Sozialphobie: Ursachen, Anzeichen & Behandlung

Last Updated on: 9th März 2021, 01:02 pm

Sozialphobie
Was ist Sozialphobie und wie wirkt sie sich in Beruf, Privatleben und Beziehung aus? Alle Informationen in unserem Ratgeber. Foto: Adobe Stock, (c) Rawpixel.com

Unter Sozialphobie bzw. sozialer Phobie versteht man eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene aus Angst vor Blamage und negativer Bewertung soziale Kontakte und öffentliche Situationen meiden. Während einige Menschen von Natur aus eher kontaktfreudig und andere eher schüchtern sind, handelt es sich bei sozialer Phobie um eine ernste Störung, die für Sozialphobiker eine große Belastung darstellt. In unserer Übersicht findest du alle Informationen zu Symptomen, Therapie und Auswirkungen der Störung.

Sozialphobie – was ist das?

Die Sozialphobie gehört zu den Angststörungen, also einer Gruppe psychischer Erkrankungen, die sich durch übertriebene Furcht auszeichnen, ohne dass eine echte Bedrohung vorliegen würde. Im Gegensatz zu einer generalisierten Angststörung, bei der Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Zittern und Anspannung ohne konkrete Ursache auftreten können, richtet sich die Angst bei einer Phobie auf einen bestimmten Auslöser (z.B. offene Plätze und Menschenmassen bei Agoraphobie).

Menschen mit sozialer Phobie fürchten sich vor der Bewertung durch andere und davor, ihre Erwartungen nicht erfüllen zu können. Die Vorstellung, in eine peinliche Situation zu geraten, führt zu extremer Hemmung und kann sogar zu völligem sozialen Rückzug und Isolation führen. Generell lässt sich soziale Phobie als Furcht vor dem Kontakt mit anderen Menschen beschreiben, sowie insbesondere Situationen in denen ein Betroffener in das Zentrum der Aufmerksamkeit geraten würde, wie etwa Referate, Vorstellungsgespräche oder auch Dates und private Treffen.

Die soziale Angststörung wurde früher als soziale Neurose bezeichnet, die sich als krankhafte Schüchternheit bemerkbar macht. Erst in den 1980er-Jahren wurde sie in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD) der WHO aufgenommen. Heute wird auch vermehrt die Bezeichnung soziale Angststörung verwendet, um die Erkrankung von normaler Schüchternheit abzugrenzen.

Soziale Phobie zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Schätzungsweise zwischen 2 und 10 Prozent der Bevölkerung sind von sozialen Ängsten betroffen. Hinsichtlich der Intensität der Beschwerden kann es große Unterschiede geben, was genaue Angaben schwierig macht. Betroffene fühlen sich ihrer Angst oft ausgeliefert und nehmen keine Therapie in Anspruch, da auch die Behandlungssituation und das Gespräch mit dem Therapeuten furchteinflößend wirkt. So kann es zu einem chronischen Verlauf und starken Einschränkungen der Lebensqualität kommen.

Darstellung von Party und introvertierter Person die peinlich berührt an der Seite steht.
Soziale Phobie bedeutet für Betroffene oft starken Rückzug und macht eine normale Teilnahme am gesellschaftlichen Leben unmöglich. Foto: Adobe Stock, (c) Good Studio

Wie entsteht eine Sozialphobie? Ursachen

Warum sich eine soziale Phobie entwickelt, ist nicht genau bekannt. Als mögliche Auslöser bzw. begünstigende Umstände gelten Faktoren wie:

  • eine erbliche Veranlagung, da soziale Phobien in bestimmten Familien gehäuft auftreten
  • überbehütendes, kontrollierendes oder zurückweisendes Verhalten der Eltern
  • traumatische Erlebnisse in der Kindheit
  • negative Gedanken, die als Teufelskreis zu einer stärkeren Beschäftigung mit dem eigenen Verhalten führen (Überanalyse)
  • Störungen im Serotonin- und Dopaminsystem (Botenstoffe im Gehirn)
  • Auffälligkeiten im Bereich von Hirnarealen, die mit der Selbstkontrolle und Regulierung von Emotionen zusammenhängen

Wer bekommt eine Sozialphobie?

Die Erkrankung tritt meistens zwischen dem zehnten und 20. Lebensjahr in Erscheinung. Für Kinder ist eine gewisse Zurückgezogenheit und Schüchternheit im Verlauf ihrer Entwicklung jedoch als normal anzusehen, weswegen eine Diagnose meist erst bei stark vermeidendem Verhalten, übertriebenen Ängsten beziehungsweise entsprechendem Leidensdruck möglich ist.

Häufig entwickelt sich die Erkrankung nach einer einprägsamen, traumatischen Erfahrung, wie etwa einem belastenden Lebensereignis (z. B. Tod eines Angehörigen, Trennung) oder Problemen wie Ausgrenzung, Mobbing oder Demütigung in der Schule. Durch ein solches Trauma entwickeln betroffene ein verzerrtes Selbstbild und eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit.

Störungen dieser Art können sich jedoch auch ohne ein konkretes Trauma entwickeln. Häufig leiden etwa sehr perfektionistische und selbstkritische Personen, die zusätzlich großen Wert auf das Urteil anderer legen, an einer sozialen Phobie. Oder Menschen, die über ein geringes Selbstwertgefühl verfügen, sowie Personen mit überhöhten Erwartungen an sich selbst und Katastrophenphantasien bezüglich der Auswirkungen des eigenen Verhaltens (zum Beispiel die Vorstellung einer möglichen Blamage).

Dass Frauen sind von sozialen Angststörungen häufiger betroffen sind als Männer, erklären Experten damit, dass sie sich im Berufsleben noch immer gegenüber dem männlichen Geschlecht beweisen und behaupten müssen. Abgesehen davon sehen sie sich – dank dem von Medien vermittelten Frauenbild – einer strengeren Bewertung hinsichtlich ihres Äußeren ausgesetzt. Dahingegen nehmen Männer seltener Hilfe in Anspruch, da sie eine Therapie fälschlicherweise als Zeichen von Schwäche sehen. Sie scheinen daher in Statistiken seltener auf.

Ängstliche junge Frau sitzt alleine und einsam in einem Cafe.
Menschen mit Sozialphobie haben Furcht vor dem Kontakt mit anderen Menschen. Foto: Adobe Stock, (c) Vladimir

Wie zeigt sich eine Sozialphobie?

Eine soziale Phobie führt dazu, dass die Interaktion mit anderen Menschen von einer übertriebenen Angst und der Sorge vor Versagen, Demütigung und Blamage geprägt ist. Sozialphobiker empfinden Situationen, in denen sie von anderen gemustert, kritisiert oder abgewiesen werden könnten, als sehr belastend, weil sie sie als Bedrohung des eigenen Selbstwertes erleben. Sie haben Angst, vermeintliche Fehler zu machen, sich ungeschickt oder beschämend zu verhalten bzw. in irgendeiner Form negative Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und sie fürchten sich vor Erniedrigung, Demütigung und Kränkung.

Sprechen, Schreiben oder Essen in der Öffentlichkeit ist ihnen oft peinlich und bereitet Unbehagen. Auch das Knüpfen von intimen Beziehungen fällt Betroffenen meist schwer, da das Kennenlernen mit viel engem Kontakt verbunden ist. Da sie fürchten, der Bewertung durch andere ausgesetzt zu sein, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen und auf Ablehnung zu stoßen, meiden sie gesellschaftliche Zusammenkünfte und gehen angstauslösenden Situationen aus dem Weg.

Je nach Intensität der Störung kann diese Vermeidung zunächst nur große bzw. intensive soziale Situationen betreffen, etwa Partys, Vorträge, Arztbesuche und Prüfungen. In weiterer Folge können aber auch alltägliche und vermeintlich harmlose Situationen, wie mit einem Nachbarn zu plaudern oder in einem Restaurant zu bestellen, Angst bereiten.

Welche körperlichen Symptome treten bei Sozialphobie auf?

Angst ist keine rein psychische Angelegenheit, sondern ist mit zahlreichen körperlichen Begleiterscheinungen verbunden. Bei vielen dieser Symptome handelt es sich um unbewusste Reaktionen, die in ihrer ursprünglichen Form der Bewältigung einer Bedrohung dienen. Da die Phobie dazu führt, dass gewöhnliche Situationen fälschlicherweise als lebensbedrohlich bewertet werden, geht diese Reaktion jedoch ins Leere bzw. steigert die peinliche Beklemmung der Betroffenen zusätzlich.

Häufige körperliche Beschwerden, die bei sozialen Phobien auftreten:

  • Hitzewallungen bzw. Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Erröten
  • Übelkeit oder Würgereiz
  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Muskelverspannungen
  • Schwindel
  • Harndrang oder Durchfall
  • Beklemmungsgefühle in der Brust
  • Kopfdruck bzw. Kopfschmerzen
  • flaues Gefühl im Magen
  • Mundtrockenheit

Oft führt die Konzentration auf sich selbst bzw. die körperlichen Beschwerden zu deren Verschlimmerung bis hin zu einer Panikattacke. Auch kognitive Symptome wie Gedankenkreisen, Derealisation (abnorme oder verfremdete Wahrnehmung von Umgebung, Personen und Gegenständen) und Depersonalisation (Selbstentfremdung) können vorkommen.

Der Spotlight-Effekt

Typisch ist auch der sogenannte Spotlight-Effekt. Er bezeichnet die Einbildung, dass andere Menschen einem viel mehr Aufmerksamkeit widmen, als es tatsächlich der Fall ist. Zudem macht Menschen mit sozialer Phobie unruhig, dass man ihnen ihre Angst und Nervosität ansehen könnte, was ihre Phobie oft noch verstärkt. Die Angst vor der Angst ist eine häufige Begleiterscheinung von Phobien. Dadurch kommt es erst recht zu einer Sprechhemmung und häufigen Versprechern. Die Symptome können sich bis hin zu Panikattacken steigern.

Dass ihre Angst unbegründet oder übertrieben ist, wissen viele Soziophobiker, doch hat sie so intensiven Charakter, dass sich die davon Befallenen kaum aus eigener Kraft befreien können. So verharren sie in ununterbrochener Grübelei, negativer Selbstbeobachtung und schmerzhaften Minderwertigkeitsgefühlen. Oft in Kombination mit Verhaltensauffälligkeiten wie Einsilbigkeit und eingeschränkten oder verlangsamten Bewegungen. Sie wollen nicht auffallen und verhalten sich daher unauffällig. Oft wirken sie auf andere ruhig und kompetent, fühlen sich selbst aber klein, hilflos oder verängstigt.

Frau mit sozialen Phobien und Depression hat Furcht in Öffentlichkeit.
Die Auswirkungen der Angststörung können von Herzrasen und Zittern bis hin zu Panikattacken reichen. Foto: Adobe Stock, (c) motortion

Welche Arten von Sozialphobie gibt es?

Wird eine soziale Phobie diagnostiziert, handelt es sich dabei in der Regel um eine generalisierte Sozialphobie. Das bedeutet, dass die Angst vor sozialen Kontakten alle zwischenmenschlichen Situationen betrifft und negativ beeinflusst. In seltenen Fällen kann es auch zu einer spezifischen sozialen Phobie kommen: Darunter versteht man eine Phobie, die sehr konkrete Handlungen betrifft (etwa vor anderen sprechen zu müssen).

Wichtig ist zudem die Unterscheidung der sozialen Phobie und der selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung (ICD F60.6). Bei diesem Störungsbild, auch als ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung bekannt, steht ein grundsätzliches Gefühl der Minderwertigkeit im Zentrum. Die Abgrenzung fällt jedoch häufig schwierig, da das geringe Selbstvertrauen auch in diesem Fall zum Vermeiden sozialer Kontakte führt. Jedoch ist das Unbehagen dabei weniger stark auf sozialen Kontakt beschränkt und tritt häufig schon im frühen Kinder- bzw. Jugendalter in Erscheinung.

Welche Folgen hat eine Sozialphobie?

Die sozialen Einschränkungen durch die Phobie werden nicht nur von Patienten als emotionale Belastung empfunden, sondern wirken sich durch Vermeidung und Isolation negativ auf das gesamte Leben aus. Die möglichen Konsequenzen möchten wir dir hier näher vorstellen.

Neben den Effekten der sozialen Phobie ist dabei auch die Komorbidität erheblich, also das kombinierte Auftreten verschiedener psychischer Erkrankungen. Angststörungen treten nicht nur untereinander häufig in Kombination auf, sondern ebenso in Verbindung mit anderen psychischen Störungen wie Depression. Verschiedene Persönlichkeitsstörungen können das Auftreten von sozialer Phobie begünstigen, darunter etwa die Aufmerksamkeitsstörung ADHS. Auch eine Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen lässt sich vermehrt beobachten, mit denen Betroffene versuchen ihre Symptome zu überdecken („self-medicating“).

Auswirkungen im Beruf

Wer keine Aufmerksamkeit erregen möchte, hat es verständlicherweise schwer, im Verlauf seiner Karriere positiv aufzufallen. Es beginnt mit dem Vorstellungsgespräch, das für Sozialphobiker als Prüfungs- bzw. Bewertungssituation oft als sehr furchteinflößend empfunden wird. Es fällt ihnen schwer sich selbst zu präsentieren und bei kritischen Fragen nicht in Panik zu geraten.

Auch eine erfolgreiche Anstellung ist oft mit Schwierigkeiten verbunden. So haben Menschen mit sozialer Phobie oft Probleme dabei, sich ausreichend einzubringen oder ihre Meinung durchzusetzen. Auch das Umfeld stellt bei ihrer Berufswahl oft eine erhebliche Einschränkung dar: Ein Großraumbüro oder eine stark besetzte Abteilung sind keine ideale Umgebung für Soziophobiker.

Auswirkungen in Beziehungen

Zwar sehnen sich auch Betroffene von sozialer Phobie in der Regel nach Intimität und romantischen Beziehungen, diese mit anderen zu knüpfen ist für sie aber nicht einfach. Schon das Kennenlernen neuer Partner kann ein Problem darstellen, wenn man aufgrund der großen Besucherzahl Lokale wie Bars oder Clubs lieber meidet.

Während einer Beziehung werden Partner mit einer sozialen Phobie oft als still und konfliktscheu erlebt. Oft vermeiden sie es, Probleme anzusprechen, um so keinen Streit auszulösen. Es handelt sich jedoch um keine langfristig effektive Strategie, da Spannungen so oft immer weiter anwachsen, anstatt gemeinsam geklärt zu werden.

Junge Frau in Büro-Setting beim Sprechen mit Kollegen.
Soziale Phobien können überwunden werden, wenn man daran arbeitet. Foto: Adobe Stock, (c) Look!

Was hilft bei Sozialphobie?

Gerade Sozialphobikern fällt es schwer, über Probleme zu reden. Viele halten ihre Ängste für unabänderliche Charaktereigenschaften. Oder sie fürchten, einem beobachtenden, wertenden Therapeuten ausgeliefert zu sein, was genau ihrer Grundangst entspricht. Ebenso behagt es einigen nicht, vielleicht von ihrer Umgebung als psychisch gestört stigmatisiert zu werden.

So kommt es, dass sich viele Menschen mit sozialer Phobie keine fachgerechte Hilfe suchen. Deshalb möchten wir es noch einmal in aller Deutlichkeit sagen: Soziale Phobie ist ein ernste Störung und sollte nicht unbehandelt bleiben! Durch die professionelle Hilfe eines Psychotherapeuten lässt sich eine deutliche Erleichterung erzielen, durch die sich für Betroffene neue Möglichkeiten und Perspektiven ergeben. Anstatt sich zurückzuziehen, ist so ein reichhaltiges und erfülltes Leben mit weniger Sorgen möglich.

Wie wird Sozialphobie erkannt? Diagnose

Bei Verdacht auf eine Angststörung kannst du dich an einen Therapeuten bzw. Psychologen wenden, um eine psychologische Testung durchzuführen. Am Beginn der Diagnostik steht ein Gespräch, in dem das Ausmaß der Phobie ermittelt und gleichzeitig geklärt wird, ob zusätzlich oder stattdessen andere psychische Erkrankungen wie z. B. Depressionen, eine generalisierte Angststörung oder Panikattacken vorliegen. Dabei können Hilfsmittel wie die Soziale-Phobie-Skala oder ein vom Patienten geführtes Angsttagebuch zum Einsatz kommen.

Aufgrund der fließenden Grenzen kann es schwer sein, zwischen Schüchternheit, noch normaler sozialer Gehemmtheit und Sozialphobie zu unterscheiden. Deshalb sollte die Diagnose durch einen Experten erfolgen. Für die folgende Therapie ist es jedoch letztlich nicht zentral, welche Klassifizierung die Störung bekommt. Je nach deinen persönlichen Bedürfnissen lässt sich unabhängig von der Intensität der Beschwerden eine Verbesserung erzielen.

Eindeutige Anzeichen von Sozialphobie

Ein sicheres Anzeichen für die Erkrankung ist, wenn der Patient bestimmte Tätigkeiten alleine furchtlos ausführen kann, in Gegenwart anderer dabei aber Angst erlebt. Die Diagnose soziale Phobie trifft jedenfalls dann zu, wenn ungewöhnlich starke Ängste zu einem verhängnisvollen Vermeidungsverhalten in bestimmten Situationen führen. Das heißt, deine Ängste

  • sind intensiv und bestehen seit mindestens sechs Monaten.
  • betreffen eine oder mehrere gesellschaftliche Situationen und zwar fast immer die gleichen.
  • beruhen auf der Angst vor negativer Bewertung durch andere
  • führen zu Verhaltensänderungen, die auf ein Meiden der Situation(en) abzielen.
  • stehen in keinem Verhältnis zu tatsächlichen Gefahren
  • führen zu starkem Stress oder einer beeinträchtigten Funktionsfähigkeit.
Patienten in Therapie lernt Umgang mit psychischen Störungen.
Psychotherapie ist ein wichtiges Werkzeug bei der erfolgreichen Behandlung von Sozialphobie. Foto: Adobe Stock, (c) Yakobchuk Olena

Wie wird die Sozialphobie behandelt?

Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen ist Psychotherapie ein entscheidendes Werkzeug für die erfolgreiche Behandlung. Eine gute Methode hierfür ist die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie. Sie zielt darauf ab, durch eine Veränderung des Verhaltens auch zugrundeliegende Denkmuster zu verändern. Wichtig für den Therapieerfolg ist dabei vor allem, dass der Sozialphobiker ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Therapeuten hat. Das Gefühl, Vertrauen aufbauen zu können, sollte daher das wichtigste Kriterium bei der Auswahl des Therapeuten sein.

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Kognitive Verhaltenstherapie

Bei dieser Form von Psychotherapie geht es darum, durch Verhaltensexperimente negative Gedankenspiralen bewusst zu machen, sie zu überprüfen und durch angemessene Bewertungen zu ersetzen, um die verzerrte Selbstwahrnehmung zu korrigieren. Damit verbunden ist, gewisse Risiken einzugehen, Fehler und Ablehnung ertragen zu lernen, eventuelle Perfektionsansprüche aufzugeben, sich zu akzeptieren und unabhängiger von der Meinung anderer zu machen.

Im Fall von sozialer Phobie bedeutet das, sich in angsterzeugende Situationen zu begeben, statt sie wie bisher zu meiden. Dabei gilt es, währenddessen auftretende Ängste oder Symptome zuzulassen. Vor allem aber, so lange in der angstauslösenden Situation zu bleiben bzw. sich in ihr zu üben, bis die Furcht abnimmt und die Beschwerden schwinden.

Die kognitive Verhaltenstherapie kann auch im Rahmen einer Gruppentherapie angewendet werden. Oder als Expositionstherapie. Letztere umfasst konkrete Übungen, mit deren Hilfe der Sozialphobiker lernt, gefürchtete Situationen aktiv zu meistern. Dabei erkennt er üblicherweise, dass nichts Schlimmes passiert, wenn er sich – scheinbar oder auch tatsächlich – blamiert oder “aufführt“. Dazu gehören beispielsweise Mittelpunkts-, Ansprech- oder Blamierübungen. Oder auch zu trainieren, Forderungen zu stellen.

Eine solche Mittelpunktsübung besteht etwa darin, sich an einem öffentlichen Ort wie z. B. in einem größeren Geschäft, Verkehrsmittel oder auf der Straße, gegenseitig etwas zuzurufen. Eine Ansprechübung wäre, auf der Straße jemanden nach der Uhrzeit oder dem Weg zu fragen. In einem Supermarkt an der Kasse etwas zurückstellen zu lassen, weil das mitgebrachte Geld nicht reicht, zählt z. B. zu den Blamierübungen.

Antidepressiva

Reicht die psychotherapeutische Behandlung nicht aus oder ist die Störung schon weit fortgeschritten, sodass der Sozialphobiker zum Beispiel das Haus nicht mehr verlässt, können auch vorübergehend Medikamente zum Einsatz kommen. Meist sind es Antidepressiva, die die Stimmung aufhellen und dazu beitragen, die negativen Gedanken zu beherrschen.

Bei akutem Angstanfall können auch Beruhigungsmittel, sogenannte Benzodiazepine, verwendet werden, die aber abhängig machen können und daher höchstens kurzfristig genommen werden sollten. Auch können Benzodiazepine die Erkrankung nicht ursächlich behandeln. Sie dämpfen lediglich die Angst für eine gewisse Zeit.

Weitere Therapieansätze

Unterstützend zu einer Psychotherapie oder medikamentösen Behandlung wirken körperliche Aktivitäten und Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson angstlindernd. Auch lassen sich soziale Kompetenzen mit einem entsprechenden Training verfestigen. Nützlich kann auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit sozialer Phobie sein.

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