Gefährliche Kinderkrankheiten: Alles zu Masern, Mumps uvm. - HEROLD.at

Gefährliche Kinderkrankheiten: Alles zu Masern, Mumps uvm.

gefährliche Kinderkrankheiten

Kinderkrankheiten können gefährlich sein. Foto: Adobe Stock, (c) antic

Kinderkrankheiten sind manchmal alles andere als bloßer Kinderkram. Denn einige dieser Infektionen, die mit harmlosen Symptomen wie einem Schnupfen oder Hautausschlag beginnen, können mit ernsten Folgen wie einer Lungenentzündung, einem Hirnschaden oder sogar dem Tod enden. Wie man solchen Komplikationen vorbeugen kann? Oft durch entsprechende Impfungen. Hier eine kleine Entscheidungshilfe für Eltern, die überlegen: Soll ich meine Kinder die Krankheiten durchmachen oder sie lieber impfen lassen?

Welche Krankheiten sind Kinderkrankheiten?

Als Kinderkrankheiten bezeichnet man virale oder bakterielle Infektionen mit hoher Durchseuchungsrate (Verbreitung einer Infektionskrankheit in einem Gebiet) und Übertragungsfähigkeit, die vorwiegend im Kindesalter auftreten. Was nicht heißt, dass man Röteln, Feuchtblattern und Co. nicht auch noch im Erwachsenenalter haben kann, wenn man sie als Kind nicht durchgemacht hat oder nicht dagegen geimpft wurde.

Von Viren verursachte Kinderkrankheiten 

Nun wird aber nicht jede Infektionskrankheit, die im Kindesalter vorkommt, gleich als Kinderkrankheit bezeichnet, sondern hauptsächlich Virusinfektionen wie

  • das vom humanen Herpesvirus Typ 6 (HHV-6) oder Typ 7 (HHV-7) ausgelöste Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum, Drei-Tage-Exanthem): hohes Fieber, ev. Fieberkrämpfe, feinfleckiger Ausschlag (Rumpf, Nacken).
  • die vom Masern-Virus (Morbillivirus) verursachten Masern (Morbilli): zuerst erhöhte Temperatur und Erkältungszeichen, oft kleine weißliche Flecken in den Wangentaschen, später hohes Fieber und ein hinter den Ohren und im Gesicht beginnender, typischer Hautausschlag, der sich auf den ganzen Körper ausbreitet und in der gleichen Reihenfolge verblasst wie er gekommen ist.
  • der vom Mumps-Virus hervorgerufene Mumps (Parotitis epidemica, Salvitis epidemica, Rubula infans, Ziegenpeter, Bauernwetzel, Tölpel): Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur, Kopf-, Hals- und Ohrenschmerzen, dann ein Anschwellen der Ohrspeicheldrüsen (dicke Wangen, Schmerzen beim Kauen/Mund öffnen).
  • die vom Poliomyelitis-Virus (Polio-Virus) ausgelöste Kinderlähmung (Poliomyelitis, Polio, Heine-Medin-Krankheit): meist Fieber, Schluckbeschwerden, Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal Durchfall und Erbrechen, selten eine Hirnhautentzündung oder Lähmungen.
  • die vom Parvovirus B19 verursachten Ringelröteln (Erythema infectiosum, fünfte Krankheit): Erkältungszeichen oder ein ring- oder girlandenförmiger Hautausschlag.
  • durch vom Röteln-Virus (Rubellavirus) hervorgerufene Röteln (Rubella, Rubeola): ev. Zeichen eines Atemwegsinfekts, dann eine Gesichtsrötung, ein blass rosaroter, im Gesicht beginnender und sich rasch über Rumpf und Gliedmaßen ausbreitender Hautausschlag sowie Lymphknotenschwellungen, vor allem im Nacken und hinter den Ohren.
  • die vom Varizella-Zoster-Virus ausgelösten Windpocken (Feuchtblattern, Varizellen): Fieber und ein stark juckender, bläschenförmiger Ausschlag, wobei verschiedene Stadien (Flecken, Bläschen, Pusteln, Krusten) gleichzeitig nebeneinander bestehen (“Sternenhimmel“).

Von Bakterien verursachte Kinderkrankheiten 

Einige Kinderkrankheiten kommen durch Bakterien zustande, wie

  • die vom Corynebacterium diphtheriae (oder gelegentlich Corynebacterium ulcerans oder Corynebacterium pseudotuberculosis) verursachte Diphtherie: Fieber, Schluckbeschwerden, weißlich-dicke, süßlich-übelriechende, beim Abstreifen blutende, entzündliche Beläge im Nasen-Rachen-Raum, Heiserkeit, Husten bis hin zu Atemnot.
  • der von A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes) hervorgerufene Scharlach (Scarlatina): samtartiger Hautausschlag, eine eitrige Halsentzündung und hohes Fieber.
  • der vom Bakterium Bordetella pertussis ausgelöste Keuchhusten (Pertussis): über Wochen bis Monate (“100-Tage-Husten“) andauernde, schwerste, ev. krampfhafte und mit Atemnot oder auch Erbrechen und teilweise typischem Keuchen verbundene Hustenanfälle.

Gegen die Mehrheit der genannten Kinderkrankheiten gibt es eine Impfung. Sie sind also großteils verhinderbar. Wenn man sich bzw. seine Kinder nicht gegen Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken immunisieren lässt, kann allerdings einiges passieren.

Risiko: Diphtherie

Diphtherie ist in unseren Breiten zwar selten geworden, doch kommen Diphtheriebakterien weltweit und zwar v.a. in gemäßigten Klimazonen vor. Die Keime sind deshalb so gefährlich, weil sie das Diphtherietoxin produzieren. Ein Gift, das sich über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt und Organe, v.a. das Herz (Myokarditis, Endokarditis), die Nieren und Nerven (Lähmungen) schädigt, was vor allem bei unzureichender und/oder zu später Behandlung (Antibiotika, Immunglobulin) häufig tödlich endet. Auch hinterlässt die Infektion nach überstandener Krankheit nicht in jedem Fall eine Immunität.

Gefahr: Keuchhusten

Keuchhusten tritt hierzulande zwar selten auf, doch finden sich die ihn auslösenden Bakterien überall auf der Welt. Die Infektion befällt bevorzugt Säuglinge (Hauptansteckungsquelle: infizierte Eltern), da es gegen Pertussis keinen Nestschutz (über den Mutterkuchen übertragene schützende, mütterliche Antikörper) gibt, aber auch Kinder. Infizieren sich – was zunehmend geschieht – Jugendliche oder Erwachsene mit dem Erreger, kann die Erkrankung untypisch verlaufen und deshalb unerkannt bleiben. Auch besteht nach durchgemachter Krankheit nur für rund 10 Jahre Immunität gegen den Keim.

Folgeerscheinungen von Keuchhusten sind Mittelohr- oder Lungenentzündungen (durch zusätzliche Infektionen mit anderen Erregern) oder gar – wenn auch eher selten – infolge einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns eine Pertussis-Enzephalopathie (Hirnschädigung). In umso jüngerem Alter ein Kind Keuchhusten bekommt, desto gefährdeter ist es, als Komplikation einen Atemstillstand mit Todesfolge zu erleiden.

Risiko: Kinderlähmung

Europa, Amerika und Australien gelten dank jahrzehntelanger, konsequenter Impfprogramme als frei von Kinderlähmung. Andere Gebiete der Erde jedoch nicht, obwohl es ein Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war, die Polio bis 2015 weltweit auszurotten.

Die Infektion kann zu einer Hirnhautentzündung und eventuell anschließend zu schweren Rücken-, Nacken- und Muskelschmerzen, bleibenden Lähmungen der Gliedmaßen oder des Zwerchfells (macht künstliche Beatmung nötig), d.h. zu schwerer Invalidität führen.

Jahrzehnte nach Überstehen der Krankheit, die eine lebenslange Immunität hinterlässt, aber nur gegen den Virustyp (Typ I, Typ II oder Typ III), der sie ausgelöst hat, kann es zum sogenannten Post-Polio-Syndrom (PPS) mit Müdigkeit, Atem- und Muskelschwäche oder Muskelschwund kommen.

Gefahr: Masern

Durch eine Impfung kann man Kindern gefährliche Kinderkrankheiten ersparen. Adobe Stock, (c) ulkas

Die sehr ansteckenden Masern hinterlassen zwar eine lebenslange Immunität, doch kann von der Infektion mit den weltweit vorkommenden Viren auch weniger Erwünschtes zurückbleiben. Wie etwa eine Schwäche des Immunsystems für mindestens 6 Wochen, eine BronchitisMittelohr– Lungen– oder Gehirnentzündung, vermutlich auch eine Otosklerose (Verkalkung der Gehörknöchelchen mit nachfolgender Schwerhörigkeit).

Schlimmstenfalls kommt es – wenn auch selten – zu der gefürchteten subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE), einer chronischen, langsam fortschreitenden, tödlich endenden Gehirnentzündung mit zunehmendem körperlichen und geistigen Verfall. Und das umso eher, je jünger Kinder zum Zeitpunkt der Masern-Erkrankung sind.

Risiko: Mumps

Auch der Ziegenpeter verläuft nicht immer harmlos. Denn die Infektion, die vermutlich eine lebenslange Immunität hinterlässt, kann zu bleibenden Hörschäden, einer Bauchspeicheldrüsen-, Gehirn- und Hirnhautentzündung (ev. mit bleibenden Schäden), vereinzelt zu Herzmuskel-, Gelenk- und Nierenentzündungen sowie selten zu einer Eierstock– und – öfter – zu einer Hodenentzündung führen, die schlimmstenfalls eine Zeugungsunfähigkeit bewirkt.

Gefahr: Röteln

Die Kinderkrankheit bedeutet vor allem eine Gefahr in der Schwangerschaft, nämlich für die Leibesfrucht ungeschützter werdender Mütter bis zur 18. (vor allem 1. bis 11.) Schwangerschaftswoche. Den Ungeborenen drohen Augenfehlbildungen, eine Schwerhörigkeit bis Taubheit, Herzfehler, neurologische Schäden und ein Minderwuchs, den Müttern eine Früh- oder Fehlgeburt.

Auch nach der Geburt können bei Kindern rötelninfizierter Mütter eine Schwerhörigkeit, Mikrozephalie (vermindertes Kopfwachstum), Herzmuskel– , Gehirn- und Hirnhautentzündungenauftreten. Später auch Lungenentzündungen, ein Diabetes oder Immundefekte. Sehr selten entwickeln sich zudem Blutgerinnungsstörungen, eine Hirnentzündung oder gar eine schwere progressive (fortschreitende) Röteln-Panenzephalitis (Entzündung des gesamten Gehirns).

Selten ist auch, dass es zu einer zweiten Infektion mit dem Rötelnvirus nach durchgemachter Erkrankung kommt.

Risiko: Windpocken

Die weltweit verbreiteten, hochansteckenden Varizella-Viren bedeuten schon für Ungeborene und Neugeborene ein potentiell tödliches Risiko. Erkrankt nämlich die Mutter in der Schwangerschaft bis zur 21. Schwangerschaftswoche an Windpocken, kann das beim Fetus zu Hautveränderungen, neurologischen Störungen, Augenschäden und Skelettanomalien und besonders fünf Tage vor bis zwei Tage nach der Entbindung zum Tod des Kindes führen.

Erwachsenen droht als Komplikation der Feuchtblattern insbesondere eine Lungenentzündung. Doch kann sich auch eine Entzündung des Kleinhirns inklusive Gleichgewichtsstörungen einstellen. Bei Kindern eine Entzündung des Großhirns mit schlechter Heilungsaussicht oder eine Entzündung der Blutgefäße des Gehirns mit einem Schlaganfall als Folge.

Nach durchgemachter Infektion verbleiben die Viren lebenslang im Nervensystem. Sie können bei Schwächung der Abwehrlage eine Gürtelrose (Herpes Zoster) mit starken Nervenschmerzen hervorrufen.

Impfung oder nicht?

gefährliche Kinderkrankheiten

Adobe Stock, (c) doroguzenda

Angesichts dieser doch recht zahlreichen möglichen, teilweise schwerwiegenden Komplikationen und Folgeschäden von Kinderkrankheiten sollten Erwachsene gut überlegen, ob und wogegen sie ihren Kindern eine Impfung angedeihen lassen wollen. Hier eine kleine Entscheidungshilfe:

Alternative 1: Kinderkrankheiten durchleben

Impfskeptiker argumentieren, dass

  • Infektionen zum Leben gehören und durchgemacht werden sollten, um das Immunsystem zu trainieren.
  • viele Erwachsene eine oder mehrere Kinderkrankheiten komplikationslos überstanden und nur recht harmlose Symptome dabei entwickelt haben.
  • Impfungen nicht in jedem Fall Schutz bieten (“Impfversager“, Nichtansprechen auf eine Impfung), sodass die zu verhindernde Krankheit doch eintritt.
  • Impfungen unerwünschte Nebenwirkungen haben können.
  • bestimmte Impfstoffe krankheitsähnliche Symptome hervorrufen können.
  • Impfungen nur zeitlich begrenzt wirken, also nicht langfristig schützen. Sie müssen daher in bestimmten Abständen aufgefrischt werden – jedes Mal ein Risiko, einen Impfschaden zu erleben.
  • sie fürchten, das kindliche Immunsystem könne durch Mehrfachimpfstoffe (Kombinationsimpfstoffe) belastet oder gar überfordert werden.
  • Impfstoffe problematische Chemikalien (Zusätze beim Herstellungsprozess, zur Wirkungsverstärkung oder Haltbarmachung, z.B. Formaldehyd, Aluminiumsalze, Antibiotika, Thiomersal) enthalten können.
  • Impfungen die Entstehung von Allergien oder anderen Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Autismus) fördern sollen, wofür schlagende wissenschaftliche Beweise allerdings fehlen.

Alternative 2: mittels Impfung Kinderkrankheiten vorbeugen

Impfbefürworter argumentieren, dass

  • sich Komplikationen, Spätfolgen und Todesfälle einer jeden Kinderkrankheit zwar nicht besonders häufig ereignen, aber Schutzimpfungen diese unnötigen Risiken vermeiden.
  • Impfungen sowohl einen Individualschutz (geimpfte Person) als auch einen Schutz für die Gesellschaft darstellen. Weil sie die Verbreitung von Infektionen verhindern (Herdenimmunität). Somit sind sie ein Zeichen der Eigenverantwortung als auch der Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft, in der man lebt. Davon profitieren vor allem Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können (z.B. teilweise in der Schwangerschaft).
  • auch Personen, die eine Infektionskrankheit überstanden haben, nicht zwingend dauerhaft gegen diese Krankheit immun sein müssen.
  • Impfungen die Chance bieten, dass das Immunsystem an einem ungefährlichen Gegner (abgetöteten oder abgeschwächten Keimen) trainiert.
  • Kombinationsimpfungen Schutz gleich gegen mehrere Infektionen bieten. Und trotzdem den Impfling dank der modernen Impfstoffe mit deutlich weniger Impfantigenen (Bestandteile, gegen die schützende Antikörper gebildet werden) konfrontieren als früher sowie ihm einige Nadelstiche ersparen.
  • so lange eine Infektionskrankheit nicht weltweit ausgerottet ist, sie jederzeit in Gebiete, wo sie aktuell nicht vorkommt, wieder eingeschleppt werden kann.
  • Impfungen in der Regel nur recht milde Impfreaktionen hervorrufen (an der Stichstelle Rötung, Schwellung, Schmerz).

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