Tennisarm: Entstehung, Behandlung und Therapie

Einen Tennisarm bekommt man nicht nur vom Tennisspielen. Es gibt verschiedene Ursachen. Foto: Adobe Stock, (c) shayneppl

Tennisspielen ist nur eine von vielen Möglichkeiten, einen Tennisarm zu bekommen. Er ist vielmehr das Ergebnis chronischer Überlastungen. Und zeigt sich mit Schmerzen an der Außenseite des Ellbogens. Er vergeht oft von allein wieder. Eine frühzeitige Behandlung ist dennoch wichtig, um Folgeschäden zu verhindern.

Tennisarm – was ist das?

Als Tennisarm, Tennisellenbogen, Epicondylitis Humeri lateralis oder Epicondylitis radialis humeri bezeichnet man eine schmerzhafte Entzündung an der Außenseite des Ellbogens. Dort, wo Oberarmknochen (Humerus) und Speiche (Radius) zusammentreffen. Genauer gesagt am Knochenvorsprung des Humerus, an dem die für das Strecken des Handgelenks und der Finger zuständigen Muskeln entspringen.

Die Epicondylitis radialis humeri ist die beim Menschen am häufigsten vorkommende Insertionstendinopathie, sprich: der am häufigsten vorkommende durch Reizung der Sehnenansätze bedingter Schmerzzustand im Übergang von der Sehne zum Knochen. Der Tennisarm gehört zum rheumatischen Formenkreis. Genauer gesagt ist er eine Form von Weichteilrheumatismus, der Muskeln, Sehnen, Schleimbeutel und Bindegewebe befällt. Doch meistens erst ab einem Alter von rund 35 Jahren.

Wie entsteht ein Tennisarm? Ursachen

Die Bezeichnung Tennisarm verrät, wodurch die Erkrankung zustande kommen kann. Doch sind längst nicht alle, die einen Tennisarm entwickeln, Tennisspieler. Auch andere Tätigkeiten, die die an der Außenseite des Ellbogens entspringende Muskelgruppe übermäßig beanspruchen, können zu einem Tennisarm führen.

Allen voran Bewegungen, bei denen die Hand bei gebeugtem Ellenbogen kräftig zugreifen muss. Wie etwa beim Hantieren mit Werkzeug, z. B. mit einem Hammer oder längeren Schneeschaufeln. Besonders gefährdet sind Menschen, die ständig gleichförmige Bewegungsabläufe wiederholen. Zum Beispiel stundenlang mit der Computer-Maus arbeiten, Klavier oder Geige spielen. Weitere die Arme belastende Tätigkeiten sind z. B. Bügeln, Rasenmähen, Putzen, Berufskraftfahren, Bauarbeiten, Hand- und Heimwerken sowie Gärtnern. Abgesehen davon begünstigt eine Schlafhaltung in Seitenlage, mit Verwendung des stark gebeugten Arms als Kopfstütze, die Entstehung eines Tennisarms.

Wahrscheinlich überreizt eine solche Überbeanspruchung das Gewebe, das sich in der Folge entzündet. Und bewirkt eine erhöhte Anspannung beziehungsweise Dauerspannung und Verkürzung der Streckmuskulatur am Unterarm, was wiederum für einen kontinuierlichen Zug auf den Sehnenansatz sorgt. Dadurch entstehen dort Durchblutungsstörungen und Mikrotraumen, winzige Verletzungen in den Sehnen, die Schmerzen über dem Knochenvorsprung an der Außenseite des Ellbogens verursachen.

Auch können die Beschwerden von einer zu schwachen Schultergürtelmuskulatur ausgehen, die zu einer kompensatorischen Überbelastung der Unterarmmuskulatur führt. Ebenso kann eine akute Zerrung, auf die die Muskulatur mit einer Verkürzung reagiert, die Ursache für einen Tennisarm bilden. Oder es verursachen krankhafte Veränderungen der Halswirbelsäule, die reflektorisch eine Muskelverspannung im Unterarm auslösen, einen Tennisarm.

Übrigens: ungünstige, zu Überlastungsschäden führende Bewegungsmuster werden nicht nur beim Tennisspielen oft praktiziert, sondern vor allem auch bei anderen Racketsportarten wie Squash, Badminton, Pádel und Tischtennis, sowie bei Wurfsportarten wie Darts oder Diskuswerfen. Ebenso beim Rudern, Boxen, Segeln, Surfen, Kanusport, Kunstturnen, Bowling, Kegeln und Fechten.

Tennisarm aufgrund von Malerarbeiten

Gleichförmige, monotone Bewegung (z. B. Malerarbeiten) kann einen Tennisarm verursachen. Foto: Adobe Stock, (c) M.Dörr & M.Frommherz

Wie fühlt sich ein Tennisarm an? Symptome

Zu Beginn treten stechende Schmerzen am äußeren Ellenbogen auf. Oft erstmals nach intensiver oder ungewohnter Sportausübung. Meistens aber nach Tätigkeiten wie dem Heben von Lasten, Benützen von schweren Werkzeugen, längerem Arbeiten an Tastatur und Maus oder beim Händeschütteln. Sie können bis in den Unterarm ausstrahlen. Und bilden sich in der Regel wieder zurück, sodass man ihnen oft nicht genug Beachtung schenkt. Doch sind bereits in dieser Anfangsphase die Muskelansätze am Epicondylus radialis des Oberarmknochens druckschmerzhaft. Dieses Symptom weist darauf hin, dass sich ein Tennisarm bildet.

Später nehmen die Schmerzen zu. Und gewisse Bewegungen können nicht mehr schmerzfrei ausgeführt werden. Typisch sind etwa Schmerzen beim Anheben der auf der Tischplatte liegenden Hand oder des Mittelfingers gegen einen Widerstand. In der Folge können sich die Schmerzen auch schon bei banalen Alltagstätigkeiten bemerkbar machen. Etwa, wenn man eine Faust macht, ein Getränk eingießt, eine Tasse anhebt, einen Drehverschluss oder eine Tür öffnen will. Und nach einiger Zeit verspürt man den Schmerz sogar in Ruhe.

Dann gesellt sich eine Schwäche im Handgelenk hinzu, sodass man nicht mehr imstande ist, richtig zuzugreifen. Oft auch Missempfindungen wie z. B. ein Kribbeln.

Die Verspannung der Muskeln ist tastbar. Zudem können sich durch die Entzündung bedingte Schwellungen und Hautrötungen einstellen. Die Schmerzen verschwinden häufig von selbst, können aber auch monatelang anhalten. Da ein Tennisellenbogen die Funktion des Arms und damit die Lebensqualität sehr einschränken kann, ist es wichtig, schon bei leisesten Anzeichen eines Tennisarms einen Arzt aufzusuchen.

Wie erkennt man einen Tennisarm? Diagnose

Die Erhebung der Krankengeschichte und eine klinische Untersuchung führen den Rheumatologen oder Orthopäden zur Erkennung eines Tennisarms. Unter anderem anhand spezieller Tests. So lässt er etwa den Patienten den Arm mit der Handfläche nach unten ausstrecken und die Hand nach oben drücken, während der Arzt von oben dagegen hält. Dadurch kommt es bei einem Tennisellenbogen zu Schmerzen. Auch Druckschmerz an den Sehnenansätzen beim Abtasten ist ein charakteristisches Symptom für einen Tennisarm.

Zudem kann der Arzt Röntgenaufnahmen veranlassen. Die zeigen bei Tennisarm zwar kaum Auffälligkeiten, dienen aber dem Ausschluss anderer Erkrankungen, wie etwa einer Nerveneinklemmung oder Arthrose.

Schmerzen nach längerem Arbeiten mit der Maus können ein Symptom für einen Tennisarm sein. Foto: Adobe Stock, (c) chagin

Wie wird man einen Tennisarm los? Behandlung

Meist lässt sich die Erkrankung konservativ behandeln. Denn die Therapie eines Tennisarms hat zwei Ziele: erstens, den Muskelansatz zu entlasten und zweitens, die Entzündung zu bekämpfen. Um das zu erreichen gilt es zunächst, die den Tennisellbogen auslösenden Tätigkeiten zu vermeiden und den Arm eine Weile zu schonen. Nur bei sehr ausgeprägten Beschwerden bzw. hochakuter Entzündung ist eine komplette Ruhigstellung des Arms nötig. Etwa in Form einer Gipsschiene. Lediglich für einige Tage, um eine Schwächung der Muskulatur zu vermeiden.

Entzündungshemmende Medikamente, üblicherweise nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), bzw. Salben bewirken ein Abklingen der Schmerzen. Ebenso komprimierende Bandagen, die die erkrankte Armpartie schützen und stützen. Begleitet von physikalischen Maßnahmen wie z. B. einer Behandlung mit Kälte zur Eindämmung der Entzündung, Ultraschall- oder Elektrotherapie etc. Auch eine Ergotherapie kann zum Einsatz kommen. Sie dient der Erhaltung beziehungsweise Wiedererlangung von alltäglichen Fertigkeiten.

Bei länger anhaltenden oder sehr starken Beschwerden ist auch eine Injektion von Botulinumtoxin (Botox) in die überbeanspruchten Muskeln eine Therapieoption. Dadurch kommt es zu deren vorübergehenden Lähmung, sodass der Muskelzug am Ansatz abnimmt. Oder der Arzt führt eine Nervenblockade im schmerzenden Bereich durch. Indem er ein Betäubungsmittel um die Nerven spritzt, was deren Weiterleitung von Schmerzreizen unterbricht. Bei heftigen Beschwerden kann er auch Kortisonspritzen verabreichen.

Weitere Ansätze der Therapie

Weitere, allerdings in ihrer Wirksamkeit umstrittene Therapien, die bei einem Tennisarm Anwendung finden, sind neben Akupunktur, Laserbehandlungen Hyaluronsäure- oder Eigenblut-Injektionen:

  • Tennisarm tapen: Aufbringen elastischer Kinesio-Taping Klebebänder zur Stimulierung von Muskelbewegungen und Schmerzverringerung durch Beeinflussung der Rezeptoren
  • extrakorporale Stoßwellentherapie, bei der energiereiche akustische Wellen unter hohem Druck aufs Zielgebiet gerichtet werden
  • Magnetfeldtherapie: Anwendung niederfrequenter pulsierender Magnetfelder
  • pulsierende Signaltherapie, bei der gestörte elektrische Körperströme wiederhergestellt werden,
  • Querfriktionsmassagen, bei denen Reibung quer zu Muskel- und Sehnenübergängen ausgeübt wird, um die Durchblutung und Entkrampfung zu fördern.

Wann muss ein Tennisarm operiert werden?

Meistens heilt eine Epicondylitis lateralis humeri dank einer konservativen Behandlung aus. Andernfalls ist eine Operation in Betracht zu ziehen.

Eine Operation kommt vor allem infrage bei

  • wenn die Symptome sehr hartnäckig sind
  • monatelanger Erfolglosigkeit konservativer Therapieversuche
  • langem Bestehen der Erkrankung
  • häufigen Rückfällen
  • bereits erfolgten Sehnen- oder Muskelabrissen

Sie führt ein Orthopäde oder Unfallchirurg durch.

Wie wird ein Tennisarm operiert?

Zur Auswahl stehen Verfahren wie die

  • Tendotomie nach Hohmann, ein querer Einschnitt in die Sehne am Muskelursprung
  • Denervation nach Wilhelm, eine Verödung der Nerven im lädierten Bereich
  • Tendotomie nach Goldie, Längseinschnitte in die erkrankte Sehne

Eine teilweise Durchtrennung der Sehne verringert den Muskelzug, entlastet also das Gewebe. Die Nervenverödung verhindert die Weiterleitung von Schmerzimpulsen. Auch eine Kombination aus beiden Methoden kann zum Einsatz kommen.

Was geschieht nach der Operation?

Zunächst erfolgt eine Ruhigstellung des Arms bis zur Wundheilung. Dann so bald wie möglich eine Physiotherapie zur Muskelkräftigung. Sportliche Betätigungen sind frühestens acht Wochen nach dem Eingriff möglich. Die Rehabilitation nach der Operation kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Was kann ich selbst tun?

Als unterstützende Behandlung für den Tennisarm infrage kommt:

  • das Auflegen eines Eisbeutels für maximal eine halbe Stunde, aber nicht direkt auf die Haut, sondern auf ein Tuch.
  • den Arm zu schonen und schmerzende Bewegungen zu vermeiden.
  • vor Belastung den Tennisarm tapen.
  • die Muskeln zu dehnen, mit von einem Physiotherapeuten empfohlenen Übungen.
  • ein Anbringen von Umschlägen mit Topfen.
  • das Eincremen mit wärmenden Salben, die z. B. entzündungshemmende Teufelskralle, entspannendes Rosmarinöl und schmerzlindernden Capsicum-Extrakt (Paprika) enthalten.
  • eine im Sanitätshaus erhältliche Epicondylitisspange (= Druckbandage) anzulegen. Zur Entlastung und Schonung der Muskelansätze bei gleichzeitigem Erhalt der Beweglichkeit. Sie massiert das Gewebe bei Bewegung und regt die Durchblutung an, löst dadurch Verspannungen und baut Schwellungen ab.

Außerdem ist es sinnvoll, Sportgeräte beziehungsweise die bei der Sportausübung angewandte Technik von Fachleuten überprüfen zu lassen.

Was passiert, wenn ein Tennisarm unbehandelt bleibt? Prognose

Vor allem, wenn bis zur völligen Ausheilung der Erkrankung nicht auf die Belastung verzichtet wird, die sie ausgelöst hat (z. B. weitere Sportausübung), kann die Entzündung chronisch werden. Denn diese führt mit der Zeit zu Veränderungen im Gewebe wie z. B. Verknöcherungen im Bereich des Sehnenansatzes. Die nicht mehr rückbildungsfähige Überreizung von Muskel- und Sehnenansatz kann diesen so schwächen, dass ein Muskelabriss geschieht.

Tennisarm vom Tennis spielen

Die richtige Schlagtechnik ist beim Tennis essentiell, um einen Tennisarm zu vermeiden. Foto: Adobe Stock, (c) Maridav

Wie kann ich einen Tennisarm vermeiden? Vorbeugung

Tennisspieler tun gut daran, anhand einer exakten Analyse der Schlag-, Wurf- und Grifftechnik eine korrekte Schlagtechnik (Rückhand!) zu erlernen und einen gut bespannten, flexiblen, leichten, nicht zu kopflastigen Schläger zu verwenden. Gab es bereits einen Tennisarm, empfiehlt sich ein gezielter, langsamer Trainingsaufbau mit richtiger Schlagtechnik, um Rückfällen vorzubeugen. Inklusive gezielter Aufwärm- und Kräftigungsübungen. Wenn erforderlich, auch ein Schlägerwechsel. Richtige Technik, richtige Ausrüstung und richtige Trainingsintensität (kein Übertreiben bei der Sportausübung) bilden auch bei anderen Sportarten ein gutes Rezept gegen die Entwicklung eines Tennisellbogens.

Da ein Tennisellebogen jedoch nicht nur durch sportliche Betätigung zustande kommt, ist es am besten, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, wie zum Beispiel:

  • zwischendurch die Hände locker zu lassen und auszuschütteln.
  • die Muskulatur mit Training gezielt zu kräftigen.
  • ergonomische Arbeitsbedingungen zu schaffen, die ein weitgehend komfortables Arbeiten ermöglichen.
  • generell Über- und Fehlbelastungen zu vermeiden, etwa durch regelmäßige Pausen.

Selteneres Gegenstück: Golferarm

Ein Tennisarm kommt durch Überbeanspruchung der Handgelenk- und Fingergelenkstreckmuskulatur an deren Sehnenansatz am äußeren Oberarmhöcker (Epicondylus humeri lateralis) zustande. Hingegen der Golferarm alias Golferell(en)bogen durch Überbelastung der Handgelenk- und Fingergelenkbeugemuskulatur an deren Sehnenansatz am inneren Oberarmhöcker (Epicondylus humeri medialis). Weshalb er auch als mediale Epikondylopathie, Epicondylitis humeri medialis oder Epicondylitis ulnaris humeri bezeichnet wird.

Doch kommt der Golferellenbogen nicht nur bei Golfern vor. Sondern auch bei Sportarten wie Baseball, Handball, Diskus- und Speerwerfen, Tennis, Squash, Badminton, Kunstturnen, Ringen, Bodybuilding, Skilanglaufen und Sportklettern. Doch kann er auch Sportmuffel befallen.

Typisch für ihn sind Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens, die in den Unterarm ausstrahlen können. Verbunden mit einem Schwächegefühl und eventuell einer Bewegungseinschränkung.

Diagnose- und Therapie ähneln jener, die auch beim Tennisellenbogen zum Einsatz kommt.

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