brauch des Polterns gibt es angeblich schon seit vorchristlicher Zeit. Am Vorabend der Trauung kommen Freunde, Verwandte und Nachbarn vorbei, um vor der Haustür des Brautpaares altes Porzellan, Steingut etc. zu zerschmeißen. Das anschließende gemeinsame Zusammenkehren der Scherben soll dem Brautpaar Glück bringen – und das laute Poltern böse Geister fernhalten. In Österreich ist der Brauch eher selten, aber die deutschen Nachbarn poltern, was das (Stein)zeug hält!

Übrigens: Zum Polterabend wird nicht offiziell eingeladen, sondern hier nimmt teil, wer möchte. Eine schöne Gelegenheit für das Brautpaar, Glückwünsche von Freunden und Bekannten entgegen zu nehmen, die nicht zum „engsten Kreis“ gehören.

8. Sockentanz: Shame, shame, shame!

Nach kanadischem Brauch führen die älteren, noch unverheirateten Verwandten des Brautpaares während der Hochzeitsfeier einen spektakulären Tanz auf, zu dem idealerweise möglichst komische Strümpfe getragen werden. Je wilder die Darbietung, desto mehr Geldstücke wirft die Feiergemeinschaft den Tanzenden zu, die den „Erlös“ anschließend dem frisch vermählten Brautpaar überreichen. Hierbei handelt es sich übrigens um eine symbolische Schmähung, da die Älteren im Gegensatz zu ihren jüngeren Familienmitgliedern bislang noch kalte Füßen hatten, wenn es ums Heiraten ging.

Apropos unverheiratet: Nach italienischem Hochzeitsbrauch muss das Brautbett von zwei unverheirateten Frauen vorbereitet werden. Anderenfalls droht den jungen Eheleuten sieben Jahre schlechter Sex.

#sockentanz #eintanzen #inaction

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9. Hochzeitsbrot: Was mein ist, ist dein.

Bei russischen Hochzeiten ist es Brauch, den Brautleuten nach der Trauungszeremonie ein Stück Brot mit Butter und Salz zu überreichen. Bevor die Feier beginnen kann, müssen sie dieses teilen und gemeinsam verspeisen, wodurch das Teilen des Ehelebens symbolisiert wird . Traditionell wird das Hochzeitsbrot von Hand gebacken und reich verziert.

Übrigens: Es gibt auch eine nicht so nette Variante des „Brot teilens“, bei welcher den Brautleuten jeweils ein trockenes Endstück gereicht wird. Wer zuerst aufgegessen hat, kann sich „durchbeißen“ und wird daher in der Ehe das Sagen haben.

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Die Tradition des Brot Teilens ist unter den russischen Hochzeitsbräuchen einer der bekanntesten. Foto: Adobe Stock, (c) DenisProduction

10. Baumstamm zersägen: durch dick & dünn!

Ein Brauch, der bei den deutschen Nachbarn sehr beliebt ist, ist das Baumstamm zersägen: Wenn das frisch vermählte Paar Kirche oder Standesamt verlässt, liegt ihnen ein mehr oder weniger dicker Holzpfahl im Weg. Diesen müssen sie dann, gleichsam symbolisch für alle Schwierigkeiten, die noch kommen mögen, mit einer Schrotsäge auseinander schneiden. Wie gut sie dabei zusammenarbeiten, steht sinnbildlich für die Gleichberechtigung und die Kommunikation in der Ehe.

Apropos Teamwork: In Frankreich gibt es die Tradition, dass alle Getränke, die bei der Hochzeitsfeier übrig bleiben, von den Freunden des Brautpaares in einer (sauberen!) Toilettenschüssel zusammengerührt werden. Das Brautpaar muss diesen Cocktail dann bis auf den letzten Tropfen leeren. Na dann zum Wohl!

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Einer der beliebtesten Hochzeitsbräuche bei unseren deutschen Nachbarn: das Baumstamm-Zersägen steht symbolisch für Teamwork und Kommunikation. Foto: Adobe Stock, (c) julianeseyffert

11. Henna-Nacht: Liebe & Wohlstand

Nach einem muslimischen Brauch, der vor allem in der Türkei praktiziert wird, verbringt die Braut den Vorabend ihrer Hochzeit mit ihren Freundinnen und weiblichen Verwandten, die ihre Handflächen und Finger mit Henna einfärben

. Die rötliche Farbe der Paste steht traditionell für Wohlstand, Liebe und reichen Kindersegen. Zu den Hochzeitsfeierlichkeiten selbst tragen viele Bräute einen roten Schleier und reichlich verzierte Gewänder.

Apropos reichlich verziert: Auch auf indischen Hochzeiten wird nicht gekleckert, sondern geklotzt! Je mehr (echten) Goldschmuck die Braut trägt, desto besser stehen die Chancen für ein Leben in Wohlstand.

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Muslimische Hochzeitsbräuche sind dazu gedacht, dem Brautpaar Wohlstand und einen reichen Kindersegen zu bescheren. Foto: Adobe Stock, (c) innatyshchenko

12. Braut entführen: Primae Noctis?

Auf vielen Hochzeiten wird die Braut von Freunden „entführt“ und in einem Wirtshaus versteckt. Der Bräutigam muss auf der Suche nach ihr sämtliche offenen Rechnungen begleichen und sie schließlich mit einem Kasten Bier oder einer ähnlichen Bezahlung auslösen. Was viele nicht wissen: Früher war dieser Brauch alles andere als spaßig und begann im finsteren deutschen Mittelalter als „Primae Noctis“, das „Recht der ersten Nacht„.
Fand damals eine Hochzeit unter Unfreien statt, hatte der Landgraf das Recht, die Hochzeitsnacht zu beanspruchen. Bräutigam und Trauzeugen versuchten natürlich, die Braut notfalls mit ihrem Leben vor der Entführung und der damit verbundenen Vergewaltigung zu retten.
Übrigens: Gelingt es, eine ungarische Braut zu entführen, gilt es als erwiesen, dass ihr Bräutigam nicht gut genug für sie ist.

13. Brautstrauß werfen: Du bist die nächste!

Wir alle kennen die Tradition des Brautstraußwerfens. Die wenigsten aber wissen, dass der Brautstrauß schon seit rund 500 Jahren ein beliebter Hochzeitsbrauch ist. Er entstammt der italienischen Renaissance und war ursprünglich dazu gedacht, mit seinen stark duftenden Blumen und Kräutern den üblen Geruch der Hochzeitsgesellschaft zu überdecken. Im 15. und 16. Jahrhundert war Körperhygiene nämlich noch ein Fremdwort – ganz gleich, ob man zu einer Hochzeit geladen war oder nicht.

Warum man angefangen hat, den Brautstrauß zu werfen, ist nicht bekannt. Eine recht populäre Theorie besagt allerdings, dass die Blumen und Kräuter im Strauß dabei helfen sollten, böse Geister zu „binden“. Und indem die Braut den Strauß über die Schulter warf, entledigte das Brautpaar sich dieser Gefahr.

Übrigens: Heute wird auf vielen Hochzeiten schon vorher abgesprochen, wer den Brautstrauß fangen soll. Diese Taktik dient dazu, dem jeweiligen Partner einen subtilen Hinweis darauf zu geben, dass der Antrag schon lange überfällig ist. 😉

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Hochzeitsbräuche mit Geschichte: Der Brautstrauß ist eine Tradition, die auf keiner Hochzeit fehlen darf! Foto: Adobe Stock, (c) Lenslife

14. Brautjungfern: Ablenkungsmanöver!

Eine echte Trauung à la Hollywood kommt nicht ohne sie aus: die Brautjungfern! Was auf uns ziemlich kitschig wirkt, startete ursprünglich als Schutz der Braut: Indem sie auf dem Weg zum Altar von unverheirateten Frauen in ähnlichen Kleidern begleitet wurde, sollten böse Geister von der Braut abgelenkt werden. Eine ähnliche Funktion hatte der Brautführer: Sollten die Jungfern die Braut vor spirituellen Gefahren schützen, sollte der Brautführer Schutz vor weltlichem Unheil (z.B. vor Plünderern) bieten.

Übrigens: In Finnland haben die Brautjungfern noch eine weitere, etwas ungewöhnliche Aufgabe: Sie gehen nämlich einen Tag vor der Trauung in die Sauna – mit der Braut und ihrer Mutter.

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