Passivhaus: Erfahrungen, Preise und Nachteile

Passivhaus bauen

Ein Passivhaus hat nicht nur Vorteile. Bei sachgemäßem Nutzungsverhalten schont es aber die Umwelt und den Geldbeutel. Foto: Adobe Stock; (c) arsdigital

Im Zuge der Klimaschutzdebatten fällt auch immer wieder der Begriff Passivhaus. Warum? Weil das Passivhaus es dir ermöglicht, dein Haus mit minimalem Energieaufwand zu betreiben. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Allerdings hat ein Passivhaus nicht nur Vorteile. Wir versuchen einen kritischen Blick auf das Passivhaus zu werfen und informieren dich über sämtliche Vor- und Nachteile und geben zudem einen Ausblick auf etwaige Kosten und Preise.

Passivhaus: Was ist das?

Prinzipiell ist das Passivhaus ist ein technisches Wunderwerk. Gemeint sind damit sämtlicheHäuser, die ihren Energiebedarf zum größten Teil aus sogenannten passiven Quellen beziehen. Das bedeutet, dass für die Energieversorgung weder Fremdstrom noch herkömmliche Heizungssysteme genutzt werden. Passive Energiequellen sind beispielsweise Solarenergie, Wärmepumpen sowie die Abwärme von Geräten und Personen im Haus.

Wie funktioniert ein Passivhaus?

Ermöglicht wird die Deckung des Energiebedarfs aus passiven Quellen durch die extrem gute Wärmedämmung, die zu den wichtigsten Eigenschaften des Passivhauses zählt. Ein Passivhaus ist praktisch luftdicht und somit undurchlässig für Wärme. Aufgrund der Kombination von Wärmedämmung, Sonnenenergie und einer intelligenten Lüftungsanlage ist der Heizwärmebedarf in einem Passivhaus grundsätzlich extrem gering und bleibt unter 15 kWh/(m²) im Jahr.

Zum Vergleich: Ein Passivhaus mit 100 mWohnfläche hat im Jahr einen Heizwärmebedarf von 1.500 kWh. Ein vergleichbar großes Haus von konventioneller Bauweise benötigt etwa das Zehnfache an Heizenergie.

Wie wird mein Haus zum Passivhaus?

Wer nicht die Möglichkeit hat, das Passivhaus im Zuge eines energieeffizienten Neubaus zu realisieren, kann auch nachrüsten. Um den Standard zu erreichen, sind umfangreiche Maßnahmen zur Wärmedämmung erforderlich. Hierzu gehört vor allem die Eliminierung von Kältebrücken, damit die Wärmeverluste minimal bleiben. Entsprechend sind bis zu 30 cm starke Wärmedämmungen bei Passivhäusern absolut normal. Mehr Informationen darüber, wie ein solches Haus aussieht und wie viel es kostet, erhältst du von Bauunternehmen, die sich auf den Bau von Passivhäusern spezialisiert haben.

Übrigens: Dass sich ein Passivhaus nur in Form eines Neubaus auszahlt, ist nicht korrekt. Bei guter Bausubstanz kann es sich sogar rechnen, im Zuge einer Altbausanierung auf ein Passiv- bzw. Niedrigenergiehaus umzusteigen.

Passivhaus bauen – die wichtigsten Vorteile

Das Passivhaus lohnt sich nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch. Im Folgenden erfährst du, unter welchen Umständen du ein Passivhaus bauen solltest und welche Vorteile das für dich und deine Umwelt bringt.

Extreme Einsparungen bei Energiekosten möglich

Der größte Vorteil, den ein Passivhaus bietet, ist die enorme Einsparung bei den Energiekosten. Ein Gebäude, das nach Passivhaus-Standards errichtet wurde, benötigt 80 bis 90 Prozent weniger Heizwärme als ein Haus, das nach konventioneller Bauart errichtet wurde. Der kleine Rest an zusätzlicher Wärme, die unter Umständen zugeführt werden muss, stammt in der Regel aus energieeffizienten Luft-Wärmepumpen. Normalerweise ist nicht einmal im Winter eine zusätzliche Heizung erforderlich, um ein angenehmes Wohnklima zu erhalten. Durch eine hochwertig ausgeführte Vollwärmedämmung, dreifach verglaste Fenster und eine Bauweise ohne Undichtheiten werden Wärmeverluste durch Wände, Fenster und Türen vermieden.

Die Isolation wird mit dem sogenannten Blower-Door-Test ermittelt und sichergestellt. Eventuell vorhandene Wärmepumpen und Solaranlagen werden zudem ausschließlich mit elektrischer Energie betrieben. Ein weiterer Vorteil des Pasivhauses ist also, dass du völlig unabhängig von sämtlichen Brennstoffen wie Öl, Gas, Holz oder Pellets bist.

Nachteile eines Passivhauses

Die enormen Vorteile eines Passivhauses entstehen nur bei optimalem Nutzerverhalten. Werden nutzerbedingte Fehler gemacht, geht der Vorteil in einen Nachteil über. Häufig sind die Energiekosten dann sogar höher als bei Niedrigenergiehäusern. Wer glaubt, dass nur Idioten nutzerbedingte Fehler machen, irrt. Selbst das kurze Stoßlüften sorgt für dermaßen große Wärmeverluste, dass dein Energiebedarf rapide in die Höhe steigt.

Für nähere Details zu den Nachteilen informiere dich bei einen der zertifizierten Passivhaus-Architekten des Landes:

Passivhaus bauen

Ein Passivhaus verbraucht bei optimaler Nutzung etwa 80 bis 90 Prozent weniger Heizenergie. Foto: Adobe Stock; (c) Frank Boston

Gutes Klima auch im Sommer

Das Passivhaus-Prinzip funktioniert auch im Sommer – allerdings genau umgekehrt. Durch die perfekte Wärmedämmung wird ein Aufheizen der Räume vermieden. Die Voraussetzung hierfür ist, dass du Fenster und Jalousien geschlossen hältst. Das Passivhaus verfügt über ein intelligentes Belüftungssystem, weshalb stickige Raumluft im Sommer trotz geschlossener Fenster der Vergangenheit angehört. Es lohnt sich also durchaus auch in warmen Ländern, ein Passivhaus bauen zu lassen.

Zum Lüften kein Öffnen der Fenster notwendig

Eine gute Nachricht für alle Allergiker: Wer Frische Luft braucht, muss ab sofort keine Fenster mehr öffnen. Im Passivhaus erfolgt eine sogenannte kontrollierte Wohnraumbelüftung über die angeschlossene Luft-Wärmepumpe. Diese sorgt zugleich dafür, dass die Luft gefiltert und vorgewärmt wird, sodass trotz ständiger Frischluftzufuhr kein Abfall der Raumtemperaturen stattfindet. Auf diese Weise bleiben nicht nur der Straßenlärm, sondern auch Pollen und Schadstoffe vor der Tür. Wer trotzdem nicht auf das morgendliche Lüften verzichten möchte, kann dies natürlich trotzdem tun. Auch in einem Passivhaus lassen sich die Fenster ganz normal öffnen. Allerdings geht dieses Nutzungsverhalten mit enormen Energiekosten einher.

Gesundes Wohnklima durch niedrige Luftfeuchtigkeit

Durch die kontrollierte Wohnraumbelüftung herrscht stets eine niedrige Luftfeuchtigkeit. Das Risiko für Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung ist daher minimal. Verirrten sich doch einmal Schimmelsporen in die Räumlichkeiten, eliminiert das Belüftungssystem diese sofort.

Warmwasser und Heizung im Passivhaus

Falls du doch einmal zusätzliche Heizenergie benötigst, stammt diese in der Regel aus einer Luft-Wärmepumpe. Diese bezieht ihre Energie aus der Umgebungsluft und gibt sie über einen Plattenwärmeüberträger an die Innenräume ab. Warmwasser zum Duschen, Baden und für den Haushalt wird über eine Solarthermie-Anlage bereitet. Die Energie der Sonnenstrahlung wird hierbei von einem Trägermedium absorbiert und wiederum über einen Wärmetauscher zur Erwärmung des Brauchwassers genutzt. Sowohl zum Heizen als auch für die Warmwasserbereitung nutzt das Passivhaus also regenerative Energien.

Wo kommt der Strom für die Wärmepumpe her?

Der Strom für den Betrieb der Wärmepumpe wird im Normalfall zugekauft und ist damit die einzige externe Energiequelle. Einer der wichtigsten Vorteile dieser Bauform ist jedoch, dass selbst die für die Wärmepumpe benötigte elektrische Energie in vielen Fällen selbst produziert werden kann – und zwar mithilfe einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Je nach Dachform, Dachfläche und Größe der Anlage kannst du hierbei sogar über deinen eigenen Bedarf hinaus produzieren.

Das bedeutet, dass du überschüssigen Strom nach Absprache mit deinem örtlichen Anbieter ins Netz einspeisen kannst. Da du hierfür eine entsprechende Vergütung erhälst, kannst du mit deinem Passivhaus sogar Geld verdienen.

Passivhaus Kosten: Das erwartet dich

Je nach Ausstattung betragen die Kosten für ein Passivhaus rund 1.400 Euro pro m² Wohnfläche. Allerdings amortisiert sich ein Passivhaus aufgrund der niedrigen Energiekosten (bei richtigem Nutzungsverhalten!) nach einiger Zeit wieder. Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahre 2011 tritt eine Amortisierung von Passivhäusern nach zirka 20 Jahren ein. Wenn du überschüssigen Strom ins Netz einspeisen kannst, geht die Amortisierung unter Umständen etwas schneller.

Wer baut ein Passivhaus?

Hierfindest du eine kleine Liste an bekannten Anbietern und Herstellern von Passivhäusern:

Haas-Fertigbau

Die Haas Group gehört mit über 3000 Mitarbeiter zu Europas zuverlässigsten Unternehmen im Bereich Bauen & Wohnen. Ein Teil der Haas Group, nämlich die Haas-Fertigbau, produziert in Österreich am Standort Großwilfersdorf in der Steiermark unter anderem auch Passivhäuser nach deinen Vorstellungen.

Anbieter Details: Haas-Fertigbau, 8363 Großwilfersdorf

A. Berger Zimmerei und Holzbau

Bei Berger Zimmerei und Holzbau erhält man flexibel gestaltbare Fertighäuser nach möglichst ökologischen Grundsätzen. Auch Passivhäuser sind seit geraumer Zeit im Repertoire der Salzburger Firma zu finden.

Anbieter Details: Berger, 5400 Hallein

Erler

Erler ist Mitglied des Netzwerk Passivhaus und damit der perfekte Partner für die Planung eines Passivhauses in Massivholzbauweise.

Anbieter Details: Erler, 6293 Tux

Lumar

Fertighäuser von Lumar gibt es bei Bedarf ebenfalls als Passivhaus. Mit eingeblasener Zellulosedämmung in die Tragholzkonstruktion sorgt Lumar für eine gute thermische Stabilität und Schutz vor sommerlicher Überhitzung.

Anbieter Details: Lumar, 2351 Wiener Neudorf

Hartl Haus

Hartl Haus ist der älteste, österreichische Fertighaushersteller. Auch die Produktion von Passivhaus-Fertighäusern in ökologischer Holzrahmenbauweise gehört zum Produktportfolio von Hartl Haus.

Anbieter Details: Hartl Haus, 3903 Echsenbach



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