Mumps: Symptome, Risiken, Vorbeugung

Mumps

Mumps beginnt meistens mit unspezifischen Beschwerden wie Fieber und Gliederschmerzen. Foto: Adobe Stock, (c) Mediteraneo

Hamsterbacken, Fieber, Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken – so zeigt sich Mumps. Hirnhautentzündung oder Hodenentzündung, auch das kann Mumps. Schon allein wegen solcher möglichen Komplikationen ist es sinnvoll, gegen die Virusinfektion zu impfen. Wie und wann? Das verraten wir hier. Was zu tun ist, wenn die Kinderkrankheit doch ausbricht, auch.

Ursache: wie kommt es zu Mumps?

Auslöser dieser weltweit auftretenden Infektion ist das Mumpsvirus (früher: Paramyxovirus parotitidis). Ein RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviridae, Gattung Rubulavirus, für das der Mensch das einzige Erregerreservoir darstellt.

Nach einer Inkubationszeit von 12 bis 25 Tagen (Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Infektion) kommt es häufig zu den typischen Symptomen (z.B. entzündliche Schwellung der Ohrspeicheldrüsen), doch kann die Krankheit, die meist Kinder unter 15 Jahren heimsucht (daher auch Rubula infans genannt), auch klinisch stumm, d.h. beschwerdefrei (“stille Feiung“) oder erkältungsähnlichen Symptomen verlaufen. Dann ist sie aber genauso ansteckend.

Ausgeschieden werden die hochinfektiösen Mumpsviren im Speichel, Urin, Stuhl und in der Muttermilch. Eintrittspforte ist die Mundschleimhaut. Die Übertragung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion (feinste Speichel- oder Schleimtröpfchen beim Husten, Niesen, oder Sprechen). Seltener per Schmierinfektion, d.h. direkten Körperkontakt (z.B. Küssen) oder – noch seltener – durch mit  Speichel verunreinigte Gegenstände (z.B. Spielsachen, Besteck).

Infizierte sind zwei bis maximal sieben Tage vor Ausbruch der Erkrankung bis maximal zum neunten Tag nach Ausbruch der Erkrankung (am stärksten zwei Tage vor bis vier Tage nach Erkrankungsbeginn) ansteckend. Besonders groß ist die Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen bzw. Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Kindergärten). Vor allem im Winter und Frühling kommt es gern zu Epidemien.

Die Kinderkrankheit hinterlässt in der Regel eine lebenslange Immunität. Nur selten stellen sich Zweiterkrankungen ein.

Symptome: woran erkennt man Mumps?

Mumps (vom engl. mumpish = griesgrämig, verdrießlich bzw. mump = Grimasse wegen des grämlichen Aussehens infolge der Schwellung), umgangssprachlich auch Ziegenpeter, Feifel, Bauernwetzel oder Tölpel (denn das gerundete Gesicht verleiht ein einfältiges Aussehen) genannt, beginnt meist – wie etliche andere Kinderkrankheiten auch – mit unspezifischen Beschwerden wie leichtes Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen.

Innerhalb von etwa einem Tag gesellen sich einseitige Ohrenschmerzen hinzu. Denn die Ohrspeicheldrüse (Parotis) und damit der Bereich um das Ohr schwillt aufgrund der Entzündung der Parotis merkbar an (daher auch die Bezeichnungen Parotitis epidemica oder Salivitis epidemica für die Krankheit), sodass das Ohrläppchen absteht. Häufig kommt es kurz danach zu ähnlichen Veränderungen auf der anderen Seite. Im Extremfall ist die Schwellung so stark, dass die Kieferkante nicht mehr zu erkennen ist und das Antlitz einem Mondgesicht gleicht. Das Öffnen des Mundes wird schmerzhaft. Das Kauen und Schlucken sowie Kopfbewegungen auch.

Die Mündung des Ausführungsgangs der Parotis (Ohrspeicheldrüse) gegenüber dem zweiten oberen Backenzahn ist gerötet. Es können auch Schwellungen anderer Speicheldrüsen (Unterkiefer-, Unterzungenspeicheldrüse) und regionaler Lymphknoten auftreten.

Die Schmerzen klingen nach sechs bis sieben Tagen ab. Das Fieber auch, sofern überhaupt eines vorhanden war. Genauso die Schwellung der Speicheldrüsen. Doch kann der Heilungsprozess auch bis zu 14 Tage dauern.

Bei Kindern erkranken Buben häufiger als Mädchen an der Virusinfektion. Die verläuft bei Kindern recht häufig harmlos. Aber umso schwerer und komplikationsreicher, je älter die daran Erkrankten sind.

In extremen Fällen ist die Schwellung so stark, dass die Kieferkante nicht mehr erkennbar ist. Foto: Adobe Stock, (c) uwimages

Wie der Arzt Mumps diagnostiziert

Das klassische klinische Erscheinungsbild mit der typischen Drüsenschwellung führt den Arzt in der Regel zur richtigen Diagnose. Eventuell bestätigt durch eine Blutuntersuchung zur Bestimmung spezifischer Antikörper, die jedoch meist nicht notwendig ist. Nur in besonderen Fällen erfolgt eine Virusanzucht oder ein Nachweis mumpsspezifischer RNA aus einem Rachenabstrich, aus dem Speichel, Liquor (Gehirnflüssigkeit), Urin oder aus einer Biopsie (entnommene Gewebeprobe). Zudem kann die Serumamylase erhöht sein.

Komplikationen: welche Folgen kann Mumps haben?

Mumps-Viren können auf ihrem Weg durch den Körper verschiedene Organe befallen und dort Entzündungen auslösen wie

  • eine Meningitis (Hirnhautentzündung), erkennbar an Symptomen wie starken Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife, Lichtscheu, Erbrechen, Berührungsempfindlichkeit und Benommenheit. Sie kann bereits eine Woche vor bis zu drei Wochen nach Beginn der Ohrspeicheldrüsenentzündung oder auch allein auftreten.
  • bei Männern eine Orchitis (Hodenentzündung), die etwa drei bis vier Tage andauert und sich durch eine Schwellung und Empfindlichkeit der Hoden mit Schmerzen zeigt. Sie kann, vor allem wenn sie beidseitig auftritt, als Spätfolge eine Sterilität (Unfruchtbarkeit) verursachen.
  • bei älteren Mädchen und jungen Frauen Adnexitis (Eierstockentzündung) mit Schmerzen im Unterleib, die meistens nach einer Woche wieder verschwindet und nicht zur Unfruchtbarkeit führt.
  • eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) mit Erbrechen, Oberbauchschmerzen und fettigen Durchfällen.
  • eine Akustikus-Neuritis (Ohrnervenentzündung) mit ein- oder beidseitiger Innenohrschwerhörigkeit oder gar Taubheit.
  • eine Enzephalitis (Hirnentzündung, selten) mit Benommenheit, Erbrechen, Schwindel und neurologischen Ausfällen (z. B. Lähmungen, Hydrocephalus), die in Ausnahmefällen auch bestehen bleiben.
  • eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung, selten)
  • eine Nephritis (Nierenentzündung, selten).
  • Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung)
  • eine Schwellung der Tränendrüsen und Iritis (Entzündung der Regenbogenhaut) mit Lichtempfindlichkeit sowie ein teilweiser Verlust der Sehfähigkeit (selten).
  • eine Arthritis (Gelenkentzündung, selten).
  • eine Mastitis (Entzündung der Brustdrüsen, selten)

Todesfälle kommen heutzutage so gut wie gar nicht mehr vor, doch werden in der Literatur vereinzelte Fälle chronischer Erkrankungen des Zentralnervensystems beschrieben.

Bei Mumps im ersten Drittel einer Schwangerschaft könnte es vermehrt zu Fehlgeburten kommen. Von einer Schädigung Ungeborener im Sinne einer Mumps-Embryopathie ist allerdings nichts bekannt.

Therapie: wie wird Mumps behandelt?

Da die meisten Symptome von allein verschwinden, reicht oft eine Behandlung – z.B. mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Mitteln – zuhause, sofern keine Komplikationen auftreten. Hilfreich ist beispielsweise

  • Wadenwickel anzulegen, die hohes Fieber reduzieren, aber nur dann angewendet werden sollten, wenn die Gliedmaßen des Kindes warm sind. Ansonsten genügt üblicherweise eine leichte Bettdecke zur richtigen Temperierung.
  • sich körperlich zu schonen.
  • viel zu trinken (am besten mit einem Strohhalm, z.B. Wasser, Tees), doch keine sauren Getränke (z.B. Orangensaft, Kohlensäurehältiges), die den Speicheldrüsen vermehrt Arbeit abverlangen
  • flüssige oder weiche Speisen (z.B. Suppe, Brei) zu verzehren, um die Schluckbeschwerden zu lindern.
  • Kaugummi zu kauen, um das Druckgefühl zu reduzieren.
  • die Ohrspeicheldrüsen warm zu halten, z.B. mit einer Wärmeflasche und einem Schal oder einem Wärmewickel aus mit in warmes Wasser getauchten, dann ausgewrungenen und mit einem Schal befestigten Tüchern.
  • kühlende Wickel mit Topfen oder Essig aufzulegen, wenn der Patient besser darauf anspricht als auf Wärme bzw. bei hohem Fieber.

Bekommt ein an Mumps Erkrankter jedoch einen steifen Hals, wird er schläfrig und teilnahmslos, leidet er an Übelkeit und erbricht, ist umgehend Kontakt mit einem Arzt aufzunehmen. Denn solche Symptome deuten auf eine Hirnhautentzündung hin, ein Notfall, der möglichst schnell diagnostiziert und therapiert gehört.

Bei einer ausgeprägten Gehirn- oder Hodenentzündung ist die Gabe von Kortikosteroiden angezeigt.

Prophylaxe: wie kann man Mumps vorbeugen?

Die Erkrankung und damit auch ihre eventuellen Komplikationen verhindert am besten eine Impfung. Sie ist in Österreich Bestandteil des kostenlosen Impfprogramms für Kinder und wird in Kombination mit der Impfung gegen Masern und gegen Röteln (MMR-Impfstoff) oder auch zusätzlich gegen Windpocken ausgeführt. Der Impfstoff besteht aus abgeschwächten, nicht auf Dritte übertragbaren Mumpsviren. Seine Schutzrate beträgt rund 85 bis 95 Prozent. Seine Schutzdauer dürfte lebenslang anhalten.

Impfversager kommen entweder durch eine nicht fachgerechte Lagerung (außerhalb des Kühlschranks) und damit Inaktivierung des temperaturempfindlichen Impfstoffs zustande oder durch ein Nichtansprechen auf die Impfung (z.

B. bei gleichzeitig bestehenden banalen Infekten), weshalb sie zweimal verabreicht wird.

Seit Einführung der Impfung, d.h. in Österreich seit 1974, kam es zu einem drastischen Rückgang von Mumpsinfektionen. Doch die zunehmende Impfmüdigkeit führt inzwischen international wieder zu einem Anstieg der Erkrankungsfälle.

Wann wird geimpft und wer wird geimpft?

Die erste Teilimpfung gegen die Krankheiten Mumps, Masern und Röteln sollten Kinder ab dem vollendeten 9. Lebensmonat erhalten, die zweite nach drei Monaten, wobei unterbliebene MMR-Impfungen in jedem Lebensalter nachgeholt werden können. Bei Erstimpfung nach dem ersten Lebensjahr sollte die zweite Impfung frühestmöglich, aber in einem Mindestabstand von vier Wochen, erfolgen.

So entstand bei Kindern eine hohe Durchimpfungsrate. Allerdings verlagert sich die Infektion nun auf ungeschützte, d.h. nicht geimpfte Jugendliche und Erwachsene, die für schwere Komplikationen der Erkrankung viel anfälliger sind.

Nach der Immunisierung kann es – wie bei anderen intramuskulär gespritzten Impfungen auch – zu harmlosen lokalen Impfreaktionen wie Rötung, Schmerzen und Schwellungen an der Injektionsstelle sowie zu Fieber kommen. In seltenen Fällen entwickelt sich eine milde Form der Mumpserkrankung, weil es sich um einen abgeschwächten Lebendimpfstoff handelt.

Besonders wichtig ist eine Immunität gegenüber Mumpsviren bei Frauen im gebärfähigen Alter. Daher ist es ratsam, vor einer geplanten Schwangerschaft den Immunstatus (Antikörper) überprüfen zu lassen und gegebenenfalls die Immunisierung nachzuholen. Da es sich jedoch um einen Lebendimpfstoff handelt, sollte die Impfung nicht während oder unmittelbar vor einer Schwangerschaft, sondern im Abstand von mindestens einem Monat (besser: drei Monate) dazu erfolgen.

Säuglinge, deren Mütter bereits Mumps hatten oder dagegen geimpft sind, genießen für einige Monate Schutz vor einer Ansteckung mit Mumps, weil sie über die Plazenta (Mutterkuchen) von ihren Müttern Antikörper gegen die Viren erhalten haben, die sich allerdings mit der Zeit abbauen, sodass dieser “Nestschutz“ verloren geht.

Die Impfung kann auch innerhalb von drei Tagen nach einem erfolgten Kontakt mit einem an Mumps Erkrankten Sinn machen, denn sie bietet die Chance auf eine Unterdrückung des Krankheitsausbruchs.

Säuglinge, deren Mütter bereits Mumps hatten, genießen für einige Monate Schutz vor einer Ansteckung. Foto: Adobe Stock, (c) Mediteraneo

Wer darf nicht geimpft werden?

Eine Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln sollte unterbleiben

  • in der Schwangerschaft
  • wenn Allergien auf Bestandteile des Impfstoffs vorliegen
  • sofern T-Zell-Defekte (fehlerhaften Abwehrzellen) bestehen

Bei einer Allergie gegen Hühnereiweiß, Einnahme von Kortison, Beeinträchtigungen des Immunsystems oder bösartigen Krankheiten gilt es, vor der Impfung mit einem Facharzt Rücksprache zu halten. Bei fieberhaften Erkrankungen heißt es zuwarten, weil der Impferfolg sonst beeinträchtigt sein könnte.

Hier findest du die am besten bewerteten Kinderärzte in deinem Bundesland:



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