Hodenkrebs – ist Krebs in den Hoden heilbar?

Hodenkrebs

Hodenkrebs ist ein bösartiger Tumor, der meistens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt. Aber wie wird er behandelt? Foto: Adobe Stock, (c) goodluz

Hodenkrebs ist grundsätzlich eher selten, doch bei jungen Männern die häufigste Tumorart. Die gute Nachricht: er hat – vor allem bei frühzeitiger Erkennung – ausgezeichnete Heilungschancen. Wichtigster Schritt dazu ist ein regelmäßiger Selbstcheck. Wie der abläuft und auf welche Symptome Männer dabei achten sollten, erfährst du hier. Außerdem erklärt HEROLD dir, wie die Behandlung gegen Hodenkrebs aussieht, und wie die Erkrankung in Bezug auf Sexualität und Kinderwunsch zu bewerten ist.

Hodenkrebs – was versteht man darunter?

Hodenkrebs ist ein bösartiger Tumor der männlichen Keimdrüsen, der vorwiegend zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt. Die Hoden erfüllen zwei Aufgaben: die Bildung von Spermien (Samenzellen) und die Produktion männlicher Geschlechtshormone. Daran sind verschiedene Zelltypen beteiligt: Die Keimzellen bilden die Spermien, die Stütz-Zellen sorgen für deren Ernährung und die Leydig-Zellen erzeugen Testosteron. Aus diesen verschiedenartigen Zellen können sich unterschiedliche Krebsarten entwickeln.

Wo entsteht Hodenkrebs?

Meist – zu über 90 Prozent – geht Hodenkrebs von den Keimzellen aus. Daher spricht man auch von Keim­zelltumoren oder germinalen Tumoren. Sie werden in zwei Gruppen unterteilt: einerseits Seminome, die aus samenbildenden Zellen entstehen. Und andererseits Nicht-Seminome, die verschiedene Zelltypen enthalten und ihren Ursprung in embryonalen Keimzellen haben. Dazu gehören etwa das embryonale Karzinom, Chorionkarzinom, Teratom, Teratokarzinom und der Dottersacktumor. Seminome und Nicht-Seminome kommen anteilsmäßig ungefähr gleich häufig vor.

Manche Karzinome entwickeln sich aus dem Stützgewebe der Hoden. Wie z.B. Leydig-Zell- und Sertoli-Zelltumoren. Sie treten vorwiegend bei älteren Männern und Kindern auf. Dann gibt es auch noch Mischtumoren. Und Absiedlungen (Metastasen) anderer Krebsgeschwülste im Hoden. Je nach Art des Tumorgewebes kommen unterschiedliche Therapien bei Hodenkrebs zum Einsatz.

Wie entsteht Hodenkrebs? Mögliche Ursachen

Was genau zur Entstehung von Hodenkrebs führt, ist bislang aber ungeklärt. Doch dürften genetische Faktoren dabei eine Rolle zu spielen. Jedenfalls nimmt sein Vorkommen weltweit zu. Der Grund dafür ist unklar.Die Auslöser von Hodenkrebs, der nicht aus Keimzellen hervorgeht, liegen völlig im Dunkeln. Bei Keimzelltumoren dürfte ihre Entwicklung schon vor der Geburt beginnen. Indem sich beim Embryo fehlerhafte, nicht normal reifende Keimzellen bilden, die zu Vorläufern von Krebszellen entarten.

Letztere dürften durch den Hormonanstieg in der Pubertät aktiviert werden, sodass sie zu bösartigen Tumoren werden. Allerdings ist nicht klar, was genau die Reifung der Keimzellen stört und sie zu Krebs-Vorläuferzellen werden lässt. Wahrscheinlich sind es eine erbliche Veranlagung, Verschiebungen im Hormongleichgewicht, etwa durch einen Östrogenüberschuss, oder eine Entwicklungsstörung, die zu einem Hodenhochstand führt.

Wer bekommt Hodenkrebs? Risikofaktoren

Vermehrt gefährdet, einen Hodenkrebs zu entwickeln sind Männer, die

  • mit einem Hodenhochstand zur Welt kamen.
  • an Hodenkrebs erkrankte enge Verwandte wie Vater oder Bruder haben.
  • bereits einen Hodentumor hatten.
  • unter Fruchtbarkeitsstörungen leiden.
  • eine angeborene Entwicklungsstörung der Harnröhre aufweisen, bei der die Mündung der Harnröhre weiter unten am Glied als normal oder sogar am Damm liegt (Hypospadie). 

Was fördert Hodenkrebs?

Normalerweise entwickeln sich die Hoden in der Bauchhöhle und steigen entweder noch vor der Geburt oder bald danach durch den Leistenkanal hinunter in den Hodensack. Unterbleibt diese Wanderung, spricht man von einem Hodenhochstand, Maldescensus testis oder einer Hodenretention. Ein in der Bauchhöhle oder im Leistenkanal verbliebener Hoden erhöht merklich das Risiko, Hodenkrebs zu entwickeln. Selbst dann, wenn seine Lage operativ korrigiert wurde.

Vermutlich fördert auch eine Hodenatrophie (Schrumpfhoden) die Entstehung von Hodenkrebs. Sie ist z.B. eine Begleiterscheinung des erblich bedingten Klinefelter-Syndroms, dessen Träger ein zusätzliches X-Geschlechtschromosom haben. Oder kann die Folge einer Anabolika-Einnahme, Hodenentzündung oder -verletzung sein. Möglicherweise erhöht auch das Down-Syndrom, eine HIV-Infektion oder eine Körpergröße ab 1,95 Meter das Risiko für Hodenkrebs.

Einen Zusammenhang zwischen Hodenkrebs und sportlichen Belastungen, heißen Bädern oder dem Tragen enger Bekleidung, wie er zuweilen angenommen wird, konnte die Wissenschaft bislang nicht bestätigen.

Hodenkrebs Symptome

Anzeichen für Hodenkrebs

Ein Hodentumor verursacht anfänglich in der Regel kaum Beschwerden. Deshalb wird er auch recht oft länger nicht erkennt. Später ist typisch für Hodenkrebs eine schmerzlose Verhärtung und/oder Schwellung des davon befallenen Hodens. Zusätzlich lässt sich oft ein schmerzloser oder schmerzhafter Knoten am Hoden ertasten. Außerdem können Schmerzen, ein Ziehen oder Schweregefühl im Hoden oder in der Leiste auftreten. Begleitend kann sich wässrige Flüssigkeit um den Hoden ansammeln (Hydrozele). Ähnliche Beschwerden kommen jedoch auch bei gutartigen Erkrankungen wie z.B. einer Nebenhodenentzündung vor. Zu ihrer Abklärung sollte man daher unbedingt einen Uro­logen aufsuchen.

Mit Fortschreiten der Erkrankung kommt es zu einer zunehmenden Vergrößerung des Hodens. Oder durch eine Vergrößerung von Lymphknoten im Bauchraum bedingte Rückenschmerzen. Breiten sich Tumorzellen im Körper aus, können daraus entstandene Metastasen in verschiedenen Organen diverse weitere Beschwerden auslösen. Dazu zählen etwa Atemnot bei Lungenmetastasen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Knochenschmerzen u.a.m.

Handelt es sich um einen ß-HCG- produzierenden Tumor, kann ein Anschwellen oder eine Schmerzhaftigkeit der Brustdrüsen durch dieses Schwangerschaftshormon eintreten.

Hodenkrebs

Bei Hodenkrebs kommt es zu einer Knotenbildung im Hoden. Foto: Adobe Stock, (c) bilderzwerg

Wie sieht Hodenkrebs aus?

Bei Hodenkrebs kommt es zu einer Vergrößerung oder Verhärtung, unregelmäßigen Form und Knotenbildung eines Hodens.

Kann man Hodenkrebs ertasten?

Ja. Und das soll man auch im Rahmen regelmäßiger Selbstuntersuchungen: Einmal im Monat in entspannter Stellung beide Hoden vorsichtig abtasten. Beispielsweise beim Duschen oder Baden, wenn die Haut besonders weich ist. In drei Schritten:

  1. Schritt: Den Hodensack in der geöffneten Hand von unten abgreifen und leicht auf- und ab bewegen, um ein Gefühl für seine Größe und sein Gewicht zu bekommen.
  2. Schritt: Dann den Hodensack mit beiden Handflächen halten und jeden Hoden einzeln sanft zwischen Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger hin und her rollen. Um Unebenheiten oder Knoten aufzuspüren. Normalerweise besitzen die Hoden eine glatte Oberfläche und geben bei leichtem Druck nach. Auch sind sie ungefähr gleich groß. An ihrer Rückseite ist das weiche Gewebe der Nebenhoden zu spüren.
  3. Schritt: Zum Abschluss folgt ein Blick in den Spiegel, um Ausschau nach einer eventuellen Schwellung zu halten.

Fallen beim Selbstcheck Schwellungen, eine Vergrößerung oder Änderung der Festigkeit eines Hodens oder sonstiges Ungewöhnliches auf, ist der baldige Gang zum Arzt angesagt.

Diagnose Hodenkrebs – und jetzt?

Teilweise werden Hodentumore bei der Eignungsuntersuchung für den Militärdienst entdeckt. Oder in intimen Situationen durch eine Partnerin. Jedenfalls sollte zeitlebens jede Veränderung am Hoden einen Mann dazu bewegen, einen Facharzt für Urologie aufzusuchen. Ebenso Brustschwellungen oder -schmerzen.

Wo kann ich Hodenkrebs untersuchen lassen?

Der Urologe führt nach der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) eine klinische Untersuchung mit Abtastung der Hoden durch. Zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Hoden.

Manchmal auch Röntgenaufnahmen bzw. eine Computertomografie des Brust- und Bauchraums sowie des Beckens. Zur Klärung der Frage, ob sich bereits Tumorzellen in anderen Organen angesiedelt haben.

Häufig werden zudem Blutwerte bestimmt, die beim Hodenkarzinom erhöht sein können. Etwa Tumormarker wie z.B. HCG (Humanes Choriongonadotropin), AFP (Alpha-Fetoprotein), (PLAP Plazentare-Alkalische-Phosphatase) oder LDH (Lactatdehydrogenase). Ein Teil der Hodenkarzinome produziert diese speziellen Eiweißstoffe. Doch spielen sie vor allem in der Verlaufskontrolle, etwa bei der Nachsorge von Hodenkrebs, eine Rolle und nicht so sehr in der Diagnostik. Denn normale Werte schließen die Existenz von Hodenkrebs nicht aus. Und zu hohe Blutspiegel beweisen nicht zwangsläufig, dass ein Hodenkarzinom vorhanden ist. So kommen etwa leicht erhöhte AFP-Werte gern bei Rauchern vor. Ein Anstieg des LDH-Spiegels ist auch durch körperliche Anstrengung u.a.m. möglich.

Die Sicherung der Diagnose bei Hodenkrebs erfolgt jedenfalls durch eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) aus dem veränderten Hoden mit anschließender mikroskopischer bzw. histologischer Untersuchung. Bei Bestätigung des Krebsverdachts erfolgt meistens gleich im Anschluss an die Biopsie die Entfernung des erkrankten Hodens.

Die Untersuchungsergebnisse liefern dem Arzt wichtige Hinweise über die Art und Ausbreitung des Hodentumors. Sie ermöglichen somit eine Stadieneinteilung des Tumors und somit die Erstellung eines passenden Behandlungskonzepts.

Hodenkrebs Therapieformen

Therapie der Wahl ist üblicherweise die operative Entfernung des erkrankten Hodens. Die weitere Behandlung richtet sich nach der vorgefundenen Art von Tumor. Also danach, ob ein Seminom oder Nicht-Seminom vorliegt. Und nach der Ausbreitung der Krankheit, d.h. dem Tumorstadium. Je nach Stadium und Gewebebefund kann der Operation eine Chemo- und/oder Strahlentherapie folgen.

Operation bei Hodenkrebs

Im Regelfall erfolgt die vollständige operative Entfernung des vom Krebs befallenen Hodens samt zugehörigem Samenstrang (= Samenleiter + Gefäße) per Leistenschnitt in Vollnarkose. Diesen Eingriff nennen Mediziner Ablatio Testis, Orchiektomie oder Semikastratio. Aus kosmetischen Gründen kann der Urologe auf Wunsch des Erkrankten nach der Ablatio eine Silikonprothese anstelle des entfernten Hodens in den Hodensack einsetzen.

Sind bereits Lymphknoten vom Krebs befallen, werden auch sie herausoperiert. Eine retroperitoneale Lymphadenektomie, d.h. Entfernung von Lymphknoten im Bauchraum, die mitunter noch vor einer Chemotherapie durchgeführt wird, geschieht, weil die Metastasierung von Hodenkrebs fast immer über sie verläuft. Dieser Eingriff ist heikel. Sollten dabei doch die umliegenden Nervenfasern, die für den Samenerguss wichtig sind, nicht beschädigt werden.

Hodenkrebs

Der Hodenkrebs wird in den meisten Fällen operativ entfernt. Foto: Adobe Stock, (c) gpointstudio

Bestehen Unklarheiten hinsichtlich der Frage, ob es sich bei der Veränderung des Hodens tatsächlich um ein Hodenkarzinom handelt, erfolgt zunächst eine Biopsie (Gewebeprobenentnahme), die der Pathologe mittels Schnellschnittuntersuchung unter dem Mikroskop histologisch (feingeweblich) beurteilt. Bestätigt sich dabei der Krebsverdacht, wird die Orchiektomie durchgeführt. Handelt es sich hingegen um eine gutartige Geschwulst, wird meist nur der Tumor entfernt (Hodenteilresektion) und der Rest des Hodens – somit oft teilweise auch seine Funktion – bleibt erhalten.

Bei 95 Prozent aller Männer mit Hodenkrebs tritt dieser nur an einem Hoden auf, doch gibt es ihn auch beidseits. Daher wird oft auch eine Biopsie am scheinbar gesunden Hoden vorgenommen. Um nachzuforschen, ob er Vorstufen der Erkrankung (“testikuläre intraepitheliale Neoplasie“) in sich trägt.

Auch kann unter bestimmten Umständen eine operative Entfernung von Metastasen vor oder nach einer Chemotherapie stattfinden.

Aktive Überwachung bei Hodenkrebs

Befindet sich der Krebs im Frühstadium bzw. beschränkt er sich auf den Hoden, genügt nach der Operation meist eine sogenannte Active Surveillance alias Watchful Waiting, also ein Abwarten und Beobachten. Denn dann besteht nur ein geringes Risiko für einen Lymphknotenbefall und eine Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen). Bei dieser “Wait and See“-Strategie finden lediglich engmaschige Nachsorgekontrollen statt. Solange es keine Anhaltspunkte für ein Rezidiv (Rückfall) gibt.

Strahlentherapie bei Hodenkrebs

Bei der Strahlentherapie werden die Strahlen perkutan (von außen durch die Haut) gezielt auf die von Tumorzellen befallenen Bereiche – also meist Hoden und Bauch – gerichtet. Sie wird – entsprechend der aktuellen europäischen Richtlinien – nur mehr in speziellen Fällen eingesetzt. Etwa bei einem Seminom-Rezidiv unter Active Surveillance.

Seminome, die ihren Altersgipfel um das 37. Lebensjahr haben, sprechen auf eine Radiotherapie an, sodass Bestrahlungen in den Tumorstadien 1 und 2 nahezu immer zur Ausheilung führen. Doch kommt es eher zu Rückfällen als nach einer Chemotherapie.

Bei Nicht-Seminomen wird keine Strahlentherapie eingesetzt, weil sie kaum strahlenempfindlich sind.

Chemotherapie bei Hodenkrebs

Nach der chirurgischen Entfernung des vom Krebs befallenen Hodens kann eine sogenannte adjuvante Chemotherapie zum Einsatz kommen. Sie hat zum Ziel, eventuell noch im Organismus vorhandene, nicht mit bildgebenden Verfahren nachweisbare Tumorzellen abzutöten

Bei bereits erfolgter Metastasierung von Hodenkrebs in andere Organe ist eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie angezeigt, um vor der Operation möglichst viele Tumorzellen zu zerstören.

Die Chemotherapie ist bei Nicht-Seminomen, die vorzugsweise um das 27. Lebensjahr herum auftreten, die Therapie der Wahl, da diese eher zur Metastasierung neigen. Wobei die Zytostatika es nicht immer schaffen, alle im Bauchraum verstreuten Tumorzellen abzutöten. So kann es notwendig werden, im Anschluss an die Chemotherapie Tumorreste operativ zu entfernen.

Bei Seminomen findet eine Chemotherapie meist erst in fortgeschrittenen Stadien bzw. einer großen Tumorausdehnung Einsatz, da diese Gewächse fast immer auf Bestrahlung gut ansprechen.

Krebs am Hoden – wie sind die Heilungschancen?

Je früher der Tumor erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf eine dauerhafte Genesung. Doch hat Hodenkrebs selbst dann noch eine relativ gute Prognose, wenn er sich in fortgeschrittenerem Stadium befindet. Oder wenn sich ein Rezidiv einstellt. Vorausgesetzt, es erfolgen regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen. Sie umfassen

  • eine körperliche Untersuchung,
  • einen Ultraschall des verbliebenen Hodens,
  • eine Blutabnahme zur Bestimmung der Tumormarker und Hormone und
  • bildgebende Verfahren wie ein Lungenröntgen, eine Computer- oder Magnetresonanztomographie zum Nachweis etwaiger Metastasen.

Wobei die Prognose bei Seminomen insgesamt besser ausfällt, weil diese eine geringere Neigung haben zu metastasieren als Nicht-Seminome.

Nur bei einem kleinen Teil aller geheilten Hodenkrebspatienten kommt es innerhalb von 20 Jahren auch am verbliebenen gesunden Hoden zu einem Hodenkarzinom.

Hodenkrebs Stadien

Hodenkarzinome breiten sich zunächst über den Lymphweg aus. Sie bilden Tochtergeschwülste in den Lymphknoten im Nieren-, Becken- und Brustbereich sowie am Halsansatz. Im fortgeschrittenen Stadium gelangen Tumorzellen auch in den Blutkreislauf und damit in den ganzen Körper. So entstehen Tochtergeschwülste in Organen wie der Lunge, den Knochen und im Gehirn, sogenannte Fernmetastasen.

Junger Mann mit Kleinkind auf dem Sofa.

Die Diagnose Hodenkrebs  bedeutet nicht zwangsläufig Unfruchtbarkeit. Für Patienten mit Kinderwunsch gibt es Möglichkeiten. Adobe Stock, (c) Jürgen-Fälchle

Krebs in den Hoden: Was bedeuten die Befunde?

Das Stadium der jeweiligen Krebserkrankung bestimmt der Arzt anhand der erhobenen Befunde. Und klassifiziert den Hodenkrebs nach dem sogenannten TNM-System. Dabei steht T für den Tumor, N für einen Lymphknotenbefall und M für Fernmetastasen. Die Zahlen bezeichnen das Ausmaß der Veränderungen. Eine Null heißt also, es konnte kein Tumor (T0) bzw. Lymphknotenbefall (N0) bzw. keine Metastasenbildung (M0) nachgewiesen werden.

Im Stadium T1 etwa beschränkt sich der Hodenkrebs auf den Hoden und Nebenhoden. Bei T2 ist er ins Gefäß- oder Lymphsystem oder die bindegewebige Hodenhülle eingedrungen, bei T3 in den Samenstrang und bei T4 in den Hodensack. Zusätzlich gibt es eine S-Klassifikation, die sich auf das Vorhandensein von Tumormarkern im Blut (daher: S = Serum) bzw. der Höhe des Blutspiegels dieser Marker bezieht.

Aus dem TNM-System und der S-Klassifikation resultiert eine Tumorstadiengruppierung, die drei Krebsstadien enthält. Kurz zusammengefasst

Stadium 0: nicht-invasive Keimzellneoplasie (GCNIS), N0, M0, S0, also eine Krebsvorstufe

Stadium I: Keine Metastasen nachweisbar (IA: pT1, N0, M0, S0; IB: pT2–4, N0, M0, S0; IS: pT1–4, N0, M0, S–3)

Stadium II: retroperitoneale Lymphknotenmetastasen unterhalb des Zwerchfells (IIA: pT1–4, N1, M0, S0–1; IIB: pT1–4, N2, M0, S0–1; IIC: pT1–4, N3, M0, S0–1)

Stadium III: fortgeschrittene Lymphknotenmetastasierung oder Fernmetastasen (IIIA: pT1–4, N1–3, M1a, S0–1; IIIB: pT1–4, N1–3, M0–1a, S2; IIIC: pT1–4, N1–3, M0–1b, S3)

Wie schnell wächst Hodenkrebs?

Hodentumore können sehr schnell wachsen. Nach europäischen Richtlinien sollte ein Hodenkrebs innerhalb einer Woche nach seiner Entdeckung operiert werden, da er so rasch wächst. Noch bevor er in die Lymphknoten streut, was die Heilungschance reduziert.

Warum ist Hodenkrebs gut heilbar?

Hodenkrebs gehört zu den am besten behandelbaren Karzinomen. Moderne, fachübergreifende Therapien bescheren Hodenkrebs ohne Grenzüberschreitung des Organs eine Heilungsrate von nahezu 100 Prozent. Und eine dramatische Verringerung der Sterblichkeitsrate im metastasierten Stadium. Daraus resultiert: In Österreich stirbt pro Jahr nur einer von 200.000 Männern an Hodenkrebs.

Fruchtbarkeit bei Hodenkrebs

Die meisten Männer mit Hodenkrebs sind nach Ende der Behandlung gesund und können ein völlig normales Leben führen. Im Normalfall übernimmt nach einseitiger Orchiektomie der gesunde Hoden die Funktion des entfernten Hodens. Somit kommt es in der Regel zu keinen unerwünschten Folgen wie Unfruchtbarkeit, Impotenz oder Beeinträchtigung des sexuellen Erlebens.

Im Fall von sehr selten auftretendem beidseitigem Hodenkrebs aber kann die Entfernung beider Hoden erforderlich sein. Dann ist keine Samenzellbildung mehr möglich und der Mann ist unfruchtbar. Doch bietet eine Kryokonservierung, d.h. Einfrieren von zuvor gewonnenem Sperma in einer Spermabank, die Möglichkeit, später durch künstliche Befruchtung eigene Kinder zu haben.

Auch eine Chemo- oder Strahlentherapie kann die Zeugungsfähigkeit – zumindest vorübergehend –  beeinträchtigen, weil dabei die Zahl der befruchtungsfähigen Samenzellen zurückgeht. Außerdem ist es wichtig, während solcher Behandlungen und im ersten Jahr danach auf eine sichere Verhütung zu achten, um keine therapiebedingten Missbildungen bei werdenden Kindern zu riskieren. Um die Chance auf eigene Kinder zu wahren, empfiehlt es sich daher, vor der Therapie eine Samenspende zu machen, die konserviert und später für eine künstliche Befruchtung verwendet wird.

Hodenkrebs & Sexualität

Auch sexuelles Verlangen und Erektionsfähigkeit leiden aufgrund des Testosteronmangels nach dem Eingriff. Letzterer lässt sich durch eine Testosteronersatztherapie aber verhindern. Daher ist eine Messung des Testosteronspiegels vor der ersten Operation wichtig, um bei einem beidseitigen Auftreten von Hodenkrebs normale Hormonspiegel einstellen zu können.

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