Sehnenscheidenentzündung: Ursachen, Symptome & Verlauf

Sehnenscheidenentzündung

Eine Sehnenscheidenentzündung lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln. Foto: Adobe Stock, (c) Robert Kneschke

Stundenlang am Computer tippen, Klavier oder Tennis spielen, Putzen oder Gärtnern – das und anderes mehr mündet oft in eine Sehnenscheidenentzündung. Eine schmerzhafte Angelegenheit, die sich zwar meist gut behandeln lässt. Doch sind danach vorbeugende Maßnahmen angesagt, soll die Sehnenscheidenentzündung nicht wiederkehren.

Sehnenscheidenentzündung – was ist das?

Sehnen übertragen die Kraft von Muskeln auf Knochen, sodass sich die Gebeine bewegen. An stark beanspruchten Stellen, also meist in Knochennähe, umgibt sie eine Sehnenscheide. In dieser mit Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) gefüllten bindegewebigen Hülle können die Sehnen leichter gleiten. Das bewahrt sie vor übermäßiger Reibung.

Doch kann der Schutzmechanismus vor allem übermäßigen Belastungen nicht immer Paroli bieten. Dann entzündet sich die Sehnenhülle, was sich meist mit ziehenden oder stechenden Schmerzen bemerkbar macht. Diesen Prozess nennt man Sehnenscheidenentzündung, Tendovaginitis, Peritendinitis oder Paratendinitis.

Wo tritt eine Sehnenscheidenentzündung auf?

Grundsätzlich kann sich eine Sehnenscheidenentzündung an jeder Sehne entwickeln, die in einer Sehnenscheide verläuft, tut das aber – vor allem bei laxem Bandapparat und instabilen Handgelenken – besonders häufig an den Händen.

Andere bevorzugte Stellen für Sehnenscheidenentzündungen sind

  • Ellbogen
  • Schultern
  • Knie
  • Sprunggelenke
  • Fersen (Achillessehnen)

Frauen haben häufiger Sehnenscheidenentzündungen als Männer, Menschen ab 50 Jahren öfter als Jüngere. Denn Sehnen werden mit zunehmendem Alter weniger flexibel und weisen mehr Verschleißerscheinungen wie z. B. Mikrorisse auf. Das macht sie anfälliger für Verletzungen.

Wodurch wird eine Sehnenscheidenentzündung ausgelöst?

Ursache einer Sehnenscheidenentzündung ist in erster Linie eine Überbelastung von Sehnen durch anhaltende monotone Bewegungen. Sie führt dazu, dass sich die Sehnen zu stark an der Innenseite der Sehnenscheide reiben. In der Folge kommt es dort zu Reizungen, Abnutzungserscheinungen und kleinen Verletzungen, die die Entstehung einer Entzündung fördern.

Typische Auslöser für Sehnenscheidenentzündungen sind andauernd wiederholte gleichförmige Handgriffe, etwa bei

  • der Ausübung eines Handwerks (z. B. Koch, Friseur, Monteur) oder Arbeit mit der Computertastatur oder -maus (“Mausarm“, Repetitive Strain Injury Syndrom)
  • bestimmten Sportarten wie z. B. Tennis, Golf, Bodenturnen, Klettern, Rudern, Baseball, Basketball oder Hanteltraining, vor allem bei schneller Steigerung von Belastung oder Belastungsdauer.
  • häufigem Musizieren, z. B. mit Gitarre, Geige, Cello oder Klavier
  • Tätigkeiten im Haushalt (z. B. Putzen) oder Garten (z. B. Heckenschneiden)
  • Arbeiten überkopf, mit vibrierenden Werkzeugen (z. B. Bohrmaschine) oder am Fließband
  • selten durchgeführten bzw. ungewohnten Aktivitäten wie z. B. Schleppen schwerer Kisten beim Umzug

Seltenere Auslöser einer Sehnenscheidenentzündung sind Infektionen, v.a. mit Bakterien wie z.B. Mykoplasmen, Chlamydien oder Gonokokken, z. B. nach Stichverletzungen auch Staphylokokken oder Streptokokken. Oder eine Tendovaginitis kommt im Rahmen anderer Erkrankungen wie z .B. einer rheumatoiden Arthritis, Arthrose, Gicht oder eines Diabetes zustande. An den Händen können Verengungen der Ringbänder oder Strecksehnenfächer zu einer Sehnenscheidenentzündung führen.

Die sogenannte Tendovaginitis stenosans de Quervain, die nur an den zum Strecken und Abspreizen des Daumens notwendigen Sehnen auftritt, entsteht häufig bei ungewohnten Belastungen. Sie befällt oft Mütter, die ihr Kind auf dem Arm tragen und dabei mit einer Hand stützen. Denn dann kommt es zu einer starken Beugung des Handgelenks, die die Sehnenscheiden einengt. Daher spricht man auch von einem Mammi-Daumen.

Sehnenscheidenentzündung

Tennis spielen kann eine Sehnenscheidenentzündung verursachen. Foto: Adobe Stock (c) Boggy

Welche Symptome verursacht eine Sehnenscheidenentzündung?

Typisch für eine überlastungsbedingte Sehnenscheidenentzündung sind ziehende oder stechende Schmerzen im Bereich der betroffenen Sehnenscheide, die zu Beginn oft nur bei Bewegungen oder Druckausübung auf die Stelle, später auch schon in Ruhe auftreten. Unbehandelt schreitet die Sehnenscheidenentzündung fort und wird chronisch.

Bei einer bakteriellen Infektion als Ursache der Tendovaginitis kommt es eher zu plötzlich einsetzenden heftigen Schmerzen sowie einer Schwellung, Überwärmung und Rötung der Region. Gesellen sich Fieber und Schüttelfrost hinzu, ist eine rasche Behandlung im Krankenhaus angesagt, denn das spricht für eine Sepsis (Blutvergiftung), die sonst schlimmstenfalls tödlich enden kann.

Zudem kann ein fühl-, oft auch hörbares knirschendes Reibungsgeräusch beim Bewegen der Sehne vorkommen (Tendovaginitis crepitans). Bei chronischen Sehnenscheidenentzündungen auch knotige Sehnenverdickungen. Sie können, sofern sie die Beugesehnen der Finger betreffen, einen schnellenden Finger (Schnappfinger) auslösen.

Knoten & Schwellungen

An den Daumensehnen sind Knoten oft Zeichen einer Tendovaginitis de Quervain. Bei dieser Erkrankung schmerzt die Daumenseite des Handgelenks und das Daumengrundgelenk. Verstärkt bei Bewegungen der Hand zur Kleinfingerseite hin. Etwa beim Öffnen von Dosen, Auswringen von Putzlappen oder Daumenbewegungen. Der Bereich ist berührungsempfindlich Auch kann sich eine schlauchförmige Schwellung am Handgelenk direkt über dem lädierten Sehnenfach bilden. Die Beschwerden können sowohl plötzlich als auch erst allmählich auftreten.

Bei länger anhaltenden Sehnenentzündungen kann sich Kalzium ablagern. Das geschieht häufig im Bereich des Schultergelenks (Kalkschulter) und kann Schmerzen, Steifheit und auslösen, außerdem ein Knacken und Knarren bei Bewegung.

Wie wird eine Sehnenscheidenentzündung festgestellt?

Die Diagnose einer Sehnenscheidenentzündung beruht hauptsächlich auf der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), bei der außer der Dauer der Beschwerden und ihres eventuellen Zusammenhangs mit bestimmten Aktivitäten (z. B. Sport) auch der ausgeübte Beruf und das etwaige Bestehen einer entzündlichen Gelenkserkrankung besonders interessieren.

Und auf der körperlichen Untersuchung, bei der der Arzt nach Rötungen oder Schwellungen im schmerzenden Bereich sucht und prüft, ob Druck oder bestimmte Bewegungen Schmerzen hervorrufen. So weisen etwa Schmerzen beim Finkelsteintest auf eine Tendovaginitis stenosans de Quervain hin. Dabei wird der Daumen in die Handfläche hinein gebeugt, die Finger darübergelegt und das Handgelenk ruckhaft in Richtung Elle bewegt bzw. die Handfläche nach oben gedreht, was normalerweise kaum Beschwerden hervorruft.

Im Zweifelsfall oder auch zum Ausschluss von Veränderungen der Knochen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomographie für Klarheit sorgen. Oder Blutuntersuchungen, wenn der Arzt eine rheumatische Erkrankung oder Infektion als Ursache der Sehnenscheidenentzündung vermutet.

Wie wird eine Sehnenscheidenentzündung behandelt?

Sehnenscheidenentzündung

Bei einer bakteriellen Sehnenscheidenentzündung werden meist Antibiotika verschrieben. Foto: Adobe Stock (c) ironstealth

Eine durch übermäßige Belastung hervorgerufene Sehnenscheidenentzündung kann einen langwierigen Verlauf nehmen. Insgesamt sind die Heilungsaussichten der Erkrankung im Allgemeinen aber gut. Doch gilt es, die Umstände, die zu ihr geführt haben, möglichst zu beseitigen. Bei einer bakteriellen Infektion etwa durch die Gabe von Antibiotika.

Hat eine bestimmte Tätigkeit die Entzündung ausgelöst, sollte man diese meiden. Mindestens so lange, bis die Entzündung abgeklungen ist. Sonst kann die Erkrankung chronisch werden und in schweren Fällen eine Schädigung der Sehnen eintreten. Hierzu ist es notwendig, den betroffenen Körperteil zu schonen. Das kann bei ausgeprägten Symptomen bedeuten, ihn mit einer Bandage, Schiene oder einem Gipsverband zeitweilig ruhigzustellen. Allerdings nicht zu lange, weil sonst die Sehne mit der Sehnenscheide verkleben kann.

Was hilft gegen eine Schwellung?

Gegen Schwellung und Rötung hilft Kühlung, etwa mit kalten Umschlägen, Cool-Packs, kühlenden Traumasalben oder Topfenwickeln. Außerdem abschwellende und antientzündliche Salben. Schmerzen bekämpft man mit sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, die zugleich entzündungshemmend wirken.

Auch zur Anwendung kommen in die Sehnenscheide gespritzte, stark entzündungshemmende Kortisonpräparate und schmerzstillende Lokalanästhetika. Bei langwierigem Verlauf zudem physiotherapeutische Verfahren wie Krankengymnastik, Ultraschall- oder Elektrotherapie sowie Wärmeanwendungen, eventuell auch ergotherapeutische Maßnahmen. Um genug Kraft und Beweglichkeit wiederzuerlangen. Oder auch autologes konditioniertes Plasma, das aus Eigenblut gewonnen wird, reichlich Blutplättchen und Wachstumsfaktoren enthält und so die Selbstheilungskräfte fördert.

Bestehen aber bereits Verengungen der Sehnenscheide und/oder knotige Verdickungen der Sehnen, die die Beweglichkeit des erkrankten Körperteils einschränken, erfordert das eine Operation. Dabei wird – meist ambulant unter örtlicher Betäubung – die verengte Stelle chirurgisch erweitert. So wird etwa bei einer Einengung der Sehnenscheide diese der Länge nach gespalten, damit die Sehne wieder frei gleiten kann.

Wie kann man einer Sehnenscheidenentzündung vorbeugen?

Da oft anhaltende monotone Bewegungen und/oder eine dauerhaft falsche Haltung den Grund für eine Sehnenscheidenentzündung bilden, gilt es, diese zu vermeiden. Und den Arbeitsplatz ergonomisch, d.h. körpergerechter gestalten. Etwa indem viel am Computer arbeitende Menschen eine möglichst flache Tastatur und ein Polster vor der Tastatur sowie eine ergonomisch geformte Maus verwenden sowie die Maus abwechselnd mit der rechten und linken Hand bedienen. Auch hilft es, bei bekannt anfälligen Sehnenscheiden Bandagen ums Handgelenk anzulegen.

Computerfreaks, Musiker, Masseure und andere gefährdete Berufsgruppen sollten darauf achten, Abwechslung in ihre Bewegungsabläufe zu bringen, die Hände zwischendurch immer wieder zu dehnen und zu entspannen sowie öfter Pausen einzulegen. Musiker sollten vor dem eigentlichen Spiel Aufwärmübungen der Hände oder ein lockeres Warmspielen durchführen.

Im Sport ist Aufwärmen und Dehnen unerlässlich. Das macht die Sehnen elastischer und dehnfähiger. Wichtig ist auch die Anwendung der richtigen Technik und Verwendung passender Sportgeräte. Ebenso die korrekte Trainingsdauer und -intensität. So empfiehlt es sich etwa, vor dem Heben schwerer Gewichte zunächst ein leichteres zu nehmen, um den Körper an die richtige Bewegung zu gewöhnen.

Eine Tendovaginitis stenosans de Quervain können Mütter vermeiden, indem sie ihr Baby mit dem ganzen Arm und geradem Handgelenk anheben.

Dehnübungen als Vorbeugung – Beispiele

Müssen die Finger immer wieder Bewegungen in die gleiche Richtung ausführen, nützt es, sie dazwischen in eine andere Richtung zu dehnen und die Finger hin und her zu bewegen.

Überbeanspruchte Hände freuen sich, wenn man sie zwischendurch immer wieder einmal eine kurze Zeit lockerlässt und entspannt oder zusammenfaltet, ein paar Sekunden lang in die andere Richtung gedehnt hält, wieder loslässt und schüttelt.

Auch Schultern kann man vorsorglich dehnen: Sich an eine Wand stellen, einen Arm ausstrecken und Körper in die Gegenrichtung drehen, während man den Arm gedrückt an die Wand hält. Einige Sekunden lang in dieser Position verharren. Das Ganze mit dem anderen Arm wiederholen.

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