HPV Impfung: Übertragung, Impfung, Kosten, Behandlung

HPV Impfung

Die HPV Impfung schützt nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor anderen Krebsarten und Genitalwarzen. Foto: Adobe Stock, (c) arcyto

In Österreich erkranken aktuell etwa 400 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs. Das können Eltern ihren Töchtern nun ersparen. Denn die Ursache für diese Erkrankung sind Viren. Und gegen die gibt es eine Impfung. Diese HPV Impfung kann aber noch mehr: nämlich auch einen Teil bestimmter anderer Krebsarten und – an sich harmlose, aber unangenehme und ansteckende – Genitalwarzen verhindern. Davon profitieren alle. Mädchen, Frauen, aber auch das starke Geschlecht.

Was ist HPV?

HPV steht für Humane Papillom(a)Viren. Von diesen DNA-Viren existieren ca. 150 Typen. Rund 40 davon befallen vorwiegend Geschlechtsteile und After. Daher bezeichnet man sie als genitale HPV-Typen. Als potenzielle Krankheitserreger können sie die Zellen der Haut und Schleimhäute infizieren. Die meisten verursachen lediglich Feigwarzen am äußeren Genitale, in der Scheide und am Gebärmutterhals (sogenannte low risk Typen).

Einige (sogenannte high risk Typen) aber “können mehr“. Denn die Erbsubstanz der Viren unterhält Wechselwirkungen mit Zell- und Regulationsproteinen in den menschlichen Zellen. Um Informationen ihres Erbgutes weiterzugeben, sprich sich zu vermehren. Vorgänge, die das Risiko bergen, dass die Zellen entarten und sich ein bösartiger Tumor entwickelt. Zum Beispiel ein Gebärmutterhalskrebs.

Wie kommt es zu einer HPV-Infektion?

Humane Papillomaviren werden am häufigsten bei sexuellem Kontakt übertragen. Wobei das Risiko dafür mit der Zahl der Sexualpartner steigt. Die Erreger können durch kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhäute in den Körper gelangen. Doch ist auch eine Ansteckung per Schmierinfektion (Kontakt zu mit den Keimen verunreinigten Gegenständen wie z.B. gebrauchte Handtücher) möglich. Die HPV können auch bei der Geburt von der Mutter auf das Neugeborene übergehen.

Mehr als zwei Drittel aller Personen infizieren sich während ihres Lebens mit HPV. Oft ohne es zu bemerken. Der Infekt klingt meistens innerhalb von 6 bis 18 Monaten ab, kann aber bereits in diesem Zeitraum Zellveränderungen verursachen. Die später unter Umständen zu Krebsvorstufen und schließlich Krebs führen.

Leider hinterlässt eine bereits stattgefundene HPV-Infektion keinen zuverlässigen Schutz vor einer erneuten Ansteckung. Auch Kondome bieten diesen nicht in ausreichendem Maße.

Folgen einer HPV-Infektion

Bestimmte HPV-Typen – allen voran die Stämme 6 und 11 – rufen Genitalwarzen (Feigwarzen, Kondylome, Condylomata acuminata) hervor. Das sind ungefährliche, aber ansteckende, unangenehme und zur Wiederkehr neigende Wucherungen auf der Haut im Intimbereich. Sie zählen zu den weltweit am häufigsten sexuell übertragenen Krankheiten. Manchmal bilden sie sich von alleine zurück. Doch ist in vielen Fällen ihre – chemische, thermische oder operative – Entfernung notwendig.

Andere HPV-Typen fördern die Entwicklung bösartiger Tumore. Und zwar hauptsächlich die Entstehung von Gebärmutterhals-, Scheiden-, Vulva-, Anal- und Peniskrebs. Ebenso aber Karzinome im Mund, Rachen und am Kehlkopf. In puncto Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) tun sich in Europa vor allem die Hochrisikotypen 16 und 18 hervor. Sie sollen für mehr als 70 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich zeichnen. Doch auch die Stämme 31, 33, 45, 52 und 58 sind kanzerogen (krebserregend). Pro Jahr erkranken in Österreich ca. 400 Frauen an einem Zervixkarzinom.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2005 die HPV-Typen 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59 und 66 als krebserregend eingestuft.

Wogegen die HPV Impfung wirkt

Der HPV Impfstoff besteht aus leeren Virushüllen (VLP = Virus-Like-Particles). Was bedeutet, dass er kein genetisches Material der Viren enthält. Somit ist er nicht infektiös.

In Österreich sind derzeit drei Impfstoffe für Impflinge ab einem Alter von 9 Jahren zugelassen:

  • ein Zweifach-Impfstoff (seit 2007) gegen die HPV-Typen 16 und 18, die für über 70 Prozent der HPV-assoziierten bösartigen Tumore verantwortlich sind.
  • ein Vierfach-Impfstoff (seit 2006) gegen die HPV-Typen 16 und 18, die mehr als 70 Prozent der HPV assoziierten bösartigen Tumore hervorrufen. Und gegen die HPV-Typen 6 und 11, die 90 Prozent der Genitalwarzen auslösen.
  • ein Neunfach-Impfstoff (seit 2016) gegen die HPV-Typen 16 und 18, die über 70 Prozent der HPV assoziierten bösartigen Tumore erzeugen. Und gegen die HPV-Typen 6 und 11, die 90 Prozent der Feigwarzen verursachen. Zusätzlich gegen die Typen 31, 33, 45, 52 und 58, die 20 Prozent aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verschulden.

Anscheinend besitzen die Impfstoffe zudem eine Kreuzprotektivität (Schutzeffekt) gegen durch den recht stark kanzerogen wirkenden HPV-Stamm 31 hervorgerufene Krebsvorstufen. Ebenso gegen solche, die der schwach kanzerogen wirkenden Stamm 51 auslöst. Das bedeutet: die Impfung gegen einen bestimmten HPV-Typ bietet wahrscheinlich auch Schutz gegen andere, ähnliche HPV-Stämme.

Impfen trotz HPV-Infektion?

Alle erhältlichen Impfstoffe bewahren vor Infektionen mit den in ihnen enthaltenen HPV-Typen. Sie wirken allerdings lediglich vorbeugend. Gegen bereits bestehende HPV-Infektionen mit diesen Stämmen sind sie wirkungslos.

Dennoch kann eine HPV Impfung auch dann sinnvoll sein, wenn bereits eine Ansteckung mit humanen Papillomviren stattgefunden hat. Denn der Impfstoff kann vor weiteren Infektionen schützen. Und vor allem vor anderen HPV-Typen.

Wann soll geimpft werden?

Am meisten Nutzen bringt die Impfung, wenn sie bereits erfolgt, bevor eine Begegnung mit HPV stattgefunden hat. Also vor den ersten sexuellen Kontakten. Das heißt: vom vollendeten 9. Lebensjahr bis zum 12. Geburtstag. In diesem Alter verfügen Kinder in der Regel über eine gute Immunantwort. Dann bilden sie potente Antikörper aus, die ein Eindringen der Viren in die Körperzellen effektiv verhindern.

Allerdings empfehlen einige Experten die Impfung auch noch im Erwachsenenalter und unabhängig von sexuellen Aktivitäten. Denn zum einen infiziert man sich nicht zwangsläufig schon beim ersten Geschlechtsverkehr mit HPV. Zum anderen erscheint das Risiko sehr gering, sich gleichzeitig mit allen im jeweiligen Impfstoff enthaltenen Virusstämmen anzustecken.

HPV Impfung

Besonders sinnvoll ist die HPV Impfung vor dem ersten sexuellen Kontakt. Foto: Adobe Stock, (c) Sherry Young

Wer soll gegen HPV geimpft werden?

Sowohl Mädchen als auch Buben sollten zum frühestmöglichen Zeitpunkt gegen HPV geimpft werden. Das empfehlen der Obersten Sanitätsrat und das Nationale Impfgremium sowie die Österreichische Krebshilfe. Weil

  • HPV sowohl von Frauen als auch von Männern übertragen werden. So steigt die Gefahr sich anzustecken und Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln für Frauen mit der Anzahl ihrer Sexualpartner. Aber auch bis zu 70 Prozent der Partner von Frauen mit durch HPV bedingten Zellveränderungen weisen ebenfalls Zellveränderungen auf. Und zwar am Penis.
  • die HPV Impfung vor der Entstehung eines Großteils der durch HPV bedingten Krebsformen und vor Kondylomen schützt.

Auf die Art wird die Infektionskette wirkungsvoll unterbrochen (Herdenimmunität, kollektiver Schutz). Somit beziehen beide Geschlechter einen Nutzen von der Impfung. Ziel der Immunisierung ist, die Zahl der durch HPV ausgelösten Erkrankungen in der Bevölkerung zu verringern. Im Idealfall sie sogar zum Verschwinden zu bringen.

Nicht zugelassen sind die Impfstoffe für Schwangere und für bereits an Gebärmutterhalskrebs erkrankte Frauen.

Wer führt HPV Impfungen durch?

Eltern, die ihr Mädchen oder auch ihren Sohn gegen HPV impfen lassen möchten, haben dazu in Österreich verschiedene Möglichkeiten. So werden etwa HPV Impfungen im Rahmen bestehender Schulimpfprogramme an österreichischen Volksschulen für die 4. Schulstufe angeboten. Ebenso an öffentlichen Impfstellen der Bundesländer sowie bei niedergelassenen Impfärzten. Bis zum vollendeten 12. Lebensjahr. Für Mädchen und Buben. Und zwar kostenlos. Zum Einsatz kommt dabei seit Sommer 2016 der HPV-Neunfachimpfstoff.

Wird diese Frist aus irgendwelchen Gründen versäumt, offerieren Bezirkshauptmannschaften, Magistrate und registrierte, niedergelassene Ärzte Nachholimpfungen (Catch-up-HPV Impfungen) zum vergünstigten Selbstkostenpreis. Für Kinder vom 12. Geburtstag bis zum vollendeten 15. Lebensjahr. Die Höhe der zu entrichtenden Summe schwankt je nach Bundesland. In Niederösterreich etwa beträgt sie 57 Euro pro Teilimpfung (Stand: 10/2017), in Tirol 52.

Nach dem 15. Lebensjahr sind die Kosten für die Immunisierung selbst zu tragen. Dann kostet eine vollständige Immunisierung (alle 3 Teilimpfungen) laut Informationen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger in Österreich zurzeit 624 Euro.

Wenn du nicht weißt, wo genau du dich hinwenden kannst, fragst du am besten deinen praktischen Arzt.

Wie viele Impfungen sind nötig?

Der Impfstoff wird bis zum vollendeten 15. Lebensjahr in zwei Teilimpfungen in einen Muskel am Oberarm gespritzt. In einem Abstand von sechs Monaten. Nach dem Überschreiten dieser Altersgrenze ist eine dreimalige Verabreichung notwendig, um einen gleichwertigen Schutz zu gewährleisten. Dann wird die zweite Teilimpfung 2 Monate und die dritte 6 Monate nach der 1. Impfung verabreicht. Ebenso erfolgt eine dritte Teilimpfung, wenn der Impfabstand zwischen der ersten und zweiten Dosis weniger als 6 Monate betrug.

Ob danach Auffrischungsimpfungen sinnvoll oder notwendig sind, gilt es noch zu klären. Derzeit geht man von einem Impfschutz von wenigstens 5 Jahren aus. Manche Studiendaten sprechen auch für 10 Jahre oder mehr.

Hat die HPV Impfung Nebenwirkungen?

Jede Impfung ist imstande, unerwünschte Reaktionen auszulösen. So auch die HPV Impfung. Doch gelten die Impfstoffe nach derzeitigem Kenntnisstand als gut verträglich und sicher.

Bei den Reaktionen handelt es sich in der Regel lediglich um vorübergehende Beschwerden an der Einstichstelle. Etwa ein Brennen, Juckreiz, leichte Schmerzen, eine Hautrötung, Überwärmung oder Schwellung. Gelegentlich inklusive Allgemeinsymptomen wie Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen oder auch Übelkeit, Erbrechen und Magen-Darm-Beschwerden. Sie verschwinden üblicherweise rasch und folgenlos wieder.


Sehr selten soll es zu Lymphknotenschwellungen, Schwindel bis hin zu Ohnmachtsanfällen, anaphylaktoiden (schweren allergischen Reaktionen ähnlichen) Symptomen oder einer Ovarialinsuffizienz (Funktionseinbuße der Eierstöcke) mit Unfruchtbarkeit nach der Impfung gekommen sein.

Die Gebärmutterhalskrebs-Impfung hat bei ihrer Einführung für Unsicherheit gesorgt. Sie wurde verdächtigt, Erkrankungen wie z.B. das Guillain-Barré-Syndrom (spezielle Nervenentzündung), Multiple Sklerose oder Thrombosen auslösen zu können. Dafür fehlt jedoch jeglicher fundierter Nachweis.

Wann darf keine HPV Impfung stattfinden?

  • Bei hohem Fieber (> 38 Grad Celsius) oder schweren entzündlichen Erkrankungen sollte die HPV Impfung auf einen in puncto Gesundheit günstigeren Zeitpunkt verschoben werden.
  • Während einer Schwangerschaft unterbleibt sie vorsichtshalber besser ganz. Obwohl vermutlich kaum Gefahr für das Ungeborene besteht, da es sich um keinen Lebendimpfstoff handelt.
  • Keine Impfung darf erfolgen, wenn eine Allergie gegen einen Bestandteil des Impfstoffs bekannt ist.
  • Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ist zu halten, wenn Erkrankungen des Immunsystems bestehen oder die Abwehr hemmende Medikamente (Immunsuppressiva) eingenommen werden.

Erspart die HPV Impfung Frauen den “Krebsabstrich“?

Schon vor dem Einsatz der Impfung galt der “Krebsabstrich“ (PAP-Abstrich, PAP-Test) als die wichtigste Vorsorgemaßnahme zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und seinen Vorstufen. Das hat sich nicht geändert. Diese Routineuntersuchung bleibt deshalb bedeutsam, weil die Impfung zwar vor den häufigsten und gefährlichsten, jedoch nicht vor allen HPV-Stämmen schützt.

Beim PAP-Abstrich (benannt nach seinem Entwickler, dem griechischen Arzt Dr. George Papanicolaou) entnimmt der Gynäkologe mit einem Wattestäbchen oder kleinen Bürstchen schmerzlos Gewebe vom Muttermund und Gebärmutterhals. Im Labor wird dann das Material mikroskopisch auf Zellveränderungen untersucht. Diese werden fachsprachlich als zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN) bezeichnet. Sie können leicht, mittelschwer oder schwer ausfallen.

Demnach werden die Testergebnisse in mehrere PAP-Gruppen eingeteilt. Nämlich

 PAP  Befund  Konsequenz
 0 nicht beurteilbar Abstrich-Wiederholung in 2 Wochen
 I keine Auffälligkeiten, altersentsprechend normal Kontrolle in 1 Jahr
 II harmlose entzündliche Veränderungen Kontrolle in ½ – 1 Jahr
 III stärkere entzündliche/degenerative Veränderungen Abstrich-Wiederholung, HPV Test, Kolposkopie, ev. Biopsie
 III D Dysplasie: leichte bis mäßige Veränderungen Abstrich-Wiederholung, Kolposkopie, ev. Biopsie
 III G auffällige Drüsenzellen Kolposkopie, Kürettage, Vaginaler Ultraschall, Biopsie
 IV a mäßige/schwere Neoplasien o. Carcinoma in situ Kolposkopie mit Biopsie, Konisation
 IV b schwere Neoplasien, ev. invasives Karzinom Kolposkopie mit Biopsie, Konisation
 V Gebärmutterhalskrebs sofort Kolposkopie, Biopsie bzw. Kürettage

Je nach Resultat können weitere diagnostische Untersuchungen erforderlich werden. Etwa

  • ein neuerlicher PAP-Abstrich
  • eine Kolposkopie (Vaginoskopie): gynäkologische Beurteilung der Schleimhäute in der Scheide und im Muttermund durch ein Untersuchungsmikroskop
  • eine Biopsie: Entnahme von Gewebeproben im Rahmen einer Kolposkopie zur mikroskopischen Begutachtung
  • eine Vaginalsonografie: Ultraschall zur Beurteilung der Organe des kleinen Beckens

Ab einem PAP IV a empfiehlt sich eine kegelförmige Entfernung des veränderten Gewebes am Muttermund, sprich Konisation.

HPV Impfung

Die HPV Impfung ersetzt jedoch nicht die wichtigste Vorsorgemaßnahme: den „Krebsabstrich“. Foto: Adobe Stock, (c) Iryna

Virusnachweis statt Impfung?

Grundsätzlich ist es auch möglich, HPV selbst, d.h. Erbmaterial der Keime nachzuweisen. Hierzu werden markierte Gen-Bruchstücke an das Material angelagert und auf die Art sichtbar gemacht. Sie sind charakteristisch für eine ganz bestimmte Virusgruppe.

Das gelingt aber nur dann, wenn die Infektion zu einer Vermehrung der HPV geführt hat.  Latente Infektionen, bei denen das Virus inaktiv in den Zellen verbleibt, lassen sich so nicht feststellen. In diesem Fall kommt es zu einem falschen (= negativen) Testergebnis. Außerdem erfasst dieser Test nur bestimmte Untergruppen.

Jedenfalls bietet die Kombination aus der Impfung gegen humane Papillomviren und dem jährlichen PAP-Abstrich nach aktuellem Stand der Wissenschaft derzeit den bestmöglichen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs, Krebsvorstufen im Genitalbereich und Feigwarzen.

Wenn du Angst hast, dich womöglich mit HPV angesteckt zu haben, wendest du dich am besten an einen Gynäkologen.

Hier findest du die am besten bewerteten Gynäkologen in deinem Bundesland:



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