Schnellender Finger: wie es zum Fingerschnappen kommt

Schnellender Finger

Der schnellende Finger wird umgangssprachlich auch als Schnappfinger bezeichnet. Foto: Adobe Stock, (c) Wellnhofer Designs

Strecken, beugen, tippen – unermüdlich sind unsere Finger im Einsatz. Kein Wunder, wenn da der eine oder andere davon streikt und ein schnellender Finger wird. Dem ist es in seiner Sehnenscheide zu eng und er kann sich nur noch ruckartig bewegen. Ist es erst einmal so weit, bringt meist nur eine Operation dauerhafte Heilung.

Schnellender Finger – was bedeutet das?

Beim schnellenden Finger handelt es sich um eine Erkrankung der Sehnen, genauer: der Beugesehnen eines oder auch mehrerer Finger. Sehnen bestehen aus bindegewebigen Fasern. Sie verbinden Muskeln mit Knochen. Und verlaufen an besonders stark belasteten Stellen wie z.B. den Fingergelenken in engen Kanälen, den Sehnenscheiden. Diese dünnen Hüllen schützen die Sehnen vor Verschleiß und Verletzungen. Indem sie normalerweise für ein reibungsloses Gleiten der Sehnen bei Bewegungen sorgen.

Die Sehnen einiger Muskeln am Arm gehen bis zu den Fingerspitzen und ermöglichen das Beugen und Strecken der Finger. Straffe Ringbänder befestigen und stabilisieren diejenigen Sehnen der Muskeln, die für das Beugen der Finger zuständig sind, am Knochen. Um zu verhindern, dass sich die Sehnen beim Beugen der Finger vom Knochen lösen. Bei einer Ringbandstenose (Ringbandenge) kommt es infolge einer Verdickung der Sehne und Schwellung des Gleitgewebes zu einer mechanischen Enge im Bereich des Ringbandes. Dies passiert am häufigsten am Grundgelenk an der Handinnenseite.

Was ist ein schnellender Finger?

Schwillt das Ringband über dem Grundglied eines Fingers an oder bilden sich Knoten an einer Beugesehne, kann die Sehne nicht mehr ungehindert in ihrer Sehnenscheide gleiten und “bleibt hängen“. Dieser Zustand wird als schnellender Finger, Digitus saltans, Triggerfinger, Tendovaginitis stenosans oder Tendovaginosis stenosans bezeichnet. Umgangssprachlich auch als Schnappfinger oder Springfinger.

Die Einschnürung der Sehnenscheide führt zu einer Bewegungseinschränkung der betroffenen Sehne. Denn sie muss bei jeder Bewegung des Fingers die Verengung überwinden. Die schnellende Bewegung beim Strecken ist Namensgeber der Erkrankung. Das erschwerte und damit ruckartige Passieren der Verengung verursacht ein schnappendes Gefühl und Geräusch.

Wie entsteht ein schnellender Finger? Ursachen

Ein schnellender Finger kommt durch eine Diskrepanz zwischen der Größe der Beugesehne und der Weite der sie umhüllenden Sehnenscheide zustande. Die entsteht entweder durch eine Verdickung der Fingerbeugesehne oder durch eine entzündlich bedingte, knötchenartige Schwellung der Sehnenscheide. Somit kann die Sehne nicht mehr frei gleiten und schnellt beim Strecken des Fingers ruckartig vor.

Die Verengung der Sehnenscheide eines Fingerbeugers über dem Grundgelenk ist die Folge einer mechanischen Überlastung oder degenerativen Veränderung. Vor allem, wenn eine

  • Zuckerkrankheit,
  • Amyloidose (Ablagerung von Eiweißprodukten),
  • mit Entzündungen einhergehende chronische Krankheit wie z.B. rheumatoide Arthritis oder Gicht,
  • Funktionsbehinderung der Hand durch z.B. ein Karpaltunnelsyndrom oder einen Morbus Dupuytren (Verdickung der Hohlhandfaszie),
  • Ringbandverdickung, ein Ringband- oder Sehnenganglion

vorliegt. Oder – sehr selten – ein Tumor der Sehne, des Bindegewebes oder Knochens.

Was genau die Schwellung und Entzündung auslöst, ist noch nicht vollständig geklärt. Jedenfalls dürften auch eine angeborene Veranlagung und chronische Verletzungen eine Rolle dabei spielen. In Einzelfällen ist der Schnappfinger eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Wie etwa von beim Brustkrebs eingesetzten Aromatase-Hemmern.

Wie zeigt sich ein schnellender Finger? Symptome

Die ersten Zeichen, die einen schnellenden Finger ankündigen, sind oft Schmerzen in der Handfläche und ein Ziehen auf der Außen- oder Innenseite eines Fingers, manchmal mit begleitender Morgensteifigkeit oder einem Spannungsgefühl. Erst später gesellt sich das typische Schnappen hinzu.

Ein schnellender Finger ist nur noch eingeschränkt streckfähig. Besonders morgens oder nach sonstiger längerer Bewegungspause der Hand kommt es beim Strecken des erkrankten Fingers zur typischen schnellenden Bewegung, die als ein schmerzhaftes Schnappen gespürt wird. Das wird beim schnellenden Daumen häufig im Bereich des Daumenendgelenks wahrgenommen.

Bis eines Tages der Finger nur noch gewaltsam mithilfe der gesunden Hand oder auch gar nicht mehr ausgestreckt werden kann. Weil es infolge einer lokalen abakteriellen Entzündung (daher: Tendovaginitis) sowie Reibungen der Sehne zu einer weiteren Schwellung der Sehnenscheide kommt, sodass der erkrankte Finger in Beugestellung fixiert bleibt.

In manchen Fällen von Tendovaginitis stenosans fehlt das klassische Schnappen und es kommt stattdessen zu starken Schmerzen und Schwierigkeiten beim Faustschluss oder auch beim Strecken der Finger, ebenfalls vorwiegend morgens. Zusätzlich kann sich die ganze Hand steif anfühlen.

Welcher Finger wird zum schnellenden Finger?

Prinzipiell kann jeder Finger zum schnellenden Finger werden. Doch ist es am häufigsten der Daumen, der diese krankhafte Veränderung durchmacht. Daher gibt es auch die Bezeichnung “schnellender Daumen“. Die Krankheit kann auch mehrere Finger befallen.

Wer bekommt einen schnellenden Finger?

Die Erkrankung befällt Frauen häufiger als Männer. Und zwar meist im mittleren Alter. Doch ist das praktisch zeitlebens möglich. Sehr selten schon bei Neugeborenen oder Kleinkindern. Besonders häufig kommt ein schnellender Finger zum Beispiel bei Klavierspielern, Sportlern, Handwerkern und Computernutzern vor. Denn ihre Tätigkeiten beinhalten Fehlhaltungen und stereotype Bewegungsabläufe der Finger, die zu kleinen Verletzungen der Sehnen und später zu Entzündungen führen können.

Schnellender Finger

Besonders häufig tritt der schnellende Finger bei Klavierspielern auf. Foto: Adobe Stock, (c) kudosstudio

Schnellender Finger – wie stellt der Arzt die Diagnose?

Oft führt bereits eine klinische Untersuchung anhand des typischen Beschwerdebildes den Arzt zur richtigen Diagnose. Dabei ertastet er im Frühstadium der Erkrankung beim Durchbewegen des Fingers ein Sehnenreiben am Ringband. Oft auch eine Verdickung der Beugesehne direkt oberhalb des Fingerknöchels, denn das Knötchen bewegt sich beim Strecken und Beugen des Fingers mit. Im fortgeschrittenen Stadium beobachtet er das typische Schnappen.

Sonst kann er mittels hochauflösender Ultraschalluntersuchung die Sehne in ihrem Bewegungsablauf betrachten bzw. ein eventuell vorhandenes Ringbandganglion erkennen. Röntgenaufnahmen können folgen, um andere Krankheitsbilder wie etwa Knochenabsplitterungen oder Knochenauswüchse (Osteophyten) als Ursache geschilderter Symptome auszuschließen.

Wer diagnostiziert einen schnellenden Finger?

Die Diagnose des schnellenden oder Schnappfingers fällt in das Aufgabengebiet des Orthopäden. Aber auch dein Hausarzt ist normalerweise in der Lage, die entsprechenden Symptome zu deuten. Er oder sie wird dich in der Folge an einen Facharzt für Orthopädie verweisen.

Schnellender Finger – Behandlung

Gelegentlich führt ein Vermeiden von mechanischen Überlastungen bzw. eine Ruhigstellung des erkrankten Fingers zu einer Besserung. Sonst kommen zunächst entzündungshemmende Salben und Tabletten, Infiltrationen mit Kortison sowie physikalische Maßnahmen (z.B. Kühlung) zum Einsatz. Mit dem Ziel, die verdickte Sehnenscheide zum Abschwellen zu bringen. Solche konservativen Therapien lindern zwar die Beschwerden, doch führen sie nur selten zu einer dauerhaften Heilung.

Schnellenden Finger operieren?

Wenn konservative Maßnahmen versagen oder die Veränderungen schon lange bestehen, ist eine Operation erforderlich, um die Gleitfähigkeit der Sehnenscheide wiederherzustellen. Ebenso bei Diabetikern oder dem Vorliegen mehrerer schnellender Finger.

Wie verläuft die Operation?

Bei dem Eingriff erfolgt eine Durchtrennung der Verengung im Bereich des Ringbandes (Ringbandspaltung), sodass der knotenartig verdickte Teil der Sehne wieder normal gleiten kann. Zusätzlich kann eine Entfernung eines eventuell bestehenden Ringbandganglions entzündeten Sehnengleitgewebes und eine Lösung von Sehnenverwachsungen nötig sein. Die Operation kann in lokaler Leitungsanästhesie erfolgen. Das heißt, die Nerven, die die Hand und Finger versorgen, werden betäubt.

Der Eingriff führt in den meisten Fällen zu einem bleibenden Therapieerfolg. Kommt es doch zu einem Rezidiv, ist dieses auf eine unvollständige Spaltung des Ringbandes oder vermehrte Narbenbildung zurückzuführen.

schnellender Finger Operation

Ein schnellender Finger wird oft mit einem operativen Eingriff behandelt. Foto: Adobe Stock, (c) M.Dörr & M.Frommherz

Welche Risiken birgt die Operation?

Nur selten werden bei dem Eingriff versehentlich Nerven, Gefäße oder Sehnen am Finger geschädigt. Folgen einer Nervenläsion sind ein Taubheitsgefühl und Schmerzen. Hat die Krankheit schon lange bestanden, kann es vorkommen, dass sich der operierte Finger auch nach dem Eingriff nicht mehr vollständig strecken lässt. Weiters können Gelenkentzündungen und schmerzhafte Narben, Infektionen oder Wundheilungsstörungen als Komplikationen auftreten.

Was ist nach der Operation zu beachten?

Kontrollierte Bewegungsübungen stehen gleich nach dem Eingriff auf dem Programm, damit sich die postoperative Schwellung in Grenzen hält und es zu keinen Verwachsungen an der Sehnenscheide kommt. Ratsam ist zudem, die Hand in den ersten Tagen nach der Operation hoch zu lagern. Besteht eine Neigung zur Entwicklung von Schwellungen oder verstärkten Narbenbildung, empfiehlt sich eine Schiene und unterstützende Physiotherapie. Auch Ergotherapie kann sinnvoll sein.

Wichtig ist auch eine gute Narbenpflege, damit diese abheilt und geschmeidig bleibt. Tätigkeiten, die die Hand schwer belasten, sind für etwa zwei Wochen tabu. Auch das Tragen von Ringen an der Hand. Ein Krankenstand in der Dauer von bis zu drei Wochen kann erforderlich sein.

Welche Folgen hat ein unbehandelter schnellender Finger?

Je länger ein schnellender Finger unbehandelt bleibt, desto unbeweglicher wird er. Schließlich stellt sich eine Störung der Nerven- und Gefäßversorgung (sympathische Reflex-Dystrophie) ein. Finger und die Hand sind nicht mehr zu aktiven Bewegungen fähig, was dazu führt, dass selbst einfache, alltägliche Tätigkeiten nur noch mangelhaft, unter Schmerzen oder auch gar nicht mehr möglich sind. Solche Folgen beinträchtigen erheblich die Lebensqualität.

Spezialfall: schnellender Daumen bei Kleinkindern

Ein schnellender Daumen bei Kleinkindern beruht auf einer angeborenen Ringbandstenose. Erkennbar an einer schmerzfreien Beugestellung am Endglied des kindlichen Daumens. Bei diesem Pollex flexus congenitus (angeborener gekrümmter Daumen) ist eine operative Sanierung in Narkose mit Durchtrennung des Ringbandes und eines schräg verlaufenden Bandes über dem Daumengrundglied die Behandlung der Wahl. Denn konservative Therapien gestalten sich bei Kleinkindern meist langwierig und schwierig, das Behandlungsergebnis ungewiss. Der Eingriff sollte in den ersten Lebensjahren erfolgen, damit der Gebrauch des Daumens nicht verlernt wird.

Lässt sich ein schnellender Finger verhindern? Vorbeugung

Höchstens bedingt. Etwa, wenn eine Grunderkrankung der Auslöser für den schnellenden Finger bildet und diese behandelbar ist. Sinnvoll ist sicher auch, einseitige Bewegungen, Fehlbelastungen und zu starke Beanspruchungen der Hände und Finger zu vermeiden, sofern möglich. Regelmäßig praktizierte Fingerübungen können zur Vorbeugung eines schnellenden Fingers dienen bzw. dessen Krankheitsverlauf verzögern.

Da es sich bei der Tendovaginitis stenosans um Überlastungsschäden handelt, sollten Musiker beim Üben an ihrem Instrument unter Anleitung eines Therapeuten sich fingergünstigere Techniken aneignen, um weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen hintanzuhalten.

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